Talentcube gründet mit Mobile Recruiting aus der Uni



In ihrer Masterarbeit analysierten sie die Bewerbungsprozesse verschiedener Unternehmen und entdeckten einige Schwachstellen. Daraus entwickelte das junge Gründerteam von Talentcube die Idee für ein eigenes Unternehmen. Die App des Start-ups verschafft Personalern per Videointerview einen authentischen Eindruck von den Bewerbern und spart so beiden Seiten Zeit durch eine bessere Vorauswahl für das Bewerbungsgespräch. 

Für-Gründer.de: Hallo Hendrik, worum geht es bei Talentcube und wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Hendrik Seiler: Talentcube ist eine mobile Bewerbungsplattform, über die Unternehmen ihren Bewerbern eine sehr einfache und gleichzeitig authentische Möglichkeit bieten können, sich direkt per Smartphone bei ihnen zu bewerben. Die Idee zu Talentcube entstand aus einer Masterarbeit zum Thema „Mobile Recruiting” in der die Schwachstellen aktueller Bewerbungsprozesse untersucht und Optimierungsansätze durch den Einsatz von Smartphones abgeleitet wurden.

Wir haben recht schnell erkannt, dass heute bereits eine Vielzahl an Bewerbern per Smartphone auf Jobsuche geht und sich dann auch direkt bewerben würde, dies allerdings in den seltensten Fällen möglich ist.

Zur Erstellung einer professionellen Bewerbung muss immer wieder auf den PC zurückgegriffen werden. Des Weiteren haben uns viele Personaler in Gesprächen mitgeteilt, dass heutzutage bis zu fünfzig Prozent der Vorstellungsgespräche umsonst geführt werden, da der Bewerber in Realität kaum dem Ersteindruck aus der Bewerbung entspricht.

Die Bewerbung über Talentcube wirkt genau diesen beiden Problemen entgegen. Sie erfolgt direkt über das Smartphone und übermittelt die Persönlichkeit der Bewerber, die in klassischen Bewerbungsunterlagen schlichtweg nicht zum Ausdruck kommt.

Der Clou bei unserer Bewerbung, die Kandidaten antworten bereits bei der Bewerbung auf explizite Fragen des Unternehmens und zeichnen ihre Antworten mit der Frontkamera des Smartphones auf.

Unternehmen erhalten auf diese Weise bereits bei der Bewerbung einen persönlichen und authentischen Ersteindruck der Kandidaten.

Für-Gründer.de: Wer ist eure Zielgruppe und wie wollt ihr sie erreichen?

Hendrik Seiler: Talentcube spricht die junge Zielgruppe der Schüler, Studenten und Young Professionals an, für die das Smartphone zum alltäglichen Begleiter in allen Lebenssituationen geworden ist. Der klassische Talentcube-Nutzer ist mit dem Smartphone auf Jobsuche und schätzt die Vorzüge, sich auf einfache und unkomplizierte Weise bei Unternehmen bewerben und es mit der eigenen Persönlichkeit überzeugen zu können.

Auf der anderen Seite sprechen wir Unternehmen an, die im Recruiting mit der Zeit gehen und Jobsuchenden einen innovativen Bewerbungskanal bieten möchten. Für uns eignen sich natürlich sämtliche Online-Kanäle, um diese Zielgruppen zu erreichen. In unserer Marketing-Strategie dürfen soziale Medien nicht fehlen, über die junge Menschen angesprochen werden können. Aber auch Messen und Uni-Veranstaltungen sind ein interessanter Kanal für uns, um neben den jungen Jobsuchenden auch Unternehmen zu erreichen.

Für-Gründer.de: Wie funktioniert Talentcube für Bewerber?

Hendrik Seiler: Für Bewerber bietet Talentcube eine App, bei der man sich mit Xing, Linkedin oder Facebook anmeldet und ein automatisiert erstelltes Bewerberprofil mit Lebenslauf erhält. Stößt ein Bewerber auf eine Stellenanzeige, bei der das entsprechende Unternehmen Talentcube als Bewerbungsalternative anbietet, ist ein fünfstelliger Jobcode hinterlegt. Dieser muss vom Bewerber in der App eingegeben werden, wodurch wir wissen, auf welchen Job sich der Nutzer bewerben will.

Anschließend beantwortet er drei vom Unternehmen vorgegebene Fragen in jeweils 30 Sekunden mit der Frontkamera seines Smartphones und sendet diese zusammen mit seinem Bewerberprofil per App an das Unternehmen. Ist kein Jobcode vorhanden, hat der Bewerber natürlich alternativ die Möglichkeit, sich die Fragen selbst auszusuchen und sich initiativ per Talentcube bei Unternehmen zu bewerben.

Das Team von Talentcube
Das Team von Talentcube

Für-Gründer.de: Welchen Mehrwert liefert ihr Arbeitgebern mit eurer Software?

Hendrik Seiler: Unternehmen erhalten einen innovativen Bewerbungskanal und erreichen dadurch die junge Zielgruppe, die heutzutage vermehrt ihr Smartphone zur Jobsuche verwendet. Des Weiteren kann der Personaler sich von Anfang an einen persönlichen Ersteindruck der Bewerber verschaffen. Durch die Definition der drei Interviewfragen lassen sich die Antworten der Bewerber miteinander vergleichen und es werden nur noch die interessanten Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Für-Gründer.de: Wie wollt ihr mit Talentcube Geld verdienen?

Hendrik Seiler: Geld verdienen wir mit den Unternehmenskunden. Diese zahlen, je nach Anzahl geschalteter Stellen, monatlich einen Pauschalpreis, um den Dienst nutzen und anbieten zu können. Hierbei variieren die Kosten natürlich von der Anzahl der registrierten Stellenanzeigen und der jeweiligen Laufzeit. Für Bewerber ist die Nutzung der App komplett kostenfrei.

Für-Gründer.de: Warum glaubt ihr, werdet ihr mit dieser Idee erfolgreich sein?

Hendrik Seiler: Wir sind der Meinung, dass die Zeit reif ist, auch auf dem Recruiting-Markt neue und zeitgemäße Bewerbungsalternativen einzuführen. Bestätigt werden wir hierbei durch die große Anzahl an Unternehmen, die uns innerhalb der ersten Wochen bereits einsetzten. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie ihre Bewerber bereits im Recruiting-Prozess richtig abholen müssen, um sie als Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen.

Außerdem zeigen erste Erfahrungswerte, dass der persönliche Ersteindruck, der durch unsere Bewerbungen vermittelt wird, die Personalauswahl entscheidend vereinfacht. Bewerber und Unternehmen ersparen sich somit eine Vielzahl an Vorstellungsgesprächen.

Für-Gründer.de: Was ist euer Alleinstellungsmerkmal und wer sind eure größten Wettbewerber?

Hendrik Seiler: Mittlerweile haben einige Start-ups das Thema Recruiting als lukrativen Markt entdeckt. Hierbei fokussieren sich die meisten allerdings auf die Optimierung des Suchprozesses und bieten, wenn überhaupt, nur eine One-Click-Bewerbung über das Smartphone an, wodurch oftmals die Bewerbungsqualität leidet.

Bei Talentcube steht die Qualität und Professionalität einer Bewerbung ganz klar im Vordergrund. Wir können eine mobile Bewerbung bieten, die auch das herkömmliche Anschreiben in seiner Aussagekraft deutlich übertrifft. Zudem ist es mit Talentcube erstmals möglich, sich mit nur einer App auf jeden beliebigen Job in Deutschland zu bewerben.

Für-Gründer.de: Was konntet ihr mit Talentcube bisher erreichen und wo lagen die größten Hürden?

Hendrik Seiler: Im September dieses Jahres sind wir offiziell mit der Plattform live gegangen und konnten bereits über fünfzig Unternehmen überzeugen, Talentcube als mobilen Bewerbungskanal einzusetzen.

Das Thema Vertrieb war für uns am Anfang eine große Herausforderung. Und auch jetzt ist es für uns entscheidend, die Vertriebs- und Marketingprozesse weiter zu optimieren, sodass wir eine große Reichweite erlangen und entsprechende Wachstumsraten erzielen.

Für-Gründer.de: Hat euch die EXIST-Förderung weitergeholfen und würdet ihr sie auch anderen Studierenden oder Absolventen empfehlen?

Hendrik Seiler: EXIST war für uns eine wichtige Unterstützung, speziell in der Anfangsphase.

Durch den finanziellen Rückhalt konnten wir uns zu Beginn voll auf die Entwicklung und den Aufbau eines Kundenstammes konzentrieren, ohne direkt auf Investorensuche gehen zu müssen. 

Auch die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen war für uns ein großer Mehrwert. Speziell bei fachspezifischen Fragen waren wir nie auf uns allein gestellt, sondern konnten auf die Kompetenzen unseres Mentors und das Netzwerk der Hochschule zurückgreifen. Demnach würden wir die EXIST-Förderung definitiv weiterempfehlen.

Für-Gründer.de: Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Hendrik Seiler: EXIST läuft noch bis Ende März nächsten Jahres. Aktuell schauen wir uns noch nach einer geeigneten Anschlussfinanzierung um, damit wir die geplanten Maßnahmen zur weiteren Kundenakquise zeitnah vorantreiben können. Des Weiteren haben wir schon weitere Funktionserweiterungen geplant, um den Nutzern die Bedienung des Tools, aber auch den Prozess der Bewerbung weiter zu erleichtern.

Für-Gründer.de: Welche drei Tipps wollt ihr zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

Hendrik Seiler: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, von Anfang an zu wissen, wer eigentlich mit dem Produkt oder der Dienstleistung angesprochen werden soll. Bevor man beginnt sich an die Umsetzung zu machen, sollte man mit relevanten Personen aus allen Zielgruppen sprechen, um das Produkt von Beginn an auf die wahren Kundenbedürfnisse anzupassen.

Auch wenn mal schwierige Zeiten während der Gründung auf euch zukommen, gebt nicht auf und lasst euch nicht unterkriegen.

Baut euch so schnell es geht ein großes Netzwerk auf. Man kann nicht alles alleine machen und guter Rat muss nicht immer teuer sind. Wir haben durch die richtigen Kontakte schon viele Erkenntnisse und auch Kunden gewonnen, die uns erst dahin gebracht haben, wo wir aktuell stehen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!

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