FlixBus: Wenn der größte Konkurrent zum Partner wird



FlixBus bietet Reisen durch die ganze Bundesrepublik und über Landesgrenzen hinaus zu günstigen Preisen und mit WLAN an. Damit macht das Unternehmen traditionellen Fernreiseanbietern in Deutschland große Konkurrenz. Ebenso wie der größte Kontrahent von FlixBus: MeinFernbus. Im Biergarten beschlossen beide Unternehmen den Konkurrenzkampf aufzugeben und fortan die gemeinsame Reise anzutreten. Wir sprachen mit dem Gründer von FlixBus darüber, wie FlixBus und MeinFernbus zusammenfanden.

Für-Gründer.de: Guten Tag, Herr Engert, was ist FlixBus und wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Jochen Engert von FlixBus: Wir sind eine Kombination aus Technologie-Start-up, E-Commerce und klassischem Verkehrsunternehmen. Gemeinsam mit mittelständischen Buspartnern betreiben wir mittlerweile eines der größten Fernbusnetze Europas. Unser Ziel ist es, nachhaltige Mobilität bequem und gleichzeitig bezahlbar zu machen.

Die Idee zu FlixBus entstand 2009 gemeinsam mit André und Daniel in der Münchner „Newsbar“. Wir wollten etwas Eigenes aufziehen und hatten im Koalitionsvertrag gelesen, dass der Fernlinienverkehr liberalisiert werden soll. Das war für uns die einmalige Chance, einen völlig neuen Markt aufzubauen. Daniel kommt aus dem IT-Bereich, während André und ich unsere Wurzeln im Bereich Strategieberatung haben.

Mit Bussen hatten wir abgesehen von der Skifreizeit und der Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) bis dato eher wenig am Hut. Das Thema fanden wir aber extrem spannend. 2011 haben wir uns deshalb auf die Suche nach Investoren und qualifizierten Partnern gemacht, mussten dann allerdings bis zum Fall des Bahnmonopols noch knapp zwei Jahre warten.

Am 13. Februar 2013 sind wir schließlich mit drei Linien und als erster Anbieter unter der neuen Gesetzgebung gestartet, 2015 haben wir uns mit den Berliner Kollegen von MeinFernbus zusammengeschlossen. Gemeinsam geht es jetzt als ein gemeinsamer großer Anbieter weiter nach Europa.

Interviewpartner Jochen Engert sieht den Zusammenschluss der beiden Busanbieter als großen Schritt nach vorn in Richtung Europa.
Jochen Engert von FlixBus (Foto: FlixBus)

Für-Gründer.de: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit FlixBus an und wie groß schätzen Sie den Markt in den nächsten Jahren?

Jochen Engert von FlixBus: Wir sprechen grundsätzlich jeden an, der Lust auf modernes, preiswertes und nachhaltiges Reisen hat. Anfangs standen mobile, internetaffine Studenten und Nutzer von Mitfahrgelegenheit und Co. im Fokus. Mittlerweile haben wir durch hohe Komfortstandards und mit stationären Vertriebsmöglichkeiten auch die Ü30-Zielgruppe überzeugt. Große Wachstumschancen sehen wir beim grenzüberschreitenden Verkehr in Europa. Aber auch innerhalb Deutschlands gibt es nach wie vor noch jede Menge ungenutztes Potenzial.

Für-Gründer.de: Was bieten Sie Ihren Kunden mit FlixBus im Detail?

Jochen Engert von FlixBus: Mittlerweile bieten wir über 10.000 tägliche Routen und grenzüberschreitenden Verkehr in aktuell 14 Länder. Wir setzen neben günstigen Ticketpreisen auf extrem hohe Servicequalität: Kostenloses WLAN, Steckdose und Sitzplatzgarantie im klimatisierten Reisebus haben schon jetzt neue Komfortstandards bei Reisenden in Deutschland gesetzt. Per Online-Ticketing, flexibler Umbuchung, aktuellen Reiseinfos per kostenloser App und über neue Vertriebskanäle ermöglichen wir den einfachen Zugang zu günstiger, nachhaltiger und bequemer Mobilität.

Mittlerweile bieten die beiden Busunternehmen gemeinsam über 600 Strecken innerhalb Deutschlands an.
Mittlerweile sind über 600 Busse für das gemeinsame Unternehmen unterwegs (Foto: FlixBus)

Für-Gründer.de: Wie funktioniert das Geschäftsmodell – sprich, wie verdienen Sie Ihr Geld?

Jochen Engert von FlixBus: Geld verdienen wir mit dem Vertrieb möglichst vieler Fernbus-Tickets. Unsere Teams in Berlin und München kümmern sich um Marketing und Sales, IT, Ticketing, Kundenservice und treiben den Netzausbau sowie das europaweite Wachstum voran. Unsere regionalen Partner, häufig familiengeführte Busunternehmen in zweiter oder dritter Generation, übernehmen den operativen Linienbetrieb und stellen die Busflotte.

Wir profitieren so von jahrzehntelanger Erfahrung und der Qualität aus dem Mittelstand, unsere Buspartner von einer starken, internationalen Marke und dem kreativen Einsatz unseres Teams.

Für-Gründer.de: Über 600 Busse sind auf Europas Straßen unterwegs – wie konnten Sie das alles finanzieren?

Jochen Engert von FlixBus: Unser schnelles Wachstum war durch das oben beschriebene Partnermodell möglich. Auf diese Weise haben wir das Investitionsrisiko auf genügend Schultern verteilt. Zusätzlich hatten wir diverse Business Angels an Bord und konnten so im Verlauf der Unternehmensgründung und -führung auch große Investoren für die Idee eines deutschlandweiten Fernbusnetzes begeistern.

Für-Gründer.de: Wo lagen die größten Hürden im Gründungsprozess?

Jochen Engert von FlixBus: Neben der permanenten Unsicherheit, ob die Liberalisierung nun tatsächlich kommt, war die größte Hürde, die passenden Buspartner zu finden. Wir mussten traditions- und sicherheitsbewusste Mittelständler davon überzeugen, sehr große Summen quasi in uns, das Konzept und den noch nicht existierenden Markt zu investieren.

Für-Gründer.de: Welche Entwicklungsschritte haben Sie seit der ersten Idee bis heute durchlaufen und was waren die bisher größten Meilensteine?

Jochen Engert von FlixBus:

Der bisher größte Meilenstein war es sicher, die ersten FlixBusse auf der Straße zu sehen. Bis dato waren es bloß schöne Folien und ein Businessplan. Dann kam der große „Knall“ im Januar: der Zusammenschluss von MeinFernbus und FlixBus.

Aus zwei mach eins: im Januar haben sich die beiden Busanbieter zu einem Unternehmen zusammengeschlossen und operieren unter gemeinsamer Fahne. (Quelle: FlixBus)
Im Januar haben sich die beiden Busanbieter zu einem Unternehmen zusammengeschlossen und operieren unter gemeinsamer Fahne (Foto: FlixBus)

Für-Gründer.de: Was war der Anlass für den Zusammenschluss mit MeinFernbus und was hat sich dadurch für Sie verändert?

Jochen Engert von FlixBus: Nach zwei Jahren beinhartem Konkurrenzkampf mit unserem größten Wettbewerber haben wir uns zusammengeschlossen. Damit hatte bis zum Januar wohl keiner gerechnet. Nachdem beide Gründerteams nicht ganz neidlos anerkennen mussten, dass die jeweils anderen einen verdammt guten Job machen, hatten wir uns 2014 in einem Münchner Biergarten erstmals zu fünft ausgetauscht.

Als wir hier feststellten, dass die Stärken unserer beiden Firmen nahezu perfekt komplementär sind, haben wir uns irgendwann nach langem Ringen um die Farbe der Busse zum Zusammenschluss entschieden.

Dieser Entschluss hatte weitreichende Konsequenzen, nicht nur für uns fünf Geschäftsführer, sondern besonders auch für unsere Teams und jeden einzelnen Mitarbeiter in Berlin und München. Auf einen Schlag sind wir nicht nur der mit Abstand größte Anbieter am Markt, wir müssen auch noch zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen unter einen Hut bringen, ohne unsere Identität oder den Rückhalt unserer Mitarbeiter zu verlieren. Die letzten Monate waren daher für alle extrem anstrengend und wir sind echt stolz auf unser Team und die Geschwindigkeit, mit der wir die Integration umgesetzt haben.

Für-Gründer.de: Sie haben etwa 500 Mitarbeiter. Haben Sie für Gründer hilfreiche Tipps bei der Mitarbeiterführung?

Jochen Engert von FlixBus: Uns ist bewusst, dass wir den bisherigen Erfolg nur durch unsere Mitarbeiter realisieren konnten. Wir investieren deshalb viel Zeit in Teamevents, gemeinsame Workshops und suchen das regelmäßige Feedback unseres Teams. Trotz der mittlerweile erreichten Größe und der verschiedenen Standorte haben wir uns flache Hierarchien und die direkte Kommunikation erhalten. Durch viel Vertrauen in persönliche Fähigkeiten, egal ob von Praktikant oder langjährigem Kollegen, schaffen wir genügend Raum für Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Wir leben auch bei der Mitarbeiterführung die Fernbus-Philosophie: Wichtig ist, den Einzelnen abzuholen und mitzunehmen.

Teamevents sind ein wichtiger Bestandteil zur Stärkung der Unternehmenskultur und dienen der engeren Verbindung zum Unternehmen. (Quelle: FlixBus)
Teamevents sind ein wichtiger Bestandteil zur Stärkung der Unternehmenskultur von FlixBus (Foto: FlixBus)

Für-Gründer.de: Onlinemarketing ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Marketingstrategie. Worauf sollte man als Gründer beim Onlinemarketing besonders achten?

Jochen Engert von FlixBus:

Clevere Datenanalyse, was funktioniert, wird skaliert. Was nichts bringt, wird verworfen. Also viel Trial-and-Error und Mut, ständig neue Aktionen zu probieren.

Für-Gründer.de: Wie sehen eure Ziele bzw. die nächsten Schritte für die kommenden zwölf Monate aus?

Jochen Engert von FlixBus: Die am deutschen Markt gesammelten Erfahrungen wollen wir jetzt international einsetzen. Deshalb treiben wir den europaweiten Netzausbau weiter voran. Unser Ziel sind 1.000 grüne Busse bis zum Ende des Jahres.

Für-Gründer.de: Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer – welche drei Tipps können Sie angehenden Gründern geben?

Jochen Engert von FlixBus: Mutig sein, authentisch bleiben und sucht euch unbedingt das passende Gründerteam: Verschiedene Blickwinkel auf ein gemeinsames Ziel waren bei uns drei bzw. jetzt fünf in jeder Entwicklungsphase ein absolutes Muss.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

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