Lizza: So haben wir den Ansturm nach „Die Höhle der Löwen“ gemeistert



Am Anfang der Gründung stand ein Foodtruck – inzwischen ist aus der Low Carb Pizza von Lizza eine richtige Erfolgsgeschichte geworden. Im letzten Jahr haben die Gründer mit ihrer Food-Innovation ein rasantes Wachstum hingelegt und nicht zuletzt durch ihren Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ enorm viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Beim Startup Grind Frankfurt am 9. März erzählt Gründer Matthias Kramer mehr über seinen Weg vom Banker zum Pizzabäcker.

Für-Gründer.de: Matthias, unter Pizzateig kann sich eigentlich jeder etwas vorstellen, das Produkt gibt es in jedem Supermarkt zu kaufen. Genau damit startet ihr jetzt gerade sehr erfolgreich durch. Was macht ihr bei Lizza anders?

Matthias Kramer von Lizza: Jeder liebt leckeres Essen, das auch noch schnell und individuell zubereitet werden kann. Mit Lizza setzen wir noch einen drauf, indem wir den Teig aus guten Zutaten wie Leinsamen- und Chiasamen-Mehl machen und damit unvergleichliche Nährwerte bieten können. So gibt es das beliebte Fast Food bei uns in Low Carb, glutenfrei und Bio mit sehr viel Eiweiß und Ballaststoffen.

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Von Bankern zu Bäckern: das Team von Lizza (Bildquelle: Lizza.de).

Für-Gründer.de: …bzw. wer ist eure Konkurrenz im Markt?

Matthias Kramer von Lizza: Wir sind in der tollen Situation, dass wir noch keine direkten Mitbewerber haben, außer ein paar Backmischungen. Diese sehen wir aber nicht als Konkurrenz, da der Zeitaufwand für den Kunden viel höher und die Zutaten meist schlechter sind als bei uns.

Für-Gründer.de: Dein Partner ist BWLer, du warst mal Poker-Profi. Also nicht unbedingt die Profile, die man von Pizza-Bäckern erwartet. Bitte stell euch doch kurz vor und erklär unseren Lesern, wie es dazu kam, dass ihr jetzt veganen Pizzateig verkauft?

Matthias Kramer von Lizza: Marc und ich sind vielseitig interessierte Allrounder und daher schwer auf ein Studium oder eine Profession einzugrenzen. Wir hatten beide schon unabhängig voneinander unsere ersten Start-ups gegründet, mit denen wir viel gelernt haben. Kennengelernt haben wir uns 2012 bei der Deutschen Bank im Innovations-Team und seither den Kontakt gehalten. Aus einer Schnapsidee heraus hatten wir 2014 neben unseren Jobs eine App entwickelt und dabei gemerkt, wie toll wir als Team funktionieren. Voller Vertrauen in uns haben wir uns selbstständig gemacht, um etwas auf die Beine zu stellen.

Wie der Zufall es so wollte, sollte ein Leinsamen-Pizza-Rezept von mir unsere Freunde viel mehr begeistern als jede unserer digitalen Ideen. Wir waren verrückt und naiv genug, um diese Low-Carb Pizza Anfang 2015 auf einigen Wochenmärkten zu testen, bevor wir dann mit erspartem und geliehenem Geld einen Foodtruck gekauft haben, mit dem wir das Produkt rund um Frankfurt verkauften.

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Die Produkte von Lizza sind inzwischen nicht nur online, sondern auch in über 2.000 Supermärkten erhältlich (Bildquelle: Lizza.de).

Für-Gründer.de: Inzwischen verkauft ihr euer Produkt in mehr als 2.000 Supermärkten und beschäftigt über 30 Mitarbeiter. Stichwort Unternehmensprozesse: Wie habt ihr dieses rasante Wachstum in so kurzer Zeit gestemmt?

Matthias Kramer von Lizza: Wir hatten fast ein Jahr lang genau Null Wachstum, da wir das Produkt mittels Markt- und Foodtruckverkauf getestet, optimiert und unsere Zielgruppe kennengelernt haben. In der Zeit haben wir sehr viel über uns und den Markt gelernt und erste wichtige Kontakte geknüpft. Diese Reifezeit hat sich dann total bezahlt gemacht, als wir Anfang 2016 den Online-Shop gestartet und mit unseren ersten Mitarbeitern unglaubliche Glücksgriffe gemacht haben. Wir sind beide sehr analytische Typen und haben wahnsinnig viel Zeit in die Planung des erhofften Wachstums gesteckt und hatten dann das Glück, dass insbesondere der Presserummel zum Wachstum beigetragen hat. Wir haben nie an guten Systemen gespart und sind sehr froh, dass wir nun einige Anwendungen haben, die gut skalieren. Bei anderen sind wir aber noch nicht gut aufgestellt, wie z.B. dem Warenwirtschaftssystem. Hier ist noch viel menschlicher Aufwand und Excel nötig.

Für-Gründer.de: Ein kleiner Tipp an andere Gründer: Wie schafft man es eigentlich mit seinem Produkt ins Supermarktregal?

Matthias Kramer von Lizza:

Es ist wichtig, dass man sich nicht unterkriegen lässt von Absagen. Jeder Marktleiter hat Zehntausende von Produkten und ist nicht zwingend heiß darauf, neue unbekannte Dinge aufzunehmen, die womöglich verstauben.

Wir haben auf wenigen Seiten die Vorteile von Lizza attraktiv zusammengefasst und unsere Erfolge im Online-Shop aufzeigen können. Ohne diesen Kundenzuspruch über viele Monate wäre es wohl unmöglich gewesen. Zudem hatten wir sehr früh zwei tolle Mitarbeiter für den Vertrieb eingestellt, die neben Professionalität auch mit Menschlichkeit und frischem Wind viele Einkäufer auf der emotionalen Ebene gewinnen konnten.

Für-Gründer.de: Außerdem setzt ihr auch stark auf lokale Vertriebspartner. Zumindest haben wir in Frankfurt in ein paar Restaurants bereits „Lizza“ auf der Speisekarte entdeckt. Wie seid ihr hier vorgegangen und auf was ist bei solchen Kooperationen besonders zu achten?

Matthias Kramer von Lizza: Wir waren stets sehr aktiv in der Frankfurter Start-up Szene und haben so ein paar tolle Kontakte zu innovativen Restaurants gewinnen können, die uns angeboten hatten, die Lizza auf ihre Karte zu nehmen. Das war für beide Seiten ein großer Erfolg, da auch die Restaurants einige Gäste durch unsere immer stärker werdende Marke gewinnen konnten. Wir haben so gelernt, wie unser gesunder Leinsamen-Teig zukünftig noch besser auf die Gastro abgestimmt werden kann.

Für-Gründer.de: Im letzten Jahr seid ihr mit eurem Produkt bei DHdL zu Gast gewesen und habt Frank Thelen und Carsten Maschmeyer als Investoren gewonnen. Gleichzeitig gab es einen wahren Besucher- und Bestellansturm auf eure Seite. Dazu drei Fragen:

Frage 1: Wie habt ihr von den prominenten Investoren profitiert?

Matthias Kramer von Lizza: Beide sind wahnsinnig sympathisch, engagiert, professionell und haben uns mit ihrem Know-how, ihrem tollen Team und hochrangigen Kontakten enorm weiter geholfen.

Marc und ich sind nicht die Typen, die im täglichen Business überwacht werden wollen und gerne selbstständig arbeiten. Das wird von beiden Investoren absolut respektiert und sogar wertgeschätzt, da wir bei wirklich kniffligen Themen immer von uns aus kommen, um von deren Erfahrung zu profitieren und uns durchaus auch mal dankbar umstimmen lassen.

Frage 2: Würdet ihr es wieder tun? Und warum?

Matthias Kramer von Lizza: Die Lernkurve mit starken Partnern wie unseren drei Investoren (wir haben noch eine dritten aus Zeiten der GmbH-Gründung) ist eine viel steilere und für uns spaßigere. Bei Erfolgen ist die Freude größer, weil mehr davon profitieren und bei Rückschlägen erfahren wir starken Halt. Wir würden es immer wieder tun.

Frage 3: Was ratet ihr anderen Gründern, um auf so einen Besucheransturm, wie es bei euch nach Ausstrahlung der Sendung der Fall war, ausreichend vorbereitet zu sein?

Matthias Kramer von Lizza: Am wichtigsten sind starke Mitarbeiter mit großem Pflicht- und Verantwortungsgefühl, denn das schafft man unmöglich alleine, zu zweit und auch nicht zu dritt. Entsprechend muss man als Gründer auch vertrauen und wichtige Aufgaben abgeben, sobald man gute Prozesse dafür aufgesetzt hat. Bei uns war das Thema Produktions- und Logistikkapazität das kritischste, da wir den Teig selbst produzieren und versenden. Hier muss man ins Risiko gehen mit Investitionen in skalierfähige Infrastruktur oder frühzeitig auslagern. Das ist eine Typsache und auch vom Produkt abhängig – wir fanden für unsere schwer zu verarbeitendes Produkt keinen Partner und haben uns so selbst eingearbeitet, Mitarbeiter geschult und etwas Glück gehabt mit einer tollen Immobilie.

Klar ist, dass auch die Homepage stehen muss. Dafür gibt es aber genug Experten, sodass das primär ein Geldproblem ist – hier darf nicht gespart werden. Ein Ausfall kostet sehr sehr viel Geld bei solch einer Ausstrahlung.

Für den Kundensupport ist eine gute Software wichtig mit möglichst viel automatischen Antworten auf Standardfragen. Wir haben nach der Ausstrahlung innerhalb weniger Monate über 10.000 Mails erhalten.

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Mit ihrem gesunden Pizzateig haben es Lizza in mehr als 2.000 Supermärkte geschafft (Bildquelle: Lizza.de).

Für-Gründer.de: Habt ihr es eigentlich inzwischen geschafft, den Break-Even zu erreichen oder steht eventuell noch eine weitere Finanzierungsrunde ins Haus?

Matthias Kramer von Lizza: Wir schreiben schwarze Zahlen und wachsen aktuell sehr stark durch eigenen Cashflow. Über weitere Investoren würden wir nur nachdenken, wenn damit enormes Know-how käme.

Für-Gründer.de: Auf was sollten Gründer deiner Meinung nach bei der Auswahl von Investoren unbedingt achten?

Matthias Kramer von Lizza: Die Bewertung ist viel unwichtiger als das Gefühl, ob man mit den Investoren gut funktioniert.

„Viel dummes Geld“ bringt oft weniger als „begrenztes, aber schlaues Geld“.

Entsprechend lieber eine niedrigere Bewertung in Kauf nehmen, wenn die neuen Partner dafür gute Verbindungen in den Markt haben und richtig für die Firma fiebern.

Für-Gründer.de: Am 9. März bist du im Fireside Chat beim Startup Grind Frankfurt und wirst über deine Erfahrung als erfolgreicher Entrepreneur sprechen. Wieso sollte man das Event nicht verpassen?

Matthias Kramer von Lizza: Ich möchte sehr ehrliche Einblicke geben und keine „wir sind so toll“-Blendershow aufziehen, wie man es von vielen anderen Start-up-Vorträgen kennt. Wir hatten ein starkes erstes Jahr, aber es gibt noch so viele Baustellen, an die wir ran müssen. Zudem gibt es einige super witzige Storys aus unserer „Hands On“-Historie, die zeigen, wie planlos wir zu Beginn waren und dass Lernbegierde und Leidenschaft oft wichtiger sind als nur Theoriewissen und Erfahrung.

Für-Gründer.de: Matthias, vielen Dank für das Gespräch!

Die Keyfacts von Lizza auf einen Blick:

  • Unser aktuelles Team besteht aus:
    – Marc (Gründer / Head of Sales + Mädchen für alles)
    – Matthias (Gründer / Head of Marketing + Mädchen für alles)
    – Head of Product
    – Qualitätsmanagement
    – 3 x Administration
    – 4 x Vertrieb
    – 5 x Marketing
    – 2 x IT
    – 12 x Produktion
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über:
    Private Darlehen, eigenes Erspartes
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen:
    GmbH Gründung mit Erstgesellschafter
    Kapitalerhöhung durch die Höhle der Löwen
  • Unsere Investoren sind:
    Dr. Alexander Baratta
    Carsten Maschmeyer (seed and speed)
    Frank Thelen (e42)
  • Investoren finden wir gut / schlecht weil:
    Sehr gut, da jeder sich auch strategisch einbringt in unterschiedlichen Gebieten unseres Geschäfts. Viele Kontakte wurden uns vermittelt.
  • Besonders geholfen haben uns bisher:
    Dutzende Freunde, Bekannte und Kollegen sowie unsere Familien
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für uns folgende drei…
    …Menschen: Unmöglich auf drei einzugrenzen
    …Tools: Front, Google Apps for work, Slack
    …Internetseiten: Facebook, Instagram, Google

Du möchtest mehr über Lizza erfahren? Am 9. März ist Matthias Kramer beim Fireside Chat des Startup Grinds Frankfurt zu sehen. Das Startup Grind ist ein Treffpunkt in der Gründerszene für alle, die Kontakte knüpfen, spannende Start-ups kennenlernen oder sich von innovativen Ideen inspirieren lassen wollen.

  • Kontakt

  • Lizza GmbH
  • Goldsteinstrasse 254
    60529 Frankfurt am Main
  • +49 (0)69 247 497 580
  • hallo@lizza.de
  • www.lizza.de