Frankfurter Start-up goes Silicon Valley: „Trump, Gamification, Country Music und Thanksgiving“ [Teil 4]



Ich bin Antonio Vega, 31 Jahre alt und einer der Gründer des Zentralen Fundbüros (alias „Have it Back“ für das internationale Publikum). Das Zentrale Fundbüro ist die erste Meta-Suchmaschine für Fundsachen und das größte Online-Fundbüro der Welt. Im GründerDaily berichte ich über meine Zeit beim German Accelerator im Silicon Valley. Letztes Mal ging es darum, wie wir an unserem Businessmodell feilen und wie wichtig Kontakte für den Markteintritt sind. Heute erkläre ich euch, wie wichtig es ist, die Zielgruppe zu bestimmen.



Ich wollte letzte Woche ganz dringend wieder mit Sport anfangen, doch es gab Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel keinen Sport zu treiben. Und Donuts essen. Willkommen zu Teil vier meines Silicon Valley-Abenteuers!

Die Mission: Zentrales Fundbüro international unter „Have it Back“ groß zu machen. Status: Läuft.

Doch neben der Weiterentwicklung des Start-ups gibt es insgesamt vier Highlights, die mir persönlich den USA-Aufenthalt versüßen sollen. Eines war Halloween und in den Genuss eines weiteren kam ich nun auch: die US-Präsidentschaftswahl. Fehlen nur noch Black Friday und Silvester.

Antonio Vega ist auf dem Weg dazu, sein Start-up im German Accelerator im Silicon Valley groß zu machen. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Antonio Vega ist auf dem besten Weg, sein Start-up mithilfe des German Accelerators auch auf der internationalen Bühne groß zu machen. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Vielleicht weiß es der ein oder andere bereits, aber Kalifornien im Allgemeinen –und San Francisco im Speziellen– ist die wohl progressivste Region in den USA und eine Hochburg der Demokraten. Das spiegelt sich auch im Runway Incubator wider, wo wir German Accelerator-Teilnehmer ein kooperatives Büro zur Verfügung gestellt bekommen. Die meisten hier trauern immer noch Sanders hinterher, stehen aber insgesamt fast geschlossen hinter Clinton.

Umso erstaunter war ich, als ausgerechnet hier eine „Election Night Party“ der Republikaner stattfand. Genauer gesagt waren es die „Log Cabin Republicans San Francisco“, der LGBT-Zweig der Republikaner, der hier zur Feier einlud. Das Buffet war ausgezeichnet. Asiatische Speisen jedweder Art fanden wiederholt ihren Weg auf meinen Teller und Chardonnay seinen Weg in mein Glas. Auch die anderen Start-ups machten irgendwann mit – vor allem beim Chardonnay und eher aus Frust, denn mittlerweile weiß die ganze Welt, wie die Wahl ausging.

Von der Untergangsstimmung Einzelner ließ ich mich allerdings nicht anstecken. Ich unterhielt mich mit den Republikanern und mein Eindruck war schlicht und ergreifend, dass hier zwischen zwei politischen Richtungen künstlich eine Kluft erzeugt wird. Mir kam es so vor, als würde jeweils versucht, die Gegenpartei zu dämonisieren und so einen Diskurs bereits im Keim zu ersticken. Da ich politisch eher dem Zentrum zuzuordnen bin, komme ich mit beiden Lagern gut klar. Ich hatte also auch kein Problem damit, den Sieg Trumps, der im Laufe des Abends immer offensichtlicher wurde, mit den dort anwesenden Gästen zu feiern.

Fremdenfeindlichkeit und andere mir gegenüber geäußerte Bedenken des demokratischen Lagers kann ich überhaupt nicht bestätigen. Die Feiernden wünschten sich schlicht und ergreifend eine konservativere politische Richtung für ihr Land. Aber ich stamme ja auch aus Bayern und bin die CSU gewohnt, daher komme ich damit klar. Sie luden mich sogar auf weitere Treffen ein.

Schwieriger wurde es nach der Veranstaltung – dort warteten maskierte Antifa, die es scheinbar überall gibt, auf alle, die das Gebäude verließen. Es hatte sich herumgesprochen, dass hier die wohl einzige Pro-Trump-Party der Stadt stattgefunden hatte. Sie fuhren die Straße mit Fahrrädern auf und ab und schwangen dabei ihre Baseballschläger, sodass sich viele nur unter Polizeischutz trauten, nach Hause aufzubrechen.

Mir ging sofort eine ironische Schlagezeile durch den Kopf: „Anti Trump protestors shouting for tolerance beat up ethnic dreadhead.“ Aber ich kam ungeschoren davon. Die Präsidentschaftswahl ist trotzdem bis heute eines der vorherrschenden Gesprächsthemen.

Überall in der Stadt kommen mir immer wieder Studenten, Schüler und andere Gruppierungen entgegen, die spontan, friedlich und lautstark ihren Unmut und ihre Ängste kundtun. Auch ein Wiederaufkommen von Bernie-Stickern fällt mir auf. Ich bin gespannt, wie sich die Lage weiterentwickeln wird.

Antonio Vega ist auf dem Weg, seinem Start-up international einen Namen zu machen. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Antonio Vega ist auf dem Weg, sein Start-up auch international zu etablieren. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Gamification und andere Spielereien

Doch genug von Politik, ich bin ja aus ganz anderen Gründen im „Silikontal“. Unter anderem wegen eines unserer SMART- Ziele – was das ist, konntet ihr bereits in Teil 3 meiner Serie lesen. Wir wollen unsere Lost and Found-Lösung mit einem Gamification-Ansatz zugänglicher machen. Als Gamification bezeichnet man die Anwendung spieltypischer Elemente wie Levels, Punkte und Highscores in einem nicht spieltypischen Kontext.

In unserem Falle in einer Lost and Found-App, in der der Nutzer Punkte für gefundene Gegenstände sammeln kann. Ich treffe mich daher mit einem Mentor, der genau auf diesem Fachgebiet Profi ist. Markus ist – wie so oft – via Skype zugeschaltet und wir erklären dem Mentor unseren Ursprungsgedanken: Wir wollen Lost and Found für private Nutzer schlicht und ergreifend „spaßiger“ gestalten.

Der aus Bayern stammende Antonio Vega fühlt sich in der progressivsten Region Amerikas gut aufgehoben. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Der aus Bayern stammende Antonio Vega fühlt sich in der progressivsten Region Amerikas sichtlich wohl. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Unsere spezifischen Ausführungen findet unser Mentor gut, doch er bringt uns auf einen ganz neuen Gedanken: Wenn wir uns doch bereits für eine B2B-Vertikale entschieden haben und unsere Software auch schon einsatzfähig ist, warum machen wir dann nicht auch die B2B-Lösung zum Fokus unserer Gamification-Bemühungen? Ganz ehrlich: auf den Gedanken wären wir von selbst nicht so schnell gekommen.

Ab jetzt ist also Umdenken angesagt: Unser Fundbüro-Manager, den wir für Unternehmen entwickelt haben, wird jetzt gamifiziert. Der Mentor erklärt uns auch, dass es nicht das Ziel von Gamification ist, etwas „spaßiger“ zu machen, sondern gezielt Verhaltensänderungen beim Nutzer zu erzeugen. Es gilt herauszufinden:

  • Womit haben Nutzer die meisten Schwierigkeiten?
  • Welche Schritte sind am unangenehmsten?
  • Gibt es Aspekte, die besonders häufig nicht korrekt oder unvollständig gehandhabt werden?

Hier greift Gamification, indem der Nutzer durch Aktionen und Belohnungen zur Verhaltensänderung animiert wird.

Wir überlegen uns „Missionen“, Belohnungen und vieles mehr für unsere Software. Dabei müssen wir darauf achten, keine Aufgaben zu entwickeln, die ein etwaiges Betrügen fördern, nur um schneller oder mehr Punkte zu bekommen. Ebenso müssen wir auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen eingehen, die unseren Fundbüro Manager letztlich nutzen.

Davon hängt auch die Gestaltung der App ab. Die Umsetzung wird spannend, denn mit diesem Weg haben weder Markus noch ich gerechnet. Die B2C-Gamification ist somit zunächst auf Eis gelegt, stattdessen machen wir uns an ein B2B-Papier-Mockup.

Beim nächsten Treffen mit unserem Lead-Mentor Christian erzähle ich ihm begeistert von unseren neuesten Plänen und er zeigt sich davon ebenfalls sehr angetan. Doch es gibt noch andere Baustellen und so gehen wir beide mal wieder tief in den Finanzteil, arbeiten an Prognosen, überblicken unsere geplanten Ausgaben für Personal, Marketing und vieles mehr. Wir entwickeln ein solides Konzept für die Finanzplanung und eine Timeline, die wir später potenziellen Investoren präsentieren können. Außerdem stellen wir zu meiner großen Freude fest, dass wir in den USA – trotz erhöhter Ausgaben – innerhalb nur eines Jahres nach der Finanzierung am Break-Even-Point sein könnten, wenn alles nach Plan verläuft. Aber in der Welt der Start-ups ist Improvisation ja oft wichtiger als der Plan, wie die meisten Gründer vermutlich selbst wissen.

Abends belohne ich mich, indem ich mich mit ein paar texanischen Freunden treffe. Wir gehen zu einem Gig der Randy Rogers Band.

Mein erstes Country-Konzert! Die Stimmung ist gut, die Musik macht Laune und die Drinks sind auch nicht übel.

Die Band scheint hier recht bekannt zu sein, denn alle singen mit und bei „Speak of the Devil“ grölen alle den Text besonders laut und enthusiastisch.

Und immer noch ist den ganzen Tag Action angesagt – auch in Deutschland

Am nächsten Morgen beginnt mein erster Tag im neuen Büro der GSVlabs. Zur Begrüßung gibt es Donuts, für die ich übrigens eine große Schwäche habe, Eiscreme zwischen zwei Cookies und Pizzagebäck. Das Büro ist auch ganz schön, in Anbetracht der kostenlosen Nahrung aber vorerst nebensächlich. Es ist ruhiger als das Runway Office in San Francisco und bietet alles, was man so braucht.

Trotzdem – mir persönlich ist der Trubel im Runway lieber, weshalb ich den Großteil meiner Zeit dort verbringe. Er ist mir auch lieber, weil ich dort bisher mindestens einmal pro Woche von einem spontanen Event überrascht wurde. So stehen eines Abends plötzlich Stand-up-Comedians im Raum und mit kostenlosem Bier werden wir zum Auftritt gelockt. Die Show ist lustig und die Comedians nutzen die Möglichkeit, vom deutschen Dreadhead, der offensichtlich Spaß versteht, Gebrauch zu machen und ihn als Element in ihre Show einzubauen.

„Frankfurt, Germany? No way, bro, you look more like from Frankfurt, Kentucky!”

gehört zu den jugendfreien Scherzen, die ich hier guten Gewissens wiederholen kann. Mir soll’s recht sein, Aufmerksamkeit stört mich nicht weiter.

Ein weiteres Highlight ist für mich in diesen Tagen die StartX-Veranstaltung. StartX ist das Accelerator-Programm von Stanford, bei dem die Top-Entrepreneure der Universität auf ihrem Weg gefördert werden und auch ein Teilnehmer des German Accelerator einen Platz bekommen könnte. Die Tätigkeitsbereiche der Start-ups, die ich dort treffe, reichen von B2C und Enterprise bis zu Non-Profit und MedTech. Bei der Veranstaltung, die direkt in einem der Unigebäude stattfindet, werden auch Alumni des Accelerators vorgestellt.

Ein Special: Alle tragen einen Luftballon mit sich herum, dessen Farbe für den Wirtschaftszweig steht, in dem sie tätig sind. Das spart den jungen Gründern reichlich Zeit und sie kommen schnell mit den richtigen Leuten ins Gespräch. Auch ich unterhalte mich mit den StartX-Interessierten und muss feststellen, dass wir vom German Accelerator im Vergleich schon sehr weit sind.

Nicht wenige hatten sich bereits in den Vorjahren für das Programm beworben – ich ging also davon aus, dass sie in der Zwischenzeit an ihrem Vorhaben gearbeitet hatten. Doch allzu oft war die die Antwort auf die Frage, wie denn der Status quo sei: „No, I’m still in the idea phase.“ Es ist das erste Mal, dass ich das berühmte amerikanische Anpacken vermisse.

Auch zuhause in Deutschland geht es eventmäßig gut weiter: Markus nimmt an „Life’s a Pitch“, einem Pitch-Workshop von Samsung Mobile und Wayra Deutschland, in München teil und sahnt beim finalen Pitch-Battle den ersten Platz und ein Samsung Galaxy S7 Edge ab.

Antonio Vega erzählt uns in unserer Serie von seinen Erlebnissen aus dem Silicon Valley. (Quelle: Zentrales Fundbüro)
Antonio Vega erzählt uns in unserer Serie von seinen Erlebnissen aus dem Silicon Valley. (Quelle: Zentrales Fundbüro)

Nur Start-ups müssen an Thanksgiving arbeiten…oder?

Mittlerweile ist fast Thanksgiving angebrochen. Das gesamte Office wird am Montag zuvor zum Thanksgiving Meal eingeladen. Es gibt Truthahn mit Kartoffelbrei und alles, was sonst noch dazugehört. Der Teil meiner Familie, der in Barstow, Kalifornien, lebt, hat mich ebenfalls eingeladen, mit ihnen zu feiern. Die Zeit ist aber leider zu knapp dafür. Es gibt viel zu tun und einen Kurztrip kann ich mir in dieser Situation nicht erlauben. Dafür ist das Projekt „Have it Back“ auf meiner Prioritätenliste viel zu hoch angesiedelt.

Apropos Prioritäten: Es sind übrigens nicht nur wir Start-ups, die lange im Büro sitzen. Auch Sara und Freddy vom German Accelerator arbeiten bis in die Puppen an ihren Schreibtischen. Sie sind unsere Ansprechpartner und kümmern sich um alle Wehwehchen, die so anfallen. Sie organisieren Treffen, beantworten allgemeine Fragen und sorgen dafür, dass alles glatt läuft. Auch auf sozialer Ebene zeigen sie sich kompetent und laden uns ab und zu zum Essen ein oder gehen mit uns weg.

Vor dem Laptop vertieft mache ich mich direkt nach dem Thanksgiving-Essen daran, Kontakte für eine Guerilla Marketing-Aktion zu recherchieren. Google und der LinkedIn Sales Navigator sind hierbei meine besten Freunde. Was wir genau vorhaben? Das verrate ich noch nicht. Auch Christian ist schon gespannt, den lassen Markus und ich nämlich auch noch im Dunkeln. Mal sehen, ob uns die Überraschung gelingt.

  • Du hast meine bisherigen Erfahrungsberichte verpasst? Hier kannst du Teil 1, hier Teil 2 und hier Teil 3 meiner spannenden Erlebnisse im Silicon Valley nochmal nachlesen.
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