Bundesregierung: 7 Punkte-Plan für mehr Gründer



Auch wenn wir den alljährlichen KfW Gründungsmonitor nicht vorweg nehmen wollen – mit einem Anstieg des Gründungsgeschehens ist, wie im Vorjahr, nicht zu rechnen. Doch die Politik hat die Zeichen der Zeit scheinbar erkannt und heute ein 7 Punkte-Plan auf den Weg gebracht, um Deutschland zum Gründerland zu machen.

In den Wahlprogrammen wurden die Themen Gründung und Selbstständigkeit vor der letzten Bundestagswahl teils umfangreich thematisiert. Nach dem Antritt der schwarz-roten Bundesregierung hat sich allerdings nicht viel getan – lediglich die Finanzierungsform Crowdinvesting wurde im Sommer 2014 auf- bzw. angegriffen und soll mit einer Vielzahl an Regularien belegt werden. Unverändert im Bürokratie-Standort Deutschland blieben lang und hoch hingegen Gründungskosten und -dauer. Und auch der Gründungszuschuss zur Förderung von Gründern aus der Arbeitslosigkeit wurde nicht wiederbelebt.

Deutscher Bundestag : Marc-Steffen Unger
Blick in den Plenarsaal (Foto: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger)

Regierung will Gründergeist beleben

Fast zur Mitte der Legislaturperiode hat sich die Bundesregierung nun zum Ziel gesetzt, Deutschland in ein anderes Licht – nämlich ein Gründerlicht – zu stellen. Dazu wurde ein 7 Punkte-Plan entwickelt, dessen Maßnahmen wir nachfolgend kurz vorstellen:

1. Hochschulgründungen fördern

Studenten in Deutschland gründen zu wenig, obwohl es bereits zahlreiche Unterstützungsangebote gibt. Aber auch die Forschung im Bereich Entrepreneurship hat noch Nachholbedarf. Und so hat sich die Regierung entschieden in Berlin eine Gründungsuniversität zu gründen, deren Studenten direkt mit Immatrikulation das EXIST-Gründerstipendium erhalten.

2. Weniger Bürokratie und Geschäftskonto direkt

Um gerade den Start zu erleichtern, sollen Anmeldungen für junge Unternehmen in den ersten zwei Jahren gänzlich entfallen. Dies umfasst somit bspw. die Anmeldung beim Gewerbeamt oder den Eintrag im Handelsregister. Außerdem soll die Eröffnung eines Geschäftskontos vereinfacht und beschleunigt werden. Dazu kann jeder Gründer zukünftig direkt bei der staatlichen Förderbank KfW ein Konto eröffnen. Gleichzeitig wird mit der Eröffnung des Firmenkontos auch ein Kontokorrentkredit über 6.000 Euro eingerichtet, der lediglich mit einem bezuschussten Überziehungszinssatz von lediglich 1,5 % versehen ist.

3. IHK und HWK Mitgliedschaft werden freiwillig

Zwangsmitgliedschaft ade. Nach den Plänen der Bundesregierung wird die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer demnächst eine Wahlmöglichkeit für die Jungunternehmer sein. Dies spart den Gründern einerseits etwas Geld, andererseits müssen die Kammern stärker deutlich machen, wofür sie stehen und insbesondere die Lobbyarbeit für Gründer und Selbstständige verstärken, um neue Mitglieder zu gewinnen.

4. Weniger Steuern für Jungunternehmer

In den ersten drei Jahren – oftmals die kritische Phase nach der Gründung – werden künftig geringere Steuern von den Unternehmen zu zahlen sein. So sollen die jährlich im Jahresabschluss festgestellten und zu zahlenden Steuern pauschal halbiert werden. Dies schafft Raum für weitere Investitionen in das Unternehmen und ermöglicht schnelleres Wachstum. Nach den ersten drei Jahren sind dann natürlich die normalen Steuersätze zu zahlen.

5. Mehr Wagniskapital für Start-ups

Häufig wird das fehlende Wagniskapital für innovative Gründungen in Deutschland bemängelt. Zudem gehen Investoren auch lieber auf Nummer sicher und investieren in Copycats. Viele große Unternehmen haben jedoch erkannt, wie wichtig die Kooperation mit Start-ups ist, um die eigene Innovationskraft zu sichern. Im Zuge dessen wurden Accelerator-Programme aufgelegt, Inkubatoren gestartet und eigene Venture Capital-Gesellschaften ins Leben gerufen.

Um Unternehmen – und insbesondere auch Mittelständler – in dieser Entwicklung zu unterstützen, will die Bundesregierung diese Aktivitäten einerseits als Betriebsausgaben abzugsfähig machen und andererseits bei gewinnbringenden Verkäufen von der Steuer befreien. Dies soll Unternehmen motivieren mehr Wagniskapital zur Verfügung zu stellen.

6. Starthilfe für Gründer

Ganz praktische Starthilfe leistet das neue Gründermanifest in der Kooperation mit Amazon. So soll jeder Gründer zum Start einen Online-Gutschein über 5.000 Euro erhalten. Dieser kann dann auf Amazon bspw. für Büromöbel, PCs, Telefone oder auch Hundefutter für den Bürohund ausgegeben werden.

7. Gründungsminister wird ernannt

In der letzten Zeit konnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass das Thema Gründung zwischen dem Forschungsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium etwas aufgerieben wurde – sodass auf der CeBIT  Frau Ministerin Wanka und der Herr Minister Gabriel gemeinsam einen Rundgang beschreiten mussten. Dies soll in Zukunft nicht mehr der Fall sein. Und so sieht der 7 Punkte-Plan die Schaffung eines Gründungsministeriums vor. Und an dessen Spitze gelangt nicht etwas ein CDU/CSU- oder  SPD-Vertreter sondern FDP-Chef Lindner, der mit seiner Wutrede zum Thema Scheitern als Gründer, über die Parteigrenzen hinaus Lob erhalten hat.

Wir gratulieren der Bundesregierung zu diesem Befreiungsschlag in Bezug auf den Gründungsstandort Deutschland. Viele gute Punkte sind gemacht, jetzt kommt es natürlich auf die Details an. So wird bspw. der Name für die unter Punkt 1 genannte Gründungs-Universität noch gesucht – im Rennen soll wohl nach Für-Gründer.de-Informationen auch der Titel Oliver Samwer-Universität sein. Doch Namen sind an dieser Stelle zweitrangig und in diesem Sinne hoffen wir, dass Herr Lindner als neuer Gründungsminister den Stier bei den Hörnern packt und wir heute in genau einem Jahr am 1. April über große Fortschritte berichten können.

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