Start-ups als Pioniere der LifeScience ausgezeichnet



Zelltherapieverfahren zur spezifischen Unterdrückung der Immunreaktion, ein Klebstoff für Nierensteinfragmente oder ein Laborgerät zur automatisierten Bioprozessüberwachung in Schüttelkolben  das waren drei der zehn prämierten Geschäftsideen im Finale des Science4Life Venture Cup 2015. Wir haben, ehrlich gesagt, zwar auch nicht alles verstanden  aber es ist spannend zu sehen, mit welchen Ideen Start-ups abseits von e-Commerce und Internetgeschäftsmodellen unterwegs sind.



Der Science4Life Venture Cup zählt mit zu den über 120 Gründer- und Businessplanwettbewerben, die jedes Jahr in Deutschland herausragende Ideen und Gründer auszeichnen. Besonderheit des Wettbewerbs ist der Fokus auf Branchen wie Biotechnologie, Chemie, Medizintechnik oder Nanotechnologie. Die teilnehmenden Teams erarbeiten im Wettbewerbsverlauf einen detaillierten Businessplan und haben außerdem die Chance auf attraktive Preisgelder. So wurden im Finale in der Vorwoche 56.000 Euro unter den zehn Gewinnern vergeben.

Science4Life Venture Cup 2015 Eindruecke
Eindrücke von der Preisverleihung beim Science4Life Venture Cup 2015

Der Science4Life Venture Cup 2015 geht an…

Zur Preisverleihung der diesjährigen Runde beim Science4Life Venture Cup wurde in der Vorwoche am 13. Juli 2015 in die Bundesbank-Zentrale in Frankfurt eingeladen. Auch der Hessische Minister für Wirtschaft, Tarek al-Wazir, ließ es sich nicht nehmen, nach seinem Grußwort ausführlich der Preisverleihung beizuwohnen. Vertreten war auf der Bühne ebenfalls Prof. Dr. Jochen Maas, Forschungsgeschäftsführer Sanofi-Aventis Deutschland. Sanofi-Aventis agiert als Hauptsponsor des Events und wirft sicherlich ein Auge auf das eine oder andere Start-up. Prof. Maas legte in seiner Rede zunächst aber auch den Finger in eine altbekannte Wunde. So ist die VC-Finanzierung für den BioTech-Bereich in Deutschland und Europa weiterhin noch deutlich ausbaufähig und liegt weit hinter den USA zurück.

Minister al-Wazir betonte, dass ihm Unternehmensgründer am Herzen liegen und es ihm darum geht, Orte zu schaffen, an denen sich Kreativität entfalten kann. Dies sei auch ein Grund dafür, warum ein Bundesland wie Hessen den eigentlich bundesweiten Wettbewerbe Science4Life fördert. Und den Gründern rief er zu

Vergesst Berlin, schaut nach Frankfurt Rhein-Main

 

Nach all den Vorreden ging es dann aber endlich zur Sache  schließlich stehen die Gründer und ihre Ideen im Mittelpunkt beim Science4Life Venture Cup. Alle zehn Finalisten waren automatisch Gewinner  nur wer wie viel Preisgeld mit nach Hause nehmen konnte, musste noch entschieden werden.

Auf den Plätzen 6 bis 10, die jeweils mit 2.000 Euro dotiert waren, landeten beim Science4Life Venture Cup 2015  in alphabetischer Reihenfolge:

Und schon bei diesen Preisträgern zeigt sich eine erstaunliche Vielfalt der Geschäftsideen. Während es bspw. bei CVTec darum geht, Neurochirurgen mit einer neuen Software eine bessere Behandlung von Aneurysmen zu ermöglichen, stehen bei PerformaNat Kühe im Mittelpunkt. Um die Milchleistung der Kühe immer weiter zu steigern, kommt Futter zum Einsatz, das bei Kühen zu deutlich höheren Sterblichkeitsraten führt. Das Unternehmen fokussiert sich auf die Entwicklung von Fütterungskonzepten, die diesen Stoffwechselkrankheiten entgegenwirken. PerfomaNat ist bereits EXIST-gefördert und derzeit auf der Suche nach neuen Kapitalgebern, die 200.000 Euro investieren wollen.

Nierensteine sind ein weitverbreitetes Problem. Bei der Entfernung bleiben häufig kleine Fragmente zurück, in der Hälfte der Fälle später erneut zu Nierensteinen führen. Die Fragmente sollen in Zukunft mit dem Kleber von mediNiK gebunden und dann ebenfalls einfach entfernt werden können. Das Team sucht 2 Mio. Euro für eine Patientenstudie und die Markteinführung. In Deutschland könnte das Produkt bei 100.000 Operationen zum Einsatz kommen  das Marktpotenzial liegt bei 25 Mio. Euro.

Danach ging es mit den Plätzen 1 bis 5 weiter  und die Spannung stieg, schließlich gab es für den Gewinner 25.000 Euro.

  • 1. Preis für TolerogenixX aus Heidelberg (25.000 Euro): das Vorhaben ist ein Zelltherapieverfahren, das die spezifische Unterdrückung der Immunreaktion zum Ziel hat.
  • 2. Preis für Sulfotools aus Darmstadt (10.000 Euro): Ziel ist ein alternatives Verfahren, um Peptide umweltverträglicher und kostengünstiger herzustellen.
  • 3. Preis für aquila biolabs aus Aachen (5.000 Euro): das Team entwickelte ein Laborgerät zur automatisierten Bioprozessüberwachung in Schüttelkolben.
  • 4. Preis für Polyneuron Pharmaceuticals aus Basel (3.000 Euro): im Fokus stehen neuartige Medikamente zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten.
  • 5. Preis für dextrinova aus Jena (3.000 Euro): das Start-up entwickelt einen natürlichen Schmelzklebstoff aus Stärke und Pflanzenöl und sucht aktuell 2 Mio. Euro.
Science4Life Venture Cup 2015
Die Gewinner beim Science4Life Venture Cup 2015

Lohnt sich die Teilnahme?

In Anbetracht des Kapitalbedarfs, den die Unternehmen haben, die bei Science4Life teilnehmen, ist natürlich das Preisgeld nicht der wichtigste Grund für die Teilnahme an dem Wettbewerb. Vielmehr wurde von den Teilnehmern und auch den Siegern des Vorjahres die Reputation und das Netzwerk des Science4Life Venture Cups ins Feld geführt. Die Auszeichnung beim Science4Life Venture Cup kommt quasi einem Gütesiegel in der Branche gleich. Vielfach kommen in der Folge Investoren und mögliche Kunden auf die Start-ups zu, sodass anstehende Hürden gut gemeistert werden können. Und auch die detaillierte Arbeit am Businessplan, die während der Wettbewerbsphase erfolgt, sowie das Feedback der Experten wurden als sehr vorteilhaft von den Teilnehmern hervorgehoben.

Ein Blick zurück auf die vorherigen 16 Wettbewerbsrunden spricht Bände. Insgesamt wurden 570 Unternehmen gegründet und 3.400 Arbeitsplätze geschaffen. In der gerade zu Ende gegangenen 17. Wettbewerbsrunde wurde zudem ein neuer Teilnehmerrekord beim Science4Life Venture Cup mit 129 eingereichten Geschäftsideen erzielt. Am Ende standen 62 ausgearbeitete Businesspläne zu Buche.

Nächste Runde bei Science4Life

Wer nun ebenfalls eine Idee rund um Life Science verfolgt und diese auf Herz und Nieren prüfen lassen will, kann sich für die 18. Runde von Science4Life bewerben. Aber auch bestehende Unternehmen können teilnehmen sofern sie nicht vor dem 1. September 2013 gegründet wurden. Den offiziellen Startschuss gibt es am 14. September 2015 im Rahmen der Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare im Casinogebäude der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Zum Abschluss werden die fünf Erstplatzierten beim Science4Life Venture Cup auch visuell vorgestellt:

Auf Für-Gründer.de finden Sie weitere anstehende Wettbewerbe sowie eine Anleitung mit Tipps für die erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme.