EXIST-Gründerstipendium: 10 Fragen – 10 Antworten



Sie sind Student oder wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. waren es bis vor kurzem? Sie haben eine innovative Geschäftsidee? Ein bisschen finanzielle Starthilfe und das unternehmerische Know-how fehlen aber noch? Wenn Sie gerade dreimal mit dem Kopf vor Ihrem Bildschirm genickt haben, sollten Sie auf jeden Fall weiterlesen. (Wenn nicht: Hier geht’s zur Inspiration in Sachen Geschäftsideen.)



EXIST. Das ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das Existenzgründungen aus Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen unterstützt. Ein zentrales Element des Programms ist das EXIST-Gründerstipendium. Seit dem Start des Stipendiums vor über acht Jahren wurden damit weit mehr als 1.000 Gründungen gefördert – und zwar mit viel Geld und viel Know-how.

Das EXIST-Gründerstipendium ist insbesondere für die frühe Phase der Gründung gedacht. Es soll dabei helfen, Gründungsideen zu realisieren, innovative Produkte und Dienstleistungen umzusetzen sowie einen Businessplan zu erstellen.

Wir haben Antworten auf 10 Fragen, die Ihnen einen Überblick über das Programm geben. So viel vorab: Es lohnt sich!

EXIST Gruenderstipendium
Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende bei der Erstellung eines Businessplans und der Realisierung einer Geschäftsidee. (Foto: EXIST)

Frage #1: Wer kann das EXIST-Gründerstipendium erhalten?

Eine wichtige Grundvoraussetzung für das EXIST-Gründerstipendium haben Sie bereits erfüllt, wenn Sie einer dieser Gruppen angehören:

  • Studierende, die mindestens die Hälfte ihres Studiums bereits absolviert haben
  • Hochschulabsolventen und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter (bis zu fünf Jahre nach Verlassen der Hochschule).
  • Wissenschaftler aus öffentlichen, nicht gewinnorientierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder Hochschulen

Frage #2: Ich will im Team gründen – geht das?

Bewerben können Sie sich allein oder in einem Gründerteam von maximal drei Personen. Die Gründung im Team ist sogar ausdrücklich gewünscht und Sie erhalten mehr Geld für Coaching und Sachkosten. Eine Förderung ist übrigens auch möglich, wenn eines der Teammitglieder eine Berufsausbildung z.B. als technischer Mitarbeiter hat oder der Abschluss länger als fünf Jahre zurückliegt. Die anderen Mitglieder müssen dann aber die Kriterien aus Frage 1 erfüllen.

Frage #3: Auto und Glühbirne sind ja schon erfunden… Was muss meine Idee für das Stipendium leisten?

EXIST setzt allen voran auf innovative, technologieorientierte Gründungsvorhaben oder Dienstleistungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.

Signifikante Alleinstellungsmerkmale sowie ein wirtschaftlich tragfähiges Marktpotenzial sind notwendig, um als ausreichend innovativ bewertet zu werden.

Dabei muss aber nicht immer ein Produkt komplett neu erfunden werden. Ein Beispiel aus dem Jahr 2015 sind die Gründer von RESTUBE, die in diesem Jahr den Deutschen Gründerpreis gewonnen haben. Ihre Idee: Eine Rettungsboje, die sich im Notfall nach einem kurzen Zug am Auslöser in wenigen Sekunden aufbläst und so Leben retten kann. Quasi die Schwimmweste, die man aus dem Flugzeug kennt, für Wassersportler – innovativ, aber nicht komplett neu. Diese Gründer starteten mit Fördermitteln von EXIST. Weitere Beispiele für geförderte Unternehmen stellen wir in einem anderen Beitrag vor.

Frage #4: Wie genau unterstützt mich EXIST?

Die kurze Antwort: Geld und Know-how.

Nimmt man es genau, gibt es aber keine kurze Antwort auf diese Frage. Das Leistungspaket ist groß und hängt von Ihrem Status und dem Gründerteam ab. Ein paar Beispiele:

  • Gründer mit abgeschlossener Promotion erhalten durch EXIST 3.000 Euro pro Monat, als Absolvent einer Hochschule gibt es 2.500 Euro pro Monat, als Mitgründer mit Berufsausbildung 2.000 Euro pro Monat, als Studierender 1.000 Euro pro Monat. Diese Gelder erhalten Sie für maximal ein Jahr. Wenn Sie als Elternteil gründen, erhalten Sie monatlich zusätzlich 100 Euro pro Kind.
  • Neben diesen fixen Summen können Teams ab zwei Personen für Sachausgaben und Coachings noch einmal bis zu 35.000 Euro beantragen. Einzelpersonen können dafür bis zu 15.000 Euro erhalten. Als Sachausgaben gelten beispielsweise Büromaterialien, Software/Lizenzen und Dienstreisen oder Dienstleistungen durch Dritte.

Die Hochschule stellt Ihnen außerdem einen Mentor zur Seite, der Sie fachlich bei Ihrem Gründungsvorhaben unterstützt. Außerdem können Sie auch die notwendige Infrastruktur nutzen. So werden beispielsweise Labore und Arbeitsplätze von der entsprechenden Einrichtung zur Verfügung gestellt.

Frage #5: Ganz schön viel – aber wo liegen die Grenzen?

Wie in der Antwort zu Frage 4 erläutert: Man bekommt als EXIST-Stipendiat tatsächlich ziemlich viel. Nicht als Sachkosten gelten aber bspw. Telefonkosten, Bewirtungskosten oder „Komfortausstattungen“ wie größere Bildschirme etc. Zu beachten ist auch, dass die Gegenstände, die gefördert werden, nach dem Stipendium Besitz der Hochschule sind und mit einer gründerfreundlichen Lösung in den Besitz des Gründerteams übergehen sollen.

Frage #6: Nicht schlecht! Und welche Pflichten habe ich dann als Stipendiat?

Als EXIST-Stipendiat nehmen Sie an verschiedenen Coaching-Maßnahmen teil, beispielsweise am Seminar „Gründerteam“. Außerdem müssen Sie einen Coachingfahrplan erstellen, also einen Zeitplan für die von Ihnen wahrgenommenen Beratungsangebote und Weiterbildungsmaßnahmen. Sie müssen Ihr Geschäftsmodell sowie Markt und Kundennutzen im Rahmen des Businessplans nach fünf Monaten präsentieren und nach zehn Monaten fertiggestellt haben. Auch für Steuern und Sozialversicherung sind Sie selbst verantwortlich.

Frage #7: Deal! Wie komme ich an das Stipendium?

Wenn Sie sich für das Gründerstipendium interessieren, wenden Sie sich an Ihre Hochschule oder außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die Teil des EXIST-Netzwerks sind. Diese verwalten die Fördermittel und können jederzeit einen Antrag für Ihr Gründungsvorhaben weiterleiten. Gleichermaßen beteiligt sind hierbei Sie, die Hochschule bzw. Forschungseinrichtung sowie das zuständige Gründernetzwerk:

  • Der Gründer reicht seine Geschäftsidee in Form eines Ideenpapiers ein und benennt einen Mentor (z.B. Diplom-Betreuer oder Doktorvater)
  • Das Gründernetzwerk vermittelt einen Coach, der die Vorbereitungen und die Businessplanerstellung begleitet. Außerdem hilft das Netzwerk bei der Erstellung der Antragsunterlagen.
  • Die Hochschule leitet den Antrag an EXIST bzw. den Projektträger Jülich (PtJ) weiter.

Nach spätestens zwölf Wochen erhalten Sie eine Rückmeldung. Die Gelder erhalten Sie dann über die Forschungseinrichtung bzw. Hochschule.

Frage #8: Aber, gibt es EXIST überhaupt an meiner Hochschule? Und was ist, wenn ich im Ausland studiert habe?

Ob Ihre eigene Hochschule eine EXIST-Hochschule ist oder nicht, können Sie dieser Karte entnehmen. Wenn Ihre Hochschule kein Gründungsnetzwerk anbietet, können Sie auch bei einer Hochschule in Ihrer Umgebung einen Antrag stellen. Auch, wenn Sie im Ausland studiert haben, ist ein Antrag auf EXIST möglich. Tipp: Wenn es sich nicht um die eigene Hochschule handelt, sollten Sie eine längere Vorlaufzeit als drei Monate einplanen.

Frage #9: Ach so… und was ist mit meinem Studentenjob oder BAföG-Fördergeld?

Sie dürfen als EXIST-Stipendiat nicht mehr als fünf Stunden pro Woche außerhalb des Gründungsprojekts arbeiten. Wenn Sie BAföG oder Gelder aus einem anderen Förderprogramm erhalten, ist eine Förderung nicht möglich.

Frage #10: Kein Problem, mit dem Fördergeld kommt man ja gut aus… Aber wie geht es nach dem Stipendium dann weiter?

Häufig findet die eigentliche Gründung direkt nach der EXIST-Förderphase statt. Doch auch während oder gegen Ende des Stipendiums ist es bereits möglich, zu gründen. Wenn der Businessplan geschrieben ist, geht es im nächsten Schritt natürlich um die Finanzierung. Im Idealfall kümmern Sie sich darum aber nicht erst zum Ende Ihres Stipendiums, sondern bereits währenddessen. Wir empfehlen Ihnen einen Fördermittelcheck für weitere Fördergelder. Außerdem sollten Sie sich über Venture Capital, den High-Tech Gründerfonds oder Business Angels als Option zur Gründungsfinanzierung informieren.

Zusatzfrage: Was hat es mit dem EXIST-Forschungstransfer auf sich?

Den Forschungstransfer könnte man als EXIST 2.0 bezeichnen. Hier werden ausschließlich forschungsbasierte Gründungsvorhaben unterstützt, die mit risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Sowohl beim Forschungsprozess an sich als auch bei der Ausarbeitung hin zum Unternehmen werden Gründer unterstützt.

Über die Erstellung des Businessplans und der Klärung grundsätzlicher Fragen hinaus gibt es auch eine zweite Förderphase, die bei der Schaffung der Voraussetzungen einer externen Unternehmensfinanzierung hilft. Wenn Sie also Ihr eigenes Forschungsergebnis in ein Geschäftsmodell umwandeln wollen, lesen Sie hier mehr über diese Art der Förderung.

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