Wild bis smart: fünf Geschäftsideen, die Juroren überzeugen



145 Gründerwettbewerbe haben 2015 ihre besten Geschäftsideen prämiert. Über 800 Start-ups und Gründerteams erhielten eine Auszeichnung. Wir haben daraus die Top 50 mit den meisten Preisen identifiziert und nochmals eine Auswahl getroffen, um einige der genialen Geschäftsideen näher vorzustellen.



In den kommenden Wochen werden wir Ihnen in drei Teilen insgesamt 15 Geschäftsideen der Top 50 Start-ups aus dem Jahr 2015 vorstellen. Los geht es mit eindrucksvollen Ideen aus IT, Medizintechnik und dem Handwerk. Konkret geht es um gesunde Kinderschuhe, medizinische Handschuhe mit Hygieneextra, Verschlüsselungstechnik, eine 3D-Modell-Verkaufsplattform für Architekten und virtuelle Welten für Spieleentwickler auf Knopfdruck.

Wildling Shoes: gesunde und faire Kinderschuhe

Schuhe haben die Aufgabe, unsere Füße vor Nässe, Kälte sowie gegenüber Schmutz und Verletzungen zu schützen. Doch sie haben auch einen Nachteil. Mit ihren dicken Sohlen nehmen sie der Fußmuskulatur einen Großteil ihrer Arbeit ab und lassen diese verkümmern. Gerade bei Kindern kann das aber zur Fehlstellung führen, meinen Anhänger des Barfußlaufens.

Barfußschuhe für Kinder wie die von Wildlings Shoes bieten weiterhin Schutz, aber auch genügend Flexibilität, welche die natürliche Entwicklung des Fußes unterstützen soll. Eltern braucht man vermutlich nicht von den Vorteilen gesunder Schuhe zu überzeugen. Mit einem wildromantischen Markenauftritt und einem Design, das an Jika-Tabi-Schuhe erinnert, auf die schon die Ninjas im alten Japan schwörten, versucht Wildling Shoes auch Kinder für sich zu begeistern.

Wildling Shoes spielt mit einem wild romantischem Image (Bild: Wildling.shoes)
Wildling Shoes spielt mit einem wild romantischem Image (Foto: Wildling Shoes)

Die Materialien kommen aus nachhaltiger Produktion und werden fair gehandelt. Der Großteil der Schuhe ist sogar vegan, das heißt sie bestehen aus pflanzlichen Fasern wie Baumwolle, Naturkautschuk, Hanf, Moos, Kork oder Bambus. Darüber hinaus werden Wildlings Schuhe in einer portugiesischen Manufaktur in Handarbeit hergestellt. Die Geschäftsidee von Wildling Shoes konnte die Jury bei gleich zwei Gründerwettbewerben überzeugen, sammelte hier insgesamt 10.000 Euro an Preisgeldern ein und landete damit auf Platz 28 unserer Rangliste.

IP Gloves: die Extralasche für mehr Hygiene

Eine mangelnde Handhygiene ist Grund für 40 % aller Krankenhausinfektionen und ist für Patienten lebensgefährlich. Ein Teil des Problems: jeder dritte Krankenhausmitarbeiter berührt beim Ausziehen der Handschuhe den äußeren Rand. Dabei wird das Handgelenk kontaminiert und potenzielle Bakterien mit jeder Berührung und jedem Handschlag auf andere übertragen. Die Handschuhe von IP Gloves sind mit einer Lasche am Handgelenk ausgestattet. So lässt sich die Kontamination des Unterarms beim Ausziehen des Handschuhs vermeiden und die Anzahl der Krankenhausinfektionen reduzieren.

IP Gloves hilft mit einer Lasche beim Ausziehen von Gummihandschuhen (Bild IP Gloves)
IP Gloves hilft mit einer Lasche beim Ausziehen von Gummihandschuhen (Foto: IP Gloves)

Zum Gründerteam des jungen Unternehmens gehören der Medizinstudent Maxim Gleser, der die Idee zu IP Gloves während eines Praktikums in der Pathologie hatte und der Maschinenbaustudent Paul Diers, der das nötige technische Know-how für die Produktentwicklung mitbrachte. IP Gloves war 2015 Gewinner beim StartUp-Impuls Wettbewerb und erreichte außerdem den zweiten Platz beim Gründerwettbewerb start2grow.

Mynigma: mitlesen nicht erwünscht

Der Inhalt einer E-Mail lässt sich genauso einfach mitlesen, wie der einer Postkarte. Es gab schon viele Versuche die E-Mail sicherer zu machen. Um vertrauliche Daten zu schützen, führt kein Weg an einer guten Verschlüsselung vorbei. Die Möglichkeiten hierzu verbergen sich jedoch tief in den Einstellungen des E-Mail-Programms und sind für den normalen User zumeist kaum zu verstehen.

Mynigma ist eine E-Mail-App, die sich automatisch um die Verschlüsselung kümmert, ohne dass sich der Nutzer damit selbst beschäftigen müsste. Das Programm arbeitet mit bekannten E-Mail-Konten, wie Gmail, GMX oder web.de, zusammen und ist für Privatanwender kostenlos.

Mynigma
Die installierte Mynigma-App schaltet automatisch auf den verschlüsselten Modus um (Bild: Mynigma)

Damit eine verschlüsselte Mail auch vom Empfänger gelesen werden kann, müssen natürlich beide Kommunikationsparteien Mynigma nutzen. Das Programm ist Open-Source und kann damit sogar von unabhängigen Experten auf Sicherheitslücken geprüft werden. Die App von Mynigma ist sowohl für den Desktop als auch für die wichtigsten Smartphone-Betriebssysteme verfügbar.

Virtuelle Gebäude von CADS AND DOCS für Spiele

Allein in Deutschland erschaffen Architekten über 100.000 Gebäudezeichnungen in Form von detaillierten 3D-Modellen, um ihren Kunden Vorschläge zu machen oder an Ausschreibungen teilzunehmen. Aber nur die wenigsten Modelle werden tatsächlich umgesetzt. Die meisten fristen ihr Dasein ungenutzt auf dem digitalen Friedhof. Gleichzeitig wirken Computerspiele und die darin abgebildeten virtuellen Realitäten immer echter. Hierfür erschaffen Grafiker mit hohem Aufwand neue Gebäude, Städte und Landschaften von Grund auf neu.

CADS AND DOCS bringt Architekten und Spieleentwickler auf einer Plattform zusammen (Bild: cadsanddocs.de)
Auf CADS AND DOCS werden Architekten zu Baumeister virtueller Welten (Bild: CADS AND DOCS)

CADS AND DOCS möchte für die Verbindung von Angebot und Nachfrage von virtuellen Gebäuden eine Plattform schaffen, auf der Architekten ihre 3D-Modelle zum Verkauf anbieten und so ihre ungenutzten Modelle doch noch verwenden können. Spieleentwickler können sich die Modelle bereits im Browser ansehen, um zu überprüfen, ob sie zu ihrem Projekt passen. Damit kommen die Entwickler schneller und günstiger zum überzeugenderen Endprodukt. CADS AND DOCS befindet sich momentan noch in der Testphase und möchte Mitte 2016 mit der Plattform an den Markt gehen.

Virtuelle Landschaften von Desaia für Entwickler

Auch bei Desaia geht es um die Erschaffung von virtuellen Welten. Statt um Gebäude kümmert sich die Software des Berliner Start-ups um Landschaften. Diese ermöglicht einen hoch effizienten Gestaltungsprozess einer gesamten, konsistenten 3D-Welt sprichwörtlich auf Knopfdruck, ohne dass dabei die Flexibilität verloren geht.

Der Gestalter der 3D-Welt wählt einige Parameter aus, um festzulegen, ob es sich um eine bergige Landschaft oder eher um Flachland handeln soll. Auch das Maß an Vegetation kann bestimmt werden, mit einem Schieberegler verändert man die Parameter. So wird aus einer frühlingshaften Blumenwiese im Handumdrehen eine winterliche Eislandschaft.

Die generierten Welten können vom Gestalter in seine bestehende Konstruktionssoftware importieren und von Hand angepasst werden. Desaia schätzt, dass dadurch der Workflow um 50 % reduziert werden kann. Desaia richtet sich sowohl an die Computerspiele- als auch an die Filmindustrie.

Desaia erschafft virtuelle Landschaften auf Knopfdruck (Bild: desaia.de)
Desaia erschafft virtuelle Landschaften auf Knopfdruck (Bild: Desaia)
  • Wenn Sie selbst noch auf der Suche nach einer Geschäftsidee sind oder wissen möchten, ob Ihre Geschäftsidee ebenfalls das Zeug dazu hat, Preise abzuräumen, sollten Sie einen Blick in unsere Sonderausgabe Gründerwettbewerbe in Deutschland werfen. Darin finden Sie weitere spannende Geschäftsideen und einen Leitfaden zur erfolgreichen Bewerbung bei einem Wettbewerb.