Kickstarter, Mezzany & Co: Unsere Crowdfinanzierungs-News



Es tut sich etwas in der Crowdfunding-Landschaft: Kickstarter macht sich in Deutschland breit, Seedmatch launcht eine weitere Crowdfunding-Plattform und Companisto feiert Premiere mit der Finanzierung eines Kinofilms. Zudem berichten wir über die bald stattfindende Crowdfunding-Konferenz Discover:me und analysieren im Interview mit Robert Michels von Dentons die Auswirkungen des Kleinanlegerschutzgesetzes, das kürzlich verabschiedet wurde.

Die Finanzierung durch die Crowd ist schon längst mehr als ein Trend und hat sich mittlerweile als Finanzierungsform für Privatpersonen, Start-ups und Projekte verschiedenster Art etabliert. Die detaillierten Zahlen für das 1. Quartal 2015 finden Sie in unserem Crowdfinanzierungs-Monitor, der zum kostenfreien Download zur Verfügung steht.

Kickstarter startet in Deutschland

Endlich ist es soweit: Der Crowdfunding-Riese Kickstarter ist nun auch in Deutschland gestartet. Die aus den USA stammende Plattform zur Finanzierung von Projekten durch die Crowd ist mit Abstand der weltweite Marktführer und konnte 2014 nach eigenen Angaben 22.252 Projekte erfolgreich finanzieren. So wurden 529 Millionen US-Dollar im letzten Jahr durch die Crowd eingesammelt.

Seit dem 12. Mai gibt es nun auch eine deutschsprachige Version von Kickstarter, welche bereits großen Anklang findet, geht man nach den ersten Zahlen, die Mitgründer und Geschäftsführer Yancey Strickler beim Interview mit Internet World bekannt gab:

Insgesamt wurden am ersten Tag in Deutschland 113 Projekte gestartet und mehr als 400.000 Euro zugesagt.

Stand heute findet man 651 Projekte aus Deutschland, die auf eine Finanzierung hoffen. Einige davon konnten bereits ihr Finanzierungsziel erreichen, darunter beispielsweise der energiesparende Wasserkocher MIITO in ansprechendem Design. In der kurzen Zeit seit Launch wurden bereits über 275.000 Euro für das Projekt eingesammelt.

Kickstarter launcht in Deutschland
Kickstarter launcht in Deutschland – In 15 verschiedenen Kategorien können Projekte eingestellt werden (Bildquelle: Screenshot kickstarter.com)

Seedmatch startet mit Schwesterplattform Mezzany.com

Als eine der führenden deutschen Plattformen im Crowdinvesting-Bereich hat Seedmatch nach dem Start von Econeers, einer Crowdfunding-Plattform für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, seine dritte Plattform ins Rennen geschickt. Unter mezzany.com können private Kleinanleger ab 1.000 Euro in Wachstumsunternehmen und Immobilien investieren und erhalten im Gegenzug festverzinsliche Wertpapiere (Wandelanleihen und Inhaberschuldverschreibungen). Das Besondere am Konzept von mezzany:

Wird das Emissionsvolumen durch die Kleininvestments der Privatanleger nicht erreicht, vervollständigen professionelle Investoren das Projekt mit dem Restbetrag, sodass die komplette Finanzierung gesichert ist.

Die Wertpapiere (Crowdbonds genannt) sind je nach Art der Listung handelbar und sollen eine doppelte Renditechance bieten. Neben der regelmäßigen Verzinsung kommt nämlich eine endfällige Erfolgsbeteiligung hinzu. Das erste auf Mezzany platzierte Immobilienprojekt kommt aus Berlin-Neukölln. Dabei handelt es sich um eine alte Glockengiesserei, welche zu modernen Wohnflächen umfunktioniert werden soll. Das Emissionsvolumen liegt bei 3 Millionen Euro, der Zeichnungszeitraum endet bereits in knapp 30 Tagen. Damit reiht sich auch Seedmatch nach Companisto und Bergfürst in den neuen Trend der Immobilienfinanzierung über die Crowd ein.

Für die Wachstumsunternehmen, die sich auf mezzany finanzieren sollen, wird ein Mindestumsatz von 5 Mio. Euro, ein Unternehmesalter von drei bis fünf Jahren sowie weiteres deutliches Wachstumspotenzial vorausgesetzt.

Companisto ermöglicht erste Filmfinanzierung

Nach der erfolgreichen Finanzierung des Kinofilms „Stromberg – Der Film“ Ende 2011 mit einer Fundingsumme von einer Millionen Euro versucht sich nun auch Companisto mit einer Finanzierung eines größeren Filmprojektes.

Der bereits abgedrehte Film „Wie Männer über Frauen reden“, bei dem auch der beliebte deutsche Schauspieler Oliver Korittke eine Rolle innehat, konnte bereits über 400 Investoren überzeugen und so mehr als 250.000 Euro an Geldern aus der Crowd einstreichen. Das durch das Funding eingenommene Geld soll insbesondere die Postproduktion sowie das Marketing für den Film finanzieren.

Die Rendite der Investoren hängt vom Kinoerfolg des Streifens und den danach folgenden Verwertungserlösen durch Blu-Ray/DVD-Verkauf sowie Einnahmen durch Pay- und Free-TV etc. ab.

Companisto startete 2012 mit dem Fokus auf Start-up-Finanzierungen. Nach dem ersten erfolgreich finanzierten Immobilienprojekt wird mit der Filmfinanzierung nun ein drittes Standbein aufgebaut. Während sich Filme bereits regelmäßig auf Startnext durch Crowdfunding finanzieren, versucht bspw. auch die Plattform Cinedime der Crowd Renditechancen durch eine Beteiligung an den Erlösen eines Films zu ermöglichen.

Neue Start-ups mit Finanzierungsbedarf

Regelmäßig tauchen neue Start-ups auf den großen Crowdfinanzierungs-Plattformen auf und möchten finanzielle Mittel erwerben. Wir haben die wichtigsten Unternehmen der letzten Wochen herausgesucht:

  • Miasa: Mit seinem hochwertigen Safran möchte das Start-up Miasa den Gewürzmarkt erobern und den Namen Miasa als Premiummarke für Safran-Gewürze etablieren. Hierzu benötigt das Unternehmen, welches bereits schwarze Zahlen schreibt, eine Finanzierung für das weitere Wachstum. Bei Seedmatch hat Miasa bereits um die 200.000 Euro eingenommen und die Fundingschwelle damit überschritten. Wer noch investieren will, sollte sich beeilen, da nur noch wenige Tage Zeit ist.
  • FREYGEIST: Die meisten Elektrofahrräder sind klobig und schwer. Dies hat FREYGEIST erkannt und ein E-Bike entwickelt, das nur halb so viel wiegt wie die Räder der Konkurrenz – und das bei gleicher Leistung und Akkukapazität. Bei Companisto kommt das Konzept gut an: Über 900 Investoren haben bereits knapp 1,2 Millionen Euro in das Start-up investiert.
  • MIITO: Seit dem Kickstarter-Launch in Deutschland letzte Woche erblickten dort bereits zahlreiche Projekte das Licht der Welt. Darunter auch der Wasserkocherersatz MIITO, ein optisch ansprechendes Gerät zum Erhitzen von Flüssigkeit direkt im Trinkgefäß, wie beispielsweise einer Tasse. Gegenüber herkömmlichen Wasserkochern soll so deutlich Energie und Wasser gespart werden können. Über 2.300 Unterstützer konnten für diese Idee bereits mehr als 275.000 Euro einsammeln – und das nur in wenigen Tagen.
  • Bocusini: Mit einem innovativen 3D-Drucker für Lebensmittel versucht Bocusini sein Glück bei Kickstarter und möchte dort 30.000 Euro einwerben. Das Gerät soll kinderleicht über einen einfachen Internetbrowser zu bedienen sein und ermöglicht kreativen Hobbyköchen, aber auch Profis eine ganz neue Art der Essenspräsentation. Stand heute konnte Bocusini 95 Unterstützer mit einer Finanzierungssumme von über 27.000 Euro für sich gewinnen.

Schlechte Nachrichten gibt es hingegen vom auf Seedmatch gefundeten Start-up Paymey: Das Unternehmen, das Mobile Payment für das Smartphone entwickelte, hat den Geschäftsbetrieb eingestellt. Nach zwei Finanzierungsrunden über insgesamt 400.000 Euro durch die Crowd konnte keine Anschlussfinanzierung mit den Investoren ausverhandelt werden.

Start-ups mit Kapitalbedarf
Auf der Suche nach Kapital: Miasa (l.o.), Bocusini (r.o.), FREYGEIST (l.u.) und MIITO (r.u.)

Discover:me Konferenz

Diesen Samstag, den 23. Mai, findet in Nürnberg die Crowdfunding-Konferenz Discover:me statt. Sie richtet sich an Projektstarter oder diejenigen, die es womöglich noch werden wollen und soll alle Fragen zur Durchführung einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne beantworten.

Wer die letzten Tickets zur Konferenz ergattern möchte, der kann sich direkt auf der Webseite der Veranstaltung für die Discover:me anmelden. Ein Ticket kostet 99 Euro und beinhaltet neben dem Zugang zu den Vorträgen und Workshops auch einige Snacks sowie ein Kintoticket für die erste internationale Crowdfunding-Doku CAPITAL C.

Kleinanlegerschutzgesetz verabschiedet

Das viel diskutierte Kleinanlegerschutzgesetz wurde nun nach längerem Hin und Her endgültig verabschiedet – und dies glücklicherweise in abgemilderter Form. So zeigte sich die Branche erleichtert. Auf der zweiten Seite dieses Artikels finden Sie ein Interview mit Robert Michels von der internationalen Wirtschaftskanzlei Dentons über das neue Kleinanlegerschutzgesetz und dessen Auswirkungen.

button_weiter_lesen