Raus aus dem Schatten der Digitalisierung: Grüne Start-ups sind sexy



Nach dem Handel sind Gründungen im Bereich Green Economy inzwischen das zweitgrößte Gründungsfeld in Deutschland. So liegt der Green Economy Gründungsanteil im Schnitt bei 14,7 Prozent. Besonders im Bau- und Energiesektor fungieren die Gründungen als wichtiger Transformationsmotor. Deutschland nimmt im Bereich Energiewende und Emissionsvermeidung eine tragende Rolle in Europa ein. Die Entwicklungen der Sektors fasst der Green Economy Gründungsmonitor zusammen.



Im Jahr 2014 erfolgten rund 17,3 Prozent aller Gründungen in Bereichen der Green Economy wie z.B. Erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder Kreislaufwirtschaft, rund 21.500 neue Betriebe wurden gegründet. Das sind rund 4.800 Gründungen mehr als 2013 und gleichzeitig ein deutliches Wachstum bei insgesamt rückläufigen Gründungszahlen in Deutschland.

 

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Die Zahl der gründen Gründungen steigt weiter deutlich an (Quelle: Borderstep.de)

Miriam Kehl von green:alley sieht deshalb in Deutschland eine ganz neue Generation von Gründern heranwachsen:

Seitdem wir im Jahr 2014 den Green Alley Award ins Leben gerufen haben, sehen wir eine starke Entwicklung in der Gründerlandschaft: Es entsteht eine neue Generation an Gründern und Gründerinnen, die Ökonomie und Ökologie gekonnt in Einklang bringen. Für 2017 erwarten wir, dass dieser Trend anhält bzw. kontinuierlich weiter steigt.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind grüne Gründungen jedoch noch nicht in ihrer vollen Relevanz angekommen. Obwohl heute fast jede fünfte Gründung nachweislich zum Umweltschutz beiträgt, stehen grüne Gründungen weiter im Schatten der Digitalisierung.

Das vom Bundesumweltministerium und der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Vorhaben StartUp4Climate hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, eine breite Öffentlichkeit für grüne Gründungen in Deutschland zu schaffen. Im Rahmen der Gründerinitiative für die Green Economy wurde auch der StartGreen Award ins Leben gerufen.

Prof. Dr. Klaus Fichter, einer der Verfasser des Green Economy Gründungsmonitors, macht aktuell zwei spannende Trends im Querschnittsbereich der Green Economy aus. Zum einen handelt es sich beim Querschnittsbereich Green Economy inzwischen um das zweitgrößte Gründungsfeld in Deutschland nach dem Handel. Weshalb er als zentrale Botschaft seinen Appell an die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik richtet, diesem Bereich eine entsprechend hohe Priorität einzuräumen, die seiner Stellung als qualitativ und ökonomisch wichtigstem Gründungsumfeld gerecht wird.

Weiterhin ist in den letzten zwei Jahren eine verstärkte Zuwendung von Investoren hin zu Start-ups aus dem Umfeld der Green Economy zu beobachten. Aufgrund der großen ökonomischen Potenziale grüner Zukunftsmärkte, sind diese Start-ups auch für klassische Investoren „zunehmend sexy“. Das erhöht aktuell den Wettbewerb zwischen Investoren um die besten grünen Start-ups,

so Prof. Dr. Klaus Fichter im Gespräch mit Für-Gründer.de

Deutschland vorne im Bereich Umweltinnovation

Deutschland rangiert im Bereich der Umweltinnovationen im internationalen Vergleich nach Schweden und Finnland im Spitzenfeld. Schwedens Schwerpunkt ist dabei der Bereich Emissionsvermeidung, während Finnlands grüne Gründungen hauptsächlich im Bereich Energieeffizienz stattfinden. Deutschlands Gründungen in der Green Economy entfallen dagegen häufig auf den Bereich Erneuerbare Energien. Gleichzeitig konnte Deutschland in den vergangen Jahren mit den Spitzenreitern aufschließen und weist mittlerweile mehr grüne Gründungen auf, als seine skandinavischen Nachbarn.

Auch Nina von Sartori vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht in der Förderung von Start-ups ein wichtiges Signal seitens der Politik, um durch Innovationen eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit zu forcieren:

Dafür wollen wir unsere Forschung wirksamer werden lassen. Für die Durchsetzung von Nachhaltigkeit am Markt können Start-ups eine zentrale Rolle spielen, die über ihre Marktanteile hinaus geht: mit disruptiven nachhaltigen Geschäftsmodellen können sie große Märkte regelrecht aufmischen und dadurch sehr viel größere Akteure dazu zwingen, mehr zu tun als die alten Geschäfte ein wenig effizienter zu gestalten.

Diese wirtschaftliche Entwicklung hin zu Unternehmensgründungen mit zunehmenden Fokus auf Nachhaltigkeit hat inzwischen zahlreiche vielversprechende Start-ups auf Märkten mit starkem Wachstumspotenzial hervorgebracht. Für-Gründer.de hat euch bereits in der Vergangenheit schon viele spannende Start-ups vorgestellt. Hier sind weitere ausgewählte Beispiele die beweisen, wie sexy inzwischen die Start-up-Landschaft im Bereich Green Economy ist.

Mit Server-Wärme im Winter heizen

Das Dresdener Start-up Cloud&Heat hat eine Technologie entwickelt, um die Abwärme dezentralisierter Server zu nutzen und damit Wohnhäuser zu erhitzen. Dadurch können nicht nur Heizungen komplett ersetzt werden, sondern mittels Cloud-Technologien auch ganze Rechenzentren umgebaut und effizienter eingesetzt werden. Mit der Verbindung von Computertechnik und Wärmeerzeugung ergeben sich dabei neue Potenziale, während an anderer Stelle Kosten eingespart werden können.

Die Energiewerte übertreffen nach Firmenangaben selbst die von Facebook oder Google und ermöglichen die Vermeidung von CO2 – das Dresdener Rechenzentrum spart jährlich bereits 30 Tonnen und könnte die Einsparungen auf bis zu 52 Tonnen erhöhen.

Cloud&Heat Technologies
So sehen die Data Save Server Schränke von Cloud&Heat aus. (Foto: Cloud&Heat).

Mittels Analysesoftware effizient und ökoligisch bauen

Die Software CAALA ermöglicht es Architektur- und Ingenieurbüros, energetische Bilanzierungen, Ökobilanzen und Lebenszykluskostenberechnungen bereits bei der Gebäudeplanung durchzuführen. In Modellen können verschiedene Varianten miteinander verglichen werden, um das Optimum aus einer Vielzahl an möglichen Lösungen zu finden.

Das Besondere an der Idee ist die enorme Zeitersparnis. Nur rund ein Zehntel der bisherigen Eingabe- und Rechenzeit wird für die Analyse benötigt, während 66 Prozent der Treibhausgas-Emissionen vermieden und 30 Prozent der Lebenszykluskosten eingespart werden können. Bei den diesjährigen StartGreen Awards konnte das Start-up CAALA mit seiner gleichnamigen Software in der Kategorie Gründungskonzept den ersten Platz erreichen.

Mit innovativen Energiespeichern die Energiewende einleiten

Das Darmstädter Start-up Adaptive Balancing Power hat einen innovativen Energiespeicher zur dynamischen Netzstabilisierung entwickelt, der gleichzeitig der Prototyp für eine kostengünstige Energiewende sein soll. Durch das konstruierte System kann eine CO2-neutrale Stabilisierung des Stromnetzes stattfinden. Auf diesem Wege könnten Kraftwerke abgeschaltet werden, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Das junge Unternehmen hat beim abschließenden Live-Pitch beim Next Economy Award die Möglichkeit, die Jury von sich zu überzeugen. Beim finalen Pitch vor einer Fachjury geht es um Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von 50.000 Euro. Der Preis fördert die Vernetzung grüner Start-ups, Unternehmen, Investoren, Förderinstitutionen und politischer Wegbereiter für eine grüne Wirtschaft.

Mit Meereswellen Strom erzeugen

Das Start-up SINN Power hat vor gut einem Jahr mit der Nominierung beim Next Economy Award von sich reden gemacht. SINN Power entwickelt ein Kraftwerk, das aus Meereswellen Strom erzeugt. Im Mai dieses Jahres wurde die Wellenenergiesaison am Hafen von Heraklion eröffnet. Seitdem laufen die Dauertests des Wellenkraftwerks-Moduls. Bei den Tests sollen die Langzeit-Funktionalität der einzelnen Komponenten und der erzeugte Strom gemessen werden.