Erfolg durch Abo-Commerce: drei beispielhafte Konzepte



Was haben Socken, Hundefutter und Tampons gemeinsam? Diese Produkte können mittlerweile alle online per Abonnement bezogen werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern häufig auch noch Geld. Die Verkäufer wiederum freuen sich über eine langfristige Kundenbindung und regelmäßige Einnahmen. Mit dem sogenannten Abo-Commerce ist ein Shopping Trend aus den USA zu uns herübergeschwappt. Wir analysieren die Vor- und Nachteile und zeigen Ihnen interessante Beispiele für die Umsetzung dieser Geschäftsidee.

Was macht Abo-Commerce aus?

Unter Abo-Commerce versteht man Geschäftsmodelle, die sich auf die kontinuierliche Belieferung mit Waren und Dienstleistungen spezialisiert haben. Das Prinzip, das man vom Zeitschriftenabonnement her kennt, erfährt in jüngster Zeit eine Renaissance und wird auf zahlreiche weitere Gebiete ausgeweitet. Im Prinzip eignen sich alle Verbrauchsgüter, mit denen sich der Verbraucher in regelmäßigen Abständen eindeckt.

Die Vielfalt an Abo-Commerce Modellen reicht von Beauty Boxen, Spielboxen für Kinder, Rasierklingen, Nahrungsergänzung für Sportler, Socken oder Lebensmitteln mit passendem Rezept bis hin zu Kondomen und Tampons. Selbst den Weg zum Bäcker kann man sich mittlerweile sparen und sich bequem jeden morgen Brötchen per Abo zum Frühstück liefern lassen.

Der Brötchenbursche bringt ihnen frische Brötchen an den Frühstückstisch
Der Brötchenbursche bringt Ihnen frische Brötchen an den Frühstückstisch (Quelle Brötchenbursche.de)

Beim Abo-Commerce unterscheidet man zwei unterschiedliche Modelle:

  • Beim klassischen Abonnement erhält der Kunde einen Artikel in regelmäßigen Intervallen, meistens zu einem vergünstigten Preis gegenüber dem Einzelkauf. Im Gegenzug legt er sich auf eine Mindestvertragslaufzeit fest. Dieses Modell ist insbesondere bei Presseerzeugnissen und Onlineportalen verbreitet.
  • Da sich viele Kunden vor einer langfristigen Bindung scheuen, ist bei vielen Abo-Commerce Start-ups das Soft Subscription Modell beliebt. Der Kunde profitiert weiterhin von der regelmäßigen Belieferung, genießt aber gleichzeitig maximale Flexibilität durch kurze Kündigungsfristen und die Möglichkeit, den Umfang und Inhalt des Abonnements während der Laufzeit individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Durch den einfacheren Einstieg können neue Abonnenten leichter akquiriert werden.
  • Darüber hinaus gibt es produktbezogene Abo-Commerce Modelle, bei denen der Kunde vorher genau festlegt, welche Artikel er geliefert haben möchte sowie themenbezogene Abonnements, die den Kunden immer wieder aufs Neue überraschen möchten.

Nachfolgend stellen wir Ihnen konkrete Modelle von Start-ups für Abo-Commerce vor:

Mornin‘ Glory: nie wieder stumpfe Klingen vor einem Date

Die Geschäftsidee Mornin’ Glory versendet ab 1,50 Euro Rasierklingen per Post und zwar versandkostenfrei und jederzeit kündbar. Durch den Verzicht auf teures Marketing und durch das Ausschalten von Zwischenhändlern kann Mornin’ Glory seine Klingen besonders günstig anbieten. Diese werden in den USA hergestellt und sollen in Ausführung und Qualität den Marktführern in nichts nachstehen.

Mornin' Glory Gründer Fabio Paltenghi und Nicolas Stoetter
Mornin‘ Glory Gründer Fabio Paltenghi und Nicolas Stoetter

Beim Verpackungsdesign achtete Mornin’ Glory darauf, dass diese in jeden herkömmlichen Briefkasten passt. Der Kunde erspart sich durch das Abo-Commerce Modell den Gang zum Supermarkt und hat jederzeit immer frische Klingen parat. Mit einem europaweiten Marktvolumen von 2,6 Milliarden Euro hat sich Mornin’ Glory eine umsatzstarke Nische ausgesucht.

Vom Erfolg des Abo-Commerce Unternehmens sind bereits einige Investoren überzeugt. Die Geschäftsidee Mornin’ Glory konnte bereits eine sechsstellige Finanzierung realisieren und beschäftigt zwölf Mitarbeiter in Berlin. Für dieses Jahr sind eine Internationalisierung und die Einführung weiterer Pflegeprodukte geplant. Mehr zu Mornin’ Glory erfahren Sie hier.

Loot Crate: das Überraschungsei für Große (Kinder)

Neben Abo-Commerce Modellen wie Mornin’ Glory bei denen der Kunde bereits im Voraus genau festlegt, was er haben möchte, gibt es andere Geschäftsideen, die mit einem Überraschungseffekt aufwarten. Ein Beispiel dafür ist Loot Crate, der beliebtesten Abo-Commerce Geschäftsidee in den USA. Gegründet an einem Start-up Wochenende in Los Angeles konnte die Idee bereits 50 Abonnenten innerhalb von nur 5 Stunden für sich gewinnen. Ein Jahr später versendet Loot Crate über 20.000 Boxen monatlich per Abo.

Die Septemberausgabe von Loot Crate rund um den Videospielehelden Super Mario (Quelle Lootcrate.com)
Die Septemberausgabe von Loot Crate rund um den Videospielehelden Super Mario (Quelle Lootcrate.com)

Jede Box von Loot Crate enthält 6 bis 8 Gegenstände zu einem bestimmten Thema aus der Computerspiele- und Comicwelt. Der Inhalt dieser Boxen bleibt bis zur Lieferung unter Verschluss. Die Boxen können T-Shirts, Stickers und sonstigen Nerd-Schnickschnack enthalten. Die Idee erinnert stark an die YPS bzw. Micky Maus Hefte aus vergangenen Tagen.

Die Überraschungsboxen von Loot Crate werden flexibel monatsweise oder mit Preisnachlass für drei oder sechs Monate auf dem amerikanischen Markt angeboten und kosten 13,37 US-Dollar pro Box.

Einen vergleichbaren Abo-Commerce Ansatz verfolgt auch das deutsche Start-up Wummelkiste, über das wir bereits letztes Jahr berichteten. Bei Wummelkiste erhalten Eltern monatlich eine Überraschungsbox für ihre Kinder, gefüllt mit Spielen und Bastelanleitungen zu einem bestimmten Thema. Die Geschäftsidee Wummelkiste nimmt so den Eltern die Suche nach neuen Ideen ab und versorgt die Kinder mit pädagogisch sinnvollen Spielsachen.

Wie Sommelier Privé ihren Online-Shop mit Abo-Commerce erweitern

Auch Betreiber von klassischen Online-Shops können vom Abo-Commerce profitieren. Ein Beispiel hierfür ist die Geschäftsidee Sommelier Privé. Bei diesem Weinhändler können die Produkte zum einen spontan im Online-Store gekauft werden. Darüber hinaus kann sich ein Kunde aber auch auf Wunsch seine Lieblingsweine regelmäßig nach Hause liefern lassen. Man erhält ein Paket aus drei Weinen und profitiert von Rabatten gegenüber dem Einzelkauf. Es fallen dabei keine Versandkosten an und die Lieferung kann jederzeit auf Wunsch eingestellt werden. Für Sommelier Privé lohnt sich dieses Angebot, denn einmal akquiriert wird der Kunde langfristig gehalten.

Beim Abo-Commerce spart der Kunde Zeit und Geld, der Betreiber Akquisekosten für neue Kunden. Abo-Commerce hilft aber auch beim Kampf mit der Konkurrenz. Ist beim klassischen Online-Shop der Wettbewerber nur einen Klick entfernt, kann man sich beim Abo-Commerce Modell seinem Kunden für längere Zeit sicher sein. Wie die Geschäftsideen Mornin‘ Glory, Loot Crate und Sommelier Privé zeigen, sind die Einsatzmöglichkeiten beim Abo-Commerce vielfältig. Vielleicht finden Sie ja auch für Ihre Branche ein passendes Modell.

Lesen Sie mehr zu Abo-Commerce in unserem Interview mit dem Abo-Commerce Experten Dr. Ricco Deutscher.

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