Für die Sicherheit im Alter: der ambiact von oldntec



Auf der ersten Seite konnten Sie mehr über das Produkt ambiact, den Standort Oldenburg und bisherige Hürden in der Selbstständigkeit erfahren. Lesen Sie auf dieser Seite mehr über die anvisierte Zielgruppe von oldntec, die Erfahrungen bei Gründerwettbewerben bisher und die Pläne für die Zukunft des Start-ups.

Für-Gründer.de: Wer gehört zur Zielgruppe des Produkts und wie groß war die bisherige Nachfrage?

Thomas Frenken von oldntec: Bei unserem Produkt muss man klar zwischen Zielgruppe und Kunden unterscheiden. Primäre Zielgruppe des Produktes sind allein lebende alte oder pflegebedürftige Menschen und auch deren Angehörige. Denn diesen Menschen ermöglichen wir mit unserem Produkt ein länger selbstständiges und sicheres Leben in Ihrem Zuhause bzw. entlasten deren Angehörige bei der Versorgung. Zumindest in seiner aktuellen Bauform wird der ambiact aber nicht an diese Zielgruppe verkauft, sondern an die Hausnotrufbetreiber. Denn Hausnotruf-Hardware wird historisch bedingt nicht von den Endkunden gekauft, sondern von diesen von den Betreibern gemietet.

Das ergibt auch Sinn, denn Hausnotrufhardware ist eher teuer, wobei ich unser Produkt hier ein wenig ausnehmen wollen würde. Trotzdem sind unsere Kunden die Hausnotrufbetreiber, die durch unser Produkt zunächst einmal zufriedenere Kunden haben, die sich sicherer fühlen und den Hausnotruf komfortabler „bedienen“ können. Im zweiten Schritt erlaubt es unser Produkt den Betreibern, einen neuen Kundenkreis zu erschließen: Stark vergessliche und demente Personen, die bislang aufgrund der Notwendigkeit, sich an die Bedienung des Systems zu erinnern, als Kunden eher selten waren.

Diese Kundenvorteile sehen die Hausnotrufbetreiber ganz klar und entsprechend groß ist die Resonanz. Allen voran hat natürlich die Johanniter Unfall Hilfe im September bestellt. Viele andere Betreiber informieren sich aktuell bei uns und lassen sich Probegeräte zusenden – da kommen wir kaum hinterher. Alles in allem werden wir noch dieses Jahr mehrere Hundert Geräte in ganz Deutschland im Einsatz haben.

Werden Elektrogeräte des alltäglichen Gebrauchs länger nicht genutzt, sendet ambiact ein Notrufsignal aus und sorgt so für die Sicherheit der Menschen.
Werden Elektrogeräte des alltäglichen Gebrauchs länger nicht genutzt, sendet ambiact ein Notrufsignal aus und sorgt so für die Sicherheit der Menschen.

Für-Gründer.de: Was soll ein ambiact-Stromsensor kosten? Wo und wie viele Sensoren sollten idealerweise in einem Haushalt angebracht werden?

Thomas Frenken von oldntec: Unser ambiact hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 125 Euro exklusive Mehrwertsteuer. Das ist für Hausnotruf-Hardware ein verhältnismäßig günstiger Preis und auch eines unserer Differenzierungsmerkmale. Man bedenke auch, dass dieser Preis von den Hausnotrufbetreibern gezahlt wird und die Endkunden im schlimmsten Fall eine geringe monatliche Gebühr für die Nutzuang zahlen. Manche Betreiber stellen den ambiact aktuell sogar kostenlos den Kunden zur Verfügung.

Wenn ein Sicherheitsfenster von 24 Stunden ausreicht, kann ein einziges Gerät ausreichend sein. Hierbei wird oftmals die doch sehr lange Zeitdauer moniert. Dazu sollte man aber bedenken, dass wir kein System zur Erkennung akuter Notfälle verkaufen, sondern für die Fälle, in denen auch nach einigen Stunden, nicht mehr jedoch nach mehreren Tagen noch gute Heilungschancen bestehen zum Beispiel eben bei Brüchen oder einem Sturz generell. Soll hingegen das Sicherheitsfenster verkleinert werden, werden mindestens zwei ambiacts notwendig. Denn dann muss man eines der Geräte beispielsweise einmal alle 12 Stunden verwenden.

Für-Gründer.de: Wie eingangs erwähnt, schneiden Sie bei Gründerwettbewerben gut ab. Was bewog Sie zur Teilnahme an einigen Gründerwettbewerben?

Thomas Frenken von oldntec: Wir hatten zwei primäre Gründe: Aufmerksamkeit und Hinterfragung unserer Idee. Unseren ersten Preis, den Start-up Innovationspreis der Altenpflege 2014, haben wir tatsächlich sehr unerwartet gewonnen, damit aber sehr viel Aufmerksamkeit in genau den richtigen Kreisen erzeugt. Einen Geldpreis gab es hier gar nicht. Die Teilnahme bei Science4Life war ursprünglich primär des fachlichen Feedbacks wegen. Wir hatten gehört, dass dort Experten aus dem Bereich der Life Science auswählen und schriftliche Rückmeldung zum Businessplan geben, das interessierte uns. Die Auswahl unter die Top 5 war hier ein absoluter Glücksfall, denn noch mehr als das Preisgeld hat uns das Coaching-Wochenende geholfen, unsere Unternehmensstrategie und deren Präsentation zu verfeinern.

Der Gründerwettbewerb IKT Innovativ ist als Informatiker Pflicht, weshalb uns die Platzierung aber nicht minder gefreut hat. Auch hier werden wir die Coaching-Angebote nutzen. Im Nachgang zu jedem Wettbewerb haben wir immer Anfragen nach unserem Produkt erhalten.

Für-Gründer.de: Haben Sie ein paar Tipps für andere Gründer, die an einem Gründerwettbewerb teilnehmen möchten?

Thomas Frenken von oldntec: Allem voran, sich selbst gegenüber ehrlich und realistisch sein. Man hört immer wieder, dass man gar nicht erst antreten muss, wenn die eigene Idee nicht die ganze Welt verändern kann und die Zahlen nicht den berüchtigten Hockey-Stick zeigen. Das stimmt aus meiner Sicht so nicht. Denn wenn einen selbst die genannten Kundenvorteile oder die Zahlen zur Größe des Marktes nicht überzeugen, dann wird das auch so mancher Gutachter und vor allem auch später der Kunde sofort merken. Natürlich muss man seine Idee auch verkaufen und es sollte sich auch finanziell lohnen, aber wie man bei uns sieht, kann man das auch realistisch tun und damit überzeugen.

Man sollte sich auch gut vorbereiten und einige Zeit für das Schreiben, die Recherche und auch das wiederholte Korrekturlesen einplanen. Alle großen Wettbewerbe stellen schriftliche Hilfen zur Erstellung eines Businessplans zur Verfügung. Der wichtigste Inhalt dieser Richtlinien ist dabei die Struktur bzw. der rote Faden. Wir haben uns einen Mix aus verschiedenen Strukturierungsvorlagen passend zu unserer Idee zusammengestellt und auch einige anonymisierte Businesspläne anderer Start-ups vorab gelesen. Die nationalen Wettbewerbe richten zudem im Vorfeld der Einreichungen auch kostenlose Seminare quasi zu jedem Kapitel eines üblichen Businessplans aus.

Zu guter Letzt gibt es ja auch auf dem Portal von Für-Gründer.de auch einen sehr schönen Überblick über die Wettbewerbe. Diesen haben wir auch genutzt, um unsere Ziel-Wettbewerbe zu finden. Das hat durchaus einen Tag Arbeit eingespart.

Für-Gründer.de: Welche nächsten Schritte kommen jetzt auf Sie zu? Was wollen Sie noch bis Ende dieses Jahres schaffen und was steht für 2015 auf dem Plan?

Thomas Frenken von oldntec: Aktuell gilt es, die erste Produktion im Zeitplan umzusetzen. Für ein Start-up kann es schon eine Herausforderung sein direkt, im ersten Schritt mal eben mehrere Hundert Geräte herzustellen. Aber wir haben gute Partner in der Region und bislang gab es keine unvorhergesehenen Überraschungen. Aber die Produktion wird uns noch bis Ende Oktober beschäftigen.

Parallel sind wir dabei, unsere Finanzierung für das kommende Jahr und die Ausweitung unserer Geschäftsfelder zu sichern. Die aktuelle Produktion ist noch eigenfinanziert. Das wird in den erwarteten Stückzahlen im kommenden Jahr nicht mehr funktionieren. Das Thema „Finanzierung“ bearbeiten wir schon seit mehr als sechs Monaten und wollen es bis Ende des Jahres bzw. Anfang 2015 abschließen. Wir reden hier mit sehr vielen Parteien, angefangen von Business Angels, über Crowd-Investment-Plattformen und Beteiligungsgesellschaften bis hin zu unserer Hausbank.

Es gilt, den richtigen Mix zu finden. Und da wir wussten, dass das nicht einfach wird, und wir nicht unter Druck geraten wollten, haben wir hier sehr früh begonnen. Bis Ende des Jahres wollen wir uns entschieden haben. Aufgrund der ersten Bestellungen haben wir aber auch keinen massiven Entscheidungsdruck.

Der nächste Schritt wird dann natürlich die Ausweitung unseres Vertriebs und der Produktpalette sein. Die viele Aufmerksamkeit aus den Wettbewerben kommt uns hier zugute und sorgt dafür, dass wir weit vor dem Zeitplan sind. Aktuell muss man eigentlich sagen, kommen die Kunden zu uns und wir müssen quasi kein Geld in das Marketing stecken. Trotzdem, es gibt noch Hausnotrufbetreiber in Deutschland, die uns nicht kennen und die wir ansprechen wollen.

Für Mitte 2015 ist zudem die Ausweitung des Vertriebs nach Europa geplant. Auch hier ist mit der Akquise eines Großhändlers lange vor dem Zeitplan ein großer Schritt getan. Wir wollen allerdings auch kein Ein-Produkt-Unternehmen bleiben und haben schon einige Ideen für die Ausweitung unserer Produktpalette. So werden wir einen ambiact mit mehr Eigenintelligenz auf dem Markt bringen und auch eine Version für Privatpersonen. Diese Version wurde schon so häufig angefragt, das müssen wir einfach bauen und tatsächlich sind wir auch schon dabei. So viele Ideen, so wenig Zeit. Es wird nicht langweilig in 2015, aber deshalb haben wir uns ja auch selbstständig gemacht!

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!

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