Mit Milchsensoren und Marketingmix von Forschern zu erfolgreichen Gründern



Hochschulausgründungen sind oft sehr erklärungsbedürftig, dafür aber häufig sehr innovativ. Das trifft auch auf Ilmsens zu, ein Start-up, das im letzten Jahr die Jurys mehrerer Gründerwettbewerbe überzeugt hat und es so in unsere Top 50 Start-ups 2016 geschafft hat. Mehr über Ilmsens – ganz simpel erklärt – erfahrt ihr in unserer Gründerstory.

Für-Gründer.de: Hallo Hans-Christian, kannst du euch kurz vorstellen und erklären, was Ilmsens genau macht?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Ilmsens haben wir im April 2016 zu fünft gegründet. Wir entwickeln auf Basis einer einzigartigen Sensortechnologie eigene Produkte. Das Evaluation Kit m:explore, welches wir bereits erfolgreich vermarkten, ist dabei unser Technologieträger. Aktuell entwickeln wir einen echtzeitfähigen Flüssigkeitssensor zur Qualitätsüberwachung und damit Prozesssteuerung. Das erste Einsatzgebiet liegt dabei auf der Rohmilch direkt beim Erzeuger. Mit den tagesgenauen Informationen über Fett-, Laktose-, Eiweiß- und Harnstoffgehalt der Milch können die Tierhalter Krankheiten der einzelnen Tiere wesentlich schneller erkennen und schonender behandeln.

Von Forschern zu Gründern: Das Team von Ilmsens (Bildquelle: Ilmsens GmbH).
Von Forschern zu Gründern: Das Team von Ilmsens (Bildquelle: Ilmsens GmbH).

Für-Gründer.de: Euer Evaluation Kit basiert auf der sogenannten m-Sequenz-Technologie. Was steckt dahinter?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Eigentlich bedeutet es nur, dass wir ein anderes Sendesignal, ein sogenanntes Pseudo-Rauschen, verwenden an Stelle von Sinussignalen. Wir nutzen elektromagnetische Wellen, um die Informationen über die Sensorumwelt aufzunehmen. Dies ist soweit nichts Neues. Wir vereinen allerdings das Beste aus zwei Welten. Zum einen messen wir schnell mit günstigen Sensoren, wie die schmalbandigen Sensoren (bspw. Geschwindigkeitsradar). Zum anderen messen wir über einen sehr großen Frequenzbereich (ultrabreitband), wie Labormessgeräte, und erhalten so sehr viele Informationen über die Sensorumwelt.

So ist das alternative Sendesignal eine fundamentale Änderung, durch die wir eine völlig neuartige Klasse von Sensoren anbieten können.

Für-Gründer.de: Dank eures modularen Konzepts kann euer Messinstrument m:explore an die Produkte und Zwecke eurer jeweiligen Kunden angepasst werden. Wie genau funktioniert das?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Die Hard- und Software ist so aufgebaut, dass einzelne Komponenten schnell angepasst oder ausgetauscht werden können. Hat die Evaluation eines Kunden gezeigt, dass bestimmte Leistungsparameter für seinen Anwendungsfall besonders gute Ergebnisse liefern, können wir in kurzer Zeit ein optimales Produkt anbieten, ohne aufwendige Neuentwicklungen oder Redesigns vornehmen zu müssen. Das ist ein Kostenvorteil auf beiden Seiten.

Für-Gründer.de: Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es für eure Sensoren? Habt ihr hier schon erste Kunden akquirieren können?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Die Sensortechnologie ist eine Plattformtechnologie und hat vielfältige Einsatzzwecke. Neben der Flüssigkeitsanalyse kann sie als hochauflösender Nahbereichssensor, zur Mikrowellenbildgebung oder zur Bestimmung elektronischer Eigenschaften, wie Laufzeitunterschiede oder S-Parameter, eingesetzt werden. Diese vielfältigen Einsatzgebiete werden wir allerdings nicht alle selbst bearbeiten, sondern Partnern die Technologie zur Verfügung stellen.

Erste Kunden haben wir und zwar weltweit. Einige davon untersuchen aktuell, inwiefern das System bzw. die Technologie für sie und ihre Produkte einen Mehrwert darstellt.

Das Gerät m:explore von Ilmsens xxx (Bildquelle: Ilmsens).
Das Gerät m:explore ist der Technologieträger des Start-ups (Bildquelle: Ilmsens).

Für-Gründer.de: Euer Produkt ist vergleichsweise erklärungsbedürftiger. Wie geht ihr bei der Akquise vor und welche Marketingkanäle nutzt ihr?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Das ist richtig und eine Herausforderung.

Gerade ein Zwitter zwischen Produkt und Technologieträger bedarf detaillierter Erklärung und eines langen Atems im Vertrieb.

Wir verfolgen hier zwei Ansätze. Zum einen die Steigerung der Bekanntheit über Pitches und ähnliche Veranstaltungen, da sich dort entsprechende Multiplikatoren mit dem Blick für neue Produkte und Technologien gezielt und gesammelt ansprechen lassen. Und zum anderen ein mehr klassischer Ansatz über Kaltakquise, Google Adwords und die Webseite.

Für-Gründer.de: Als Ausgründung aus der TU Ilmenau seid ihr eurer Hochschule sicher nach wie vor eng verbunden. Gibt es hier eine Kooperation und wie sieht diese aus?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Aktuell ist die Verbindung noch sehr eng, da wir über das Programm EXIST Forschungstransfer finanziert sind. Die Phase 1 läuft allerdings Ende März aus. Für die Zukunft sind gemeinsame Forschungsprojekte mit der Hochschule geplant und wir stehen den Studierenden für Abschlussarbeiten, Praktika und Hiwi-Jobs zur Verfügung.

Für-Gründer.de: Du hast es gerade erwähnt – Stichwort: EXIST Forschungstransfer. Wofür werden diese Fördergelder verwendet?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Das sind zwei Blöcke, Personalkosten und Sachmittel. Wir Gründer (vier von fünf) sind für 2 Jahre an der Uni angestellt. Die Sachmittel verwenden wir für die Entwicklung der Sensorhardware und der Applikatoren. Diese kommen direkt mit der Milch in Kontakt und müssen so eine Vielzahl von regulatorischen Anforderungen erfüllen, was einen aufwendigen Entwicklungsprozess zur Folge hat. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön für die Förderung. Ohne sie hätten wir keinen Weg gesehen, um das Unternehmen aufzubauen.

Für-Gründer.de: Wie ist euch der Übergang von der Forschung in die Wirtschaft bzw. vom Wissenschaftler zum Unternehmer geglückt?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Übergang.

Allerdings ist der Wechsel der Perspektive ein bewusster Prozess, an den man sich immer wieder erinnern muss. Interessante Themen am Wegesrand sind aus wissenschaftlicher Perspektive sicherlich einen Blick wert, aus der wirtschaftlichen allerdings hinderlich und störend. Und als Start-up mit einer vielfältigen und extrem leistungsstarken Technologieplattform gibt es einige dieser Themen am Wegesrand.

Für-Gründer.de: In welcher Phase des Gründungsprozesses befindet ihr euch derzeit?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Wir haben uns im April 2016 gegründet und sind dann auch aus den Räumlichkeiten der Hochschule, die diese uns im Rahmen von EXIST zur Verfügung gestellt hatte, ausgezogen. Eigene Büroräume haben wir im Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau gefunden. Die Gründung ist somit abgeschlossen, die ersten Prozesse sind gestaltet und wir bereiten jetzt das Unternehmen auf sein Wachstum mit Hilfe von Investoren vor.

Für-Gründer.de: Seid ihr bereits auf der Suche nach einer Anschlussfinanzierung bzw. einem Investor?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Ja, wir haben uns verschiedenen Investoren und Business Angels vorgestellt und entsprechende Gespräche laufen. Wir pitchen weiterhin auf passenden Veranstaltungen, um für die aktuelle und weitere Finanzierungsrunden interessierte Investoren kennenzulernen.

Für-Gründer.de: Im vergangenen Jahr wart ihr beim Science 4Life Venture Cup sehr erfolgreich. Welche Erfahrungen habt ihr aus diesem Gründerwettbewerb mitgenommen?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens:

„Netzwerken ist alles und alles ist Netzwerken“ – Schreckliche Phrase, aber sie trifft es. Zudem erhält man bei derartigen Wettbewerben weiteres Feedback zu seiner Geschäftsidee und bekommt auch mal die unangenehmen Fragen gestellt. Nur so entwickelt man seine Geschäftsidee hin zu einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Für-Gründer.de: Welche Meilensteine habt ihr euch für das Jahr 2017 gesetzt?

Hans-Christian Fritsch von Ilmsens: Recht einfach: Abschluss der Entwicklung des Milchsensors und der Abschluss unserer ersten Finanzierungsrunde.

Für-Gründer.de: Hans-Christian, vielen Dank für das Gespräch!

Die Keyfacts von Ilmsens auf einen Blick:

  • Unser aktuelles Team besteht aus: 5 Vollzeitstellen und 4 Hiwis
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch: EXIST Forschungstransfer
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Keine
  • Investoren finden wir gut weil: sie uns neben wichtigem Kapital mit Erfahrung und ihrem Netzwerk zur Seite stehen.
  • Besonders geholfen haben uns bisher: die Stift Thüringen, unsere Coaches Dr. Merle Fuchs und Prof. Marion Eich-Born, Auftakt. Das Gründerforum Ilmenau und die TU Ilmenau Service GmbH
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für uns folgende drei:
    Menschen: das Team, die Kunden, das Netzwer
    Tools: Atlassian Toolbox, Outlook, Fastbill
    Internetseiten: Google

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