War 2014 ein gutes Jahr für FinTechs?



FinTech-Start-ups krempeln mit neuester Technologie das klassische Bankenwesen um und könnten schon bald den großen Geldhäusern die Kunden abspenstig machen. Analysten der DB Research warnen bereits davor, dass der Finanzsektor den digitalen Umbruch „in seiner Bedeutung unterschätzt”. Damit könnte es ihnen nämlich ähnlich ergehen wie zuvor der Musik- und Filmindustrie, dem Einzelhandel und den Medien.

Die Entwicklung von FinTech in Deutschland

Es ist wieder soweit: die Welle der Digitalisierung erreicht die nächste Branche. Das ist natürlich schlecht für die Banken, aber gut für die Wellenreiter, die FinTech-Start-ups. Diese erlebten 2014 in Deutschland einen regelrechten Boom. Bis Mitte des Jahres spielte FinTech kaum eine Rolle in Deutschland – mit Ausnahme weniger Erfolgsbeispiele wie die Fidor Bank oder das kürzlich von den Sparkassen gekaufte Zahlungsunternehmen PayOne. Allerdings waren das bisher besondere Einzelfälle. Zählte die Branche 2013 lediglich 40 Unternehmen, kamen 2014 über 100 FinTech-Gründer hinzu.

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Nur ein Beispiel für zahlreiche FinTechs in Deutschland: Number26

Auch Für-Gründer.de hat im Jahresverlauf 2014 zahlreiche Ideen der FinTech-Start-ups vorgestellt. Dazu gehören folgende Beiträge:

Weltweit befindet sich die FinTech-Branche jedoch schon länger im Aufwind. Das Investitionsvolumen in Start-ups aus dem FinTech-Bereich hat sich seit 2008 in etwa verdreifacht.

Das weltweite Investitionsvolumen in FinTech Start-ups von 2008 bis 2013
Das weltweite Investitionsvolumen in FinTech-Start-ups von 2008 bis 2013 (Quelle: Accenture)

Und auch in der breiten Öffentlichkeit ist FinTech mittlerweile angekommen, wie die Auswertung der Google Suchanfragen zeigt:

Google Trends Analyse für das Stichwort FinTech

Wie die Banken auf den FinTech-Boom in Deutschland reagieren

Als eine der wenigen Player aus dem klassischen Bankensektor hat die Commerzbank früh die Zeichen der Zeit erkannt und im Juni des vergangenen Jahres einen Inkubator speziell für FinTech-Start-ups gegründet. Die Unternehmen werden von der Gründung bis zur Marktreife begleitet. Traxpay war das erste Start-up, das in den Inkubator aufgenommen wurde. Zwölf Anwälte der Commerzbank hätten sich alleine darum gekümmert, ob Traxpay eine Banklizenz braucht oder in irgendeiner Form dem Regelwerk der BaFin unterliegt. Das Beispiel verdeutlicht: So sehr die FinTechs gerne Marktanteile von den Großen abnehmen würden, kommen sie meistens nicht um deren Unterstützung herum. Denn kaum eine Branche ist derart stark reguliert. Eine eigene BaFin-Lizenz zu erhalten, ist für ein junges Unternehmen kaum möglich.

Die Commerzbank ist nicht die einzige, die die Nähe zu FinTech-Start-ups sucht. Der Branchenblog paymentandbanking.de zählt etwa zwei Dutzend Geldinistitute aus Deutschland auf, die auf eine Kooperation zwischen Jung und Alt setzen. Auffällig ist, dass sich die Liste mit Ausnahme der Commerzbank, ausschließlich aus Privat- oder Direktbanken zusammensetzt. Der Branchenprimus Deutsche Bank geht einen anderen Weg. Sie glaubt den digitalen Wandel intern stemmen zu können und bringt unter Mithilfe von Microsoft und IBM eine eigene Internet-only-Anlageplattform in Stellung.

Die besten FinTech-Start-ups 2014

Welche FinTech-Start-ups sollte man in der nächsten Zeit im Auge behalten? Eine 14-köpfige Jury aus FinTech-Kennern, Bankern und IT-Experten trat Ende Dezember 2014 zusammen und stimmte über die drei besten Geschäftsideen der deutschen FinTech-Szene ab. Der erste Platz ging an Kreditech.

Das Hamburger Start-up ist so etwas wie die Schufa 2.0. Unter dem Stichwort Big Data werden alle erdenklichen Informationen zu einer Person im Internet gesammelt und ausgewertet. Die Daten erhält das Unternehmen unter Zustimmung der Nutzer. Diese erhalten im Gegenzug einen günstigen Verbraucherkredit. Denn in Osteuropa und den meisten Schwellenländern gibt es keine vergleichbaren Organisationen zur Schufa und ohne Sicherheiten kann man sich nur zu hohen Zinsen Geld leihen. Kreditech schafft Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern und senkt das Risiko eines Kreditausfalls. Die Idee kam nicht nur bei der Jury, sondern auch bei den Investoren richtig gut an. Das 2012 gegründete Unternehmen sammelte mit 40 Millionen US-Dollar das größte Investment der bisherigen deutschen FinTech-Geschichte ein.

Platz zwei ging an easyfolio. Die Münchner Anlageplattform stellt eine Alternative zu teuren Fonds dar, da auf Verwaltungspauschalen, Vertriebsprovisionen und Ausgabeaufschläge verzichtet wird. Statt einer Geldanlage über Fondsmanager investiert easyfolio mittels ETFs in einen Korb aus über 5.000 Finanzprodukten. Durch Diversifikation wird das Anlagerisiko minimiert. Gründer Jonas Marggraf erläutert im Für-Gründer.de-Interview die Idee so:

Unsere Philosophie baut auf der wissenschaftlichen Erkenntnis auf, dass die wenigsten Fondsmanager den Markt mit ihren Strategien langfristig schlagen, sondern dass eine gute Geldanlage dann erfolgreich ist, wenn sie ihr Geld möglichst diversifiziert der produzierenden Wirtschaft zur Verfügung stellt.

Den zweiten Platz teilt sich easyfolio mit moneymeets. Der Vertrieb über Banken oder Versicherungsmakler erhöht die Kosten von Finanzprodukten auf dem Weg zum Kunden enorm. Das Unternehmen moneymeets neutralisiert diese Kosten, indem den Kunden die angefallenen Provisionen offengelegt und sie beteiligt werden. Auch bestehende Versicherungsverträge können bei moneymeets eingebracht werden. Bis zu zehn Prozent der jährlichen Prämie werden rückvergütet.

Der Ausblick auf 2015

2014 kam der Stein für die deutsche FinTech-Szene so langsam ins Rollen. Wir haben gesehen, dass die HighTech-Neugründungen im Bankensektor enorm zugenommen haben und das Interesse der Konzerne an den neuen Technologien gestiegen ist. Daneben entwickelte auch Berlins Gründerszene ein Faible für FinTechs. Rocket Internet brachte gleich zwei Kreditvermittlungsplattformen auf den Markt und im Dezember gab Seriengründer Jan Beckers die Gründung des FinTech-Inkubators FinLeap bekannt. Aber auch der Company Builder etventure hat mit FintechStars einen weiteren Ableger speziell für den Aufbau von Finanz-Start-ups ins Leben gerufen.

Großbritannien liegt beim Investitionsvolumen für FinTech Start-ups weit vor Deutschland
Großbritannien liegt beim Investitionsvolumen für FinTech Start-ups weit vor Deutschland (Quelle: Accenture)

Doch auch wenn die Entwicklung der hiesigen FinTech-Szene im vergangenen Jahr sehr positiv verlief, kann sich Deutschland noch lange nicht international messen. Zu groß ist der Abstand zu den führenden Standorten New York und London, wo sich die Wirtschaftsförderung und Finanzindustrie gemeinsam für die Förderung von FinTech-Start-ups engagieren. Ob das Jahr 2015 weiterhin so positiv für die Deutschen FinTechs verläuft, hängt also auch vom Einsatz der Konzerne und der Politik ab.