Vom Bike direkt ins Bett: SCUBEs von Berlin bis ans Meer



In die Höhle der Löwen und zurück – die Idee der SCUBE Parks konnte sich auch im Fernsehen sehen lassen. Seit dem ersten Interview auf Für-Gründer.de ist viel passiert. Nicht nur ein Besuch bei der Fernsehshow, sondern auch eine Veränderung des ganzen Geschäftsmodells passierte in nur wenigen Monaten.

Für-Gründer.de: Frau Rathmann, seit unserem letzten Gespräch vor über einem Jahr ist bestimmt einiges passiert. Unter anderem wagten Sie sich in die Höhle der Löwen – wie kam es dazu und wie haben Sie sich auf den Pitch im Fernsehen vorbereitet?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Sony Pictures ist Ende des Jahres auf mich zugekommen und hat mir die Show vorgestellt. Zugegebenermaßen kannte ich das gar nicht und hatte die Befürchtung, dass es ein Casting-Format wird, ähnlich dem von Deutschland sucht den Superstar. Ehrlich gesagt steckten wir ohnehin in einem Veränderungsprozess und die Show gab dann einen zusätzlichen Anlass noch einmal über die Zukunft von SCUBE Parks nachzudenken.

Unsere Vision war es ja schon immer, den Radweg von Berlin bis ans Meer mit SCUBEs auszustatten, hatten dies aber im Tagesgeschäft hinten angestellt. Nun gab es plötzlich wieder einen Grund, dieses Konzept ans Tageslicht zu befördern.

Mein Geschäftspartner und ich trennten uns im Mai von dem Übernachtungsgeschäft des SCUBE Parks in Berlin – wohl auch, weil uns die Radweg-Vision zu sehr am Herzen lag als sie im Tagesgeschäft untergehen zu lassen.

Zu dem Pitch im März gab es Abstimmungsprozesse mit Sony Pictures, zudem half uns mein guter Freund Peter Lüder als Regisseur weiter, um gut für das Fernsehen präsentieren zu können. Vor Investoren hatten wir schon häufiger gepitcht, aber nicht, wenn neun Kameras auf uns gerichtet sind.

Tanja Rathmann plant die SCUBEs von Berlin bis zum Meer entlang einer Fahrradstrecke aufzustellen.
Tanja Rathmann plant, die SCUBEs von Berlin bis ans Meer entlang einer Radstrecke aufzustellen (Foto: SCUBE Parks)

Für-Gründer.de: Sie präsentierten das Konzept für eine buchstäbliche Hotelkette. Zwischen Berlin und Kopenhagen sollte es mehrere SCUBES entlang von Fahrradwegen zur Übernachtung bei der Radreise geben. Wie kann man sich das genau vorstellen?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Ich persönlich liebe das Radfahren. Es ist einfach wunderbar, sich ohne Hilfe weiter zu bewegen, das hat etwas von Freiheit. Allerdings habe ich keine Lust, mich um all die Unterkünfte zu kümmern, in denen ich übernachten muss. Zudem ist es leider häufig so, dass man bis 17 Uhr in einer Pension angekommen sein muss, um einzuchecken. Das hat dann wiederum nicht viel mit Freiheit zu tun. Zusätzlich möchte ich die Natur, besonders als Stadtmensch, unmittelbar spüren und nicht durch ein Hotel zur Außenwelt abgeschnitten sein. Ein Zelt könnte das auch lösen, aber so richtig komfortabel ist das auch wieder nicht.

Auf diesem Wege entstand die Idee die SCUBEs so zu entwickeln, dass sie möglichst in naturnahen Regionen aufgestellt werden dürfen. Möglichst nah am Wasser oder an einem Waldstück. In Prenzlau steht bereits ein SCUBE direkt am Uckersee und wird dort vom Camp Solaris betrieben. Alle 30 bis 40 km sollen nun SCUBEs folgen, die an besonders schönen naturnahen Erlebnisorten von Unternehmern vor Ort betrieben werden. Wir haben bereits, auch dank der Show, einige Partner, die sich dem Vorhaben anschließen möchten.

Für-Gründer.de: Leider stieg keiner der Löwen ein. Wie sind Sie mit der Kritik, das Geschäft sei nicht rentabel genug, umgegangen? War das die nötige Motivation zur Überarbeitung des Konzepts oder ein Rückschlag?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Nach der Show war ich echt enttäuscht. Ich war wirklich aufgeregt und hatte großen Respekt vor dem Pitch. Letztendlich muss ich aber sagen, dass wir fast auch ein bisschen froh darüber sind, dass niemand eingestiegen ist. Denn momentan denken wir über alternative Wege der Realisierung nach. Ich bin nicht der Meinung, dass dieses Vorhaben unbedingt durch privatwirtschaftliche Zielsetzungen umgesetzt werden kann.

Wir werden es mit klassischen Investoren immer schwer haben, da die vermeintliche Rendite nicht ausreichen wird. Für mich ist dieser Radweg vielmehr ein gemeinschaftliches Vorhaben, das mit vielen helfenden Händen, uns eingeschlossen, umgesetzt werden kann. Sodass auch alle etwas davon haben! Wieso denn nicht darüber nachdenken als Genossenschaft oder gemeinnützige Gesellschaft eine Alternative zum herkömmlichen Tourismus zu schaffen? Aus dieser Sichtweise hat uns die Show wirklich weiter gebracht.

Die Resonanz war enorm und daraus ziehen wir den Schluss, dass der Radweg scheinbar wirklich mehr ist, als bloß eine schöne Idee. Und sie deshalb begraben, weil Investoren sie renditeseitig unattraktiv finden?

Für-Gründer.de: Eine andere Kritik lautete, dass Sie stark saisongebunden sind. Womit überbrücken Sie bisher eigentlich die kalten Tage?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Wir haben bereits SCUBEs entwickelt, die man nach der Saison einfach wieder abbauen kann. Dann können sie an anderen Einsatzorten genutzt werden.

In einem SCUBE findet sich bequem Platz für alles Notwendige.
In einem SCUBE ist bequem Platz für alles, was man für eine Übernachtung braucht (Foto: SCUBE Parks)

Für-Gründer.de: Und wie geht es jetzt mit dem längsten Hotel der Welt weiter?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Momentan haben wir alle Hände voll zu tun all die Interessierten mit Informationen zu versorgen. Wir prüfen zudem alle Finanzierungsoptionen inklusive dem Crowdfunding. Viel wichtiger ist es allerdings, weitere Partner entlang der Radstrecke zu finden, die einen SCUBE Park betreiben möchten. Es gibt viel zu tun und dafür brauchen wir schlichtweg helfende Hände.

Für-Gründer.de: Wie sieht es mit dem Vorschlag von Judith Williams aus, die SCUBES für den häuslichen Garten zu verkaufen?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Auch diese Anfragen gibt es. Und natürlich verkaufen wir die SCUBEs auch an Privatpersonen, denn es gibt wirklich eine Menge Leute, die mit den herkömmlichen Baumarkthütten unzufrieden sind und eine schöne Raumlösung für ihren Garten suchen. Es gibt mittlerweile auch schon eine Lösung, die den Aufbau noch weiter erleichtert. So kann das Fachmontageteam gespart werden.

Für-Gründer.de: Welche Reaktionen gab es nach Ihrem Auftritt im Fernsehen?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Es gab wirklich erstaunlich viele Reaktionen von Menschen, die uns unterstützen wollen, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Auch Investoren sind auf uns zugekommen und viele, die SCUBEs kaufen möchten. Das freut uns natürlich und wir sind gerade dabei, all die Anfragen nach und nach zu beantworten.

Für-Gründer.de: Was hat sich außerdem fernab ihres TV-Debüts noch getan und wie geht es 2015 weiter?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: Geplant ist, dass wir bereits schon 2015 die ersten SCUBE Parks entlang der Radstrecke eröffnen. Zudem gibt es das Projekt, SCUBEs als Ferienunterkünfte am Osloer Fjord aufzustellen. Wir haben etliche Anfragen dazu. Wer weiß, welche Regionen noch auf uns aufmerksam werden. Ich bin ein großer Skandinavien-Fan und kann es nur begrüßen, wenn wir die Möglichkeit bekämen, uns dort auszubreiten.

Für-Gründer.de: Das Gründerleben ist geprägt von Hochs und Tiefs – wie lautet Ihr bisheriges Fazit und welche Tipps haben Sie für andere Gründer, um den Kopf auch wieder aus dem Sand zu ziehen?

Tanja Rathmann von SCUBE Parks: 

Wir hatten wirklich einige Tiefs, die aber durch all die Hochs kompensiert wurden. Ohne die gäbe es uns vielleicht längst nicht mehr. Scheitern, so musste ich lernen, gehört zum Abenteuer des Gründens dazu, damit sollte man sich besser von Anfang an abfinden.

Damit meine ich nicht das Scheitern seines ganzen Vorhabens. Sondern vielmehr die vielen Fehleinschätzungen oder auch Fehlentscheidungen, die der Gründer in Bezug auf das Geschäftsmodell, die Welt da draußen oder auf Menschen getroffen hat. Es ist ein ständiger Lernprozess und niemand kann einem im Vorhinein sagen, wie der richtige Weg zur Umsetzung aussieht.

Es klingt vielleicht fast esoterisch, aber ich halte es für absolut sinnvoll, ab und zu in die Stille zu gehen, um seiner inneren Stimme zu lauschen. Und sich bewusst zu machen: Da wo Licht ist, ist auch Schatten – da wo es Hochs gibt, gibt es auch Tiefs. Das ist ein Naturgesetz und nicht beeinflussbar durch das Vermögen oder Unvermögen des Gründers. Somit kann ich nur jedem Gründer raten, sich mit seiner eigenen Person und auch seinen Ängsten auseinanderzusetzen. Der Gründer selbst ist der Schlüssel zum Erfolg.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit den weiteren Vorhaben!

 

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