Erfolgreich an einem Gründerwettbewerb teilnehmen: so geht’s



Jedes Jahr belohnen Gründerwettbewerbe die besten Geschäftsideen mit Preisgeldern, medialer Aufmerksamkeit und wertvollem Feedback. Aufgrund der Vielfalt der Wettbewerbe ist es aber oft nicht so einfach, den passenden Wettbewerb zu finden und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Daher analysieren wir die Wettbewerbslandschaft und stellen mit unserer Publikation Gründerwettbewerbe in Deutschland einen Leitfaden für die erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme zur Verfügung.

Die Teilnahme an einem Gründerwettbewerb lohnt sich – ganz egal, in welcher Gründungsphase Sie sich befinden. Ein Großteil der von uns erfassten Wettbewerbe richtet sich an Gründungsinteressierte in der Ideenphase. Dementsprechend ist entweder die Entwicklung des Geschäftskonzepts oder die Erstellung des Businessplans Gegenstand der Teilnahme. Dafür bieten die Organisatoren der Wettbewerbe strukturierte Verfahren an, oft in Verbindung mit Tools und umfangreichen Leitfäden. Bei mehrstufigen Wettbewerben erfolgt sogar ein reibungsloser Übergang von der Ideen- in die Planungsphase, so dass am Ende der Teilnahme häufig ein bankfähiger Businessplan steht. Sie stellen im Wettbewerbsverlauf fest, wo es bei Ihrer Idee noch hakt, und können nachjustieren.

Leitfaden zur Wettbewerbsteilnahme
Wer sich an unserem Leitfaden orientiert, ist besser vorbereitet, erhöht seine Chance auf die nächste Wettbewerbsrunde und damit vielleicht sogar auf einen Sieg.

Ganz unabhängig von der Gründungsphase ist das Rahmenprogramm der Wettbewerbe sehr vielseitig gestaltet, insbesondere, was die Wissensvermittlung rund um die Gründung betrifft. Bei Workshops und Seminaren zu Spezialthemen oder Vorträgen prominenter Unternehmer bekommen Sie direktes Feedback zu Ihrem Geschäftskonzept. Zudem stehen Ihnen bei einigen Wettbewerben auch persönliche Mentoren zur Seite, die gemeinsam mit Ihnen an dem Konzept arbeiten. Also egal, ob Sie später zu den Gewinnern des Wettbewerbs gehören oder nicht, Sie profitieren in jedem Fall vom kostenfreien Expertenrat.

Gründer, die schon erste Markterfolge erzielen konnten, profitieren insbesondere dadurch, dass Geschäftsmodelle auf den Prüfstand gestellt werden und das Expansionspotenzial bewertet wird. Ein externer Blick kann dabei zu Perspektiven verhelfen, die man im unternehmerischen Alltag selbst kaum wahrnimmt. Schließlich sind gelegentlich auch Kapitalgeber bei der Prämierung dabei und immer auf der Suche nach ausgezeichneten Ideen, in die sie investieren können. Anna Rojahn, Gründerin und Geschäftsführerin von FAST FORWARD IMAGING fasst zusammen:

Der Hauptpreis beim „Neumacher“ der WirtschaftsWoche hat uns nicht nur Publicity und ein tolles Portfolio an Sachpreisen von namhaften Partnern eingebracht, sondern auch eine große Zahl von Kundenanfragen.“

Aus über 170 Gründerwettbewerben den richtigen finden

Ideenwettbewerb, Businessplanwettbewerb, Gründer- oder Innovationspreis? Nicht jeder Wettbewerb ist für jedes Start-up geeignet. Einige der Wettbewerbe richten sich an Gründungsinteressierte, die noch an ihrer Geschäftsidee feilen, bei anderen Wettbewerben sind bereits gewisse Umsätze Voraussetzung für eine Teilnahme. Wir zeigen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gründerwettbewerbstypen auf und erklären, welche Wettbewerbsform zu welchem Gründer am besten passt.

Eine gewisse Vorauswahl ergibt sich bereits von alleine, da nicht jeder Wettbewerb deutschlandweit ausgeschrieben wird. Vielmehr liegt der Fokus bei über 60 % der Wettbewerbe auf einer regionalen Ausrichtung, wie die Ergebnisse unserer Analyse des Wettbewerbsjahres 2015 zeigen. Knapp die Hälfte aller Auszeichnungen bei Gründerwettbewerben wird anhand von Branchenschwerpunkten an die Bewerber vergeben. Damit entfallen weitere Wettbewerbe. Letztlich unterscheiden Gründerwettbewerbe sich auch nach der jeweiligen Entwicklungsphase, in der Gründer sich zum Zeitpunkt der Teilnahme mit ihrer Geschäftsidee befinden. Differenziert wird dabei in der Regel nach vier verschiedenen Wettbewerbstypen:

  • Ideenwettbewerbe für Gründungswillige in der Ideenphase
    Beispiele: futureSAX-Ideenwettbewerb, StartUp-Impuls, UNIKAT Ideenwettbewerb
    Zielgruppe: Gründungswillige mit einer ersten Idee bzw. einem Grobkonzept
    Bewerbungsunterlagen: Onepager, mehrseitige Ideenskizze oder Business Model Canvas
  • Businessplanwettbewerbe für Gründer mit einem konkreten Plan
    Beispiele: Münchener Businessplan Wettbewerb, NUK-Businessplan-Wettbewerb, Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
    Zielgruppe: Personen mit Gründungsabsicht und konkretem Konzept oder einem jüngst gegründeten Unternehmen
    Bewerbungsunterlagen: Businessplan, bei mehrstufigen Wettbewerben genügt zu Beginn auch eine Ideenskizze
  • Gründerpreise für etablierte Unternehmen
    Beispiele: Deutscher Gründerpreis, Gründerpreis NRW, invention Gründerpreis
    Zielgruppe: Junge Unternehmen mit ersten größeren Erfolgen am Markt
    Bewerbungsunterlagen: Einreichung einer Unternehmens- und Geschäftsideenbeschreibung samt Darlegung des Umsatzes (oder der Bilanzsumme) sowie der Mitarbeiterzahl
  • Innovationspreise für neuartige Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen
    Beispiele: VR-InnovationsPreis Mittelstand, Innovationspreis-IT, Innovationspreis der deutschen Wirtschaft
    Zielgruppe: Unternehmen jeder Größe mit neuen, innovativen Produkten oder Dienstleistungen, häufig mit einer gesonderten Kategorie für Start-ups
    Bewerbungsunterlagen: Fokus liegt auf der Beschreibung der Innovation

Worin die konkreten Unterschiede zwischen den Wettbewerbsformaten liegen, erfahren Sie ab Seite 51 in unserer Sonderausgabe zum Thema Gründerwettbewerbe in Deutschland.

Die wichtigsten Regeln zur Wettbewerbsauswahl: Qualität statt Quantität

Nun muss am Ende des Tages die Wahl auf einen oder mehrere Wettbewerbe fallen. Die Betrachtung der Vorjahressieger dient als gute Orientierungshilfe bei der Wahl der passenden Wettbewerbe und verschafft einen Eindruck davon, welche Geschäftskonzepte bei der Jury besonders gut ankommen. Am Schluss sollten Sie sich für maximal fünf bis zehn Gründerwettbewerbe entschieden haben, so dass Sie die Erstellung der individuell zugeschnittenen Bewerbungsunterlagen nicht vor neue Herausforderungen stellt.

Das ABC der Wettbewerbsteilnahme

Bei der Teilnahme an einem Wettbewerb sind Gründer gefordert, viele Informationen und Kennzahlen zusammenzutragen. Dabei ist sorgfältig darauf zu achten, dass man nichts Wichtiges vergisst oder weglässt, sonst droht das Aus, noch bevor es richtig losgeht. Hat man den Einstieg in den Wettbewerb geschafft, lauern aber schon die nächsten Stolperfallen. Zur Vorbereitung auf eine erfolgreiche Teilnahme haben wir ein Wettbewerbs-ABC erstellt.

A wie Auswahl treffen
Für einen leichteren Einstieg in die Welt der Gründerwettbewerbe sollte man sich also zuerst einmal fünf bis zehn Wettbewerbe heraussuchen, die am besten zu einem passen. Neben den branchenoffenen Wettbewerben ergibt sich die Selektion anhand der Branchenschwerpunkte, die viele Wettbewerbe vorgeben. Zudem ist darauf zu achten, dass die zur Wahl stehenden Wettbewerbe zur eigenen Unternehmensphase passen. Um erste Erfahrungen zum Wettbewerbsablauf zu sammeln, müssen es zu Beginn auch nicht gleich die bundesweiten Wettbewerbe mit mehreren Hundert Einreichungen sein, sondern idealerweise zunächst regionale Wettbewerbe mit einem überschaubareren Teilnehmerfeld.

B wie Bewerbungsunterlagen vorbereiten
Wenn geforderte Auskünfte zur Konkurrenzanalyse, Zielgruppendarstellung oder zum Kundennutzen fehlen, obwohl sie als Teil der Bewerbung eingefordert werden, stehen die Chancen für ein Weiterkommen schlecht. Auch wichtige Kennzahlen wie Klicks, Nutzer, Umsätze, Gewinne und Margen sind offen zu nennen, wenn danach gefragt wird. Ob Neumacher Gründerwettbewerb, Gründerpreis Baden-Württemberg, DurchSTARTer oder invention Gründerpreis – sie alle erklären, „unvollständige Bewerbungen nicht zu berücksichtigen“.

Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Wortwahl. Gründern wird geraten, sich bei der übermäßigen Verwendung von Fachbegriffen zu zügeln.

  • Hierzu ein Beispiel: Man könnte schreiben, dass eine Embolia cutis medicamentosa Hautnekrose verursachen kann. Man könnte aber auch schreiben, dass im Falle einer versehentlichen Injektion eines Medikaments in eine Arterie möglicherweise das Gewebe im Bereich der Einspritzstelle abstirbt.

C wie Clever pitchen
Wenn der erste Eindruck Ihrer Bewerbung die Gutachter überzeugt und Ihre Geschäftsidee in die engere Auswahl kommt, bitten die meisten Gründerwettbewerbe zu einer Präsentation des Konzepts vor einer Jury. Bei diesem Pitch kommen viele wichtige Kompetenzen zusammen, die ein Gründer braucht. Souveränität, ein professioneller Ausdruck, Fachwissen und ein positives Auftreten. Eine gewisse Portion Charme ist dabei sicherlich auch von Vorteil, wenn mal die Technik streikt oder der Faden verloren geht. Aber wenn der Kandidat keine oder nur unzureichende Antworten auf kritische Juryfragen hat, verschenkt er wertvolle Punkte.

Zum perfekten Pitch gehört zudem auch das Produkt, das fehlerfrei vorgeführt werden sollte. Defekte oder unvollständige Prototypen machen einen schlechten Eindruck.

Weitere Tipps zu den einzelnen Schritten im Bewerbungsverfahren gibt es in unserem Leitfaden für die erfolgreiche Teilnahme ab Seite 53.

Professionelle Pressearbeit: vom Siegertreppchen in die Medien

Mindestens genauso wichtig wie der Gewinn am Ende ist die mediale Aufmerksamkeit währenddessen und im Anschluss an den Wettbewerb. Richtig genutzt kann diese langfristig wirken und auch neue Kontakte zu Geschäftspartnern oder Kunden bringen.

Wenn Sie an einem Wettbewerb teilnehmen, sollten Sie sich darauf einstellen, mit Journalisten in Kontakt zu kommen. Insbesondere bei größeren Wettbewerben ist eine mediale Aufmerksamkeit häufig automatisch gegeben. So ist beispielsweise das ZDF ein Mitinitiator des Deutschen Gründerpreises. Aber auch fast alle kleineren Wettbewerbe haben Medienpartner, die über die Preisträger und Teilnehmer berichten. Zusätzlich betreiben die Organisatoren jedes Wettbewerbs Pressearbeit, wodurch Ihr Name, insbesondere als Sieger, sicherlich publik wird.

Stellen Sie sich darauf ein, dass Journalisten im Laufe des Wettbewerbs und nach einer Preisverleihung Ihre Website besuchen. Dort sollten stets alle Daten aktuell sein, Bildmaterial zur Verfügung stehen sowie ein Pressekontakt angegeben sein. Machen Sie es den Journalisten möglichst leicht, an die richtigen Informationen über Ihr Unternehmen zu gelangen. Bereiten Sie eine Pressemappe vor, in der alle relevanten Fakten rund um das Unternehmen und das Gründerteam in einer PDF-Datei zusammengestellt sind. So erhalten die Berichterstatter alle wichtigen Informationen unkompliziert auf einen Blick.

Zum aktuellen Onlineauftritt gehören auch aktuelle Informationen in den Social Media-Kanälen. Halten Sie Ihre Community bei Facebook, Twitter und Co. auf dem Laufenden und machen Sie sich bewusst, dass auch Journalisten die sozialen Netzwerke häufig als Informationsquelle nutzen.

Auch bei der Preisverleihung selbst sollten Sie Medienvertretern vorbereitet gegenübertreten. Überlegen Sie sich, wie Sie im Falle eines Interviews in den Medien rüberkommen möchten, welche Kernaussagen Sie vermitteln wollen und welche Kleidung Sie dabei tragen. Zum perfekten Medienauftritt gehört vor allem eines, nämlich Gelassenheit (und ein bisschen Erfahrung).

Wenn Sie die mediale Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einer Wettbewerbsteilnahme für Ihr Unternehmen optimal nutzen wollen, sollten Sie strukturiert vorgehen. In unserer Publikation Gründerwettbewerbe in Deutschland zeigen wir Ihnen fünf Schritte, die dabei helfen, Journalisten mit den richtigen Informationen zu versorgen und professionelle Pressearbeit zu betreiben.

Alle Tipps und Wettbewerbe auf einen Blick

  • Wenn unsere Praxistipps zur Teilnahme an einem Gründerwettbewerb für Sie nützlich waren, sollten Sie sich unsere vollständige Publikation zum Thema ansehen. Darin haben wir noch mehr Wissenswertes für Teilnahmeinteressierte vorbereitet.