Privatinvestor, Business Angel oder VC-Gesellschaft?



Gründer mit Bedarf an Wagniskapital stehen oft vor der Frage, auf welche Art von Investoren sie zugehen sollen. Zur Auswahl stehen in der Regel der Privatinvestor, ein Business Angel oder auch die Venture Capital-Gesellschaft. Alle drei stellen Kapital zur Verfügung, unterscheiden sich jedoch in vielen anderen Punkten. Welche genau dies sind und wie Sie bei der Investorenakquise am besten vorgehen, erfahren Sie in diesem Gastartikel von Manuel Neumann, der Start-ups auf der Suche nach Wagniskapital unterstützt.

Viele Gründer und Start-ups auf der Suche nach Kapital stellen sich die Frage, wie sie Risikokapital erhalten und Investoren finden können. Sie recherchieren nach verschiedensten Kapitalgebern, versuchen Kontakt aufzunehmen und zu überzeugen. Dabei wird jedoch oft die Frage nach der Art des Investors vernachlässigt, was einer der Hauptgründe für das Scheitern einer Finanzierungsrunde ist.

Je nach Unternehmensphase, Branche, Kapitalbedarf und den eigenen Beteiligungsvorstellungen gibt es wichtige Unterschiede bei der Auswahl eines Kapitalgebers. Investor ist nicht gleich Investor.

Manuel Neumann
Manuel Neumann investiert mit seiner Beteiligungsgesellschaft Angel Leads GmbH in Frühphasen-Start-ups (Foto: Angel Leads)

Privatinvestoren für Gründer, die nur Kapital suchen

Für Kapitalsuchende, die keine Mitspracherechte einräumen wollen, sind Privatinvestoren eine gute Option. Sie beteiligen sich entweder als stiller Gesellschafter oder stellen dem Unternehmen ein verzinstes Darlehen zu Verfügung.

Gerade für Start-ups, die sich noch in der Frühphase befinden, ist diese Investorengruppe eine sehr gute Wahl, da für sie das Renditepotenzial im Fokus steht und ihnen eine überproportionale Vervielfachung des Investments in den ersten Jahren in Aussicht gestellt werden kann.

  • Wie findet man Privatinvestoren?

Handelt es sich um eine noch sehr junge oder noch anstehende Unternehmensgründung, ist der eigene Freundes-, Bekannten- und Familienkreis eine erste gute Anlaufstelle für kapitalsuchende Gründer.

Möchte man allerdings das Berufliche nicht mit dem Privaten verbinden oder ist der Kapitalbedarf für den engen Kreis zu hoch, sollten Kapitalsuchende in ihrem Geschäftsnetzwerk nach potenziellen Privatinvestoren suchen.

Weitere mögliche Anlaufstellen sind Family Offices sowie Unternehmens- und Steuerberater, da diese über ein großes Netzwerk an vermögenden Mandanten und Investoren verfügen.

  • Wie viel können Privatinvestoren investieren?

Das Investitionsvolumen eines Privatinvestors ist sehr stark von seinen finanziellen Möglichkeiten abhängig. Grundsätzlich gilt: je vermögender mein Kontaktnetzwerk, desto höher die investierten Beträge. Pauschal lässt sich sagen, dass Privatinvestoren von 1.000 Euro bis zu 250.000 Euro investieren können – in Einzelfällen sogar mehr.

Business Angels für Gründer, die Kapital und Unterstützung suchen

Business Angels sind erfolgreiche Geschäftsleute oder ehemalige Unternehmer, die selbst einen erfolgreichen Exit geschafft haben. Der Unterschied zu Privatinvestoren liegt darin, dass sie nicht nur Risikokapital zur Verfügung stellen, sondern sich auch aktiv in das Beteiligungsunternehmen einbringen wollen. Sie helfen Gründern mit Branchen-Know-how und ihren Erfahrungen. Durch ihr großes Netzwerk können wichtige Kontakte für das Unternehmen geknüpft werden.

  • Wie findet man Business Angels?

Im Gegensatz zu Privatinvestoren sind Business Angels leichter zu finden. Hierzu gibt es für Start-ups mittlerweile zahlreiche Business-Angel-Netzwerke und Pitching-Events. Alternativ kann über das eigene Geschäftsnetzwerk nach einem Business Angel gesucht werden. Auch wenn kein direkter Kontakt vorhanden ist, besteht die Möglichkeit, über Drittkontakte mit dem richtigen Business Angel zusammenzukommen.

  • Welche Ziele verfolgen Business Angels?

In der Regel beteiligen sich Business Angels in sehr frühen Unternehmensphasen, teilweise sogar noch in der Gründungsphase, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen frühestmöglich einzubringen. Dadurch können gerade unerfahrene Gründer kritische Fehler vermeiden.

Business Angels sind eher kurz- bis mittelfristig orientierte Investoren und beteiligen sich in den Phasen, wo das Beteiligungsrisiko noch am höchsten und Risikokapital für Kapitalsuchende sehr schwer zugänglich ist.

Durch ihr Know-how, Netzwerk und ihre aktive Mitarbeit können sie die Risiken nicht nur gut einschätzen, sondern auch unvorhergesehene Situationen besser bewältigen.

Ihre Ziele sind es, das Unternehmen erfolgreich am Markt zu positionieren und den Unternehmenswert zu steigern, um anschließend ihre Anteile nach circa zwei bis fünf Jahren an einen strategischen Investor oder eine Venture Capital-Gesellschaft gewinnbringend zu veräußern.

  • Investmenthöhe und Erwartungen eines Business Angels

Business Angels fordern im Gegensatz zu Privatinvestoren höhere Unternehmensanteile ein, da sie ihre Mitarbeit als Investmentleistung mitvergütet haben möchten. Je nach Investmenthöhe, die im Durchschnitt bei 50.000 bis 250.000 Euro liegt, sowie Geschäftsmodell und Unternehmensstand sollten Kapitalsuchende bereit sein, 5 bis 35 % ihrer Unternehmensanteile an einen oder mehrere Business Angels abzugeben.

Business Angels erwarten in der Regel eine direkte Beteiligung am Unternehmen, wodurch ihnen ein Mitspracherecht bei wichtigen Unternehmensentscheidungen eingeräumt wird. Gründer und Business Angels sollten daher unbedingt auf einer Wellenlänge sein und ähnliche Ansichten teilen. Sind die Voraussetzungen gegeben, kann die Zusammenarbeit mit einem Business Angel ein sehr entscheidender Erfolgsfaktor für ein Start-up sein.

Venture Capital-Gesellschaft für große Finanzierungsrunden  

Für viele Kapitalsuchende gehören Venture Capital-Gesellschaften zu den ersten Anlaufstellen. Doch gerade für Frühphasen-Start-ups, die noch keinen Proof-of-Concept nachweisen können, sind sie meist die falschen Investoren. Denn Venture Capital-Gesellschaften stellen hohe Beteiligungsanforderungen an Kapitalsuchende. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, mit hohen Investments Gewinne zu erwirtschaften, weshalb sie sämtliche Risiken für ein mögliches Fehlinvestment ausschließen möchten.

  • Für wen können Venture Capital-Gesellschaften die richtigen Investoren sein?

Kapitalsuchende, die bereits erste Erfolge vorweisen können sowie ein nachweislich funktionierendes und skalierbares Geschäftsmodell vorliegen haben, sind für die Ansprache von Venture Capital-Gesellschaften geeignet. Außerdem sollte das Gründerteam die wichtigsten Schlüsselqualifikationen besetzten können. Kurz gesagt: Wenn das Start-up eigentlich kein Risikokapital benötigt, da sie aus eigener Finanzkraft wachsen, aber mit der Hilfe von Venture Capital ihre Ziele schneller erreichen könnten, handelt es sich um einen VC-Case. Die Investmenthöhe von Venture Capital-Gesellschaften beginnt je nach Gesellschaft bei mindestens 250.000 Euro, kann aber auch bei mehreren Millionen Euro liegen.

  • Was müssen Kapitalsuchende bei der Auswahl von Venture Capital-Gesellschaften beachten?

Vor der Erstansprache oder Zusendung des Pitch Decks sollten sich Start-ups über den Branchenfokus und die Investmentkriterien der Venture Capital-Gesellschaften informieren, um nicht die falschen Investoren anzusprechen. Darüber hinaus sollten sie sich über deren Investmentportfolio erkundigen und prüfen, ob in der Vergangenheit bereits ähnliche Beteiligungen eingegangen wurden. Dies ist ein wichtiger Punkt, da sie in einem solchen Fall den Markt bereits kennen und besser beurteilen können. Diese Informationen erhalten Kapitalsuchende in der Regel auf den Webseiten der VC-Gesellschaften oder können dort direkt telefonisch angefragt werden.

  • VC-Gesellschaften richtig ansprechen

Bekanntere VC-Gesellschaften erhalten pro Jahr bis zu 5.000 Kapitalanfragen. Daher ist eine strategische Kontaktaufnahme zu empfehlen, um nicht in der Masse der Start-ups unterzugehen.

Ein kluger Schachzug wäre es beispielsweise, die Kontaktaufnahme über einen gemeinsamen Kontakt erfolgen zu lassen.

Dieser hat einen konkreten Ansprechpartner bei der VC-Gesellschaft und genießt damit ein höheres Vertrauen. Start-ups, die über eine Empfehlung von Dritten an eine VC-Gesellschaft herangetragen werden, haben dadurch deutlich bessere Chancen auf eine Einladung zum Gespräch.

  • Worauf müssen sich Kapitalsuchende bei einer VC-Gesellschaft einstellen?

Anders als bei Privatinvestoren oder Business Angels entscheidet keine Einzelperson über eine Kapitalzusage, sondern ein Investmentkomitee. Bis ein Investmentmanager dem Komitee allerdings ein Start-up vorstellt, findet eine zwischen drei und sechs Monate andauernde Due-Diligence-Phase statt. Während dieser Prüfungsphase dürfen Kapitalsuchende in der Regel keine weiteren Kapitalgeber ansprechen. Damit möchte sich die VC-Gesellschaft davor absichern, unnötige Zeit und Kosten in die Prüfung des Start-ups investieren zu müssen. Auch nach Abschluss der Due-Diligence-Phase können teilweise mehrere Monate vergehen, bis die endgültige Finanzierungsentscheidung erfolgt.

Start-ups, die eine Finanzierung über eine VC-Gesellschaft planen, sollten rechtzeitig mit der VC-Akquise beginnen und einen langen Atem mitbringen. Denn bis zum endgültigen Vertragsabschluss und Zahlungseingang können durchaus zwölf Monate vergehen.

Wenn Gründer großen Wert auf ihre unternehmerische Freiheit legen, sind sie bei einer VC-Gesellschaft nicht unbedingt gut aufgehoben. Diese wirken in der Regel weitreichend auf die Entscheidungsprozesse der Start-ups ein und können beim Verfehlen vorher abgestimmter Meilensteine Teilzahlungen verwehren. Für Gründer, die sich wiederum darauf einlassen können und einen finanzstarken und professionellen Partner mit einem großen Netzwerk an ihrer Seite haben wollen, sind VC-Gesellschaften eine gute Wahl.

Fazit bei der Investorenauswahl

Kapitalsuchende Gründer sollten sich vor der Investorenakquise ausreichend Gedanken darüber machen, was sie wirklich wollen und ob ihre Interessen mit denen der Investoren übereinstimmen. So können sie die Investorengruppe einschränken und eine Liste geeigneter Investoren für die Akquise erstellen. Dann gilt es, rechtzeitig mit der Investorenansprache zu beginnen, da sich der Prozess bis zum Zahlungseingang oft in die Länge ziehen kann.

Zu guter Letzt sollten Gründer eine clevere Akquise-Strategie für die Ansprache ausarbeiten und sich gut auf die Gespräche vorbereiten. Vergessen Sie nicht, dass sie mit Tausenden anderen Kapitalsuchenden konkurrieren. Daher sollten Sie sich immer wieder die Frage vor Augen halten: Was unterscheidet ein Investment in mein Unternehmen von anderen Beteiligungsangeboten?

Denn eine tolle Idee oder die Verwendung von Superlativen ist bei Weitem nicht ausreichend für eine erfolgreiche Investorenansprache. Vielmehr sollte der Fokus der Gründer auf das Chance-Risiko-Verhältnis ihres Investments gelegt werden. Je geringer das Risiko eines Investments, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Risikokapital zu guten Bedingungen zu erhalten.

Fuer-Gruender.de SiegelManuel Neumann ist mit seiner Firma Angel Leads GmbH im Netzwerk von Für-Gründer.de aktiv und unterstützt Gründer bei der Kapitalakquise. Erfahren Sie mehr über Angel Leads im Profil.