Nachfolge beim Weingut Walch: es bleibt in der Familie



Bis 2018 werden laut Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn für etwa 135.000 Unternehmen Nachfolger gesucht. In rund der Hälfte der Fälle wird die Unternehmensnachfolge dabei familienintern geregelt. Julia Walch, Tochter und Nachfolgerin von Starwinzerin Elena Walch, erzählt davon, wie es für sie und ihre Schwester Karoline Walch war, die Verantwortung für das Familienunternehmen zu übernehmen.

Für-Gründer.de: Hallo Frau Walch, in der fünften Generation führen Sie mit Ihrer Schwester das Weingut Walch. Welches Geheimnis steckt hinter dem Erfolg, der über Generationen hinweg anhält?

Julia Walch: Unser Weingut hat im Laufe seiner Zeit immer wieder neue Wege eingeschlagen und Innovation war ein wesentlicher Bestandteil unseres Werdegangs. Besonders meine Mutter war mit großer Entschlossenheit eine Vorreiterin der Südtiroler Weinkultur in puncto Qualität und Einzellagen.

Für-Gründer.de: Sie sind im Rahmen der Nachfolge für Ihre Mutter Elena Walch in das Unternehmen eingetreten – wie hat sich der Nachfolgeprozess gestaltet?

Julia Walch: Die Nachfolge an mich und meine Schwester Karoline hat sich sehr gut gestaltet. Mittlerweile wurde die operative Tätigkeit an uns abgegeben, während wir strategische Themen gemeinsam diskutieren und entscheiden.

Wichtig waren in dem gesamten Prozess eine klare Zuteilung der jeweiligen Tätigkeitsbereiche sowie offene Gespräche und nicht zuletzt die gegenseitige Wertschätzung.

Mutter Elena und die Geschwister Julia und Karoline Walch (v.l.n.r)
Die Winzerinnen Elena, Julia und Karoline Walch – v.l.n.r (Foto: Elena Walch)

Für-Gründer.de: Wie haben Sie sich persönlich darauf vorbereitet? Welche Fähigkeiten und Kenntnisse konnten Sie direkt einbringen und was mussten Sie noch lernen?

Julia Walch: Vieles wurde uns in die Wiege gelegt – wir wuchsen direkt am Weingut auf und mit der täglichen Arbeit eines Winzers wurden wir schon früh vertraut gemacht. Dennoch: Es war für uns beide wichtig, auch Erfahrungen außerhalb des elterlichen Betriebes zu sammeln. Meine Schwester und ich haben viele Jahre im Ausland verbracht und dort sowohl weinspezifische Fachkenntnisse erlangt als auch gelernt, selbstständig zu arbeiten und auf uns allein gestellt zu sein.

Karoline hat nach ihrem Studium in Betriebswirtschaft in Graz einen Master in Weinwirtschaft an der Universität Adelaide in Australien absolviert und gleichzeitig auf einem Weingut in den Adelaide Hills gearbeitet. Ich selbst habe nach einem Bachelor in Geschichte in Frankreich und einem Master in Europäische Studien in Brüssel einen weiteren Master in Weinwirtschaft in Burgund gemacht. Anschließend habe ich auf einem Weingut in Bordeaux gearbeitet.

Für-Gründer.de: Was waren aus Ihrer Sicht letztendlich die größten Herausforderungen bei der Nachfolge? 

Julia Walch: Das Wichtigste ist, das Gespräch zu finden und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Man hat unterschiedliche Meinungen und muss doch einen Konsens finden – das ist bei uns nicht viel anders als in anderen Unternehmen.

Von beiden Seiten wird viel abverlangt: Auf der einen Seite muss der Wille vorhanden sein, das Unternehmen abzugeben, von der anderen die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Für-Gründer.de: Welche Unterschiede zwischen den Generationen haben Sie in der Unternehmensführung festgestellt?

Julia Walch: Heute wird in unserem Unternehmen interaktiver gearbeitet als früher, Mitarbeiter werden verstärkt in den Entscheidungsprozess eingebunden. Somit entwickelt sich die Betriebsführung horizontal.

Für-Gründer.de: Ist es eine besondere Herausforderung, ein Unternehmen mit der eigenen Schwester zu übernehmen oder macht es alles einfacher? 

Julia Walch: Ich würde sagen, es macht es einfacher. Es besteht größeres Vertrauen und man kennt sich besser, kann die Meinung des anderen vorausahnen oder eine Reaktion besser einordnen.

Wir wissen, dass innerhalb der Familie alles gegeben wird, um das Weingut für die Zukunft erfolgreich weiterzuführen.

Karoline und Julia Walch übernahmen gemeinsam das Unternehmen von der Mutter
Karoline (l) und Julia Walch übernahmen gemeinsam das Unternehmen von der Mutter (Foto: Elena Walch)

Für-Gründer.de: Auch der Weinhandel ist bereits im E-Commerce angelangt. Wie bleiben Sie konkurrenzfähig?

Julia Walch: Dies ist ein Sektor, dessen Entwicklung wir stark im Auge behalten. Im Moment bearbeiten wir diesen Kanal intensiv durch externe Partner.

Für-Gründer.de: Welche Trends beobachten Sie momentan? Welche Rebsorten sind derzeit stark im Kommen und welcher Geschmackstrend flaut eher ab?

Julia Walch: Wir bemerken eine stark ansteigende Nachfrage an autochthonen Rebsorten wie Lagrein, Gewürztraminer und auch Vernatsch.

Grundsätzlich suchen die Weinliebhaber heute vor allem fruchtige und frische Weine mit Identität. Weine mit dominierenden Holznoten liegen zurzeit nicht im Trend.

Das Weingut Walch
Das Weingut Walch (Foto: Elena Walch)

Für-Gründer.de: Wagen Sie doch einen Blick in die Zukunft – wo steht das Weingut Walch in zehn Jahren?

Julia Walch: Wir werden weiterhin auf Einzellagen setzen und in Zukunft – neben unseren besten Einzellagen Castel Ringberg und Kastelaz – auch die kleineren Lagen nach vorne bringen. Außerdem werden die roten Riserva Weine verstärkt ins Zentrum rücken. Wir sind gerade dabei, für diese einen neuen und hochmodernen, für diese Trauben besonders schonenden, Keller fertigzustellen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!

Wer noch mehr über das Weingut und das Unternehmerinnengespann Walch erfahren möchte, dem legen wir noch dieses Interview aus der Winzerzeitschrift Captain Cork ans Herz.

Logo Elena Walch

  • Kontakt
    Elena Walch srl.
    Castel Ringberg & Kastelaz
    A. Hoferstr. 1
    39040 Tramin (BZ),
    Alto Adige, Italy
    Telefon: +39 0471 860172
    E-Mail: info@elenawalch.it
    Website: elenawalch.com