Craft Spirits: gegen langweiligen Einheitsschnapps



In einer Zeit beherrscht von multinationalen Spirituosenkonzernen, die sich eine Traditionsmarke nach der anderen einverleiben, entsteht eine Gegenbewegung zur Massenware aus dem Schnapsregal. Deren Mitglieder nennen ihre Destillate Craft Spirits und beziehen sich damit auf ihre handwerkliche Herangehensweise und die hohen Qualitätsansprüchen bei der Auswahl der Rohstoffe und der Herstellung ihrer Produkte.

Vom Feld ins Glas heißt ihr Motto, denn sie beschäftigen sich von der Ernte der meist regionalen Rohstoffe über die Gärung und der Destillation bis hin zu den meist liebevollen Flaschendesigns und Etikettierungen mit allen Schritten der Produktion. Die geringen Ausbringungsmengen der Kleinbrennanlagen bieten den Machern von Craft Spirits reichlich Raum für ihre Experimentierfreude, die zu Kreationen mit einer starken regionalen Identität führen, wie einem preisgekrönten Gin aus Kräutern des Schwarzwalds (Monkey47) oder einem Wodka, der nach deutschem Reinheitsgebot aus Hopfen, Biogetreide und Quellwasser besteht (Monaco Vodka by Munich Distillers).

craft spirits

Seinen Ursprung hat die Craft Spirits Bewegung im Oligopol der amerikanischen Bier- und Spirituosenhersteller. Nach Lockerung der strengen Gesetzeslage in einigen US-Staaten begannen experimentierfreudige Gastronomen Spirituosen für ihre eigenen Lokale zu brennen. Mittlerweile hat sich daraus eine lebendige Szene entwickelt, die unter Experten viel Anerkennung erfahren hat und hin und wieder alteingesessene Konzerne bei Spirituosenwettbewerben auf die hinteren Ränge verbannen konnte. Eine Entwicklung, die selbst Branchenriese Diageo (17 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2013) nicht ignorieren kann. Um an der Innovationskraft der Craft Spirit Start-ups teilnehmen zu können, legte das Londoner Unternehmen im Januar dieses Jahres einen eigenen Accelerator auf und unterstützt seither fünf junge Spirituosen Start-ups mit knapp 200.000 Euro.

Zwar ist das Brennen von Spirituosen in Deutschland stark reglementiert und für Privatpersonen verboten, aber wer gewerblich brennen möchte, die notwendigen Genehmigungen beim Zollamt beantragt und einen niedrigen fünfstelligen Betrag für eine Einsteigeranlage übrig hat, dem steht einer eigenen Schnapsbrennerei nichts im Wege. Und so findet auch in Deutschland, wo vor allem im Süden mit seinen feinen Kräuterlikören und Obstbränden eine lange Brennereitradition vorherrscht, die Craft Spirit Szene immer mehr Anklang. Die interessantesten Emporkömmlinge unter diesen, stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

Monkey 47: Der Gin mit der Geheimwaffe

Monkey 47 ist ein Gin, der aus genau 47 natürlichen Zutaten hergestellt wird und 47 % Alkohol enthält. 2011 konnte Monkey 47 beim internationalen Wein- und Spirituosenwettbewerb in London eine Goldmedaille erlangen. Warum gerade ein Vertreter aus dem Schwarzwald die Konkurrenz aus dem Heimatland des Gins übertrumpfen konnte? Die Macher des Monkey 47 führen da das besonders weiche Wasser aus der eigenen Quelle, die Fülle an besonders aromatischen pflanzlichen Zutaten wie Fichtensprossen, Hagebuttenschalen und Goldmelisse sowie die Verwendung von Preiselbeeren als „Geheimwaffe“ an. Monkey 47 ist in Feinkostläden wie dem Berliner KaDeWe oder dem Münchner Käfer und im Internet erhältlich.

Munich Distillers: der Tradition verbunden

Die Munich Distillers haben mitten in Schwabing eine eigene Wodka Destillerie mit angeschlossener Bar eröffnet. In alter Münchner Gasthausbrauereitradition steht die Brennanlage im Gastraum und macht dem Kunden so die Produktion begreiflich – bisher ein einmaliges Konzept in Deutschland. Und auch sonst setzen die Munich Distillers auf heimische Tradition, indem sie das deutsche Reinheitsgebot auf die Wodkaherstellung übertragen. 2013 konnten die jungen Schnapsbrenner aus München bereits 9.000 Flaschen über den Einzelhandel und die eigene Bar absetzen. Darüber hinaus bieten die Munich Distillers auch den einzigen in Deutschland hergestellten Rum an.

Finanziert haben sich Munich Distillers übrigens auch mit einem Crowdinvesting auf der Plattform Mashup Finance: lesen Sie mehr in einem Interview.

DAS KORN

Bei der Destillation von DAS KORN in einer kleinen landwirtschaftlichen Brennerei werden genau drei, eigens für diesen Zweck angebaute, Weizensorten verwendet. Den Machern von DAS KORN ging es darum ein hochwertiges Produkt herzustellen, das kaum noch etwas mit dem Korn aus dem Supermarktregal zu tun hat, was sich unter anderem in einer Ehrung durch das Fachmagazin Mixology und einer Zertifizierung des Vereins Slow Food niederschlägt. Bei der Herstellung wird ausnahmslos Weizen aus eigenem Anbau verwendet und die Schlempe, das stark eiweißhaltige Restmaterial, das nach dem Destillationsprozess übrig bleibt, in der eigenen Rinderzucht wieder verwendet. Eine mehrfache und fraktionierte Destillation sowie Kohlefilterung sollen einen hohen Reinheitsgrad garantieren. Hinter DAS KORN steht der Berliner Künstler Theo Ligthart.

Vodrock – Bio-Vodka aus Bayern

Der echt bayerische Wodka Vodrock möchte durch ein besonders reines und mildes Geschmackserlebnis punkten. Dazu nutzen sie das selbstbenannte Awaloff-Verfahren. Dieses beschreiben die Macher von Vodrock wie folgt:

Ein 4%-iges Gemisch aus biologisch gewonnenem Alkohol und reinem bayerischen Quellwasser wird erhitzt, bis es vaporisiert. In der Dampfphase vereinigen sich Wasser und Alkohol noch besser, und die Alkoholkonzentration wird auf 40 % Vol. gesteigert.

Dazu kommen Nuancen von Büffelgras, Bisamkorn und Zitrone. Ob Vodrock deswegen wirklich so rein und mild schmeckt wie der Kuss einer Jungfrau, muss der Kunde selbst probieren. Das 2013 gegründete Spirituosen Start-up vertreibt seine Kreation über den Online-Einzelhandel.

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