Auch IHKs verzeichnen weniger Gründer



Das Gründungsinteresse in Deutschland ist erneut gesunken. Was die Zahlen im KfW Gründungsmonitor 2014 schon eindeutig belegt haben, ist auch die Hauptbotschaft im DIHK-Gründerreport. Jährlich werden Einschätzungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Gründungsgeschehen vorgelegt. Der Fokus liegt dabei auf Industrie, Handel und Dienstleistungsbranchen. Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem DIHK-Gründerreport 2014 vor.

Grundlage für den Gründerreport sind Erfahrungsberichte der IHK-Gründungsberater aus insgesamt 80 IHKs und statistische Auswertungen zum allgemeinen Gründerservice der IHK. Nahezu 200.000 Unternehmer wurden für den DIHK-Gründerreport 2014 befragt.

DIHK-Gründerreport 2014
Mit dem DIHK-Gründerreport legt der DIHK jährlich eine Einschätzung zum Gründungsgeschehen
in Industrie, Handel und Dienstleistung in Deutschland vor (Bildquelle: DIHK-Gründerreport 2014)

Gründungsinteresse abermals gesunken: weniger Coachings, mehr Seminare

Im Jahr 2013 ist das Interesse an einer Unternehmensgründung in Industrie, Handel und den Dienstleistungsbranchen erneut gesunken. Mit 234.627 Gründungswilligen ging der Pegel um 7 % zurück. Gemessen wird das Gründungsinteresse anhand der geführten Einstiegsgespräche und Beratungen zum Gründungsvorhaben mit einem IHK-Experten.

Bereits 2012 meldeten die IHKs einen starken Einbruch beim Gründungsinteresse. Damals erkundigten sich mit 252.229 Beratungsgesprächen fast ein Viertel weniger Personen bei einer IHK zum Thema Existenzgründung als noch 2011.

Ebenfalls gesunken ist 2013 der Wert der Gründer, denen die IHK ein KfW-Gründercoaching für die Anfangszeit nach der Gründung vermitteln konnte. Die insgesamt 16.653 vermittelten Coachings entsprechen einem Rückgang um 3 %. Hingegen stieg die Zahl der teilnehmenden Gründer an IHK-Gründerseminaren um 4,3 % auf insgesamt 24.854 Teilnehmer. Sie erkundigten sich zu Themen wie Marketing und Erstellung eines Businessplans.

Mehr Gründer aus bestehenden Arbeitsverhältnissen als aus der Arbeitslosigkeit

Im Vergleich zu 2012 wird auch deutlich, dass speziell das Gründungsinteresse aus der Arbeitslosigkeit im Jahr 2013 rückläufig war. Der Gründerreport konstatiert einen Rückgang der Beratungen mit arbeitslosen Gründungsinteressierten um fast 20 %.  Dies schlägt sich auch in Bezug auf die Gründungsmotivation nieder. So betrug der Anteil derjenigen, die Arbeitslosigkeit als Grund für die Existenzgründung angaben, nur noch 41 %, während er im Vorjahr noch bei 50 % lag. Im Umkehrschluss spielte die Motivation unternehmerisch tätig zu sein eine größere Rolle bei den Gründern.

Der Rückgang bei den Beratungsgesprächen mit Erwerbslosen ist unter anderem gewiss auch auf die Einschnitte beim Gründungszuschuss Ende 2011 zurückzuführen. Seitdem erschwerte Bedingungen für den Gründungszuschuss gelten, ist auch ein schwächeres Interesse an einer Gründung aus der Arbeitslosigkeit nicht verwunderlich. Im Hinblick auf Zahlen zum Gründungszuschuss halten wir Sie monatlich auf dem aktuellsten Stand.

Aufschwung bei IT-Start-ups und Gründungen aus der Hochschule

Positives zu berichten gibt es über Hochschulabsolventen, Kreative und IT-Start-ups. Sie bringen mit ihrem gesteigerten Gründungsinteresse frischen Wind in die Gründerrepublik. Die IHK-Experten führen diese gute Entwicklung zurück auf:

  • die gestiegene Relevanz des Gründungsthemas an Hochschulen durch eingeführte Lehrstühle für Gründung oder Entrepreneurship.
  • die Festigung des Gründergeistes in traditionellen Gründungsbranchen wie im Kreativ-Bereich. Insbesondere hier ist die Selbstständigkeit notwendig, etwa um als Web-Designer oder mit einer Werbeagentur durchzustarten.
  • die rasante technologische Entwicklung von Social Media. Hier entstehen neue Geschäftschancen bei niedrig bleibenden Starthürden und Vertriebskosten. Am Beispiel der App-Programmierung kann dies gut nachvollzogen werden.
  • die Möglichkeit im Nebenerwerb zu starten. Die nebenberufliche Gründung dient als Ergänzung zum Studium, Haushaltseinkommen oder der Rente.

Innovativen Gründern fehlt es an Eigenkapital

Existenzgründungen, die auf einer Geschäftsidee mit hohem Innovationsgehalt basieren, sind verhältnismäßig die kleinste Gründungsgruppe. Allerdings bieten genau diese Unternehmensgründungen durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze besonders starke Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft.

Exemplarisch stellt der DIHK-Gründerreport die Jahre 2006 und 2009 heraus, die 6 % technologieorientierte und wissensintensive Gründungen verzeichnen konnten. 2013 wollten 7 % aller Teilnehmer an IHK-Gründungsberatungen ein solches Unternehmen gründen. Mit 33 % macht die Gruppe der Gründungsinteressierten im IT-Bereich den größten Anteil aller Hightech- oder Wissensgründungen im Jahr 2013 aus. Außerdem sind die Bereiche Medizin, Energie, Produktionstechnologien, Umwelt und Werkstoffe beliebt.

Gefragt nach den häufigsten Gründungshemmnissen, schätzen 64 % der IHK-Experten, dass es am fehlenden Zugang zu Eigenkapital liegt. Auf Platz zwei liegt mit 51 % die unterschätzte Vorlaufzeit bis zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Unklare Vorstellungen zur Marktumsetzung der Geschäftsidee scheinen mit 47 % die drittgrößte Hürde zu sein. Genau diese Kombination aus langer Vorlaufzeit und unsicherer Marktsituation machen laut DIHK-Gründerreport innovative Gründungen schwer kalkulierbar für eine Fremdfinanzierung durch die Bank.

Doch auch Investoren lassen sich nicht leichter überzeugen. Insbesondere gut qualifizierte Gründer müssen sich besser auf den sogenannten Elevator Pitch vorbereiten, um die eigenen Marktkenntnisse unter Beweis zu stellen und die Geschäftsidee an Investoren „verkaufen“ zu können.

DIHK-Gruenderreport zum Gründungsgeschehen 2013

Ausblick 2014: IHKs vorsichtig optimistisch

Wenn es um das Gründungsgeschehen im Jahr 2014 geht, sehen 24 % der IHK Berater einen Anstieg in Bezug auf das Gründungsinteresse in ihrer Region. 67 % gehen von einer Stagnation und 9 % von einem noch weiteren Rückgang aus. Damit blicken die IHK Mitarbeiter optimistischer voraus als im Jahr zuvor. Wenn man bedenkt, auf welchem Tief sich das Gründungsgeschehen in Deutschland jedoch befindet, dann kann es eigentlich nur aufwärts gehen – oder?

Was ist nötig für eine neue Gründerzeit?

Insgesamt zehn Empfehlungen stellt der DIHK-Gründerreport auf, um eine „Neue Gründerzeit“ einzuläuten. Unter anderem wird empfohlen, Maßnahmen zur Linderung der Doppelbesteuerung für Investoren einzuführen. Notwendig sei dies, damit sich mehr ausländische Investoren trauen, Investitionen in Deutschland zu tätigen, ohne eine zusätzliche Besteuerung von hier erzielten Beteiligungsgewinnen fürchten zu müssen. Das Resultat sei die Aktivierung von mehr Wagniskapital – insbesondere aus dem Ausland. Eine weitere Forderung hierzu bezieht sich auf ein Steuerrecht, das einen unbegrenzten Vortrag von Verlusten vorsieht.

Eine weitere allgemeine Empfehlung richtet sich an die Förderung arbeitsloser Gründer. Die Unterstützung solle um Darlehen für Gründer aus der Arbeitslosigkeit ergänzt werden. Denn der Kreis der Gründungswilligen mit einer Chance auf den Gründungszuschuss sei auf Personen beschränkt, die nicht in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis überführt werden können. Durch eine anteilige Umstellung der Förderung arbeitsloser Gründer auf Darlehensbasis können laut DIHK-Gründerreport Mitnahmeeffekte verhindert werden. Eine Option liefere der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW, der sich anbiete, um ein Fenster für Gründer aus der Arbeitslosigkeit zu öffnen.

Eine andere Empfehlung aus dem DIHK-Gründerreport fokussiert Coaching-Programme. Hier wird gefordert, dass die Programme der Länder und das Bundesprogramm Gründercoaching Deutschland unter Beteiligung der IHKs fortgeführt werden. Da mit der anteiligen Förderung von Gründercoachings Anreize für Existenzgründer geschaffen werden, sich während der Gründungsphase von einem Berater begleiten zu lassen. Weitere Empfehlungen sind u.a.:

  • One-Stop-Shops für Gründer – natürlich unter Beteiligung der IHKs
  • Mentoring Programme ausbauen
  • Ein positiveres Bild von Unternehmertum in Politik und Verwaltung
  • Infrastruktur für Gründer verbessern (z.B. Gründerzentren, Inkubatoren, Technologieparks)

Die zehnte und letzte Empfehlung im DIHK-Gründerreport 2014 beschäftigt sich ausgiebig mit einigen Vorschlägen zum Bürokratieabbau für Existenzgründer in Deutschland. Gewünscht sind:

  • eine vierteljährliche (statt monatliche) Umsatzsteuervoranmeldung
  • Abschaffung des EÜR-Formulars
  • steuerliche Erhöhung der Kleinunternehmergrenze
  • Vereinfachung der Gründung von zu Hause aus
  • Bestandsschutz für Genehmigungen
  • vereinfachter Betriebsübergang
  • Befreiung von unverhältnismäßigen Belastungen in kommunalen Satzungen
  • Möglichkeit zur bundesweiten Gewerbeanmeldung in den IHKs

Was ist von den IHK-Empfehlungen zu halten?

Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, dass der DIHK eine neue Gründerzeit fordert. Aufgrund der seit Jahren rückläufigen Zahlen kommt die Forderung aber auch etwas zu spät. Und auf der anderen Seite hat der DIHK bei den einschneidenden Maßnahmen in Bezug auf den Gründungszuschuss im Jahr 2011 zurückgehalten. Und die restriktivere Vergabe des Gründungszuschusses ist auch ein Grund für das rückläufige Gründungsgeschehen.

Kritisch sehen wir auch den Wunsch des DIHK die Rolle der IHKs im Gründungsprozess weiter auszubauen und noch stärker zu institutionalisieren. Insbesondere im Beratungsprozess würden dann IHKs massiv in das Marktgeschehen eingreifen und den Wettbewerb der Gründercoaches weiter verzerren. Freie Berufe und das Handwerk sind auf der anderen Seite im DIHK Gründerreport ausgeblendet, was einer breit angelegten neuen Gründerzeit widerspricht.

In Bezug auf den Abbau bürokratischer Schranken gibt es sicherlich Regelungen, die nicht unbedingt sein müssen. Der Vorgang einer Gewerbeanmeldung dürfte aber keinen Gründer vor zu große Herausforderungen stellen. Ein Eingreifen der IHKs ist hier nicht nötig. Außerdem geben wir zu bedenken, dass auch die Zwangsmitgliedschaft in der IHK eine bürokratische Hürde ist und für viele Gründer direkt Kosten verursacht.

Die IHKs dienen als Anlaufstelle für kurze Fragen und zur Orientierung bei der Existenzgründung – darauf sollte auch in Zukunft die Rolle der IHKs beschränkt sein. Gründercoaches und andere auf die Existenzgründung spezialisierte Initiativen sollten im fairen Wettbewerb weiterhin die Hauptrolle bei der Begleitung von Gründern einnehmen.

  • Den vollständigen DIHK-Gründerreport 2014 können Sie hier herunterladen.