Existenzgründung mit Mitte 20: warum lange warten?



In einer Lebensphase, wo andere noch davon träumen, die Welt mit dem Rucksack zu bereisen, kratzt eine junge Frau ihr Erspartes zusammen und stampft zusammen mit einem Kollegen ein Start-up für den optimalen Lebenslauf aus dem Boden. Der Clou: Auf genau so einer Reise entstand die Idee zu Dein Lebenslauf. Wir wollten wissen, welche Erfahrungen Sie bei ihrer Gründung mit Mitte 20 gemacht hat.

Britta Kiwit arbeitete zuvor beim Onlinemagazin Gründerszene in den Bereichen Business Development und Sales. Ständig umgeben von Gründern wuchs auch in ihr der Wunsch nach der Selbstständigkeit. Sie kündigte, gönnte sich eine Auszeit bei einem One-Way-Abenteuer in Kambodscha und kam erst für die Gründung einer GbR zurück.

Ihr Gründungspartner, Felix Göde, arbeitete schon länger als Personalberater für Start-ups und kannte sich mit Lebensläufen aus. Zusammen gründeten sie Dein Lebenslauf, eine Onlineplattform für die Erstellung individueller und professioneller Bewerbungsunterlagen. Im Vordergrund steht die ausführliche Beratung in Kombination mit einem einzigartigen Design, mit dem der Lebenslauf automatisch aus der Masse aller Bewerber heraus sticht und die Chancen auf das Vorstellungsgespräch steigen sollen.

Dein Lebenslauf
Dein Lebenslauf entwickelt professionelle Bewerbungsunterlagen (Foto: Dein Lebenslauf)

Für-Gründer.de: Wann wurde dir klar, dass eine Festanstellung nicht mehr das Richtige für dich ist und du ein Unternehmen gründen möchtest?

Britta Kiwit von Dein Lebenslauf: Rückblickend war das für mich die natürlichste Entwicklung der Welt. Die ersten drei Jahre meiner Festanstellung verbrachte ich bei dem Onlinemagazin Gründerszene. Die Mischung aus dem Know-how über alle Aspekte einer Gründung, die ich mir während dieser Tätigkeit aneignete und dem täglichen Kontakt zu etlichen Gründern ist wahnsinnig explosiv.

Deshalb kam auch irgendwann der Tag, an dem ich kündigte und mich zum ersten Mal löste von dem Gefühl des Fremdbestimmtseins, aus dem sich trotz Unbehagen viele nicht befreien möchten, weil sie Angst vor der nahenden Unsicherheit haben.

Wann, wo, wie und was ich gründen wollte, das wusste ich damals nicht, als ich ohne Rückflugticket auf dem Weg nach Kambodscha war. Aber ich schwor mir ab diesem Zeitpunkt, mir immer alle Türen im Leben offen zu halten und irgendwann meinen Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen.

Und dann kam der Tag, an dem mich mein jetziger Mitgründer Felix Göde auf meiner Reise besuchte und mir von seinem Gründungsvorhaben berichtete. Ich fand seine Idee einer Plattform, die bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen hilft, auf Anhieb spannend und schlug ihm vor, das Ganze gemeinsam zu starten. Et voilà – Dein-Lebenslauf.com war geboren.

Britta Kiwit, Mitgründerin von Dein-Lebenslauf.com
Britta Kiwit, Mitgründerin von Dein-Lebenslauf.com

Für-Gründer.de: Wie hast du dich auf dein Gründungsvorhaben vorbereitet?

Britta Kiwit von Dein Lebenslauf: „Na dann… dann buche ich jetzt“, sagte ich mir selber. Ich leerte meinen Caipirinha am Strand und schwang mich zwei Tage später in den nächsten Flieger zu Felix. Er hatte zum Zeitpunkt meiner Ankunft bereits eine Webseite aufgesetzt, mit der wir mit kleinstmöglichem Aufwand starten wollten, um erst mal zu schauen, ob uns überhaupt jemand braucht auf dem Markt. Am 2. April 2014 hatten wir unser erstes Kick-off-Meeting und besprachen den Status quo, Zeitplan und die Agenda. Vier Wochen später gingen wir live. Viel mit Vorbereitung war also nicht.

Das ist meiner Meinung nach sowieso der beste Weg: Baue dir ein Minimum Viable Product (MVP), das kann eine rudimentäre Seite mit den Mindestanforderungen oder einen Prototyp in der Offlinewelt sein, und starte schnellstmöglich!

Das Ganze läuft nach dem Motto: minimaler Aufwand, maximale Wirkung. Hauptsache du hast was zum Ausprobieren, Testen und Zeigen. Als Gründer ist es unserer Meinung nach essenziell, dass man seine Geschäftsidee möglichst früh in der Praxis testet und aus den gemachten Fehlern, die richtige Schlüsse zieht, Learning by Doing eben.

Für-Gründer.de: Wer hat dir bei der Gründung geholfen?

Britta Kiwit von Dein Lebenslauf: Geholfen hat uns anfangs vor allem unser Know-how über die zahlreichen Teilbereiche einer Gründung, da wir beide in der digitalen Gründerwelt zu Hause sind. Zusätzlich unterstützte uns damals unser ehemaliger Gründerszene-Kollege Jannik, der mit Felix zusammen den Grundstein austüftelte und die Seite aufsetzte.

Ansonsten haben Felix und ich beide mehrere Geschwister, die unsere Testkunden waren, sowie einen riesengroßen Freundes- und Bekanntenkreis, den wir komplett rekrutierten. Als wir online gingen, nutzten wir vor allem unsere Social Media-Kanäle und baten um Feedback, welches wir zahlreich bekamen und tagelang nur noch umsetzten.

Für-Gründer.de: Hat sich dein Alltag seit der Gründung verändert?

Britta Kiwit von Dein Lebenslauf: Komplett. Da müssen wir uns gar nichts vormachen. Da wir vollständig eigenfinanziert starteten, war kein Budget für ein Büro vorhanden. Also trafen wir uns im Wohnzimmer von Felix. Alles hat sich seitdem verändert. Kein Riesenteam mehr, keine Mitarbeiter-Evaluationsgespräche, kein Jour fixe mit dem Chef. Das ist schon relativ gewöhnungsbedürftig, plötzlich so auf sich alleine gestellt zu sein.

Und das Schwierigste am Anfang: kein regelmäßiges Festgehalt mehr. Da wird als Erstes der Coffee to go und das Croissant beim Bäcker gestrichen, dicht gefolgt von unnötigen Shopping-Eskapaden oder Reisen mit der Bahn. Der Bus bringt dich schließlich auch überall hin. Das hat sich zwar eingependelt, aber eine Umstellung ist es trotzdem.

Für-Gründer.de: Glaubst du, man muss zum Gründen geboren sein?

Britta Kiwit von Dein Lebenslauf: Nein. Aber ich glaube, dass einem viele Grundeigenschaften mit in die Wiege gelegt werden, die den Entschluss vereinfachen. Ich habe mit vielen Menschen in meinem Leben geredet, die so tolle Ideen haben oder so unglücklich in ihrem Job sind, aber sich niemals trauen würden, ihre Komfortzone zu verlassen und ihre Festanstellung aufzugeben. Die würde ich am liebsten alle mal kräftig schütteln und sie aus ihrer Starre befreien, damit noch viel mehr Leute ihr eigenes berufliches Abenteuer starten.

Klar ist es nicht immer leicht. Sogar überhaupt nicht. Und wenn mich jemand zurzeit fragt, wie es ist als Gründerin, dann sage ich oft: Gründen ist wie eine reine Achterbahnfahrt, bei der du nie weißt, was als Nächstes kommt. Am besten hast du also einen ganz, ganz langen Atem. Und Nerven aus Stahl. Und hast keine Angst vor dem Scheitern, sondern freust dich auf die zahlreichen Erkenntnisse auf deiner Reise.

Für-Gründer.de: Danke, liebe Britta, für das Interview.

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