Canvas, Hockey Stick & Bootstrapping: So unterhält sich die Start-up-Szene



Du willst gründen und hast schon die passende Idee. Irgendwas mit FinTech, das schnell viral geht. Das Geschäftsmodell steht dank Business Model Canvas, der USP ist definiert, der Proof of Concept durch A/B-Test und SWOT-Analyse erfolgt. Alles soll Lean sein. Nun muss die Seed-Finanzierung her, ihr wollt pitchen. In der Early stage stellt sich die Frage, ob Bootstrapping, Crowdinvesting oder gleich einen BA oder VC ins Boot holen? Damit der Hockey Stick gelingt. Denn alle Early Stage Investoren wollen den Break Even, damit der Exit bald kommt, am besten durch den IPO.

Zugegeben, die Einleitung ist schon ein wenig konstruiert, die Aussagen stark komprimiert. Aber trotzdem könnte so (oder so ähnlich) ein Gespräch verlaufen, wenn ihr euch auf einer Veranstaltung in der Start-up-Szene bewegt und mit Beteiligten sprecht. Nicht selten haben Gründer bei einem Pitch nur wenige Minuten Zeit, um potenzielle Investoren von ihrer Idee zu begeistern. Weshalb die Gespräche durchaus ähnlich verlaufen und mit jeder Menge Fachbegriffen gespickt sein können. Damit ihr darauf zukünftig gut vorbereitet seid und mitreden könnt, stellen wir euch hier einige der wichtigsten Begriffe der Start-up-Szene vor.

Warnhinweis: gründerisch kann zu Verwechslungen führen.
Warnhinweis: gründerisch kann zu Verwechslungen führen.

#1 Pitch

Der Pitch in der Start-up-Szene bezeichnet die Vorstellung einer Geschäftsidee vor einem Kreis potenzieller Investoren in einer vorab festgelegten Zeit. Je nach Art der Präsentation sowie der verfügbaren Zeit werden verschiedene Arten von Pitches unterschieden (z.B. Elevator Pitch, Pitch Deck oder High-Concept-Pitch).

Tipp: Gute Beispiele für einen Elevator Pitch könnt ihr euch hier anschauen.

#2 Business Model Canvas

Beim Business Model Canvas (kurz: BMC) handelt es sich um eine Methode, ein Geschäftsmodell vor der Erstellung eines professionellen Businessplans zu visualisieren und zu testen. Das BMC durchleuchtet dabei alle für den Unternehmenserfolg relevanten Geschäftsbereiche. Gründer können so schnell feststellen, ob es sich lohnt, weiter an ihrer Geschäftsidee zu arbeiten und erhalten gleichzeitig Hinweise, wo sie noch nachbessern bzw. schärfen müssen.

#3 SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse als wichtiger Bestandteil des Businessplans ist ein sehr hilfreiches Tool, um Chancen und Risiken im Geschäftsmodell zu identifizieren. Abgeleitet können Maßnahmen definiert werden, um Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren. Um die Methode der SWOT-Analyse kennenzulernen, könnt ihr unser kostenloses SWOT-Analyse Tool nutzen.

#4 A/B-Test

Der A/B-Test ist eine Methode, um zwei Varianten eines Systems gegeneinander zu testen. Getestet wird dabei eine leicht abgeänderte Version gegen die Originalversion, um zu erkennen, welche Auswirkungen die Änderungen auf die Zielgruppe haben. Der A/B-Test bietet sich zum Beispiel an, um Veränderungen an einer Landing-Page oder Webseite zu bewerten.

#5 Lean Start-up Methode

Mittels der Lean Start-up Methode können vor allem innovative Start-ups testen, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung am Markt akzeptiert wird und erfolgreich verkauft werden kann. Ein schneller Markteintritt mit einem schlanken (englisch: lean) Produkt steht im Vordergrund. Wird das Produkt nicht am Markt akzeptiert, kann es anhand des Kundenfeedbacks schnell angepasst und erneut am Markt getestet werden. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis das optimale Produkt entwickelt und vom Markt akzeptiert wurde.

#6 Franchising

Franchising ist besonders für Gründer interessant, die sich gern selbstständig machen möchten, aber keine eigene Idee haben. Über Franchisebörsen können sie sich ein für sie interessantes Geschäftsmodell auswählen, das von Franchisegebern (Konzessionsgebern) bereitgestellt wird und gegen ein Entgelt als Franchisenehmer (Konzessionsnehmer) nutzen. Die Bedingungen des Franchisings werden im Franchisevertrag geregelt.

So funktioniert Franchising.
Franchising: Viele Zahnräder greifen ineinander und sichern den Erfolg.

#7 Early Adopter

Als Early Adopter bezeichnet man Menschen, die neueste technische Innovationen oder Produkte als erstes benutzen und neue Ideen, basierend auf technischen Errungenschaften, als erstes übernehmen: also die „Erst-Anwender“.

Gerade die Early Adopter werden von innovativen Unternehmen umworben, um Produktinnovationen vor dem eigentlichen Marktstart zu testen bzw. als Trend-Scouts oder Markenbotschafter aktiv zu sein.

#8 USP bzw. Unique Selling Proposition

Als Unique Selling Proposition (kurz: USP) wird das Alleinstellungsmerkmal der Geschäftsidee bezeichnet. Der USP ist somit „das Leistungsmerkmal“, dass das eigene Produkt vom Wettbewerb abhebt und am Markt einzigartig macht.

Bei Pitches ist meist die erste Frage von Investoren die nach dem USP. Darauf sollten Gründer unbedingt vorbereitet sein.

#9 Proof of Concept

Der Proof of Concept soll die generelle Durchführung der Geschäftsidee in der Praxis belegen. Oft erfolgt der Nachweis im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, eines Prototypen bzw. Testballons oder bereits am finalen Produkt (Umsetzung der Geschäftsidee).

Gründer, die bei der Suche nach Investoren bereits einen Proof of Concept nachweisen können, kommen erfahrungsgemäß einfacher und schneller an Beteiligungskapital.

#10 Bootstrapping

Von Bootstrapping spricht man, wenn die Gründung ausschließlich mit eigenem Kapital erfolgt. Durch Bootstrapping gegründete Unternehmen sind häufig schlanker und effizienter, zudem bleiben die Unternehmensanteile in der Hand der Gründer. Damit können Entscheidungen in der Regel wesentlich schneller getroffen werden können. Auf der anderen Seite ist Bootstrapping die sicherlich risikoreichste Finanzierungsstrategie. Hinzu kommt, dass der Weg zum erfolgreichen Unternehmen meist steiniger ist und es vergleichsweise länger dauert, bis große Umsatzgrößen erreicht werden.

#11 Crowdinvesting

Beim Crowdinvesting handelt es sich um eine Finanzierungsform, bei der Kapital von vielen „kleinen“ Investoren über eine Plattform eingesammelt wird. Crowdinvesting wird meist in der Anfangsphase eines Start-ups eingesetzt. Mehr Informationen zum Crowdinvesting und den Plattformen, die ihr für euer Start-up nutzen können, findet ihr in unserem Crowdinvesting-Monitor.

#12 Hockey Stick

Als Hockey Stick bezeichnet man eine steil nach oben gerichtete Entwicklung von wichtigen Unternehmenskennzahlen, bei Start-ups z.B. häufig die Entwicklung von Produktverkäufen, Leads oder Seitenaufrufen.

Hockey Stick heißt es übrigens deshalb, weil das Chart dem Aussehen eines Hockey-Schläger ähnelt.

#13 Business Angels

Business Angels sind vermögende private Investoren, die häufig in der Frühphase einer Unternehmensgründung in Start-ups investieren. Anders als bei Venture-Capitalisten, die in späteren Unternehmensphasen mit häufig siebenstelligen Beträgen einsteigen, investiert der Business Angel in der Regel um die 100.000 Euro.

Neben dem Eigenkapital stehen Business Angels dem Gründer häufig auch als Ansprechpartner mit jeder Menge Know-how zur Seite.

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Ein Business Angel unterstützt mit Eigenkapital und Know-how das Unternehmenswachstum.

#14 IPO

Der IPO, also das Initial Public Offering, bezeichnet den Börsengang eines Unternehmens. Im Rahmen des Börsengangs platziert die Gesellschaft erstmalig eigene Aktien am Kapitalmarkt. Die bisherigen Anteilseigner des Unternehmens können sich durch die Abgabe ihrer Aktien aus dem Unternehmen zurückziehen und im optimalen Fall ihr Investment deutlich über dem Einstiegskurs verkaufen. Das Unternehmen selbst kann sich über diesen Weg zusätzliches Eigenkapital beschaffen.

Der IPO  bzw. Börsengang ist meist die Königsdisziplin eines Exits.

Mit den beschriebenen Fachbegriffen solltet ihr für euer nächstes Gespräch in Gründerkreisen gut gerüstet sein. Natürlich lässt sich die Liste beliebig fortsetzen, zumal fast täglich neue Begriffe dazu kommen. Aber das ist der Stoff für eine Fortsetzung in einem weiteren Beitrag. Bis dahin könnt ihr gerne in der Kommentarfunktion hier im GründerDaily oder auf Facebook Begriffe hinzufügen, die wir für euch übersetzen sollen.

Deshalb: to be continued…