Uhren aus Holz und ein Junggründer, der standhaft bleibt



Studienabbrecher wie der Tesla-CEO Elon Musk oder Snapchat-Gründer Evan Spiegel werden in der Gründerszene gefeiert wie Rockstars. Aber dass auch beides gleichzeitig geht, also ein erfolgreiches Studium und die Unternehmensgründung, zeigt die heutige Gründerstory. Begeistert vom Werkstoff Holz baute der Gründer von Cheesy Wooden Accessories in seinem Zuhause eine eigene Uhrenproduktion aus dem nachwachsenden Rohstoff auf. Als dann die Nachfrage wuchs, gründete er parallel zum Studium sein eigenes Unternehmen. Wie er das alles unter einen Hut brachte, erzählt Jan Jessberger im Interview.

Für-Gründer.de: Hallo Jan, mit gerade mal 26 Jahren produzierst und vertreibst du bereits deine eigenen Modeaccessoires aus Echtholz. Wie kam es dazu?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Der Wunsch, selbst zu gründen, begleitete mich schon einige Jahre. Seit einem längeren Auslandsaufenthalt in Kanada beschäftigte ich mich mit der Idee, eine Armbanduhr aus Holz herzustellen. Inspiriert durch die Natur in einem Land, in welchem der Roh- und Werkstoff Holz eine besondere Stellung hat, entstanden die ersten Prototypen in Eigenarbeit in der heimischen Werkstatt. Mit steigender Nachfrage entschloss ich mich, meine Begeisterung für den Werkstoff Holz in gewinnorientierte Bahnen zu lenken.

Für-Gründer.de: Aus welcher Gründungssituation heraus hast du gestartet und wo lagen bisher die größten Herausforderungen – auch auf privater Ebene?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Die Idee war da. Was fehlte, war das notwendige Startkapital und auch die Zeit, ein Projekt in dieser Größe umzusetzen. Nach erfolgreichem Abschluss des Erststudiums und einer einjährigen Festanstellung in der Automobilbranche konnten die notwendigen Rücklagen gebildet werden, um Cheesy ins Leben zu rufen. Zu Beginn war Cheesy für mich ein Projekt, welches ich parallel zu meinem Masterstudium verfolgt habe. Dieses „Projekt” hat sich ziemlich schnell zu einer soliden Unternehmung entwickelt und ist seit Tag eins vollständig von mir eigenfinanziert und arbeitet mit dem erwirtschafteten Cashflow.

Der Gründer von Cheesy in seiner Werkstatt
Der Gründer von Cheesy in seiner Werkstatt (Foto: Cheesy Wooden Accessories)

Hierin liegt auch die größte Herausforderung. Aufgrund der limitierten finanziellen Mittel ist eine akribische und sehr genaue Planung Voraussetzung für den Erfolg. Durch diesen Bootstrapping-Ansatz hätten ebenso größere Fehler mit finanzieller Auswirkung nicht passieren dürfen. Das hat mir zu Beginn schon einige schlaflose Nächte bereitet.

Hinzu kommt, dass ich parallel zum Studium alleine den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Das heißt, alleine mit der Doppelbelastung, Tiefpunkte und Rückschläge ausstehen zu müssen. Das hat auch Einschränkungen im privaten Bereich zur Folge. Wochenenden sind größtenteils durch Messen gefüllt und auch unter der Woche bleibt wenig Zeit für andere Dinge.

Insgesamt wäre Cheesy ohne die tatkräftige Unterstützung durch Freunde und Familie nicht zu stemmen.

Dabei sind vor allem deren Verkaufsunterstützung auf Messen, kreative Designentwürfe, Meinungen oder auch das Ertragen meiner Launen gefragt. Zusätzlich haben wir zurzeit im Online-Marketing großen Bedarf, weshalb sich in diesem Bereich zeitnah personell auch etwas tun wird.

Darüber hinaus bin ich stark perfektionistisch veranlagt, was sich häufig nur schwer mit den vielen Aufgaben einer jungen Unternehmung vereinbaren lässt. Manchmal müssen sich Prozesse und Produkt einfach entwickeln und dieses kostet zwangsläufig Zeit und meistens auch Geld.

Nichtsdestotrotz habe ich bis heute den extremen Mehraufwand parallel zum Studium nicht bereut und die Arbeit bereitet mir riesigen Spaß.

Für-Gründer.de: Gestartet bist du ja schon vor zwei Jahren. Was ermutigte dich damals, direkt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, statt erst einmal den Abschluss zu machen? Was war der finale Gründerimpuls?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Ich habe es als riesige Chance gesehen, die gelernte Theorie an der Uni parallel in die Praxis umzusetzen und somit meine ersten eigenen Erfahrungen im Unternehmertum sammeln zu können. Dazu kam ich frisch aus einer Festanstellung, hatte die nötigen Rücklagen gebildet, ein begeisterndes und ausgefallenes Produkt, Lust darauf, mein eigenes Ding zu machen, und im Falle eines Scheiterns noch immer das Studium in der Hinterhand.

Final überwog bei mir einfach der Drang zur eigenen Gründung und die Leidenschaft, ein Produkt auf den Markt zu bringen, von dem ich voll und ganz überzeugt bin. Hier überwog die Leidenschaft sogar die Sorge um die Risiken, die dem ganzen Vorhaben gegenüberstanden.

Ganz getreu dem Motto – wenn ich es jetzt nicht mache, dann mach ich es nie mehr – habe ich den Schritt gewagt.

Für-Gründer.de Wie hast du die Selbstständigkeit mit der Uni vereinbaren können?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Klar, gerade in den ersten beiden Semestern war das ein Spagat zwischen Selbstständigkeit und Uni, welcher nur mit extremem Mehraufwand und hoher Selbstdisziplin zu absolvieren war. Zu Beginn war ich mir der Sache glaub ich gar nicht so bewusst – war vielleicht auch besser so. Viel Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt da aber leider nicht.

Ich hatte aber auch schon zuvor einen überdurchschnittlich vollen Terminplan und war es gewohnt, viel zu arbeiten, weshalb ich den Mehraufwand nicht zwingend als Stress ansehen würde. Dabei ist folgender Spruch wohl am ehesten auf mich zutreffend:

Working hard for something we don’t care is called stress. Working hard for something we love is called passion.

Bei all der Begeisterung und Arbeit für Cheesy war der Erfolg des Studiums von vornherein die an mich selbst gestellte Voraussetzung und Bedingung und durfte unter keinen Umständen durch die Doppelbelastung gefährdet sein. Das klappt bis heute zum Glück ganz gut. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich meinen Master im kommenden Frühjahr erfolgreich abschließen.

Für-Gründer.de: Wer gehört zur Zielgruppe der Cheesy Wooden Accessories und wie groß schätzt du den entsprechenden Markt ein?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Der klassische Cheesy-Kunde ist in einem Alter zwischen 15 und 55 Jahren. Er ist trendbewusst und legt hohen Wert auf ausgefallene Fashion- und Lifestyle-Produkte abseits des Mainstreams.

Mit unseren Produkten befinden wir uns klar in einem Nischenmarkt, jedoch wächst die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten in Deutschland stetig. Laut einer Studie (GfK/Roland Berger) legen 40 % der Befragten in Deutschland hohen Wert auf Nachhaltigkeit beim Kauf von Produkten – Tendenz steigend. Darüber hinaus liegt das jährliche Marktvolumen allein für Schmuck und Uhren bei  circa fünf Milliarden Euro in Deutschland. Generell ist zurzeit der Werkstoff Holz im Bereich Fashion und Lifestyle extrem nachgefragt. Geht es nach uns, darf dieser Trend sehr lange anhalten.

Für-Gründer.de: Wie und wo werden die Armbanduhren, Sonnenbrillen und Co. produziert?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Unsere verwendeten Hölzer stammen größtenteils aus USA und sind allesamt FSC-zertifiziert. Bei den Uhren vertrauen wir auf japanische Quarzlaufwerke und die Endproduktion findet in Handarbeit in China statt.

Bei Cheesy Wooden Accessories gibt es neben Uhrengehäuse auch Brillenfassungen aus Holz
Bei Cheesy Wooden Accessories gibt es neben Uhrengehäusen auch Brillenfassungen und Smartphone-Hüllen aus Holz (Bild: Cheesy Wooden Accessories)

Für-Gründer.de: Woher kommt die Inspiration für neue Designs und wie läuft der Gestaltungsprozess eines neuen Brillenmodells ab?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories:

Inspiration finde ich bei meinen zahlreichen Reisen. So tragen alle unsere Produkte Namen von kleineren Orten meiner Reiseziele auf dieser Welt.

Erst Anfang des Jahres fuhr ich für zwei Monate mit dem Motorrad durch Südostasien und schon sprudelt die Kreativität wieder aus mir heraus. Egal ob Tofino, Byron oder Noosa – all diese Orte haben einen ganz besonderen Vibe und bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Der Gestaltungsprozess, egal ob Uhr oder Brille, beginnt auf dem Papier. Steht das Design, so erfolgt die Konstruktion in CAD, inklusive Analyse und Simulation unter Belastung. Hier profitiere ich noch immer von meinen Kenntnissen aus dem vorherigen Job in der Automobilbranche. An den Maschinen der Uni und in der heimischen Werkstatt entsteht dann der erste Prototyp. Ist dieser zufriedenstellend, geht das Modell in Produktion.

Für-Gründer.de: Auch die Lagerung wird ein Thema sein. Welche logistischen Aufgaben sind hier zu bewältigen?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Absolut.

Da jeder mal klein anfängt, wurde zum Unmut meiner Eltern kurzerhand das ehemalige Zimmer meiner Schwester zum Lager umfunktioniert.

Die Produkte an sich sind aufgrund der geringen Größe und des niedrigen Gewichts dabei das kleinere Übel. Vielmehr beanspruchen Messestände und Ausstellungsutensilien zur Warenpräsentation den meisten Platz, weshalb ein kleineres Lager bei uns im Ort unumgänglich war. Bisher erfolgt, von der Qualitätskontrolle über die Lagerung bis hin zur Verpackung und dem Versand, alles aus einer Hand bei uns im Haus.

Für-Gründer.de: Wie macht ihr eure Holz-Accessoires bekannt? Welche Marketingstrategien nutzt ihr?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Social Media ist bei uns genauso wichtig wie der stationäre Einzelhandel. Dabei setzen wir auch vermehrt auf Social Media-Influencer. Darüber hinaus vertreiben wir unsere Produkte über unseren eigenen Onlineshop.

Für-Gründer.de: Welche Ziele stehen für die kommenden zwölf Monate an? 

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Ziel ist es, die Retailer-Anzahl zu verdoppeln, um so die Marke Cheesy noch weiter am Markt zu etablieren und eine Steigerung des Umsatzes um 50 % zum Vorjahr zu erreichen.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss: Welche Tipps kannst du anderen Junggründern mit auf den Weg geben, die du selbst vom Gründen gelernt hast?

Jan Jessberger, Cheesy Wooden Accessories: Überlegt Euch, wer euer Produkt am dringendsten benötigt und welche Multiplikatoren es geben könnte. Dabei halte ich eine detaillierte Planung eurer zur Verfügung stehenden Mittel und wen ihr damit erreichen wollt als Voraussetzung für den Erfolg. Es muss nicht zwingend ein seitenlanger Businessplan in Prosa sein. Haltet euch vielmehr einen Aktionsplan vor Augen, nach dem ihr vorgehen wollt.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.