Was ist wichtiger im Webshop – Besucherzahlen oder Käufe?



Große Besucherzahlen allein reichen nicht aus! Internetnutzer sollten auch etwas kaufen, damit man von Erfolg im Onlineshop sprechen kann. Antworten auf die Frage, welche häufigsten Fehler Gründer im Internet machen sowie eine Software zur Verbesserung der Conversion-Rate liefert uns das Gespräch mit David Odenthal. Der Webprofi entwickelte eine Software, die potenzielle Kunden zu tatsächlichen Käufern machen soll. Bisher gab es nämlich keine richtige Lösung für das Problem, so die Meinung des Agenturchefs.

David Odenthal entwickelte zusammen mit seinem Geschäftspartner Daniel Schlicker ein Werkzeug, das die Ursachen für die mangelnde Konversion von Besuchern zu zahlenden Kunden analysiert. Das Start-up hinter der Software heißt overheat. Wir sprachen mit dem Gründer über die eher zufällige Entstehungsgeschichte des Programms und die wichtigsten Do’s und Don’ts in Sachen Conversion.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Odenthal, wie kamen Sie auf die Idee, overheat zu gründen? 

David Odenthal von overheat: Die Innovation fängt immer im Kopf an.

Während der Arbeit mit unseren Kunden haben wir gemerkt, dass es einen Bedarf gibt, zu verstehen, warum Besucher einer Internetseite nicht konvertieren und auch teilweise das eigentliche Ziel nicht finden.

So haben wir mit einem Kunden aus der Baumarktbranche einen riesigen Marketingerfolg feiern können, aus dem sehr viele Zugriffe auf seiner Internetseite resultiert sind. Trotzdem waren die Abschlussraten verhältnismäßig gering.

Conversion
Erst wenn der Besucher online auch etwas kauft, kann man von Erfolg sprechen (Foto: Negative Space)

Gemeinsam mit diesem Kunden haben wir dann nach Lösungen gesucht, um aus diesen Besuchern mehr Abschlüsse zu generieren. Hierzu haben wir uns auf dem Markt nach geeigneten Tools umgesehen. Da wir keine Software gefunden haben, die unseren Ansprüchen genügte, entwickelten wir eine eigene Lösung. Als wir dieses Tool weiterentwickelt haben, kam uns der Gedanke, overheat als eigenes Unternehmen auszugründen.

Für-Gründer.de: Als Chef einer Internet-Agentur ist die Gründung von overheat – zusammen mit Ihrem Geschäftspartner Daniel Schlicker – bereits Ihr zweites Unternehmen. Sind Sie damit schon ein Serial Entrepreneur?

David Odenthal von overheat: Als Serial Entrepreneur würde ich mich noch nicht sehen. Ich habe zwar viele Ideen, auch für weitere Unternehmen, dennoch denke ich, dass der Fokus auf das Wesentliche wichtig ist. Mit meiner Agentur und unserer Spezialisierung auf die Conversion und der daraus resultierenden Gründung von overheat bin ich erst einmal vollkommen ausgefüllt. Gerade zu Beginn ist es meiner Meinung nach gefährlich, zu viele Dinge gleichzeitig anzufangen. In meinem Fall ergänzen sich beide Unternehmen wunderbar, was es mir einfacher macht, mit beiden Unternehmen auf Kurs zu bleiben.

Für-Gründer.de: Wie ging es danach weiter? Standen bei Ihnen zuerst Themen wie Marktanalyse, Businessplan schreiben und Finanzierung auf der Tagesordnung oder haben Sie einfach losgelegt?

David Odenthal von overheat: Da overheat aus dem Eigenbedarf heraus entstanden ist, standen für uns die Finanzierung, Marktanalyse oder der Businessplan nicht auf der Liste. Diese Dinge haben wir erst sehr viel später angepackt. Für uns standen die eigenen finanziellen Ziele von overheat nicht an erster Stelle.

Vielmehr wollten wir eine Software schaffen, die uns und unseren Kunden die tägliche Arbeit zur Optimierung der Conversion erleichtert und belegbare Fakten für die Verbesserung von Usability und Conversion auf Internetseiten und Webshops liefert.

Das Gründerduo von overheat: David Odenthal (links) und Daniel Schlicker
Das Gründerduo von overheat: David Odenthal (links) und Daniel Schlicker

Für-Gründer.de: Welche gravierenden Fehler begehen Ihrer Meinung nach die meisten Gründer im Web? 

David Odenthal von overheat: Erst einmal lernt man aus jedem Fehler, den man macht. Ich finde, dass Fehler wichtig sind, um sich zu verbessern. Ich sehe aber oft, dass

viele Gründer denken, eine Internetseite brächte nach erstmaligem Launch bereits Erfolg. Viele vergessen, wie wichtig es ist, sich auch mit dem Online-Marketing zu beschäftigen.

Das sollte als ein regelmäßiger Prozess verankert sein. Doch auch dort, wo das Online-Marketing scheinbar funktioniert, wird häufig viel Budget für Reichweite verschwendet. Leider liegt der Fokus bei vielen Online-Unternehmen immer noch zu sehr auf „Reichweite“, nicht aber auf der Effizienz des Marketings.

Ich denke, dass gerade Gründer darauf achten sollten, die potenziellen Kunden, die sie bereits erreichen, auch zum Abschluss zu bewegen, beziehungsweise die Zielgruppe, die man hat, noch besser anzusprechen. Man muss seine Zielgruppe richtig verstehen lernen. Denn nur so können sie ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen aufbauen.

Für-Gründer.de: Was sind darüber hinaus die größten Conversion-Killer und was kann man dagegen unternehmen?

Conversion-Killer 1: Slideshows

Slideshows auf Startseiten sind ein Relikt aus alten Zeiten. Zwar sind diese praktisch, um auf mehrere Angebote hinzuweisen, bieten aber nicht die Möglichkeit, den User gezielt zu lenken.

Mein Tipp: Ersetzen Sie die Slideshows durch große und klare Kaufanreize oder Angebote. Ein klassisches und gutes Beispiel sind: Winterschlussverkauf, Rabattaktionen und allgemeine Aktionen passend zur Saison.

Conversion-Killer 2: Bilder ohne Emotion und Beschriftung

Bilder sind schön und sollen Emotionen wecken! Zumeist werden aber Bilder eingesetzt, die entweder keine Emotionen wecken oder klassische Stockfotos sind. Beides zusammen oder getrennt voneinander sind Conversion-Killer. Ganz besonders dann, wenn die Bildbeschriftung fehlt.

Mein Tipp: Suchen Sie sich passende Bilder oder engagieren Sie einen Fotografen, der genau das einfangen kann, was Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung hergibt. Oder noch besser: Arbeiten Sie mit Videomaterial. Das weckt „die Lust“ auf mehr.

Conversion-Killer 3: Ladezeiten und das Ding mit den Animationen sowie Bildgrößen

Hier ein Effekt, da ein Effekt und schon glaubt man, es würde den User entzücken, was das Auge da sieht. Aber weit gefehlt. Es würde das Auge eher „entzünden“ ;-). Nebenbei brauchen viele Animationen oder große Bilder auch lange Ladezeiten. Im Zeitalter der mobilen Endgeräte ist genau das ein Conversion-Killer.

Mein Tipp: Entschlacken Sie die Animationen und setzen Sie nur punktuell welche ein, um an entsprechender Stelle einen „Blickfang“ zu erzeugen.

Vermeiden Sie auch lange Ladezeiten auf Webseiten und minimieren sie diese durch das Entschlacken der jQuery sowie durch das Optimieren des Bildmaterials.

Für-Gründer.de: Was können Nutzer mit der Software von overheat machen und welchen Mehrwert bietet sie?

David Odenthal von overheat: Für uns stand nicht im Vordergrund einfach nur irgendein Tool zu bauen, wir wollten einen Branchenstandard schaffen. Aus den verschiedensten Fallbeispielen heraus ist der Funktionsumfang immer weiter gewachsen. Der Mehrwert liegt darin begründet, dass es sich an den realen Problemen orientiert, die wir aus unserem täglichen Geschäft in der Agentur kennen. Die overheat-Software ist mit den Anforderungen unserer Kunden gewachsen. Man kann sagen, sie ist durch User Driven Development entwickelt worden.

Derartige Heatmaps zeigen dem Webseitenbetreiber welche Elemente dem Besucher ins Auge stechen.
Die Heatmap zeigt dem Webseitenbetreiber, welche Elemente dem Besucher ins Auge stechen.

Für-Gründer.de: Ist die Software auch für den normalen Gründer relevant oder ist overheat doch eher ein Tool für Profis?

David Odenthal von overheat:

Wir haben schon zu Beginn darauf geachtet, dass die Benutzerfreundlichkeit immer gewährleistet ist. Deshalb können auch Durchschnittsnutzer Erkenntnisse aus der Nutzung von overheat ziehen.

Natürlich haben wir dadurch, dass overheat aus unserer Agenturarbeit entstanden ist, viele Funktionen speziell für Agenturen hinzugefügt. Von diesen Funktionen profitieren aber unserer Meinung nach auch alle Nutzer und nicht nur die Profis.

Für-Gründer.de: Mit welchen Kosten müssen Gründer in etwa rechnen?

David Odenthal von overheat: Da sich unser Angebot nicht nur an die Großen der Branche richtet, haben wir in unserem Preismodell auch eine Variante für Einsteiger und KMUs integriert. So beginnt unsere Standard Variante ab 39 Euro pro Monat. Wir denken, dass dies ein angemessener Preis ist. Besonders wenn man überlegt, dass die richtige Nutzung von overheat schnell zu großen Umsatzsteigerungen führen kann.

Für-Gründer.de: Und zum Schluss: Welche Tipps können Sie aus Ihrer Gründungserfahrung zukünftigen Jungunternehmern mit auf den Weg geben?

David Odenthal von overheat: Ich denke, dass es wichtig ist, anders zu sein. Das reine Mitschwimmen im großen Teich der Konkurrenz ist meiner Meinung nach gerade zu Beginn ein schwerer Kampf. Darüber hinaus glaube ich, dass Gründer nicht versuchen sollten, alles alleine zu machen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, zu wissen, welche Stärken und Schwächen man als Gründer hat. Dementsprechend sollten Partner für die Bereiche gesucht werden, die man selbst nicht optimal abdecken kann.

Obgleich es in unserer Situation auch ohne die genaue Planung vorab funktioniert hat, weiß ich, dass es sinnvoll ist, den Markt vor der Gründung anzusehen. So ist es in der Regel besser, vorab einen Business- und Marketingplan zu erstellen. Darüber hinaus ist es auch gut, aus Fehlern anderer zu lernen und aufmerksam zu sein. Das Beobachten und Auswerten anderer Gründer und Koryphäen wie Steve Jobs, Henry Ford oder den Albrecht Brüdern kann dabei helfen, Fehler bei der Gründung des eigenen Unternehmens zu vermeiden.

Außerdem kann ich sagen, dass Gründer eine ständige Weiterentwicklung anstreben sollten. Viele Gründer, aber auch erfahrene Unternehmer leben teilweise heute noch nach dem Grundsatz „Das haben wir schon immer so gemacht!“ Gerade im Zeitalter der Digitalisierung und Internationalisierung kann das ganz schnell nach hinten losgehen. Und ehe man sich versieht, wird man überholt. Daher muss man immer wieder über sein Produkt nachdenken und es ständig verbessern.

Für-Gründer.de: Herr Odenthal, vielen Dank für das Interview.