Gutes tun im Unternehmertum: Traum oder Trugschluss?



Der rasante technologische Wandel verändert heutzutage auch das Denken über Konsumgüter. Immer mehr Menschen sehen keinen Sinn in der Anhäufung von Gegenständen. Stattdessen wird immer mehr Wert auf die nachhaltige und faire Produktion gelegt. Die technologischen Möglichkeiten unserer Zeit bringen so auch neue Geschäftsideen hervor, auf die wir einen Blick werfen wollen.



Immer mehr Menschen machen es sich zur Aufgabe, mit ihrer Arbeit nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern dabei auch einen Beitrag für eine nachhaltige Welt zu leisten. Die Vorreiter dieses Massenphänomens sind besser bekannt als LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Sie verfolgen einen Lebensstil, der von einem ausgeprägten Bewusstsein für Gesundheit geprägt und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch immer mehr Gründer dem Social Entrepreneurship verschreiben.

Gutes tun im Unternehmertum – passt das zusammen?

Passt das Ziel der Gewinnmaximierung mit dem Wunsch, Gutes zu tun, zusammen? Dieser innere gedankliche Konflikt löst sich immer weiter auf und geht in das ernannte Vorhaben über, alles unter einen Hut zu bekommen. Diese neue Riege der sozialen Gründer haben die folgenden drei P’s vor Augen: Profit, People, Planet – also Profit, Menschen und den Planeten. Und mit genügend Rückhalt in der Bevölkerung und einem ausgeklügelten Geschäftsmodell sind diese auch durchaus vereinbar.

Social Entrepreneurship
Social Entrepreneurship gewinnt immer mehr Anerkennung (Foto: Pexels)

Aber auch immer mehr Großunternehmen schreiben den mit Nachhaltigkeit verbundenen Effizienzgedanken in ihren neuen Leitlinien fest und suchen soziale Ansätze, um ärmere Regionen in der Welt mit Kleidung oder anderen sozialen Aspekten zu unterstützen.

Ein bekanntes Beispiel ist das Unternehmen TOMS. Hier wird pro verkauftes Produkt – ob Schuh, Sonnenbrille oder Kaffee – eine Spende generiert, die für das hauseigene Modell zur Unterstützung bedürftiger Gemeinden weltweit verwendet wird.

Nachfolgend stellen wir Ihnen drei Start-ups aus Deutschland vor, die sich nicht nur auf ihren unternehmerischen Erfolg konzentrieren, sondern sich auch auf eine soziale und nachhaltige Mission begeben.

Leihen statt Haben: Leihbar

Mit dem Prinzip der Sharing Economy und dem Slogan „Nutzen statt Besitzen“ schlägt eine neue Art des Umgangs mit Konsumgütern seine Wellen in der modernen Gesellschaft. Leihbar möchte dabei das Prinzip von Carsharing auch auf andere Gegenstände übertragen. Das Augenmerk liegt zunächst aber auf Elektrogeräten. Auf diese Weise soll Elektroschrott vermindert und Gegenstände nur bei wirklicher Notwendigkeit gebraucht werden. So werden Beamer, Bohrmaschine und GoPro-Kamera bequem und einfach gegen eine Gebühr ausgeliehen.

Nutzen statt besitzen – wozu Dinge kaufen, die eh fast nie verwendet werden? (Quelle: www.leihbar.net)
Wozu Dinge kaufen, die man nur selten verwendet? (Foto: Leihbar)

Die Ausleihe erfolgt aus einer Box, die 24/7 zugänglich ist. Derzeit läuft die Testphase. Die erste Leihbar-Sharing-Box ist in einem Berliner Studentenwohnheim im Stadtteil Lichtenberg platziert. Darin werden hochwertige Produkte zur Nutzung bereitgestellt. Ziel ist es, immer mehr Boxen aufzustellen. Das Sortiment einer Box soll dynamisch an den Bedarf des jeweiligen Standortes angepasst werden.

Hier macht man es sich also zur Aufgabe, den Nutzern Geld zu ersparen, während die Betreiber mehr Umsatz mit einzelnen Produkten machen, als es mit dem Verkauf jener Gegenstände wäre. Und ganz nebenbei wird die Umwelt durch Ressourcen- und Energieeinsparungen geschont. Die Macher hinter Leihbar nehmen aktuell am TU Gründerservice teil und sind EXIST-Stipendiaten. Mehr Informationen zu Leihbar und ihrer Idee finden Sie hier.

Rubine für Afrika

Hygieneartikel wie Tampons und Binden sind hilfreiche Produkte, aber leider nicht besonders nachhaltig. Die nachhaltige Alternative dazu ist die aus medizinischem Silikon geformte Ruby Cup. Die Vorteile bestehen darin, dass die Regelblutung aufgefangen und nicht wie üblich aufgesaugt werde. Des Weiteren enthält die Ruby Cup nach Herstelleangaben keine Stoffe, wie Parfüme oder Bleichmittel, und läßt sich einfach reinigen.

Fernab von der Frage, ob man sich als Frau wirklich über die Wiederverwendbarkeit solcher Hygieneartikel auseinandersetzen möchte, sind auch die folgenden Kennzahlen es Wert, beachtet zu werden. Denn eine Frau verwendet wohl durchschnittlich 12.000 Hygieneprodukte in ihrem Leben. Die Ruby Cup hingegen sei bis zu zehn Jahre lang wiederverwendbar. Die Ersparnis ist also ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Mit jedem verkauften Ruby Cup erhält ein Mädchen in Kenia ebenfalls die Menstruationstasse (Quelle: www.ruby-cup.com)
Mit jeder verkauften Ruby Cup erhält auch ein Mädchen in Kenia eine Ruby Cup (Foto: Ruby Cup)

Oben drauf kommt ein weiterer Geschäftsmodellbaustein, nämlich der soziale Aspekt. Viele Mädchen in ärmeren Teilen der Welt können sich die in Industrienationen üblichen Frauenhygieneartikel gar nicht leisten. Statt Tampons wird zu unhygienischen und unsicheren Materialien, wie alte Zeitung, Lehm oder Socken, gegriffen. Das verursacht häufig Infektionen und kann zu gravierenden Gesundheitsproblemen führen. Ebenso bleiben viele Mädchen aus Scham der Schule oder Arbeit fern. Dieses Problem soll mit der Ruby Cup bekämpft werden.

Mit jeder verkauften Ruby Cup in Europa spendet die Käuferin gleichzeitig einen Ruby Cup an ein Mädchen in Kenia.

Auf diese Weise sollen gefährliche Erkrankungen und andere Einschränkungen endlich eingedämmt werden. Mehr Informationen zur Idee gibt es hier.

Hochwertige Produkte fair hergestellt: fairmondo

Der Marktplatz von fairmondo will eine faire Alternative zu den Marktriesen im Online-Handel werden. Einigen wird das Berliner Start-up besser unter dem ehemaligen Namen „Fairnopoly“ bekannt sein. Dieser musste allerdings in fairmondo umgewandelt werden. Insgesamt hat sich der Marktplatz gleich dreifach der Fairness verschrieben:

  • Die gekauften Produkte sollen von fairen Unternehmen erworben werden. Deshalb agiert das Unternehmen als Genossenschaft 2.0 – samt vollständiger Transparenz, einer Open Source-Entwicklung der Marktplatz-Software sowie einem kontrollierbaren Datenschutz.
  • Gefördert werden sinnvolle Produkte. Faire Produkte sollen zu einem bezahlbaren Preis angeboten werden. Deshalb nimmt fairmondo nur die Hälfte der üblichen Verkaufsprovision. Außerdem soll durch den geschaffenen Marktplatz verantwortungsvoller Konsum gefördert werden – die Nutzer der Plattform erhalten somit alle wichtigen Infos rundum die Nachhaltigkeit der Produkte.
  • Außerdem wird ein Beitrag zur Korruptionsbekämpfung geleistet. Hierfür wird bei jeder Transaktion automatisch 1 % an Transparency International gespendet.
Neuer Name, unveränderte Transparenz. Fairmondo hat sich der Veröffentlichung aller Kenn- und Unternehmenszahlen verpflichtet. (Foto: Kristoffer Schwetje, 2013 ; Quelle: www.fairmondo.de )
fairmondo hat sich der Veröffentlichung aller Unternehmenszahlen verpflichtet (Foto: Kristoffer Schwetje/fairmondo )

Wir berichteten vor einiger Zeit auch über das steigende Gründungsinteresse im Bereich des sozialen Unternehmertums. Dieser immer noch anhaltende Trend des Social Entrepreneurship zeigt sich vor allem in der steigenden Zahl der gGmbH-Gründungen in den letzten Jahren. Dabei handeln viele Sozialunternehmen nicht profitorientiert und finanzieren sich ausschließlich durch Spendengelder.

  • Eine solche Gründung vollzog auch Andrea Lässing. Die ehemalige Managerin gründete die Kinderstube Nordstadthaus gGmbH. Lesen Sie das ganze Interview mit der Gründerin.

Sollten Sie kurz vor der Gründung Ihres sozialen Unternehmens stehen und die gGmbH als Rechtsform als sinnvoll erachten, dann finden Sie auf Für-Gründer.de auch die praktischen Schritte zur Gründung einer gemeinnützigen GmbH.