Die wichtigsten Tipps zur Existenzgründung: Das raten Gründer und Experten



Vergangene Woche haben wir euch unsere 10 wichtigsten Tipps zur Existenzgründung vorgestellt und gleichzeitig zahlreiche kostenfreie Tools präsentiert, die euch den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern. Gleichzeitig haben wir zahlreiche Gründer und Experten zu ihren Tipps an junge Gründer befragt. Was euch diese auf eurem Weg in die Selbstständigkeit raten, erfahrt ihr in diesem Beitrag.



Unsere Tipps zur Existenzgründung finden sich auch in vielen Aussagen der von uns befragten Gründer, Berater und Experten wieder und drehen sich um die Eignung als Gründer, die Ideenfindungsphase und erste Produkttests, den Businessplan, das Team sowie Finanzierungs- und Beratungsfragen.

#1 Prüfe, ob du zum Gründer geeignet bist

Nicht jeder ist als Gründer geeignet. Neben einem hohen Maß an Einsatzbereitschaft und Leistung darf man auch das Risiko nicht scheuen und muss auch dann ruhig schlafen können, wenn es die monatlichen Gehaltszahlungen des Arbeitgebers nicht mehr gibt. Deshalb sollte jeder vor dem Schritt in die Selbstständigkeit unbedingt herausfinden, ob er auch tatsächlich zum Unternehmer geeignet ist.

Allerdings ist Gründen auch erlernbar, wie u. a. die auf inzwischen 135 angestiegene Zahl an Entrepreneurship-Lehrstühlen beweist. Das sieht auch Ulrich Knaup vom Förderkreis Gründungsforschung e.V. so:

Kann man „Gründen“ lernen? Zahlreiche nationale und internationale Studien beantworten diese Frage mit einem Ja! Studierende sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in einer unternehmerischen Tätigkeit eine berufliche Option sehen, sollten deshalb die vielfältigen Angebote an ihren Hochschulen, nutzen. Neben Aus- und Weiterbildungsangeboten in den Curricula (Gründungslehrveranstaltungen) sind auch individuelle Beratungs- und Coachingangebote vorhanden.

Wenn du selbst herausfinden willst, ob du zum Unternehmer geeignet bist, empfehlen wir dir unseren kostenfreien Gründer-Test.

existenzgruendercheck
Mit dem Gründer-Check findest du heraus, ob du zum Gründer geeignet bist.

#2 Prüfe deine Geschäftsidee (und dein Produkt)

Um die eigene Geschäftsidee zu überprüfen, existieren verschiedene Wege. In unserem letzten Beitrag hatten wir dir den Geschäftsideen-Check mit dem Business Model Canvas vorgestellt. Die Markttauglichkeit eines Produktes kann schnell und ohne großen Aufwand mit einem Minimum Viable Product (MVP) getestet werden. Generell raten unsere Experten dazu, nicht zu viel Zeit auf DAS perfekte Produkt zu verschwenden, sondern viel zu probieren und sich eher an die Endversion heranzutasten. Mut gehört ebenfalls dazu, außerdem die Fähigkeit, sich Fehler zu erlauben.

Markus Schaarschmidt, CEO beim Onlineportal Zentrales Fundbüro, sieht gerade in der zeitigen Eroberung einer Nische einen großen Vorteil für Start-ups, die mittels eines MVP testen:

Verschwendet nicht zu viel Zeit damit, ein „perfektes“ Produkt schaffen zu wollen. Oftmals ist es nicht die qualitativ hochwertigste oder ausgefeilteste Lösung, die den Durchbruch schafft, sondern die, die es frühzeitig gepackt hat, die Nische zu erobern. Traut euch ruhig auch mit Mock-ups auf Kunden zuzugehen – dann sind die ersten guten Kontakte bei der letztlichen Fertigstellung des MVPs bereits gesichert.

Ähnlich sieht das auch Andreas Jonderko, einer der Gründer von gastronovi, die mit ihrer Software Komplettlösungen für das Gastronomiegewerbe anbieten. Nachdem das Team von gastronovi anfänglich versucht hat, das gastronovi Office Paket immer nur als Komplettlösung und mit Laufzeitverträgen zu verkaufen, mussten sie bald feststellen, dass die Kundenwünsche anders aussehen. Wichtig ist, dann schnell auf diese Kundenwünsche zu reagieren und das eigene Produkt anzupassen.

Seid mutig und probiert am Anfang so viel wie möglich aus. Fehler gehören dazu und sind auch gar nicht schlimm. Denn sie passieren in der Regel unweigerlich. Je später diese Fehler gemacht werden, umso teurer werden sie. Besonders zu Beginn können Fehler noch mit relativ wenig Aufwand gerade gebogen werden. Zudem bringen sie wichtige Erfahrungswerte darüber, wie die anvisierte Zielgruppe auf eure Ideen reagiert.

Das gastronovi-Team hat entsprechend reagiert, die Kunden können jetzt einzelne Module der Software erwerben und auf monatlicher Basis buchen. Davon profitieren aber nicht nur die Kunden, sondern durch gestiegene Verkaufszahlen auch gastronovi selbst.

Außerdem sollte man möglichst früh die eigene Ideen anderen vorstellen, rät Andreas Gölkel, Mitgründer bei der Bild- und Medienverwaltungs-Lösung pixx.io. Dadurch werden andere auf die eigene Idee aufmerksam, gleichzeitig kann man sich so wertvolles Feedback zum Produkt einholen. Andreas Gölkel:

Redet möglich früh, mit möglichst vielen Leute über eure Idee. Nur so könnt ihr potenzielle Partner, Unterstützer und eventuell sogar Kunden auf euch aufmerksam machen. Außerdem bekommt ihr im Regelfall sehr breites Feedback, das euch hilft eure Idee zu verbessern oder umzusetzen. Das Risiko, dass irgendjemand eure Idee klaut ist wesentlich geringer als das Risiko, dass niemand weiß was ihr tolles anbieten könnt.

Genauso sieht das auch Dr. Thomas Großmann, der als Projektleiter für die EXIST-Gründerfinanzierung zuständig ist:

Wer als Gründer mit einer innovativen Idee oder einen neuen Technologie auf den Markt kommt, sollte unbedingt so früh wie möglich mit potenziellen Kunden sprechen. Nur so bekommt man wertvolles Feedback und ein Gefühl dafür, ob die eigene Idee auch wirklich trägt.

Felix Thönnessen, der als Unternehmens- und Existenzgründungsberater u.a. bereits zahlreiche Unternehmen aus der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ gecoacht hat, rät jungen Gründer zur Nische, um sich von der Masse abzusetzen:

Such dir die richtige Nische, in der Marktvolumen, Konkurrenzdichte und Marge passen. Fokussiere dich dann darauf und baue ein Produkt, das besser ist als die, die es schon gibt. Besser und nicht anders.

Und Patrick Krell, einer der Gründer und Geschäftsführer des Limonadenherstellers Liwo, hat noch die folgenden Tipps für Gründer parat:

  • An die Idee glauben und sich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen.
  • Die Vision der eigenen Idee sollte größer sein als der Gedanke an Reichtum.
  • Immer flexibel bleiben! Man weiß vorher nie, wie sich etwas entwickelt.

 #3 Erstelle (d)einen Businessplan

Dein Businessplan sollte dein Fahrplan durch die Gründungsphase sein, der dein Geschäftsmodell, Chancen und Risiken und auch die Finanzplanung für die ersten Monate und Jahre beschreibt. Mit dem Businessplan definierst du Meilensteine und prüfst deren tatsächliche Umsetzung. Indem du den Businessplan regelmäßig entsprechend der aktuellen Unternehmensentwicklung anpasst, hast du gleichzeitig eines deiner wichtigsten Controlling-Instrumente.

Auf die Wichtigkeit eines Businessplans weist auch  Andreas Reichert, Steuerberater und Vorstand der felix1.de AG Steuerberatungsgesellschaft, ausdrücklich hin:

Jeder, wirklich jeder sollte vor der Gründung einen Businessplan erstellen und sein Geschäftsmodell durchrechnen. Ansonsten drohen Fehleinschätzungen von wichtigen Kennzahlen. Man sollte nicht nur von Anfang an wissen, wie viel Umsatz das Unternehmen erzielen muss, um sich über Wasser zu halten. Auch die Berechnung, wie viel vom Umsatz nach Abzug von Betriebsausgaben, Steuern und Sozialversicherung zum Leben übrig bleibt, ist Pflichtprogramm.

Und auch für Gründungsberater und Rechtsanwalt Sandeep S. Chhatwal ist der Businessplan ein zentrales Element, in dem vor allem das Alleinstellungsmerkmal (USP) herausgearbeitet werden sollte:

Ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Gründung ist dein Alleinstellungsmerkmal (USP). Arbeite dieses bereits in deinem Businessplan detailliert aus. Nur so kannst Du Dich von deinen Wettbewerbern unterscheiden und nachhaltig erfolgreich sein.

Wenn du Hilfe bei der Erstellung des Businessplans benötigst, erklären wir dir in 3 Schritten, wie du deinen eigenen Businessplan erstellst. Inklusive kostenloser Vorlage und Finanzplan-Tool!

#4 Definiere deine Zielgruppe

Als Gründer sollte man seine Zielgruppe ganz genau kennen. Denn nur wer seine Zielgruppe kennt, kann diese passgenau ansprechen. Damit ist die Zielgruppendefinition eine ganz wesentliche Voraussetzung für alle späteren Marketingmaßnahmen. Gleichzeitig kann man nur bei einer genauen Kenntnis über die Größe seiner Zielgruppe das Marktpotenzial bestimmen, eine Voraussetzung für einen realistischen Businessplan. Wie du deine Zielgruppe ermittelst, kannst du hier nochmal ganz genau nachlesen.

Auch für Frauke Eustermann, Bereichsleiterin Gründungsberatung bei der felix1.de AG Steuerberatungsgesellschaft, ist die genaue Zielgruppendefinition ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Gründer:

Viele Gründer sind von ihrer Idee so begeistert, dass sie unterschätzen, welcher Aufwand nötig ist, um ihr Produkt oder ihre Marke bekannt zu machen. Daher ist es wichtig, die Zielgruppe genau zu definieren und Werbemaßnahmen darauf abzustimmen. Jede Werbemaßnahme an der Zielgruppe vorbei ist rausgeworfenes Geld.

#5 Suche dir ein gutes Team

In unseren Tipps zur Existenzgründung stellten wir bereits die Wichtigkeit eines funktionierenden Teams heraus. Denn klappt es zwischenmenschlich im Gründerteam nicht, ist meist auch das Start-up in Gefahr. Weshalb für manche Investoren die Zusammensetzung des Gründerteams noch wichtiger ist als die Geschäftsidee. Bereits die Gründungsmitglieder des Start-up sollten sich in ihren Fähigkeiten ergänzen, was für später eingestellte Mitarbeiter aber ebenso zutrifft.

Wie wichtig klare Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege im Team sind, erklärt Ralf Dyllick-Brenzinger, Mitgründer und kaufmännischer Geschäftsführer beim IT-Dienstleister und Cloud-Anbieter ionas:

Widerstehe dem Impuls, das Team zu vergrößern! Klare Verantwortungsstrukturen und hohe Prozesseffizienz sollten zuerst kommen. Unser Team wurde durch natürlich Fluktuation kleiner. Gefühlt kommt mehr bei rum.  Was sind die Gründe: Kommunikationswege werden kürzer und Abstimmungen fallen weg, der unternehmerische Drive im Restteam wird größer und – sehr wichtig – die Liquidität hält länger.

#6 Plane ausreichend Zeit ein, um die richtige Finanzierungsform zu finden

Ein ebenfalls wichtiger Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg eines Start-ups entscheiden kann, ist die richtige Finanzierungsform. Die Finanzierung sollte frühzeitig geplant und sichergestellt sein, damit dein Start-up nicht schon frühzeitig aufgrund von Liquiditätsproblemen ins Stocken gerät. Angesichts einer Vielzahl von möglichen Finanzierungsformen sollten Gründer ausreichend Zeit einplanen, um die für ihr Start-up passende zu finden. Und manchmal kann die frühzeitige Einbeziehung eines guten Beraters eine gute Idee und bares Geld wert sein. Zumal es hier in vielen Bundesländern sogar entsprechende Förderprogramme gibt.

Sandra Katman vom gral-Beraterteam rät deshalb jungen Gründern, gerade bei der Finanzierungsplanung nicht überstürzt zu agieren und die notwendigen Schritte genau zu überdenken:

Nehmt euch Zeit! Wer eine Existenzgründung erfolgreich und nachhaltig umsetzen möchte, benötigt Zeit, um alle Chancen und Risiken abzuwägen, Potenziale zu erkennen und die passende Positionierungs- und Umsetzungsstrategie aufzustellen. Wer eine Finanzierung braucht, sollte zusätzlich die Zeit einplanen, die die Banken zur Bearbeitung des Antrages brauchen. In allen Fragen der Zeitplanung bieten erfahrene Fachberater wertvolle Unterstützung. Gründungsberatungen sind eine lohnende Investition und  in den meisten Bundesländern förderfähig.