Erfolgreich eine Finanzierung per Crowdinvesting umsetzen



Auf der ersten Seite unseres umfangreichen Crowdinvesting Interviews verriet uns Denis Jung, welche wichtigen Meilensteine es bei einer Crowdinvesting Kampagne gibt und was nach der Finanzierung passiert.

Für-Gründer.de: Als Crowdinvestor erhält man in der Regel keine Anteile am Unternehmen, sondern profitiert über ein partiarisches Darlehen von der Umsatz- oder Gewinnentwicklung. Dies hat den Nachteil, dass man nicht vor Verwässerung bei einer erneuten Finanzierungsrunde geschützt ist. Wie nachhaltig ist das momentan übliche Modell Deiner Meinung dennoch?

Denis Jung von angelop: Die Verwässerung von Investoren im Zeitverlauf ist im Start-up-Bereich bereits bekannt, nicht nur bei partiarischen Darlehen. Sie müssen sich immer vor Augen halten, dass es sowohl aus unternehmerischer als auch Investorensicht keinen Sinn macht, das Unternehmen von Beginn an durchzufinanzieren.

Der Preis wäre viel zu hoch und eine vernünftige Bewertungsgrundlage ließe sich kaum finden. Davon mal abgesehen würde auch aufgrund des enormen Anfangsrisikos kein Investor den gesamten Betrag einschießen. Insofern ist es auch aus Investorensicht nachvollziehbar, dass Anteile von Investoren verwässern, die zu einem früheren Zeitpunkt und somit günstiger Bewertung eingestiegen sind.

Gleichzeitig reduziere ich mein Gesamtrisiko, wenn ich in Etappen investiere. Mit jeder neuen Investitionsrunde liegt der Unternehmenswert höher und mein alter Anteil gewinnt an Wert. Üblicherweise steigt der Wert der bestehenden Anteile trotz Verwässerung kontinuierlich an. Unternehmen, die es nicht schaffen, diesen Wertzuwachs bei neuen Investoren durchzusetzen, haben ein Problem. Nicht nur weil die Altinvestoren sauer sind, sondern weil der neue Investor Zweifel haben muss, ob das Gründerteam den Wert des eigenen Investments steigern kann. Warum sollte er also investieren?

Denis Jung möchte Start-ups mit angelop nicht nur mit Kapital unterstützen. (Quelle: www.angelop.com)
Denis Jung möchte Start-ups mit angelop nicht nur mit Kapital unterstützen. (Quelle: www.angelop.com)

Leider scheinen diese simplen Zusammenhänge im deutschen Crowdfunding-Markt nicht all zu geläufig zu sein. Es gibt meiner Meinung nach viele Leute, die ernsthaft glauben, dass man mit einigen Hunderttausend Euro Unternehmen aufbauen kann, die Milliardenmärkte erschließen. Das ist geradezu absurd realitätsfern. Hier liegt es auch an den Plattformbetreibern, besser für Aufklärung zu sorgen.

Gleiches gilt für die Unternehmensbewertung. Wenn der Businessplan aufzeigt, dass Unternehmen einige Millionen Euro benötigen, um den Durchbruch in einem interessanten Markt zu schaffen, kann es extrem kontraproduktiv sein, auf einer niedrigen Bewertung zu beharren. Das bedeutet nämlich, dass die Gründer oft notgedrungen unterkapitalisiert in den Markt starten. Die Wahrscheinlichkeit zu scheitern steigt dadurch enorm. Das Hauptaugenmerk liegt dann kontinuierlich in der Abwendung der Insolvenz und der Finanzakquise und nicht im Aufbau des Unternehmens. Das kann nicht im Interesse der Investoren sein. Leider stellen sich da auch die Plattformbetreiber gelegentlich ungeschickt an.

Für-Gründer.de: angelop agiert nicht nur als Berater für Start-ups sondern auch als Business Angel. Wie genau unterstützt Ihr junge Gründer?

Denis Jung von angelop: angelop ist zurzeit im Wesentlichen ein Einmannunternehmen mit gutem Experten-, Gründer- und Investorennetzwerk bzw. zu verschiedenen Crowdfunding-Plattformen. Das bedeutet, bei Eignung investiere ich über eine offene Beteiligung direkt in das Unternehmen. Im Vordergrund steht dabei jedoch immer, dass ich einen Mehrwert in Form von Beratungsleistungen in das Unternehmen einbringen kann. Im optimalen Fall unterstütze ich das Team strategisch und operativ, zum Beispiel im Business Development und bei der Vorbereitung eines Crowdfundings. Auf diese Weise kann ich maximalen Mehrwert bieten. Reine Kapitalinvestments lehne ich hingegen eher ab.

Für-Gründer.de: Welche 5 Ratschläge für eine erfolgreiche Finanzierungsstrategie möchtest du zukünftigen Gründern mitgeben?

Denis Jung von angelop:

  • Zunächst benötigt Ihr ein gutes, komplementär aufgestelltes Team, mit dem Ihr trotz hoher Belastung durch dick und dünn geht. Alle wesentlichen Kompetenzen im Unternehmen sollten in Eurem Team abgedeckt werden. Kompetenzen extern einzukaufen ist immer sehr teuer. Außerdem ist meistens in finanziellen Notsituationen kein Verlass auf externe Partner.  Die wollen nämlich bezahlt werden und nach Möglichkeit kein finanzielles Risiko übernehmen.
  • Überlegt Euch, wie Ihr mit möglichst wenig finanziellen Mitteln zu einem Minimum Viable Product, abgekürzt MVP, kommt und einen ersten Markttest bzw. Proof-of-Concept durchführen könnt. Ohne diese habt Ihr nämlich bei den meisten Crowdfunding-Plattformen keine Chance auf ein Funding.
  • Dann solltet Ihr eine Vision und Rollout-Strategie entwickeln. Diese umfasst nicht nur die technische Entwicklung, sondern auch Teamaufbau, Marketing, Vertrieb und Finanzierung. Geht in Etappen vor. Stellt immer die Frage, was muss ich mindestens erreichen, um einen Schritt weiter zu kommen.
  • Konzentriert Euch auf das Wesentliche. Facebook-Likes und anerkennende Worte auf Start-up-Events sind zwar schön, am Ende zählt aber der Markterfolg. Was sind die wesentlichen Zutaten für Euren Erfolg?
  • Das Paretoprinzip, nach dem 20 % der Einflussfaktoren 80 % des zu messenden Effektes ausmachen, sollte das Grundprinzip bei der Gründung sein. Als Gründer haben Sie nie zu viel Zeit. Sie sind in der Regel immer vom nächsten finanziellen Engpass bedroht. Also müssen Sie sehr schnell Fortschritte machen, auch wenn das Produkt nicht perfekt ist. Es ist beispielsweise am Anfang besser mit 20% Arbeitsaufwand ein 80 % marktreifes Produkt zu erreichen als mit 100 % Arbeitsaufwand ein 100 % fertiges Produkt. Je weiter sich das Unternehmen entwickelt, um so mehr gewinnt die Perfektionierung an Gewicht.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das spannende Interview und weiterhin viel Erfolg mit angelop!

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