Gründerstories 2014: Überflieger, Vordenker und Visionäre



In diesem Jahr waren wir auf vielen Gründerveranstaltungen im ganzen Land und lernten dabei viele tolle Jungunternehmer und ihre Gründergeschichten kennen. Einige davon konnten Sie im Rahmen unserer wöchentlichen Gründerstory mitverfolgen. Wir haben nochmals eine Auswahl getroffen und baten die Menschen hinter den Start-ups, uns zu verraten, wie sie auf das Jahr 2014 zurückblicken. In einem zweiten Teil unseres Jahreswechsel-Spezials berichten diese Gründer auch noch, was sie für 2015 planen.

Für die Gründer von cosinuss°, Lockbox, Zencap, Compeon, Shrewd Foods, Sablono, EchtPost, Braufässchen, erdbär, easyfolio und Unverpackt Kiel war 2014 ein tatkräftiges Jahr. Sie meisterten den Markteintritt, zogen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich, wuchsen in großen Schritten und ergatterten bedeutende Investments. Sie gehen die Internationalisierung an und feilen an ihren Produkten. Sie gewinnen Kunden und machen sie zu Fans ihrer Geschäftsideen. Wir baten diese Gründer und Unternehmer zum Rapport und sie berichteten, was sie 2014 erlebt haben.

 cosinuss°: Messung der Vitalzeichen im Ohr

Das Münchener Start-up cosinuss° entwickelt Wearables zur Messung der Vitalzeichen im Ohr. Mithilfe der earconnect-Technologie werden die Herzfrequenz, Körpertemperatur und arterielle Sauerstoffsättigung des Blutes ermittelt. Vor allem für die Bereiche Sport, Medizin und Arbeitsschutz ist diese Innovation von großem Interesse. Verkauft werden die Wearables sowohl im B2B als auch im B2C-Umfeld. Auf das Unternehmen stießen wir durch den Code_n14 Award 2014. Hier schaffte es cosinuss° bis in die Top 4 und präsentierte sich in der Code_n Halle auf der CeBIT 2014.

Entstanden ist die Idee zum Produkt im Rahmen der Doktorarbeit von Dr. Johannes Kreuzer. Seine Aufgabenstellung war es, alltagstaugliche Sensorik zu entwickeln: Egal wo am Körper, egal welche Vitalwerte. Dabei habe er das Ohr als optimalen Messort entdeckt, um die drei genannten Vitalparameter zu überprüfen. So gründeten die Kreuzers gemeinsam das Unternehmen, das ursprünglich eigentlich mal sinuss° heißen sollte. Wer erfahren möchte, was aus dem ursprünglichen Namen sinuss° geworden ist, und wie genau die earconnect-Technologie im Wearable funktioniert, kann es hier nachlesen.

Zum Zeitpunkt unseres Interviews mit Greta Kreuzer im März stand die Markteinführung des Messgerätes fürs Ohr mit dem Namen C-SP 01 noch bevor. Ab Frühjahr 2015 soll es nun erhältlich sein. Nach ihrem Fazit zum Jahr 2014 gefragt, erzählt sie, was sie gelernt hat und was sie aus ihrem San Francisco-Trip mitgenommen hat:

Wir müssen uns in Sachen Kommunikation noch verbessern. Das Beste aus unternehmerischer Hinsicht war der Vortrag und die Ausstellung auf der Wearable Technologies Conference in San Francisco. Wir konnten sehr viele, sehr gute Kontakte gewinnen.

Die Gründer von Zencap, Lockbox, Compeon und cosinuss
Die Gründer von Zencap (o.l.), Lockbox (o.r.), Compeon (u.l.) und cosinuss° (u.r.)

Lockbox: Nie wieder Paketabholscheine

Die Lockbox ist eine private Packstation vor der Wohnungstür. Die allererste Lockbox-Paketannahme funktioniert per Anbringung des Standard-Ankers an der Tür. Der Lieferant befestigt an dem Haken eine Lockbox samt bestelltem Inhalt. Sofern der Kunde wieder etwas bestellt, tauscht der Lieferant von nun an die leere Box gegen die neue gefüllte Box aus. Insbesondere in Zusammenarbeit mit Onlineshops wie Kochzauber, Emmas Enkel, Logisch Bio und Flinke Flasche, wo es um Lebensmittel-Lieferungen geht, kann sich die Lockbox von ihrer besten Seite präsentieren.

So muss man nicht zu Hause sein, um das Paket anzunehmen, pendelt anschließend aber auch nicht von Nachbar zu Nachbar oder gar zur Paketfiliale. Das Konzept kommt gut an und zog die Aufmerksamkeit auf sich. Besonders in finanzieller Hinsicht war 2014 wohl eine Punktlandung für die Gründer, wie Daniel Kraker von Schwarzfeld berichtet:

Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir konnten zwei Pilotprojekte abschließen, wichtige Partner finden und den Regelbetrieb in Berlin starten. Großartig war natürlich auch das Investment durch den High-Tech Gründerfonds, das wir Ende Oktober abschließen konnten. Am meisten freut mich aber die Zufriedenheit der Lockbox-Kunden, was uns in dem, was wir tun, immer wieder bestärkt.

Das ganze spannende Konzept von Lockbox, insbesondere mit einer Erklärung, warum sich der Diebstahl einer Lockbox nicht wirklich lohnt, finden Sie ebenfalls hier im Blog.

Zencap: Innovative Mittelstandsfinanzierung

Ebenfalls aus der Gründerhauptstadt Berlin kommt das junge Unternehmen Zencap. Dieses Start-up ist in einer neuen und schnell wachsenden Branche zu Hause. Die Rede ist von den Financial Technologies, kurz FinTech. Waren es Anfang des Jahres noch geschätzte 100 Start-ups auf diesem Gebiet, gehen Marktbeobachter inzwischen von mehr als 200 Unternehmen aus. In diesem Feld fühlen sich auch Dr. Christian Grobe und Dr. Matthias Knecht wohl. Sie machen es sich zur Aufgabe, dass Unternehmenskredite für erfolgversprechende Projekte einfacher werden, wie wir im Interview erfahren haben.

Die Crowdlending-Plattform richtet sich somit an kleine und mittlere Unternehmen. Hier können Unternehmer unkompliziert und schnell einen Kredit zwischen 10.000 Euro und 150.000 Euro mit individuellen Laufzeiten aufnehmen. Dieser wird durch den Schwarm, also eine Vielzahl von privaten Investoren, über die Plattform finanziert. Zencap startete im März dieses Jahres – und das in Begleitung medialer Aufmerksamkeit:

Alle großen Tageszeitungen haben über Zencap berichtet. Von dieser Aufmerksamkeit haben wir profitiert, denn nach nur wenigen Monaten am Markt wurde eines unserer Kreditprojekt innerhalb von nur einem Tag finanzieren. Auch weiterhin sind wir auf Erfolgskurs und konnten bis heute bereits Unternehmenskredite im Wert von fast 4 Millionen Euro finanzieren.

Compeon: Schluss mit frustrierenden Bankbesuchen

Auch die Gründer von Compeon sind dem FinTech-Bereich zuzuordnen. Von Emsdetten aus kümmern sie sich um die finanziellen Belange des Mittelstands. Auf dem Internetportal können demnach mittelständische Unternehmen ihren gewerblichen Finanzbedarf, wie Finanzierungen oder Geldanlagen, platzieren und Angebote von renommierten Banken, Sparkassen und Leasinggesellschaften einholen.

Das Resultat ist eine Anlaufstelle, die individuelle Angebote und Bankkonditionen im Web transparent präsentiert. Im Gegenzug können sich Partnerbanken attraktiv darstellen und die eigenen Konditionen in strukturierter Form sichtbar machen. Der Vorteil gegenüber einer Hausbank als Geldquelle liegt im aktuellen Niedrigzinsniveau, das dem Mittelstand umfassende Möglichkeiten zur Optimierung der Finanzierung ermöglicht. Das Angebot scheint genau das richtige zu sein, denn Compeon wächst, wie Nico Peters erzählt:

Nachdem das Jahr 2013 für Compeon klar unter dem Zeichen des Launches stand, war das Jahr 2014 für uns im Wesentlichen durch Wachstum geprägt. Das Beste an 2014 war der deutliche Ausbau unseres Geschäfts sowohl was die Kundenseite als auch unsere Partner anging.

Wer verstehen möchte, wie genau das Geschäftsmodell von Compeon im Detail funktioniert, erfährt es hier.

 Shrewd Foods: Immer und überall ein frischer Smoothie

Die Shameless Smoothies von Shrewd Foods aus München sind Smoothies zum Anrühren aus 100 % Frucht. Sie müssen nicht gekühlt werden und halten bei Raumtemperatur sogar monatelang. Die Zubereitung geht ganz schnell und einfach: Das Pulver wird mit einem Löffel in ein Glas Wasser gerührt und fertig ist der Smoothie. Damit man ganz spontan einen Smoothie genießen kann, sind sie in Portionsbeuteln erhältlich – und passen somit in jede Tasche.

Das bisherige positive Medienecho rund um die Shameless Smoothies auf Pro Sieben, in der Brigitte, der Glamour und weiteren Magazinen macht das Gründerteam stolz. „Wir haben den großen Vorteil, mit dem ersten Smoothie zum Anrühren aus 100 % Frucht ein wirklich innovatives Produkt auf den Markt gebracht zu haben.“

Das Besondere an diesem Start-up ist, dass die Gründer ihren Schritt in die Selbstständigkeit komplett selbst finanzierten. „Wir drei Gründer waren bereits alle mehrere Jahre berufstätig und haben nun unsere Ersparnisse in Shrewd Foods investiert“, erklärte Sinclair im August.

Auch hier liegt die Gründung erst wenige Monate zurück. Wie die Gründerinnen Nadine Sinclair und Katrin Krieger den Start empfanden, haben sie uns erzählt:

Ganz klar: Das Beste an 2014 war aus einer Idee Realität werden zu lassen und Shameless Smoothies auf den Markt zu bringen. Dabei gab es für uns viele Highlights – angefangen von der Gründung im März, über den ersten verkauften Smoothie Ende Mai über unseren Webshop, das tolle Feedback von unseren Kunden und jetzt zum Jahresende die beiden Foodie-Messen eat & STYLE und Food & Life hier in unserer Heimatstadt München.

Sablono: Die Zeit beim Bauprojekt im Blick behalten

In einem parallelen Universum starten und landen jetzt gerade Flugzeuge am Berliner Großflughafen BER. In diesem Universum hat man von Beginn an die Technologie von Sablono benutzt. Sablono bietet Bauunternehmern ein System, mit dem sie jederzeit den Überblick über ihr Bauprojekt behalten. Verändert sich ein Teilschritt, werden alle Beteiligten informiert und der gesamte Bauprozess angepasst. Alles, was auf der Baustelle passiert, wird strukturiert geplant, dokumentiert, kontrolliert und gesteuert. Der Bauunternehmer kann sich zu jeder Zeit ein genaues Bild vom Baufortschritt machen und Maßnahmen zur Steuerung durchführen.

Die Software kommt gut an und wird gerne im Zusammenhang mit bereits erwähntem Flughafen, der Hamburger Elbphilarmonie oder Stuttgart 21 erwähnt. Auch auf Ebene der Gründerwettbewerbe spielt Sablono ganz vorne mit. 2013 gewann das Berliner Start-up den Weconomy Gründerwettbewerb, in diesem Jahr schafften die Gründer es, wie cosinuss° auch, bis in die Top 4 beim Code_n14 Award. „Das Jahr 2014 war für Sablono überaus erfolgreich: Wir konnten nach langer Vorbereitung Mitte des Jahres unsere Seed-Finanzierungsrunde abschließen und uns wieder vollständig auf das operative Geschäft konzentrieren“, berichtet Lukas Olbrich und führt weiter aus:

Und trotz Aufwand beim Abschluss der Runde haben wir unser Produkt Sablono Onsite sehr gut weiterentwickelt und Kunden begeistern können – als Projektpartner aber auch bei unserer ersten eigenen Veranstaltung: dem ersten Netzwerkabend für die Berliner Baubranche.

Das ganze Interview mit Lukas Olbrich finden Sie im Blog.

Die Gründer von EchtPost, Sablono und Shrewd Foods
Die Gründer von EchtPost (l.), Sablono (o.) und Shrewd Foods (u.)

EchtPost: Echte Postkartengrüße aus dem Internet

Die Gründungsidee zu EchtPost entstand aus der Beobachtung, dass viele Menschen gerne Postkarten bekommen und selber auch gern öfter welche verschicken möchten, es dann aber doch nicht machen. Woran das liegt? In der Natur der Sache: es ist zu anstrengend, eine Postkarte zu besorgen, diese zeitnah zu beschreiben und anschließend zur Post zu bringen, um sie zu versenden. Es ist ein großer Aufwand für eine kleine Geste. Die Kölnerin Anne Buch weiß das und macht es Schreibfaulen all zu gern leichter, liebe Grüße zu versenden. Wie die Gründerin auf die Idee kam, erzählte sie uns im Interview.

Nutzer können online ein Postkartenmotiv auswählen und einen individuellen Text sowie die Empfängeradresse eingeben. Für 2,30 Euro druckt EchtPost die Karte, frankiert sie mit einer echten Briefmarke und verschickt sie per Post. So sorgt EchtPost in digitalen Zeiten wieder für qualitativ hochwertig gefüllte Briefkästen. Denn mehr Rechnungen will niemand. Da die Gründerin 2014 erst durchstartete, dominierten ihr erstes Geschäftsjahr Spannung, Abwechslung und viele neue Erfahrungen.

Mein Fazit ist sehr positiv: Dieses Jahr hat gezeigt, dass der Service von EchtPost auf viel Zuspruch stößt und die Produkte von den Kunden angenommen werden.

Auf der zweiten Seite verraten die Gründer von Braufässchen, erdbär, easyfolio und Unverpackt Kiel, wie das Jahr 2014 für sie verlief. Außerdem findet sich dort ein Querschnitt der Gründerevents, bei denen man dabei gewesen sein muss.

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