Frankfurter Start-up goes Silicon Valley: „Teamarbeit zwischen zwei Kontinenten“ [Teil 5]



Ich bin Antonio Vega, 31 Jahre alt und einer der Gründer des Zentralen Fundbüros (alias „Have it Back“ für das internationale Publikum). Das Zentrale Fundbüro ist die erste Meta-Suchmaschine für Fundsachen und das größte Online-Fundbüro der Welt. Im GründerDaily berichte ich über meine Zeit beim German Accelerator im Silicon Valley. Letztes Mal ging es darum, wie ich die Präsidentschaftswahl erlebt habe und wie wir mit Gamification unseren Service aufpeppen wollen.



Knapp zwei Monate sind seit dem Start des German Accelerators bereits vergangen und die vorgesehene Laufzeit neigt sich langsam dem Ende zu. Zwar sind meine Kollegen zuhause eine große Hilfe und mein Mitgründer Markus ist bei den Mentorentreffen regelmäßig via Skype zugeschaltet. Doch ich merke, dass das Einzelkämpfer-Dasein ziemlich anstrengend ist.

Im Schnitt sind die Start-ups hier zu dritt und können sich ihre Aufgaben schön aufteilen. Nur ein anderer Teilnehmer ist genau wie ich solo unterwegs. Doch wie GA-Alumnus Philipp Weihrauch von CheckMobile uns bereits bei der Einführungsveranstaltung eindringlich und sehr eindeutig nahe legte:

„There is no whining in the US, just suck it up!“ Also genug beschwert, es geht weiter im Programm – und wir haben viel vor!

Antonio Vega berichtet in regelmäßigen Abständen von seinem Leben im Silicon Valley und seinem Start-up Have it Back. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Antonio Vega berichtet in regelmäßigen Abständen von seinem Leben im Silicon Valley und seinem Start-up Have it Back. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Follow-the-sun-Workflow – die Zeitverschiebung macht’s möglich

Auch in Deutschland ist gerade viel los. Markus und Tobias, der dritte Founder, arbeiten an den aktuellen IT-Ausschreibungen, damit wir bald unsere Großprojekte angehen können. Zusätzlich unterstützen sie mich bei den Vertriebsvorbereitungen und im Backoffice. Durch die Zeitverschiebung haben wir nur ein schmales Zeitfenster, in dem wir uns persönlich miteinander abstimmen können.

Direkt nach dem Aufstehen ändert sich daher mein Skype-Status fast schon automatisch auf online und wir starten eine Konferenz. Als Nachteule bleibe ich meist lange genug wach, sodass auch am deutschen Morgen ein Abstimmungsgespräch stattfinden kann. Für unsere User hat das den großen Vorteil, dass wir in unserer so jungen Unternehmensgeschichte schon einen „Follow-the-Sun-E-Mail-Servicedesk“ anbieten können, uns also rund um die Uhr um Anfragen kümmern.

Ein weiteres Projekt, in das wir in den letzten Wochen viel Kreativität investiert haben: Unsere Guerilla-Marketing-Aktion, die wir in den USA, Deutschland und Großbritannien mit Low-Budget laufen lassen. Während ich in San Francisco Leads sammelte, verbrachten Markus und Tobias einen Nachmittag mit Basteln und plötzlich stand unsere spontane Vertriebsmaßnahme.

Wir schickten gute alte Floppy Disks in einem faltbaren Flyer an Verantwortliche verschiedener Branchen in unterschiedlichen Positionen. Auf der ersten Seite des Flyers stand folgende Botschaft:

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Sie zuletzt Ihren Lost and Found-Prozess aktualisiert haben. Das Update finden Sie auf der beigefügten Diskette.

Die Kosten für das Projekt:

  • 100 Disketten: 6 Euro
  • 250 Labels: 4 Euro
  • 1000 Flyer: 30 Euro
  • Der Augenblick, in dem der Fundbüroleiter merkt, dass er wirklich noch ein Diskettenlaufwerk hat und auf der Floppy nur einen Link auf unsere Homepage findet: unbezahlbar
An der richtigen Stelle angesetzt und mit dem richtigen Sinn für die Zielgruppe kann eine Guerilla Aktion ein voller Erfolg werden. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
An der richtigen Stelle angesetzt und mit dem richtigen Sinn für die Zielgruppe kann eine Guerilla Aktion ein voller Erfolg werden. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Manche Dinge bekommt man eben nicht für Geld. Natürlich findet sich der Link auch auf dem Flyer wieder. Und da uns interessiert, wer am ehesten auf eine solch ungewöhnliche Aktion anspringt, haben wir branchenspezifische Links und Landingpages erstellt. So schaffen wir es, zumindest den Industriezweig zu tracken, der wirklich noch mit Diskettenlaufwerken arbeitet.

Alles in allem sind wir guter Dinge, dass unsere Post in Erinnerung bleibt. So guter Dinge, dass wir uns sicher sind, dass unser telefonisches Nachfassen für die Aktion mit einem herzlichen Lachen beginnen wird. Jedenfalls bei denen, die sich bis dahin noch nicht von selbst registriert oder mit uns Kontakt aufgenommen haben.

Kommen wir zu den Lessons Learned der Aktion: Um uns bei unseren Vertriebsvorhaben in Zukunft besser zu koordinieren, kommt das CRM-System Hubspot zum Einsatz. Es hilft uns bei der Leadverfolgung und ermöglicht es uns, eingehende Anfragen effektiver zu bearbeiten, alles im Team zentral zu verwalten. Auf diese Weise behalten wir die Übersicht über alle angestoßenen Prozesse.

Mit der richtigen Automatisierung können Prozesse beschleunigt werden, was Zeit, Aufwand und Kosten spart. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Mit der richtigen Automatisierung können Prozesse beschleunigt werden, was Zeit, Aufwand und Kosten spart. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Außerdem können wir Hubspot mit unseren Googlemail-Accounts verbinden, sodass im System unser Gesprächsverlauf automatisch zum entsprechenden Kontakt hinzugefügt werden kann. Doch ein Feature gefällt mir persönlich am besten: Endlich kann ich sehen, ob jemand meine Mail tatsächlich geöffnet hat und im Zweifel von anderen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme Gebrauch machen, ohne zum Spammer zu werden.

Taco Tuesday oder Training?!

Wenn wir schon bei Kontaktaufnahmen sind: So langsam vergrößert sich auch mein persönliches Netzwerk außerhalb des German Accelerators und der Büros. Ich werde zu Feiern und Abendessen eingeladen und wenn es die Zeit erlaubt, sage ich zu. So lande ich beispielsweise auf einem Spieleabend in Ingleside, wo ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie war. Und es wird ein Spiel ausgepackt, das genau meinen Humor trifft: Cards Against Humanity! Für die, die das Spiel nicht kennen: Es geht darum, einen mit Lückenfüllern bespickten Satz auf möglichst witzige, düstere, oder sonst wie absurde Art zu ergänzen. Die fehlenden Satzfetzen stehen auf Karten, die jeder Spieler zu Beginn ziehen muss.

Inspiriert vom Wein und einer sehr ambitionierten und wetteifernden Gruppe, werden die Kombinationen immer ausgeklügelter. Und sogar zum Sport komme ich an diesem Abend noch. Einer der Gastgeber hat einige Jahre Kampfsporterfahrung und wir entschließen uns, auf dem Hof ein wenig zu sparren.

Das macht sehr viel Spaß und ich nehme mir mal wieder vor, möglichst bald mit dem Training zu beginnen. Nagelt mich nur nicht darauf fest. Denn zwischen mir und meinem Training steht eine sehr große Hürde und die heißt „Taco Tuesday“.

Das im Twitter-Gebäude befindliche Runway Büro, das uns der German Accelerator zur Verfügung stellt, beherbergt nämlich auch einen Supermarkt mit einigen Restaurants. Hier gibt es dienstags für ein Drittel des Preises Tacos im Überfluss. Ich würde es als Beleidigung gegenüber meinem Gastgeberland empfinden, dieser kulinarischen Tradition nicht zu folgen. Ich fülle also meinen Teller. Mehrfach. Auf dem Heimweg stelle ich dann auch noch fest, dass dienstags in einem Imbissladen in der Nähe meiner Wohnung auch noch „Wing Day“ ist. Tja.

Im Silicon Valley ist es schwierig dem Sport nachzugehen... (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Im Silicon Valley ist es schwierig, dem Sport nachzugehen… (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Feilen am Geschäftsmodell – technisch auf höchstem Niveau

Kann man sich aber auch mal gönnen. Wir sind schließlich sehr fleißig: Unsere ersten Webinare mit potentiellen Kunden finden Zuspruch und so gelingt es uns, unsere FAQs weiter zu optimieren. Außerdem gewinnen wir im Gespräch mit den Fundbüroleitern und Angestellten wertvolle Informationen, wie zum Beispiel, dass die Funktion „Versteigerungslisten“ verglichen mit dem bisherigen Ablauf richtig Zeit einsparen kann. Ein gutes Vertriebsargument, das wir bisher gar nicht im Blick hatten.

Apropos Vertriebsargument – in den Gesprächen erhärtet sich unser Verdacht:

Während es deutsche Kunden sehr schätzen, dass sie die rechtlich notwendige Fundmeldung bei uns im Fundbüro Manager, unserer B2B-Lösung für Lost and Found, digital tätigen können, ist den Amerikanern das gar nicht so wichtig. Diese kümmern sich oftmals sowieso schon selbst um die Fundsache, daher wird dieser Punkt zukünftig in Übersee nicht mehr vorangestellt.

Als wäre das alles noch nicht genug der Beschäftigung, bauen wir gerade ein internationales Sales-Team auf. Die Koordinierung und Rollenverteilung läuft derzeit. Passend dazu arbeiten wir an einem neuen Sales Deck, an branchenspezifischen Flyern und einem großen Update unseres Fundbüro Managers. In dem Zusammenhang machen wir uns natürlich auch Gedanken über Design, Pricing, Wording und so weiter. Alles natürlich in Abstimmung mit unseren German Accelerator-Mentoren, allen voran unserem Leadmentor Christian, der uns quasi 24/7 auf zwei Kontinenten unterstützt.

Dank des German Accelerators konnten wir über „AWS Activate“ von Amazon einen ordentlichen fünfstelligen Betrag an Guthaben einstreichen. Da unser bisheriger Hosting-Anbieter bereits an seine Grenzen kam, hatten wir uns kurzfristig entschlossen, den Cloud Computing-Service von Amazon in Anspruch zu nehmen. Die neue Infrastruktur, die aus E2- und S3-Instanzen besteht, wurde gleich in der ersten Woche für die Entwicklungsumgebung hochgezogen.

Außerdem konnten wir die Anbindung von “GoShippo” an unser Handling-Gateway erfolgreich abschließen. GoShippo ist die US-Version von Shipcloud, einer Schnittstelle zu allen Versanddienstleistern. Das Handling-Gateway ermöglicht es unseren B2B-Kunden wie zum Beispiel Hotels, verlorene Gegenstände zu ihren Besitzern zurückzuschicken. Dabei können die Kunden die komplette Versandabwicklung, gegebenenfalls auch die Gebührenzahlung, in einem Programm schnell und einfach managen.

Wem einfällt, dass er etwas im Hotel vergessen hat, kann es nun ganz einfach zurückbekommen. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Wem einfällt, dass er etwas im Hotel vergessen hat, kann es nun ganz einfach zurückbekommen. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Besonders praktisch ist, dass die Verlustgegenstände direkt vor Ort abgeholt werden. Anbindungen, wie die von GoShippo, sind für uns praktisch, da sie uns helfen, das Angebot von allen Lieferdiensten schnell und einfach in den eigenen Service einzubinden. Wir sind also nicht mehr gezwungen, alle APIs, also Verbindungen zu den Programmen der einzelnen Lieferdienste, selbst zu bauen.

Fast hätten wir es verpasst, als der Counter im Büro den viermillionsten Eintrag angezeigt hat. An dieser Stelle vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben!

Auf unseren Lorbeeren ausruhen? Auf keinen Fall.

In den nächsten Tagen steht die Vorbereitung auf zwei verschiedene Pitches an: Beim ersten geht es um die Verlängerung des German Accelerator-Programms. Neun weitere Monate hätten wir dann in San Francisco sicher. Außerdem müssen wir mal wieder um Investoren pitchen. Deshalb treffe ich mich jetzt schon mit zahlreichen Mentoren, führe Skype-Konferenzen, hole mir aus allen Ecken Feedback zu unserer Arbeit, bearbeite Slides und optimiere unser Material mit Markus.

Zum Abschluss noch etwas Amüsantes: Am Wochenende ist SantaCon. Das ist quasi US-Fasching, nur dass fast alle als Weihnachtsmann verkleidet sind. Viele aus der German Accelerator-Gruppe feiern mit und ich, an meinen Laptop gefesselt, erfreue mich an den Bildern und kurzen Videos, die sie in unsere gemeinsame WhatsApp-Gruppe stellen.

Ob sich der Verzicht auf die Feierlichkeiten mal wieder gelohnt hat, wie die Pitches liefen und ob es für Zentrales Fundbüro beim German Accelerator weitergeht, erfahre ich im Laufe der Woche – und ihr im nächsten Blog.

Du hast noch nicht alle Teile von Antonio’s Berichten aus dem Silicon Valley gelesen? Hier sind noch einmal alle Teile in der Übersicht:

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