5 Techniken, mit denen ihr die passende Geschäftsidee findet



Was tut man, wenn der große Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen und als Unternehmer erfolgreich zu sein, daran scheitert, dass der zündende Gedanke für die richtige Geschäftsidee fehlt? Verzagen und weiterhin als Angestellter unzufrieden mit sich selbst, an den Arbeitsplatz zurückkehren? Oder die Sache systematisch angehen und mittels bewährter Methoden die passende Geschäftsidee selbst entwickeln? Wie das gehen kann, stellen wir dir anhand 5 erprobter Techniken vor.

Die Anwendung der vorgestellten Techniken setzt voraus, dass man sich auch gedanklich darauf einlässt, die eigene Geschäftsidee zu erarbeiten. Und abhängig von der gewählten Methode muss man bereits im Vorfeld jede Menge Arbeit investieren, um am Ende bei einer vielversprechenden Idee zu landen.

Außerdem muss man sich davon befreien, mit der eigenen Geschäftsidee zwingend etwas Neues, Innovatives oder Bahnbrechendes auf den Markt zu bringen. Denn häufig (aber nicht immer) wird man unter Anwendung der vorgestellten Techniken bei Produkten oder Dienstleistungen landen, die es so bereits am Markt schon gibt. Dann besteht die große Herausforderung eher darin, sich gegen die “First Mover” am Markt durch effiziente und optimierte Prozesse zu behaupten.

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Die richtige Geschäftsidee lässt sich z.B. über Brainstorming finden

#1 Brainstroming, Brainwriting und Brainwalking

Eigentlich handelt es sich um drei eigenständige Kreativtechniken zur Ideengenerierung, die wir allerdings aufgrund ihrer vielen Gemeinsamkeiten zusammen vorstellen. Die bekannteste Technik dürfte das Brainstorming sein, die von Alex Osborne erfunden und von Charles Hutchison Clark weiterentwickelt wurde und auf das indische Prai-Barshana zurückgeht.

Die Idee, die dieser Technik zugrunde liegt, erklärt dabei bereits gut den methodischen Ansatz:

using the brain to storm a problem

Also frei übersetzt sollten die Anwender dieser Methode ihr Gehirn einsetzen, um die Lösung für ein vordefiniertes Problem zu finden.

So funktioniert Brainstorming

Zum Brainstorming werden immer mehrere Teilnehmer sowie ein Moderator benötigt, weshalb sich die Methode auch sehr gut eignet, wenn man als Team nach einer Geschäftsidee sucht. Die optimale Gruppengröße besteht aus 6- 12 Personen. Allerdings lassen sich auch als Einzelgründer andere Brainstorming-Teilnehmer finden, die unterstützend mitwirken. Diese Teilnehmer sollten aber den Gründer, seine Stärken und Schwächen sowie Interessen gut kennen. Mehr Informationen, wie du Brainstorming auch als Einzelperson effektiv nutzen kannst, findest du hier.

Schritt 1: Die Ideensuche

In der ersten Runde des Brainstormings wird den Teilnehmern das Problem, in unserem Fall also die gezielte Suche nach einer Geschäftsidee, vom Moderator vorgestellt. Danach beginnt der Brainstorming-Prozess und die Teilnehmer nennen spontan ihre Ideen, mit denen das Problem ihrer Meinung nach gelöst werden kann. Das heißt, sie nennen mögliche Produkte oder Dienstleistungen, mit denen sich ihrer Meinung nach der Gründungswillige selbstständig machen kann, basierend auf seinem Know-how, seinen Stärken und Interessen. Das Brainstorming sollte nicht zu kurz bemessen sein, so dass die Teilnehmer, inspiriert durch die anderen Ideen, neue Vorschläge entwickeln können.

Grundsätzlich gilt:

  • Alle Vorschläge sind erlaubt und andere Vorschläge dürfen nicht kritisiert werden.
  • Generell ist Kritik in der Phase der Ideenfindung nicht erlaubt.
  • Auch unkonventionelle Ideen sind erwünscht.
  • Jeder sollte seine Befangenheit verdrängen.
  • Niemand kann sich mit seinen Ideen blamieren.

Schritt 2: Ideen bewerten

Der Moderator protokolliert alle Ideen aus der ersten Phase. Nach einer kurzen Pause liest er den Teilnehmern alle Ideen vor und die Teilnehmer bewerten und sortieren diese. Im ersten Schritt sollten dabei die Ideen ausgeschlossen werden, die das Problem nicht lösen können. In der zweiten Phase werden dann die übrig gebliebenen Ideen abschließend bewertet und die Idee mit der größten Erfolgschance bestimmt.

Beim Brainstorming lassen sich schnell, einfach und kostengünstig Geschäftsideen finden. Alle Teilnehmer diskutieren gleichberechtig und ohne Kritikmöglichkeit, so dass auch unkonventionelle Ideen eine Chance haben.

Alternative Brainwriting und Brainwalking

Abwandlungen von der Kreativitätstechnik des Brainstormings sind das Brainwriting und das Brainwalking. Beim Brainwriting werden alle Gedanken der Teilnehmer auf einem Blatt Papier notiert. Diese werden dann getauscht und der nächste Teilnehmer vermerkt seine Gedanken ebenfalls auf dem Papier. Die Grundregeln des Brainstromings gelten auch für das Brainwriting.

Ähnlich dem Brainwriting ist das Brainwalking, nur dass die Teilnehmer dabei durch den Raum laufen, also sich bewegen. Verteilt im Raum stehen Flipcharts, auf denen die Teilnehmer ihre Gedanken notieren.

Wir haben die auf Für-Gründer.de noch ausführlichere Informationen zu den Kreativitätstechniken Brainstorming, Brainwriting und Brainwalking zusammengestellt.

#2 Die 6-3-5-Methode

Die 6-3-5-Methode verläuft ähnlich dem Brainwriting. Die Methodik ist dabei bereits im Namen enthalten:

  • 6 Teilnehmer erhalten ein Blatt Papier, auf dem sie
  • 3 Ideen notieren dürfen und die Blätter dann
  • 5 Mal weiterrechen.

Auf einem Blatt Papier mit drei Spalten und sechs Zeilen schreibt jeder Teilnehmer drei Geschäftsideen auf (Zeit: ca. 3 bis 5 Minuten) und gibt anschließend das Blatt an den nächsten Teilnehmer weiter. Dieser ergänzt die vorherige Geschäftsidee oder verfasst eine ähnliche. Der Prozess wird insgesamt 6 Runden durchlaufen. Am Ende des Prozesses hat man also 108 Ideen (6 x 3 x 6).

Nach Abschluss der Runden werden die Ergebnisse analysiert, diskutiert und bewertet.

Weitere Informationen zur 6-3-5-Methode und andere Kreativtechniken haben wir dir hier zusammengestellt.

#3 Painspotting

Der ewige Sturm der schöpferischen Zerstörung.

So beschrieb Joseph Schumpeter, der Erfinder der Theorie der schöpferischen Zerstörung, die radikale Kraft, die der  Methode des Painspotting innewohnt.

Abgeleitet aus dem englischen “pain” für Schmerz und “spot” für entdecken versucht man beim Painspotting, Probleme der Kunden zu identifizieren, die diesen großen Schmerz verursachen (Painspotting). Denn dann sind die unbefriedigten Bedürfnisse besonders groß und für eine entsprechende Lösung ist der Kunde bereit zu bezahlen.

Kurz zusammengefasst wird  beim Painspotting der Ärger des Kunden in Umsatz verwandelt.

Abgeleitet von der Suche nach Problemlösungen für Kunden, kann Painspotting auch für die Suche nach der eigenen Geschäftsidee eingesetzt werden. Dazu sucht man sich Produkte, Dienstleistungen oder Services, über die man sich selbst schon aufgeregt hat und die man für stark verbesserungswürdig hält. Der Ärger wird dann in Energie umgewandelt, um mit verbesserten Produkten in bestehende Märkte einzudringen.

Damit die Methode des Painspotting erfolgreich ist, sind die folgenden Schritte zu beachten:

  • Probleme identifizieren: Grundvoraussetzung für das Painspotting ist, ein Problem zu erkennen bzw. ein Bedürfnis zu identifizieren. Das passiert oft spontan, wenn man sich tatsächlich über ein Produkt / eine Dienstleistung ärgert. Frag dich, welche aktuellen Bedürfnisse deiner Meinung nach durch Produkte nicht ausreichend befriedigt werden. Findest du hier keinen Ansatz, können auch Elemente der Marktforschung genutzt werden.
  • Eigene Stärken kennen: Natürlich sollte man seine eigenen Stärken kennen. Denn auch wenn ein Problem erkannt wird, musst du in der Lage sein, dieses mit deinem Know-how zu lösen. Alternativ kannst du natürlich auch dein Team so zusammenstellen, dass dafür Experten vorhanden sind.
  • Zielgruppe definieren: Eine Zielgruppe muss vorhanden und bekannt sein.

Unser Tipp: Vor dem Start empfiehlt es sich, erfolgreiche Unternehmen anzuschauen, die mit ihrem Produkt auf einem bestehenden Markt durchschlagenden Erfolg hatten. Zahlreiche Beispiele findest du auch auf Für-Gründer.de, zum Beispiel das aus der VOX-Sendung DHdL bekannte Sporthandtuch Towell+.

#4 Mindmapping

Damit die linke (rationales Denken) und die rechte (Kreativität, Phantasie) Gehirnhälfte bei der Suche nach der richtigen Geschäftsidee optimal zusammenarbeiten, könnt ihr die Methode des Mindmappings anwenden. Beim Mindmapping wird ein Problem durch das Prinzip der Assoziation visualisiert und Gedanken können sich frei entfalten.

So funktioniert Mindmapping

Bei der Erstellung einer Mindmap wird das Kernthema/Problem (also die Suche nach einer Geschäftsidee) in der Mitte einer Grafik platziert. Um dieses Kernthema werden nun einzelne Gedankenstränge angeordnet und zusammengehörige Aspekte durch Linien verbunden. Dadurch erhält man eine Art Baum, die Gedankenkarte.

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Beispiel einer Mindmap, erstellt mit dem Tool mind24

Die Mindmap ist also als ein Gerüst zu verstehen, das die Gedanken rund um das Kernthema sortiert und in eine Struktur bringt. Um die Mitte “Geschäftsidee finden” könnten zum Beispiel alle möglichen Ideen und Faktoren ergänzt werden, die den Gründer definieren, z.B. Online-Shop, Programmierkenntnisse, beratungsaffin, Teamplayer, tierlieb, SEO-Experte etc. Am Ende kristallisiert sich z.B. heraus, dass die Geschäftsidee ein selbst programmierter Online-Shop für Tierfutter ist.

Wir zeigen dir die konkrete Herangehensweise bei der Anwendung der Kreativitätstechnik des Mindmappings und stellen 3 kostenlose Tools zur Visualisierung der Mindmap vor.

#5 Die Walt-Disney-Methode

Die Walt-Disney-Methode geht auf Robert B. Dilts zurück und orientiert sich an dessen Sicht auf Walt Disney. Er hat in ihm einen Träumer, einen Realisten und einen Miesepeter gesehen und dementsprechend teilen sich auch die Rollen in der Walt-Disney-Methode auf, ergänzt um die Rolle eines neutralen Beobachters.

Rollen:

  • Träumer (Ideenlieferant)
  • Realist
  • Kritiker (Miesepeter)
  • Neutraler Beobachter

Die Teilnehmer schlüpfen während der Diskussion nacheinander in die verschiedenen Rollen. Der Träumer muss in dieser Art Rollenspiel nun eine Idee spinnen, die der Realist auf seine Umsetzbarkeit prüft und der Kritiker kritisiert. Jeder der Teilnehmer muss einmal alle Rollen einnehmen, der neutrale Beobachter beobachtet und protokolliert die Ergebnisse der einzelnen Runden.

Mit der Walt-Disney-Methode werden klassische Denkmuster aufgebrochen, der Blickwinkel der Teilnehmer ändert sich. Die Technik ist sehr gut geeignet, um eine Geschäftsidee zu finden.

Wie es weitergeht, wenn das richtige Geschäftsmodell gefunden ist

Lean-Startup-Methode

Wenn ihr das passende Geschäftsmodell mit einer der vorherigen Methoden gefunden habt, solltet ihr das Produkt bzw. die Dienstleistung am Markt testen. Um dabei das Risiko vergleichsweise gering zu halten, empfiehlt sich bei der Produktentwicklung die Lean-Startup-Methode. Dabei wird das Produkt nahe am Markt entwickelt und kontinuierlich Kundenfeedback eingeholt und in das Produkt eingearbeitet, um dieses dann in einer neuen Runde erneut zu testen.