Geschäftsidee meets Bildung: so gründen Studierende



Fast jeder zweite Gründer gibt dem deutschen Schulsystem im Hinblick auf Förderung und Vermittlung von unternehmerischem Denken und Handeln die Note ungenügend, so der Deutsche Startup Monitor. Hier setzt die Initiative „Herausforderung Unternehmertum“ an, indem sie jungen Menschen die Möglichkeit gibt, schon während des Studiums unternehmerische Kompetenzen zu erwerben. Teil davon ist ein einjähriges Qualifizierungsprogramm, finanzielle Unterstützung und ein Gründerkongress. Wir stellen einige Geschäftsideen aus dem Förderprogramm vor.

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Jedes Jahr unterstützt die Stiftung der deutschen Wirtschaft zusammen mit der Heinz Nixdorf Stiftung studentische Gründerteams bei der Verwirklichung ihrer Projektideen. In einem Zeitraum von zwölf Monaten werden die ausgewählten Teams Teil eines begleitenden Qualifizierungsprogramms, das wichtiges unternehmerisches Know-how vermittelt. Ziel ist es, den Gründergeist junger Menschen zu wecken und ihnen erste praktische Erfahrungen zu ermöglichen. Die Bandbreite der Ideen, die gefördert werden, reicht vom klassischen Start-up bis hin zu gemeinnützigen Ideen im Sinne des Social Entrepreneurships. Seit 2005 wurden bereits 600 Studenten durch die Initiative gefördert. Im folgenden stellen wir mit Tafelhelden und Zizzle zwei Teams vor, die die „Herausforderung Unternehmertum” bereits angenommen haben.

Pitch eines Teilnehmers bei Herausforderung Unternehmertum
Pitch eines Teilnehmers bei Herausforderung Unternehmertum

Zizzle: Chinesisch lernen durch Bilder

Ein und dieselbe Silbe kann in der chinesischen Schriftsprache je nach Kontext durch verschiedene Zeichen beschrieben werden. Durch das Geschriebene erhält der Leser also keinen direkten Hinweis auf die Aussprache und Betonung. Hinzu kommt, dass es insgesamt 87.000 Schriftzeichen gibt. Mindestens 3.000 bis 5.000 sollte man kennen, um einen chinesischen Zeitungsartikel verstehen zu können. Das alles macht das Erlernen von neuen Vokabeln zu einer abstrakten und mühevollen Aufgabe.

Wer an seine eigene Schulzeit denkt, wird sich vielleicht an den einen oder anderen Merkspruch erinnern. „Choose chooses an o, lose loses an o“ war so eine Eselsbrücke aus dem Englischunterricht. Eine ähnliche Idee hatte eine Gruppe von Chinesisch-Lernenden aus Mannheim. Sie hatten die Idee zu jedem Schriftzeichen ein eigenes Minimärchen zu entwickeln, um diese greifbarer zu machen und das Lernen zu vereinfachen.

Zizzle liefert Bildergeschichten, die das Lernen von Chinesischen Vokabeln leichter machen sollen (Bild zizzle-app.com)
Zizzle liefert Bildergeschichten, die das Lernen von chinesischen Vokabeln erleichtern soll (Bild: Zizzle)

Die Geschichten enthalten Hinweise auf die Bedeutung und darauf, wie man das Zeichen ausspricht. Wer das einmal selber ausprobieren möchte, kann sich auf der Webseite von Zizzle einige Beispiele anschauen. Aktuell wird eine App entwickelt, mit der Chinesisch-Lernende auch unterwegs Zugriff auf die Vokabeln haben. Das gesetzte Ziel des Gründerteams ist es, dass das Programm in fünf Jahren aus Klassenzimmern, Sprachschulen und Universitäten, also überall dort, wo Chinesisch gelehrt und gelernt wird, nicht mehr wegzudenken ist.

Mehr Einblicke in die Praxis für Lehramtsstudenten

Auch bei der nächsten Idee geht es um Bildung. In Berlin und einigen anderen Bundesländern fehlt es Jahr für Jahr an Lehrern. Die freien Stellen müssen mittlerweile von Quereinsteigern ohne Pädagogikstudium besetzt werden. Das liegt nicht daran, dass es zu wenig Lehramtsstudenten in Berlin gibt. Aber viele erwartet nach dem ersten Unterrichtspraktikum im Master ein Praxisschock und brechen ihr Studium ab. Um dem entgegenzuwirken, hat eine Gruppe Berliner Studenten unter dem Namen Tafelhelden ein Mentorenprogramm aufgelegt, das Lehramtsstudenten im ersten Semester berufstätige Lehrer an die Seite stellt, um Praxisluft zu schnuppern. Vergangenes Frühjahr starteten die Tafelhelden ein Pilotprojekt mit drei Mentoring-Paaren. Ab Oktober sollen die Erfahrungen dann in einen ersten großen Durchgang fließen.

Ziele der Herausforderung Unternehmertum

Für die meisten jungen Menschen dürfte es das erste Mal sein, dass sie einen Finanzplan erstellen, Pressearbeit leisten oder Investoren akquirieren sollen. In Form von Workshops und Seminaren geben erfahrene Experten aus dem Netzwerk der Stiftung dieses Wissen weiter. Die ausgewählten Teams erhalten darüber hinaus 15.000 Euro Förderung und setzen ihre Gründungsidee in die Praxis um. Das Förderprogramm „Herausforderung Unternehmertum“ richtet sich sowohl an Stipendiaten des Studienförderwerks Klaus Murmann als auch an externe Studierende aus ganz Deutschland. Bewerbungen für das nächste Förderjahr werden wieder ab Frühjahr 2016 angenommen. In folgenden Bereichen werden die Studierenden mit Know-how ausgestattet:

  • Teambuilding und Teamführung
  • Ideenwerkstatt und Strategiebildung
  • Projektmanagement
  • Erstellung eines Businessplans
  • Juristische Grundlagen der Unternehmensgründung
  • Gesprächsführung und Verhandlungstechnik
  • Steuern und Bilanzen
  • Präsentationstechnik
  • Nachhaltige Projekt- und Unternehmensorganisation
  • Marketing
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ausblick auf den Gründerkongress der Herausforderung Unternehmertum

Am 11. September 2015 findet unter dem Motto „Wecke den Gründer in dir!“ der Gründerkongress der Initiative Herausforderung Unternehmertum statt. Teil des Programms sind Vorträge von erfahrenen Unternehmensgründern, Erfolgsgeschichten aus zehn Jahren Herausforderung Unternehmertum, Workshops zu den Themen Design Thinking, Ideenfindung und Kapitalsuche sowie ein Ideenslam mit den Teilnehmern aus dem aktuellen Förderjahrgang. Weitere Infos zum Gründerkonkress gibt es hier.

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