ReMoD geht mit EXIST einen Schritt nach dem anderen



ReMoD ist Name eines innovativen Berliner Start-ups und gleichzeitig die Abkürzung für das bahnbrechende Gerät, das Gründerin Anna Gutmann entwickelte. Das Remember Motion Device ist ein Gerät zur Haltungs- und Bewegungskorrektur. Im Fokus stehen Patienten mit halbseitiger Lähmung. Warum? Weil die Tochter der Gründerin von Geburt an halbseitig gelähmt ist. Die Mutter wurde aus der Not heraus zur Tüftlerin – und das mit guten Aussichten. Das erkannte man auch schnell bei EXIST, dem Förderinstrument des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, und stellte das EXIST-Gründerstipendium zur Verfügung. Wir stellen ReMoD vor.



Für-Gründer.de: Hallo Frau Gutmann, was ist Ihre Geschäftsidee?

Anna Gutmann von ReMoD: Wir entwickeln und vertreiben ein Biofeedbackverfahren zur Korrektur von Haltungs- und Bewegungsfehlern infolge von Krankheiten, wie Hemiparese oder Skoliose. Mittels eines am Körper getragenen Gerätes werden die Bewegungen des Patienten gemessen und Haltungsfehler in Echtzeit per Elektrostimulation gemeldet. Das Gerät ist klein, tragbar und im Alltag zu verwenden.

ReMoD ist eine Ausgründung der Technischen Universität Berlin und wurde in enger Zusammenarbeit zwischen einer Hemiparesepatientin und ehemaligen Studenten der TU Berlin entwickelt.

Dindia Gutmann von Remod
Dindia Gutmann mit dem Remember Motion Device (Foto: ReMoD)

Für-Gründer.de: Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe und wie groß schätzen Sie Ihren Markt?

Anna Gutmann von ReMoD: Unsere Zielgruppe sind in erster Linie Hemiparesepatienten, also halbseitig gelähmte Menschen und Physiotherapeuten.

Jedes Jahr überleben in Deutschland mehr als 260.000 Menschen einen Schlaganfall. Die Hälfte davon behält eine halbseitige Lähmung zurück. Wir schätzen, dass wir 20 % von diesen Menschen helfen können.

Für-Gründer.de: Was ist das Besondere an Ihrer Idee?

Anna Gutmann von ReMoD: ReMoD ist ein neu patentiertes elektronisches Biofeedbackgerät zur Therapie von Hemiparesepatienten. Das Patent wurde 2013 erteilt. Das von ReMoD entwickelte Gerät muss vor der Markteinführung als Medizinprodukt zugelassen werden.

Bei Hemiparesepatienten ist aufgrund defekter Nervenbahnen die Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegungsapparat gestört. Die betroffenen Gliedmaßen können nicht bewegt werden. Lernerfolge durch intensive Physiotherapie sind nicht von Dauer, weil der Patient das Gelernte nicht abspeichern kann.
 Das Gerät ReMoD übernimmt die Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegungsapparat.

Für-Gründer.de: Was gab den finalen Impuls zur Existenzgründung?

Anna Gutmann von ReMoD: Meine Mit-Gründerin ist selbst halbseitig gelähmt, nämlich meine Tochter Dindia Gutmann. Das Gerät habe ich für sie entwickelt, damit sie nicht in den Rollstuhl musste.

Der konkrete Auslöser für die Entwicklung war damals die Ankündigung der Ärzte, dass ein Rollstuhl unvermeidlich sei.

Anna Gutmann von Remod
Anna Gutmann, Künstlerin und Gründerin von ReMoD (Foto: ReMoD)

Für-Gründer.de: Welche Aufgaben stehen Ihnen in nächster Zeit bevor?

Anna Gutmann von ReMoD: Neben der Herausforderung der Finanzierung stehen uns noch technische Nachbesserungen und klinische Tests bevor. Darüber hinaus braucht das Gerät noch seine Zulassung als Medizinprodukt. Und dann stehen der Aufbau eines Vertriebs und Veränderungen im Team an.

Für-Gründer.de: Was motiviert Sie, jeden Tag aufzustehen und nicht als Angestellte, sondern als Gründerin ins Büro zu gehen?

Anna Gutmann von ReMoD: Das entwickelte Gerät ist für Dindia Gutmann aus Krankheitsgründen die Voraussetzung für ein Leben ohne Rollstuhl, also überlebenswichtig. Das motiviert mich in erster Linie.

Außerdem ist die Aussicht, als Angestellte jeden Tag ins Büro zu gehen, meine ganz persönliche Vorstellung von der Hölle. Da funktioniere ich nicht.

Für-Gründer.de: Wie sind Sie auf EXIST gekommen und wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Anna Gutmann von ReMoD: Unser Entwickler hatte im Studium davon gehört und sah das EXIST-Gründerstipendium als eine Möglichkeit, die Entwicklung eines marktreifen Prototyps zu finanzieren. Allerdings verlief der Bewerbungsprozess etwas chaotisch bei uns ab. Wir kannten die Wege nicht. Einigen Teammitgliedern dauerte er zu lange und sie gingen.

Dindia Gutmann von Remod
Das Remember Motion Device gibt Dindia Gutmann guten Grund zu Luftsprüngen (Foto: ReMoD)

Für-Gründer.de: Welche Tipps können Sie anderen Gründern für die Bewerbung um EXIST geben?

Anna Gutmann von ReMoD: Das Angebot der Hochschulen zu nutzen und fleißig Qualifizierungsprogramme, wie zum Beispiel in meinem Fall die StarTUp School des Centre for Entrepreneurship (TU Berlin), zu nutzen.

Außerdem muss das Team sehr gut gewählt werden. Denn Schwierigkeiten im Team sind vorprogrammiert und die größte Gefahr für das Überleben des Projekts.

Für-Gründer.de: Was haben Sie neben der finanziellen Förderung aus dem Programm mitgenommen?

Anna Gutmann von ReMoD: Im Rückblick halte ich die Schulungen in Hinblick auf Geschäftsaufbau und -entwicklung für wichtiger, als die finanzielle Unterstützung selber. Jede Hochschule hat ihr eigenes Programm zur Schulung der Projektteilnehmer. Unsere Mentoren stehen uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und fiebern mit. Auch diese moralische Unterstützung ist überlebenswichtig.

Für-Gründer.de: Wie ging es nach der EXIST-Förderung bei Ihnen weiter?

Anna Gutmann von ReMoD: Sehr erfolgreich. Wir sind gut eingebunden in ein großartiges Netzwerk, das uns auch jetzt noch weiter trägt. Jetzt müssen wir auf den Markt. Dazu müssen die Finanzen stimmen und das Team zurechtgerückt werden.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

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Sie interessieren sich für EXIST? Alle Informationen finden Sie unter www.exist.de oder an der entsprechenden Einrichtung Ihrer Hochschule.

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