Die nächste Milliardenidee: Online-Putzdienstvermittler



Vergleichsportale für Reisen, Reparaturdienste, Energieanbieter oder Versicherungen gibt es schon lange. Seit Anfang des Jahres zeichnet sich ein neuer Trend im Internet ab: Reinigungskräfte für die Wohnung online buchen. Junge Startup-Unternehmen bringen Reinigungskräfte und Menschen, die ihre Wohnung reinigen lassen möchten, zusammen. Ein besonderes Thema, denn nicht ohne weiteres lässt man fremde Menschen in seine eigenen vier Wände.

Als wir im Januar dieses Jahres über Geschäftsideen aus den haushaltsnahen Dienstleistungen berichteten, standen die folgenden Start-ups noch in den Startlöchern. Nun, kurze Zeit später, überschwemmen gleich mehrere Reinigungsvermittlerdienste namhafter Gründer und Investoren aus Berlin und den USA den Markt. Sie heißen Homejoy (der Vorläufer aus den USA), Helpling (der deutsche Samwer-Klon), CleanAgents, Putzfee oder Book a Tiger und versprechen prinzipiell alle das gleiche: günstige, vertrauensvolle und legale Reinigungskräfte per Mausklick zu sich nach Hause bestellen zu können.

Haushaltshilfen lassen sich nun im Internet buchen (Bild: bookatiger.com)
Haushaltshilfen lassen sich nun im Internet buchen (Bild: bookatiger.com)

Wer noch bis vor einem Jahr eine Reinigungskraft für das eigene Heim engagieren wollte, war auf Empfehlungen von Bekannten oder Zeitungsannoncen angewiesen. Der Markt zeichnete sich durch Intransparenz und Schwarzarbeit aus. Das geht nicht nur durch den mangelnden Versicherungsschutz zu Lasten der Reinigungskräfte, sondern birgt bei Entdeckung auch ein finanzielles Risiko für den Arbeitgeber.

Bisher scheuten sich viele Haushaltshelfer vor einem legalen Arbeitsverhältnis, denn auf dem Schwarzmarkt lässt sich mehr Geld verdienen. Obwohl die Zahlen zurückgehen, seitdem 20 % der Reinigungskosten über die Steuererklärung zurückerstattet werden können, stehen in den privaten Haushalten immer noch 320.000 geringfügig entlohnte und 42.500 Sozialversicherungspflichtige vier Millionen Schwarzarbeitern gegenüber. Allein in Deutschland wird dieser Markt auf 13 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Schaut man auf den explosionsartige Ausbreitung der neuen Onlinevermittler für Reinigungsdienstleistungen könnten sich die Zahlen in naher Zukunft schlagartig ändern. Allein der Marktführer in Deutschland Helpling ist seit seinem Start im April 2014 mittlerweile in 50 deutschen Städten aktiv. Die 150 Mitarbeiter in der Zentrale Berlin bereiten nun die Expansion nach Frankreich, Schweden, die Niederlande und Österreich vor. Finanziell unterstützt werden die Berliner von Rocket Internet.

Das Erfolgsgeheimnis der Online-Putzdienstvermittler dürfte darin liegen, dass sie sowohl den Auftraggebern als auch den Haushaltshilfen eine attraktive Alternative gegenüber dem Schwarzmarkt geschaffen haben. Die Preise liegen je nach Plattform zwischen 12,90 Euro und 15,00 Euro pro Arbeitsstunde. Davon behalten die Vermittler 20 % ein und zahlen den Rest an die selbstständig arbeitenden Reinigungskräfte aus. Diesen bleiben also circa 10 bis 12 Euro – verglichen mit den branchenüblichen Dumpinglöhnen von teilweise nur 5 Euro die Stunde stellt dies ein durchaus faires Gehalt dar.

Neben dem Preis spielen Vertrauen und Qualität eine große Rolle. Jeder Haushaltshelfer wird nach Angaben der Plattformen vor seinem ersten Einsatz einem mehrstufigen Auswahlverfahren unterzogen. Die meisten Portale verlangen ein Führungszeugnis, werfen einen Blick auf bisherige Erfahrungen und lassen sich bei einer Probereinigung von den Putzqualitäten persönlich überzeugen. Diese Tests können durchaus streng sein. In einem Interview verriet Book a Tiger CEO Ulrich Lewerenz, dass nur 10 % der Bewerber die Tests bestünden. Regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen stellen die langfristige Qualität sicher. Zudem können die Kunden, so wie man das von anderen Plattformen im Internet kennt, ihre Zufriedenheit durch Onlinebewertungen Ausdruck verleihen. Neue Interessenten bekommen dadurch bereits vor der Buchung ein Gefühl für die Vertrauenswürdigkeit der Haushaltshilfe.

Buchung im Handumdrehen: Der Nutzer wählt den Ort und Termin aus und kann sogleich die Dienstleistung online bezahlen. Hier zu sehen Putzfee.de
Buchung im Handumdrehen: Der Nutzer wählt den Ort und Termin aus und kann sogleich die Dienstleistung online bezahlen. Hier zu sehen Putzfee.de

Die Onlineanbieter haben aber auch gegenüber klassischen Reinigungsunternehmen einen klaren Vorteil. Als Vermittler sparen sie sich Verwaltungskosten, denn die Putzkräfte arbeiten bei ihnen selbstständig auf Rechnung. Dieses Geschäftsmodell erlaubt es ihnen mit einer schlanken Zentrale ohne großes Risiko deutschlandweit und darüber hinaus aktiv zu werden. Die Reinigungskräfte sind ihr eigener Chef, mit all den damit verbunden Vor- und Nachteilen, profitieren aber von einer attraktiven Vergütung und einem zuverlässigen Auftragseingang durch die überregionalen Marketingmaßnahmen der Online-Putzdienstvermittler.

Fünf Plattformen kämpfen um die Vorherrschaft

Wer die Gründungen von Rocket Internet rund um die Samwer-Brüder in der Vergangenheit beobachtet hat, weiß genau, dass diese sich gerne bei erfolgreichen Geschäftsideen aus dem Ausland bedienen. So ist es kaum verwunderlich, dass auch helpling ein erfolgreiches amerikanisches Vorbild hat. Homejoy wurde Mitte 2012 gegründet und ist aktuell der weltweit erfolgreichste Onlinevermittler von Putzdiensten. Vor knapp einem Jahr erhielt Homejoy eine Finanzierung in Höhe von 39 Millionen US-Dollar für die internationale Expansion. Ob sich die Amerikaner gegen die Copycat-Maschinerie der Samwers in deren Heimatmarkt Europa durchsetzen können, ist fraglich. Aktuell ist Homejoy lediglich mit einem Teststandort im Raum Berlin aktiv.

Daneben existieren drei weitere Start-ups aus Deutschland, die ein Stück vom milliardenschweren Kuchen abhaben möchten. Der engste Verfolger dürfte Book A Tiger sein. Die Plattform ging im April 2014 an den Start und bietet für 8 deutsche Metropolen seine Vermittlerdienste an. Federführend bei Book A Tiger sind Claude Ritter und der ehemalige Unternehmensberater Nikita Fahrenholz. Beide sind keine unbekannten Gesichter in der deutschen Gründerszene. 2010 gründeten sie Lieferheld.de und machten die Plattform in den vergangenen vier Jahren zum Marktführer für Essensbestellungen im Internet, als sie den alteingesessenen Konkurrenten pizza.de vor vier Wochen schluckten. Nun widmen sie sich mit Book a Tiger einer neuen Branche zu und möchten ihren Online-Putzdienstvermittler zur europaweiten Nummer eins machen. Mit einer Seedfinanzierung von sieben Millionen Euro sind sie dafür bestens gerüstet.

Auf Vorsprung durch Erfahrung setzt auch Putzfee. Bevor dieser Online-Putzdienstvermittler im Juni dieses Jahres an den Markt ging, brachte das Gründerduo Stefan Gärtner und Daan Löning die Babysittervermittlung Kinderfee zum Erfolg. Bei diesem artverwandten Portal eigneten sie sich bereits das Prozesswissen für die Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften an. Mit einer aggressiven Preispolitik möchte sich Putzfee von der Konkurrenz absetzen. Dies geht allerdings auf deren Marge, denn von den 11,90 Euro sollen ähnlich wie bei der Konkurrenz 10 Euro an die Haushaltshelfer fließen. Aktuell ist Putzfee lediglich in Berlin vertreten.

Der älteste deutsche Anbieter heißt Cleanagents. Neben 13 Standorten in Deutschland ist das Start-up auch in Österreich, Belgien und Polen aktiv. Der Online-Putzdienstvermittler ging im Juni 2013 aus dem Inkubator Programm You is Now mit einem Startkapital von 25.000 Euro hervor. Über eine weitere Finanzierung ist nichts bekannt. Dies könnte zum Stolperstein für Cleanagents werden, denn ohne gut gefüllte Kriegskasse dürfte es schwer werden, bei der rasanten Expansion der Konkurrenz mitzuhalten.

Ausblick für die neuen Online-Putzdienstvermittler

Verglichen mit den haushaltsnahen Geschäftsideen, wie die Alsterperlen und Zauberfrauen, die wir Anfang des Jahres vorgestellt hatten, sind die Online-Putzdienstvermittler deutlich ambitionierter. Wie nachhaltig deren schlagartiges Wachstum bleibt und ob alle oben genannten Dienste langfristig überleben werden, muss sich noch zeigen. Die starke Expansion dürfte nicht ohne immense monetäre Verluste machbar sein. Doch ein Blick auf den anhaltenden Erfolg von Homejoy in den USA und auf die nicht allzu unähnliche und nach verlustreichen Jahren profitable Essensvermittlerbranche rund um Lieferheld und Co lässt Gutes für die Branche hoffen.

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