Start-ups dominieren den Fernbusmarkt



Am 1. Januar 2013 begann mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes der Kampf um Fahrgäste und Marktanteile. War bis dato die Einrichtung einer Fernbuslinie zum Schutze der Eisenbahn nur im Ausnahmefall möglich, konkurrieren nur ein Jahr später knapp 2.500 verschiedene Linien und über 40 (Fern)busunternehmen miteinander. Ein Jahr später dominieren nicht große Player wie die Deutsche Bahn oder ADAC/Deutsche Post den Markt sondern junge Start-ups, die clever das Risiko von großen Investitionen umschiffen.

Jeden Montag stellen wir Ihnen interessante Geschäftsideen vor. Dies setzen wir auch im neuen Gründerjahr 2014 fort (Rückblick auf die meistgelesenen Ideen 2013). Den Anfang macht eine noch junge Branche, die vor einem Jahr Flügel verliehen bekommen hat und trotzdem auf dem Boden – bzw. der Straße bleibt.

Genau vor einem Jahr endete eine noch aus den Zeiten vor der Bundesrepublik stammende Schutzklausel für die Deutsche Bahn, die es Busunternehmern nur im Ausnahmefall erlaubte Fernbuslinien einzurichten. Nur da wo keine direkte Konkurrenz zu Eisenbahnverbindungen bestand, durften Fernbusse verkehren. Unter der Marke Berlin Linienbus war die Deutsche Bahn bis 2012 aufgrund einer Sondergenehmigung für den Fernverkehr aus dem Nachkriegsberlin über Jahrzehnte Quasimonopolist im Fernbusmarkt. Doch diese starke Ausgangsposition reichte der Bahn nicht, um nach der Öffnung für den Wettbewerb die Oberhand zu behalten.

Flix Fernbus ab Frankfurt (Quelle flixbus.de)
Flix Fernbus ab Frankfurt (Quelle flixbus.de)

Wie die Zahlen einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer belegen, dominieren Start-ups den Fernbusverkehr, allen voran die Berliner von MeinFernbus mit einem Marktanteil von knapp 40%. Eine Marktanalyse des Onlineportals busliniensuche.de sieht die beiden Start-ups MeinFernbus und FlixBus sogar auf Platz eins und zwei bei den Online-Buchungen. Daneben können nur noch die Bahn, ADAC/Post und city2go die Tochter des britischen Busriesens National Express nennenswerte Marktanteile auf sich vereinen.

Die Marktanteile im Fernbusmarkt Quelle Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer
Die Marktanteile im Fernbusmarkt Quelle Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer

Der Fernbusmarkt entwickelt sich rasant. Konnte der Kunde zu Beginn des Jahres 2013 aus 1.540 wöchentlichen Fahrten auswählen, sind es dem Marktforschungsunternehmen IGES zu Folge mittlerweile über 5.100, ein Zuwachs um 230%. Langfristig könnten sogar 10% des gesamten Verkehrsaufkommens in Deutschland auf Fernbusse entfallen. Das Marktvolumen wird auf 300 bis 600 Millionen Euro geschätzt.

Die Deutsche Bahn war von dem Boom der Fernbuslinien überrascht. Während die junge Konkurrenz in neue Linien investierte, blieb das Staatsunternehmen bisher defensiv. Die Gründe für den Erfolg der Branche liegen jedoch auf der Hand. Zum einen verbinden die Fernbuslinien häufig mittelgroße Städte, die bisher nur umständlich mit der Bahn zu erreichen sind, zum anderen sind die Busse im Durchschnitt deutlich günstiger als Auto oder Schiene. Ein Beispiel ist die Strecke Freiburg – München. Bei MeinFernbus.de kostet eine Fahrt aktuell 25,50 Euro, bei der Bahn ist selbst mit einer Bahncard mindestens das Doppelte fällig. Wer allerdings sparen möchte, muss auch geduldig sein. Die Fahrtzeiten sind im Vergleich zum ICE deutlich höher, wie ein Verkehrsmittelvergleich des Onlineportals Busliniensuche.de zeigt. Das Angebot richtet sich also vorwiegend an eine preissensitive Klientel wie Studenten und Rentner.

Was den Erfolg von MeinFernbus und FlixBus ausmacht

Neben den Ablegern großer Konzerne wie dem ADAC Postbus, dem Intercity Bus der Bahn und city2go agieren insbesondere zwei junge Start-ups erfolgreich auf dem Fernbusmarkt. Kurz vor der Liberalisierung des Fernbusmarktes gegründet, haben es sowohl MeinFernbus als auch Flixbus in kürzester Zeit geschafft ein deutschlandweites Fernbusnetz aufzubauen. Allein MeinFernbus hatte 2013 über 2,5 Millionen Fahrgäste befördert. Punkten kann das Berliner Unternehmen durch kostenfreies W-Lan für die Reisenden, Fahrradmitnahme und Steckdosen in jeder Sitzreihe. Auch Flixbus setzt auf ähnliche Komfortmerkmale. Man versucht sich vor allem über den Preis gegenüber anderen Verkehrsmitteln wie der Bahn und Mitfahrgelegenheiten zu positionieren.

MeinFernbus Gründer Panya Putsathit und Torben Greve (c) der fotoladen
MeinFernbus Gründer Panya Putsathit und Torben Greve (c) der fotoladen

MeinFernbus startete zu Beginn mit 30 Bussen. Mittlerweile bedienen die Berliner mit insgesamt 151 Fahrzeugen 126 Städte deutschlandweit. Auch das Start-up Flixbus, das Februar 2013 seine erste Fahrt absolviert hatte, legte ein beeindruckendes Wachstum hin und bietet mittlerweile über 600 Verbindungen täglich an. Ermöglicht wurde diese Expansion beider Unternehmen durch eine schlanke Unternehmensstruktur und die Kooperation mit mittelständischen Busunternehmern. Eine eigene Busflotte zu betreiben, erfordert hohe Investitionen in Fahrzeuge und Personal. Durch die Zusammenarbeit entfallen diese und jeder kann sich auf das konzentrieren, was er am besten kann. Die Busunternehmer sorgen für den reibungslosen Betrieb der Linien, FlixBus und MeinFernbus dafür, dass die Busse auch mit Gästen ausgelastet sind. Neben zusätzlichen Aufträgen profitieren die Flottenbetreiber von dem bundesweiten Marketingauftritt der beiden Start-ups.

Genau in dieser Flexibilität der beiden Start-ups könnte das Geheimnis des Erfolges liegen. Während die Konzerne noch das Risiko scheuen hohe Beträge in den noch jungen Markt zu investieren, können MeinFernbus und FlixBus mit Hilfe ihrer Partner frühzeitig mit dem Markt wachsen und sich so Marktanteile sichern. Mittlerweile seien alle Metropolen miteinander verbunden, verkündeten unisono beide Unternehmen am Ende letzten Jahres. In Zukunft soll das Netz weiter verdichtet werden und Umsteigeverbindungen eingerichtet werden. So können dann ähnlich wie bei der Bahn auch kleinere Städte abseits der Hauptachsen bedient werden. Weitere Informationen finden Sie in der bdo Studie zum Fernbusmarkt sowie auf den Unternehmensseiten von FlixBus und MeinFernbus.

Auf Für-Gründer.de finden Sie zudem alle weiteren Geschäftsideen, die wir bisher vorgestellt haben.

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