Die simyo-Story: Nach dem Exit ein Neuanfang in Australien



Internet-Start-up-Boom, New Economy-Pleite, selbstständige Berater, Seriengründer: So sehen in aller Kürze die Lebensläufe von Rolf Hansen, Christian Magel, Thomas Enge und Andreas Perreiter aus. Nachdem sie das Platzen der Internetblase am eigene Leib zu spüren bekamen, versuchten sie es ein paar Jahre später noch einmal und stellten mit simyo den damaligen Mobilfunkmarkt auf den Kopf. Aber damit nicht genug, die Reise geht noch weiter.



Für-Gründer.de: Hallo Herr Hansen, Sie haben simyo und das australische Unternehmen amaysim mit demselben Gründerteam aufgebaut. Wie haben Sie sich kennengelernt und wer bringt welches Know-how mit ins Unternehmen ein?

Rolf Hansen, amaysim: Christian Magel, Andreas Perreiter und ich lernten uns 1999 in den wilden Zeiten der New Economy kennen. Gemeinsam sammelten wir damals als Mitarbeiter und Anteilseigner bei dem schwedischen Internet-Start-up Letsbuyit.com unsere ersten ernsthaften E-Commerce- und auch IPO-Erfahrungen. Als Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz brachte ich Ende 1999 Christian als Marketing Director und Andreas als IT Director mit ins Letsbuyit.com-Team.

Thomas Enge ist ein alter Studienfreund aus den Achtzigern, wir studierten seinerzeit zusammen an der European Business School in Oestrich-Winkel. Unsere Wege hatten sich ebenfalls bei Letsbuyit.com gekreuzt, wo Thomas mich im Rahmen der Due Diligence für ein höheres Investment der ProSieben-Gruppe bei Letsbuyit.com beratend unterstützte.

Die Zeit bei Letsbuyit.com endete für Christian, Andreas und mich mit dem Einbruch des Neuen Marktes und dem Ende des großen Internet-Start-up-Booms in 2001/2002 und bescherte uns hohe finanzielle Verluste, aber auch eine Vielzahl wichtiger Erfahrungsgewinne.

Da für keinen von uns der Weg in Richtung einer Konzernkarriere infrage kam – zum einen hatten wir hierzu nach mehreren Jahren Start-up-Umfeld einfach keine Lust und zum anderen passten wir mit dem „Brandmark” der New Economy nicht wirklich in das Suchraster der etablierten Personalberater – betätigten wir uns alle drei zunächst als selbständige Berater. Christian im Bereich Marketing, Andreas im Bereich IT und ich im Bereich Strategie und Business Development. Im Nachhinein die absolut richtige Entscheidung. Diese Phase half uns, ein vernünftiges Einkommen mit der Freiheit und Flexibilität des Unternehmertums zu kombinieren. Thomas war zur selben Zeit ebenfalls als selbstständiger Berater im Bereich Corporate Finance tätig.

Das Gründerteam von simyo: Thomas Enge, Christian Magel, Andreas Perreiter, Peter O'Connell, Rolf Hansen.
Das Gründerteam von amaysim: Thomas Enge, Christian Magel, Andreas Perreiter, Peter
O’Connell, Rolf Hansen (Foto: amaysim)

Als dann 2004 die Idee zu simyo entstand, griff ich zum Telefon und reaktivierte zunächst Christian und Andreas. Beide waren spontan von der Idee, Deutschlands ersten Mobilfunk-Discounter zu starten, angetan und bereit, das Projekt mit mir gemeinsam loszutreten. So kam es, dass kurze Zeit später gemeinsam mit einigen weiteren befreundeten Einzelunternehmern und Business Angels die Arbeit zu simyo begann. Thomas stieß dann zu uns, als wir im Verlauf des simyo-Projektes unser Joint Venture mit E-Plus verhandelten, um nach Gründung der Simyo GmbH im Mai 2005 die Aufgabe des CFO zu übernehmen.

Die Aufgabenverteilung zu simyo-Zeiten spiegelte die jeweiligen Erfahrungen unseres Viererteams wieder. Christian Magel war als CMO für alle Marketingaufgaben verantwortlich, Andreas Perreiter für die Bereiche IT und Operations und Thomas Enge für den Bereich Finanzen. Meine Aufgabe bestand in der Geschäftsführung und dem Management der Beziehung zu unserem Mehrheitsgesellschafter E-Plus. Diese Aufgabenverteilung behielten wir auch bei amaysim bei. Allerdings sind wir mit unserem australischen Partner und Freund, Peter O’Connell, die amaysim-Aufgabe vom ersten Tag an zu fünft angegangen.

Ich hatte das große Glück, Peter 2008 durch einen gemeinsamen Freund kennenzulernen. Peter stammt aus Sydney und ist seit den achtziger Jahren als Telekommunikations-Anwalt, -Berater und -Investor vor allem in Australien, Asien und den USA tätig. Mit Peter arbeiteten wir gemeinsam bis Ende 2009 an der Idee für amaysim, dem ersten australischen simyo-Pendant, und launchten amaysim dann im November 2010 in Australien. Peter, der bis zum IPO als Chairman von amaysim tätig war, hat neben seinen juristischen Fähigkeiten vor allem seine Kenntnis des australischen Marktes eingebracht und darüber hinaus wesentliche strategische und kaufmännische Erfahrungen beigesteuert, die uns vor allem bei der Finanzierung von amaysim und beim Verhandeln wichtiger Verträge geholfen haben.

Für-Gründer.de: Mit simyo haben Sie damals den deutschen Mobilfunkmarkt durcheinandergewirbelt. Wie haben Sie das geschafft?

Christian Magel, amaysim: Wir sind am 30. Mai 2005 mit simyo als erstem deutschen Mobilfunk-Discounter gestartet.

Das Geschäftsmodell eines rein online-basierten Mobilfunkanbieters, der nur ein Produkt anbietet, nämlich eine einfache SIM-Karte mit nur einem Tarif, war vom ersten Tag an erfolgreich.

Dies war das Ergebnis aus fokussierter und professioneller Projektarbeit seit Beginn des Jahres 2005, dem Mut unseres Mehrheitsgesellschafters E-Plus, ein neues, disruptives Geschäftsmodell im gesättigten Mobilfunkmarkt einzuführen und das E-Plus-Netz für unsere Idee zu öffnen sowie der Unterstützung vieler begabter Mitarbeiter und externer Partner.

Getreu dem simyo-Marken-Claim „Weil einfach, einfach einfach ist!” haben wir mit unserem SIM-Only-Angebot den deutschen Mobilfunkmarkt dramatisch vereinfacht. Geboten wird ein Tarif, rund um die Uhr in alle Netze. Zudem reduzierten wir die Mobilfunkpreise stark. Als Ergebnis der Effizienz unseres online-basierten Geschäftsmodells konnten wir unseren Kunden bis zu 50 % Ersparnis bieten und trotzdem noch eine positive Marge erwirtschaften.

Zudem boten wir unseren Kunden den bestmöglichen Kundenservice. Der Erfolg von simyo hat eine Welle von kleinen und großen Nachahmern auf den Markt gelockt. Heute tummeln sich über 20 Marken im deutschen Mobilfunk-Discount-Segment. Neben besseren Wahlmöglichkeiten erhalten Mobilfunkkunden heute in der Regel mehr Wert für Ihr Geld und bessere Servicequalität.

Unter dem Strich kann man wohl sagen, dass wir mit simyo zur richtigen Zeit und mit dem richtigen Konzept den Wunsch der Kunden nach besseren Mobilfunkangeboten adressiert haben.

Für-Gründer.de: Was waren die wichtigsten Meilensteine und welche die größten Herausforderungen während Ihrer Zeit bei simyo?

Rolf Hansen, amaysim: Jeder Launch eines Start-ups ist eine große Herausforderung. So waren die ersten Monate der Projektarbeit im stillen Kämmerlein, die von Anfang an auf einem ambitionierten Zeitplan basierte, nicht immer nur lustig und einfach. Auch mussten wir von Anfang an auf die Unterstützung von E-Plus bauen. Mit unserem Projekt verließen wir bekannte Wege und mussten aufgrund des engen Zeitplans sehr flexibel handeln. Dank der Rückendeckung des E-Plus-Vorstandes und vielleicht auch, weil wir damals so für unsere Idee brannten, nahmen wir alle Hürden.

Direkt nach dem Start von simyo wurden wir von der Akzeptanz und der Menge der Bestellungen sowie den nachfolgenden Kundenservice-Transaktionen förmlich überrollt.

In den ersten Monaten betrug die Zahl der Neubestellungen ein Vielfaches von dem, was unser Best-Case-Szenario im Businessplan ausgewiesen hatte. So mussten wir in Tag- und Nachtschichten vor allem im Callcenter unsere Leistungsfähigkeit ausbauen.

Die Simao Gründer im Jahre 2008
Die simyo-Gründer im Jahre 2008 (Foto: amaysim)

Mit BASE, blau.de und Aldi Talk kamen nach dem Start von simyo erste ernsthafte Mitbewerber auf den Markt. Wenngleich wir in den ersten Monaten große Pioniergewinne realisiert hatten, mussten wir uns nun gegen direkte Konkurrenz behaupten – und das quasi aus dem eigenen Hause, da alle drei E-Plus-basiert waren. Da dies nur bedingt über den Preis möglich war, haben wir früh begonnen, uns über den Ausbau unserer Website und unseren Kundenservice zu differenzieren.

Nach dem erfolgreichen Start von simyo in Deutschland haben wir gemeinsam mit KPN, der damaligen Muttergesellschaft von E-Plus, simyo auch in den Niederlanden, Belgien, Spanien und Frankreich eingeführt. Hierbei haben wir wichtige Erfahrungen im Bezug darauf gemacht, welche Nuancen in unterschiedlichen Märkten für den Erfolg eines mehr oder weniger identischen Produktes von Bedeutung sind.

2007 haben wir dann begonnen, unsere Anteile an E-Plus zu verkaufen. Der drei Jahre andauernde Earn-Out war Anfang 2010 abgeschlossen. Am Tag der Übergabe waren wir uns mit E-Plus einig, dass sich das simyo Projekt für alle Beteiligten ausgezahlt hatte.

Für-Gründer.de: Wie kam es im Jahr 2010 zum Exit von simyo?

Rolf Hansen, amaysim: Der Exit in 2010 markierte das Ende unseres Earn-Out-Korridors. Wenngleich uns E-Plus und KPN, die damalige E-Plus-Muttergesellschaft, seinerzeit längerfristige und gut dotierte Konzernverträge mit weiteren Erfolgskomponenten angeboten hatte, war für uns früh klar, dass wir uns nach dem Verkauf unserer simyo-Anteile wieder unternehmerisch betätigen wollten. In den letzten zwei Jahren reifte dann die Idee für amaysim.

Die simyo-Schlüssel haben wir am 30. April 2010 an E-Plus übergeben – die Projektarbeit an amaysim am 1. Mai 2010 in Sydney aufgenommen.

Nach dem Exit ist vor der neuen Gründung. Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews wie es nach dem Verkauf von simyo in Australien für die Gründer weiterging.

Weiterlesen Button