#StartupTrends 2017: Bei diesen Unternehmen solltet ihr ganz genau hinschauen



Wie jedes Jahr verfolgen wir auch in 2017 aufmerksam die wichtigsten Trends und spannendsten Start-ups in der Gründerszene. Welche Firmen können welchen Trend mit ihrem Geschäftsmodell und ihren innovativen Ideen am besten für sich nutzen? Egal ob Datensicherheit, Fintech oder Digital Health – auch im neuen Jahr setzen alle Branchen verstärkt auf digitale Lösungen und intelligente Geräte. Wir stellen euch hier 8 vielversprechende Start-ups vor, die auf dieser Welle mitschwimmen wollen und die ihr in den kommenden Monaten ganz genau im Auge behalten solltet.

#1 Smart Home: Mehr Lebensqualität dank intelligentem Zuhause

Von unterwegs per Smartphone schon mal die Heizung anschalten oder ein Kühlschrank, der dir sagt, wann die Milch alle ist? Seit die Vernetzung von Haustechnik, Geräten und Unterhaltungselektronik in immer mehr Haushalten Einzug hält, ist das keine unrealistische Zukunftsvorstellung mehr. Intelligentes Wohnen zielt auf die Erhöhung von Lebensqualität, Sicherheit sowie auf eine effizientere Energienutzung auf Basis vernetzter und fernsteuerbarer Geräte und Installationen ab. Ein Trend, der in diesem Jahr die Start-up-Welt erobern kann und den immer mehr Gründer mit innovativen Geschäftsmodellen bedienen wollen. Hier zwei aktuelle Beispiele:

otego – Wärme richtig nutzen

Die Nutzung von Umgebungswärme zur autarken Stromversorgung steckt hinter dem Geschäftsmodell der otego GmbH. Dazu entwickelt das Start-up thermoelektrische Generatoren (TEGs), die Wärme direkt in Strom umwandeln können, sobald sie in einen Temperaturunterschied gebracht werden. Die Geräte arbeiten vollkommen wartungsfrei und bereits kleine Temperaturunterschiede reichen zur Stromerzeugung.

Durch den Einsatz der TEGs könnten etwa im Smart Home-Bereich lästige Batteriewechsel für IoT-Devices wie Heizungsventile oder andere drahtlose Sensoren bald der Vergangenheit angehören. Die Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) konnte mit ihrer Geschäftsidee bereits beim Elevator Pitch BW und beim Science4Life Venture Cup überzeugen.

otego
otego will den Batteriewechsel in Smart Home-Geräten überflüssig machen (Bildquelle: otego.de)

Senic – Smart Home Controller für die Musikanlage

Das Smartphone weglegen und mit nur wenigen Handgriffen oder per Gestensteuerung die Musikanlage oder das Licht bedienen – das ist für Smart-Home-Besitzer mit dem kreisrunden Gerät Nuimo des Berliner Hardware-Startups Senic kein Problem mehr. Neben dem WLAN-Musiksystem seines Kooperationspartners Raumfeld ist Nuimo mit 15 weiteren Herstellern kompatibel.

Das 2013 gegründete Start-up entwickelt seine Produkte in Berlin und produziert ausschließlich in Deutschland. Nach der Teilnahme am renommierten US-Accelerator YCombinator konnte Senic in zwei Crowfunding-Kampagnen insgesamt eine halbe Million Euro einwerben. Anfang 2016 stieg zudem US-Investor Birchmere Ventures bei dem Berliner Start-up ein.

Nuimo by Senic. Smart Home Controller for Music, Lighting and more. from Senic on Vimeo.

#2 Robo Advisor: Chatbots und KI in der Finanzberatung

Die Automatisierung von Finanzdienstleistungen ist ein Trend, den immer mehr Fintech-Start-ups für sich nutzen und der klassischen Vermögensberatung mit ihren Geschäftsmodellen so ernstzunehmende Konkurrenz machen. Sogenannte Robo Advisor haben das Ziel, mittels einer Online-Plattform die Geldanlage für Privatkunden zu standardisieren und damit zu vereinfachen. Anhand verschiedener Fragen zu Themen wie Zielrendite, Anlagehorizont und finanziellen Verhältnissen des Nutzers schlägt der Robo Advisor dann eine passende Anlagestrategie vor und schaltet dabei die meist hinderliche emotionale Komponente „Mensch“ vollständig aus.

Zwei der Fintech-Start-ups, die diesen Trend wesentlich mitbestimmen, sind Ginmon und Growney.

Ginmon – intelligent investieren

Das Ziel der 2014 gegründeten Frankfurter Ginmon GmbH ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Anlagekonzept mit Hilfe einer modernen Onlineplattform der breiten Masse zur Verfügung zu stellen. Der Ginmon-Gründer und Geschäftsführer Lars Reiner führt den Erfolg seines mehrfach ausgezeichneten Start-ups u.a. auf den streng wissenschaftlichen Ansatz zurück, auf dem der Ginmon-Algorithmus basiert.

Die Anlagebausteine werden nach dem Dreifaktorenmodell zusammengestellt, das auf die Theorie des nobelpreisgekrönten Portfoliowissenschaftlers Eugene Fama zurückgeht. Das Modell nutzt die Renditestärke kleiner und unterbewerteter Unternehmen bei möglichst hoher Diversifikation.

Wie das Ginmon-Prinzip funktioniert, erfahrt ihr im folgenden Video:

growney – Geldanlage einfach verstehen

Ebenfalls auf eine computergestützte Anlageberatung setzt das Berliner Start-up growney, das vom ehemaligen Landesbanker Gerald Klein gegründet wurde. Entsprechend seiner Risikoneigung, die über einen Risikobereitschaftstest ermittelt wird, kann der Anleger unter fünf Anlagestrategien wählen. Je nach Anlagestrategie (konservativ bis erhöhtes Risiko) ist anschließend die Renditeerwartung der Anlage.

Einmal abgeschlossen, übernimmt die Maschine die Anlageentscheidungen. Diese basieren auf einem – nach Unternehmensangaben – mit mehreren Wirtschaftsnobelpreisen bedachten Prinzip, welches sogar Steueroptimierungen beinhaltet. Neben einem festen Anlagebetrag kann bei growney auch über eine monatliche Sparrate ein Sparplan geführt werden, versierte Anleger werden hier sofort den Cost-Avverage-Effekt erkennen.

Als Anlageinstrument hat sich growney auf das Finanzprodukt der ETFs spezialisiert und kooperiert hier mit der Sutor Bank, so dass die Einlagen der Anleger als Sondervermögen auch geschützt sind.

growney
Langfristig kräftige finanzielle Depotzuwächse verspricht das Anlagekonzept von growney (Bildquelle: growney.de)

#3 Cybersecurity: Datenverschlüsselung, Hackerangriffe und Social Engineering

Die sich schnell verändernde Welt der Cyberkriminalität stellt für Unternehmen aller Branchen eine immer größer werdende Bedrohung dar. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Cybersecurity ein großes Wachstumsfeld für Start-ups ist, die mit ihren innovativen Technologien und Geschäftsideen Sicherheitslücken beheben, Hackerangriffe abwehren und die digitale Welt somit etwas sicherer machen wollen. Hier findet ihr zwei spannende Start-ups, die im neuen Jahr im Bereich Cybersecurity so richtig durchstarten könnten.

Cryptomator – Individualverschlüsselung von Cloud-Daten

Eine transparente und lokal auf dem Gerät des Nutzers stattfindende Verschlüsselung der Cloud-Daten bietet das Start-up Cryptomator seinen Kunden an. Das alles geschieht mit einer Open Source Software, die direkt von der Webseite des Unternehmens heruntergeladen werden kann, ohne dass dafür eine Anmeldung notwendig ist.

Cryptomator verspricht, dass der Nutzer bei der transparenten Verschlüsselung keinen Unterschied im Umgang mit seinen Daten bemerkt. Die verschlüsselten Daten befinden sich in einem Tresor im Cloud-Ordner des Kunden, wobei – anders als bei der Festplattenverschlüsselung – jede Datei einzeln verschlüsselt wird. Cryptomator stellt ein virtuelles Laufwerk bereit, über das der Nutzer dann auf seine Daten wie gewohnt zugreifen kann.

So innovativ wie das Produkt, ist auch das Bezahlmodell von Cryptomator. Der Kunde wird beim Download der Software aufgefordert, so viel zu bezahlen, wie er will. Und die Preisvorschläge beginnen tatsächlich bei 0 €. Mit seiner Verschlüsselungs-Lösung war Cryptomator einer der Preisträger des CeBIT Innovation Awards 2016.

cryptomat
Cryptomator bietet eine freie und clientseitige Datenverschlüsselung per Open Source Software an (Bildquelle: Cryptomator.org)

IT-Seal – Sicherheitslücke Mensch

Viren, Phishing-Mails oder Hackerangriffe: Die Gefahren, die im Cyberspace lauern, sind vielfältig und werden ständig weiterentwickelt. Das IT-Security-Start-up IT-Seal aus Darmstadt zielt mit seinen Leistungen auf eine andere in vielen Unternehmen weit verbreitete Sicherheitslücke ab – das Personal. Immer häufiger bieten Mitarbeiter unbewusst eine optimale Angriffsfläche für Cyberkriminelle, die mit ihren Aktionen absichtlich menschliches Fehlverhalten provozieren. Mit einer wissenschaftlich fundierten Methode bietet IT-Seal eine umfassende Sicherheitsanalyse für Organisationen, die sogenannten Phishing Audits. Diese Analyse beinhaltet neben dem Aufzeigen von Sicherheitsrisiken, der Untersuchung des Verhaltens von Mitarbeitergruppen auch die Formulierung von konkreten Handlungsempfehlungen zur Erhöhung der Sicherheit des Kunden.

In 2016 hat das Gründerteam von IT-Seal wichtige Meilensteine erreicht: Neben einem EXIST-Gründerstipendium konnte das Trio den europaweiten Social Engineering Award für sich entscheiden und erreichte die Top 10 der Cyber Security Start-ups in Europa. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Betaphase feierte IT-Seal dann im Oktober 2016 seinen offiziellen Markteintritt.

#4 Digital Health: Patientenbetreuung und Vorsorge per App

Dass der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft immer größer wird und das Gesundheitswesen aufgrund altersbedingter Krankheiten und den für diese Altersgruppe erforderlichen medizinischen Leistungen vor großen Herausforderungen steht, ist allgemein bekannt. Da der Trend zur Digitalisierung in Form von Apps, intelligenten Geräten oder sozialen Netzwerken inzwischen auch in der eigentlich sehr traditionellen Branche des Gesundheitswesens angekommen ist, nutzen clevere Start-ups die Chance, um mit ihren Geschäftsmodellen genau dieser Nachfrage gerecht zu werden. Die folgenden beiden Start-ups haben mit ihren Geschäftsideen im Bereich Digital Health bereits für einiges Aufsehen gesorgt:

CardioSecur: Das mobile EKG auf dem Smartphone

In nur 30 Sekunden den Zustand der eigenen Herzgesundheit zu erfahren, ist mit dem Produkt CardioSecure ACTIVE des Start-ups Personal MedSystems möglich. Das Herz wird mit dem transportablen 22-Kanal-EKG, das gerade mal 50 Gramm wiegt, aus 22 verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Und neben der Herzrate können auch Herzrhythmus und lebensbedrohliche Durchblutungsstörungen lokalisiert und ausgewertet werden.

Da das Gerät selbst nur aus einem EKG-Kabel mit vier Elektroden und einer kostenlosen App für das eigene Smartphone besteht, ist die Handhabung sehr einfach. Zuerst führt der Nutzer eine Referenzmessung durch, die zukünftig die Vergleichsbasis für jede weitere EKG-Messung darstellt und der Fingerabdruck des Herzens ist. Bei jedem späteren Herz-Check wird die Kontrollmessung mit der Referenzmessung verglichen. Auf dieser Basis, erhält der Benutzer eine einfache Handlungsempfehlung in drei Stufen:

  • neutral: keine EKG-Veränderungen
  • gelb: Arztbesuch in näherer Zukunft planen
  • rot: sofort zum Arzt

Das Start-up Personal MedSystems konnte inzwischen bereits eine erste Krankenkasse überzeugen, die CardioSecur bei bestimmten Indikationen zusammen mit Ärzten unterstützt.

Kürzlich hatten wir Felix Brand von Personal MedSystems in einer Gründerstory interviewt – hier nochmal in voller Länge zum Nachlesen.

CardioSecur gibt dem Nutzer einen fachgerechten Überblick über seinen Herzzustand. (Quelle: MedSystems)
CardioSecur gibt dem Nutzer einen fachgerechten Überblick über seinen Herzzustand. (Quelle: MedSystems)

smartpatient – Der Medikamentenplan auf dem Smartphone

Das zunehmende Alter konfrontiert uns häufig mit zwei Fakten, die sich gerne gegenseitig behindern: Zum einen werden wir immer vergesslicher, zum anderen müssen wir regelmäßig irgendwelche Medikamente nehmen, eventuell sogar noch in einer bestimmten Reihenfolge und zu einem festen Zeitpunkt.

Dieses Dilemma wollen die Gründer des bereits 2012 gegründeten Start-ups smartpatient mit ihrer Smartphone-App MyTherapy lösen. Mit der App lassen sich die Medikamente einscannen und in einen klaren Tagesplan in Form einer Aufgabenliste übertragen. Durch die integrierte Erinnerungsfunktion vergisst man selbst in hektischen Alltagssituationen nicht die Einnahme seiner Medikamente. Und am Ende des Tages signalisiert eine leere Liste, dass man tatsächlich an alles gedacht hat.

Zusätzlich zur Erinnerungsfunktion bietet die App auch ein automatisches Gesundheitstagebuch, das zahlreiche Auswertungen und Graphen über die wichtigsten Werte liefert und über einen druckbaren Detailbericht auch dem Hausarzt wertvolle Informationen liefert.

smartpatient
Nie wieder die Einnahme von Medikamenten vergessen – dank MyTherapy (Bildquelle: smartpatient.eu)

Inspiration für deine eigene Gründung

Über 400 weitere spannende Geschäftsideen findet ihr auf Für-Gründer.de. Jeden Montag lest ihr in unserem GründerDaily neue Beiträge zum Thema Geschäftsideen. Einmal im Monat halten wir euch außerdem in unserem Geschäftsideen-Newsletter auf dem Laufenden.

  • Tipp: Du möchtest dich selbstständig machen, bist aber noch auf der Suche nach der geeigneten Geschäftsidee? Dann wirf doch einen Blick in unsere Franchisebörse, in der bereits am Markt erprobte Geschäftskonzepte vorgestellt werden.