8 Erkenntnisse vom Business Angel Summit Kitzbühel



Es war alles andere als ein „ganz normales Business Angel Event“. Beim zweiten Business Angel Summit in Kitzbühel gab es anstatt eines nüchternen Konferenzraums eine Top Location inmitten der Tiroler Berge. Anstatt den Standard-Powerpoint-Slides mussten die Start-ups in einem zweiminütigen Start-up-Slam überzeugen und anstatt einem „sich berieseln lassen“ mischten sich die Angels direkt zu Beginn unter die Start-ups. Was wir von den Österreichern lernen können – acht Erkenntnisse.

Es war alles etwas anders, als wir uns das von Business Angel Events gewohnt waren – und genau machte aus dem Business Angel Summit in Kitzbühel ein wirklich cooles Event. Wir war beim Summit der womöglich neuen Start-up Metropole der Alpen dabei und haben aus den Keynotes, den Start-up Pitches und den Gesprächen danach acht wichtige Erkenntnisse für Gründer gewonnen:

#1 Österreich wird Start-up-friendly

Start-ups sind in Österreich nun offiziell Chefsache. Auf die Initiative von Wirtschaftsminister und Staatssekretär hat die österreichische Bundesregierung vor ein paar Wochen ein umfangreiches Start-up-Programm verabschiedet. Es umfasst ein Paket in Höhe von 185 Millionen Euro und soll bis 2020 zu 50.000 neuen Gründungen führen. Interessant für Start-ups sind insbesondere die Entlastung der Lohnnebenkosten in den ersten drei Jahren für drei Mitarbeiter (im ersten Jahr müssen keine Lohnnebenkosten entrichtet werden) sowie die Risikokapitalprämie für Investoren. Dabei handelt es sich um eine Art Invest-Zuschuss, bei dem Risikokapitalgeber bis zu 20% des Beteiligungsertrags erstattet bekommen.

BA Summit
Zweiter Business Angel Summit in Kitzbühel in Tirol

#2 Start-ups – seid selbstbewusst!

In der ersten Keynote von Charlie O’Donnel, MD beim Venture Capital Fonds Brooklyn Bridge Venture aus New York, rief der Investment Spezialist alle zehn anwesenden Start-ups auf, selbstbewusst aufzutreten. Es könne nicht sein, dass ein europäisches Start-up sagt „ich hoffe, dass wir heute bis zu 400.000 Euro einsammeln können“.  Wäre der Gründer aus New York, so würde dieser auf die gleiche Frage folgendes erwidern:

Wir sind gerade dabei 400.000 Euro einzusammeln. Sie haben Interesse? Was können Sie mir außer Kapital noch bieten?

#3 Series A hier, Series B in Palo Alto

Apropos Geld: Baruch Gindin, Vorstand des Business Angels Netzwerk in Israel, riet in seiner Keynote zu einem strategischen Vorgehen beim Fundraising. Sein Netzwerk fand nämlich heraus, dass die Unternehmensbewertung im Silicon Valley insbesondere bei Series B Finanzierungen im Durchschnitt 25% höher liegt als in Europa. Er rät daher den anwesenden Start-ups, zuerst die Series A Finanzierung im heimischen Markt vorzunehmen. Erweist sich das Geschäftsmodell dann als interessant, sollten Tickets für Kalifornien gebucht werden.

#4 80% der Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen

Die Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf machte allen Start-ups Mut für die bevorstehenden Pitches. Sie freute sich insbesondere auch über die vergleichsweise hohe Frauenquote – sowohl bei den Start-ups als auch bei den Business Angels. Sie erinnerte gleichzeitig daran, dass bis zu 80% der Kaufentscheidungen entweder direkt oder unter großem Einfluss von Frauen getroffen werden – eine Tatsache, die jeder Gründer berücksichtigen sollte.

Hinzu kommt, dass gemäß einer neuen Studie des Austria Wirtschaftsservice diejenigen Start-ups, bei denen mindestens eine Gründerin an Bord ist, die ersten drei Jahre deutlich häufiger überlebten, als reine Männerteams.

#5 Cooles Format – Start-ups, seid vorbereitet!

Dann ging es endlich los mit den Pitches. Doch anstatt den üblichen Zwei-Minuten-Powerpoint-Schlacht-Pitches wählten die Veranstalter ein anderes Format, das das eine oder anderen Teilnehmer überraschte: Alle Anwesenden wurden gebeten, sich unter die Start-ups zu mischen, die jeweils an ihren Tischen standen. Dann wurde jedes Start-up von den Moderatoren in einem zweiminütigen Pitch befragt. Ein paar Gründer wurden dabei zum Teil eiskalt von den Fragen des Moderators erwischt. Wir merken uns: Start-ups, seid immer und überall auf kritische Fragen gefasst. Gleichzeitig gefiel uns die neue frische Art des Pitchings. Daumen hoch!

Cape Reamol beim Pitch jpg
Gründer Norman Weiss in Action bei seinem zweiminütigen Start-up-Slam

#6 Warum nicht auch mal die Business Angels pitchen lassen?

Überrascht waren übrigens nicht nur die Start-ups, sondern auch die Business Angels. Denn auch die potenziellen Investoren wurden vom Moderatorenteam befragt und mussten quasi auch pitchen. Super Idee – denn daraus ergaben sich im Anschluss direkt interessante Gespräche!

Business Angels beim Pitch
Auch Business Angels mussten Rede & Antwort stehen: Martin Egger im Gespräch

#7 Start-ups mit Mentoren gründen besser?!

Natürlich haben wir uns im Anschluss an den Slam auch unter die Start-ups gemischt – welche uns besonders gut gefallen, erfahrt ihr unter Punkt #8. Vorab aber noch eine kleine interessante Anekdote: Eines der Start-ups wurde in Schweden aus der Universität heraus geplant. Die Gründer sind der vollen Überzeugung, dass sie dank den Mentoren deutlich besser und schneller gegründet haben als andere Start-ups.

Ob Gründer mit Mentoren wirklich besser gründen können wir zwar nicht nachweisen. ABER: Das erwähnte Start-up benötigte insgesamt nur sieben Monate für die Entwicklung des Produkts und war zum Zeitpunkt des Pitches schon profitabel. Zumindest die Zahlen sprechen eindeutig für die These der Gründer…

#8 Vier Start-ups, die uns überzeugt haben

Im Großen und Ganzen haben sich alle Start-ups gut präsentiert. Nichtsdestotrotz gab es vier Unternehmen, die uns besonders gut gefallen haben:

  • Cape Reamol
    So cool wie das Produkt selbst – ein Harness für Wakeboard & Wasserski – war auch die Präsentation von Norman Weiss, dem Gründer. Wir glauben, dass das Produkt einen echten Mehrwert liefert und sind gespannt, ob das Start-up so richtig abhebt.
  • Piur Imaging
    Piur Imaging ermöglicht eine kostengünstige dreidimensionale Ultraschall-Bildgebung und liefert so einen echten Mehrwert für die Diagnostik. Das Unternehmen hat schon ein paar namhafte Business Angels an Bord – ob noch weitere nach dem Business Angel Summit dazukamen?
  • Waytation
    Ein Google Analytics für Messeveranstalter – so könnte man vermutlich grob das Angebot von Waytation bezeichnen. Die Tracking Software liefert interessante Daten über die Customer Journey eines jeden Besuchers. So können Messeaussteller zum einen ihren Messestand optimieren und gleichzeitig auch feststellen, ob eher die Flyer oder der Kaffeestand Messebesucher angelockt hat.
  • PowUnity
    Mit Neverloose hat das Unternehmen ein Gadget entwickelt, dass dem Verlust und Diebstahl von Skiern, Snowboards und bald auch Fahrrädern vorbeugt. Das Unternehmen hat nur sieben Monate Entwicklungszeit benötigt und bereits eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo zu verzeichnen. PowUnity – never loose traction!
PowUnity Bild jpg
Stefan Sinnegger von PowUnity erklärt den Nutzen von Neverloose

Macht euer Start-up Business Angel-ready

Für viele Gründer ein Business Angel gerade in der Früh-/Seed-Phase ein guter Weg zur Finanzierung, denn dieser bringt nicht nur Kapital mit, sondern oftmals auch wertvolles Know-how und Kontakte. In unserer dreiteiligen Serie erfahrt ihr, wie ihr euer Start-up für die Geschäftsengel startklar macht: