Tipps von Gründern für Gründer: Erfahrungen kompakt



Im Rahmen der wöchentlichen Gründerstory interessiert sich Für-Gründer.de nicht nur für die Geschäftsidee der Jungunternehmer, sondern möchte auch erfahren, welche persönlichen Erfahrungen die Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit machten. Die Einzelunternehmer und Gründerteams erzählten offen über ihre Schwierigkeiten und Erfolge und gaben angehenden Gründern Tipps mit auf den Weg.

Die Gründung eines Start-ups ist kein Zuckerschlecken, vielmehr jagt eine Aufgabe die nächste. Dabei können sich die zu nehmenden Hürden ganz unterschiedlich gestalten. Während die einen sich noch fragen, ob sie der Gründung per se überhaupt gewachsen sind, grübeln andere schon, wie sie die neue Finanzierungsrunde meistern. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit macht jeder Gründer also seine eigenen Erfahrungen. Denn gründen bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Kraft zu sammeln, andere zu überzeugen und den Mut nicht zu verlieren. Wir stellen einige Gründer vor, die sich ihren persönlichen und unternehmerischen Herausforderungen stellten und diese meisterten.

Timo Switalla von WELLTHY: „Die Selbstreflektion ist sehr wichtig.“

Ziel der Geschäftsidee von WELLTHY ist es, Menschen dazu zu befähigen, im urbanen Großstadtdschungel gesund und fit zu leben. Dabei stehen oft die folgenden drei Probleme im Weg: Zeit, Wissen und Geld. Dieses Problem möchte WELLTHY in den drei Bereichen: Body (Fitness), Food (Ernährung) und Mind (Wissen) mit Bodyweight-Training, einer Vitalstoffküche und Workshops lösen.

Die größte Überwindung war für Timo Switalla von WELLTHY der Ausstieg aus dem sicheren Beruf für die Selbstständigkeit. Das Geld wurde wieder knapper, der Kühlschrank leerer und die Arbeit mehr – und das „im etwas höheren Alter“. Gleichzeitig erforderte dieser Schritt viel Kraft und neue Motivation, um Investoren zu gewinnen. Dieser Weg in die Selbstständigkeit sei lang gewesen, gelang letztendlich aber. Sein Rat an andere mit einem Gründungsvorhaben fordert zur Überlegung auf, ob man ein Unternehmertyp ist:

Die Selbstreflektion ist sehr wichtig. Zudem sollte man sich selbst fragen, ob man der Typ ist, der mit Zukunftsängsten und leerem Kühlschrank durch die Welt gehen und zusätzlich natürlich auch andere bewegen und motivieren kann. Authentizität ist ein wesentliches Element, denn nur wenn ich für die Idee brenne, kann ich auch andere überzeugen.

Leetchi, Wellthy, ecotastic
Oben links: Celine Lazorthes von Leetchi.com
Unten links: Die Gründer von ecotastic: Fabian, Anna und Ralf (v.l.n.r.; Foto: M. Jacob)
Rechts: Timo Switalla, Geschäftsführer und Gründer von WELLTHY

Céline Lazorthes von Leetchi: „Sich mit positiv denkenden Menschen umgeben.“

Die Gründerin Céline Lazorthes von Leetchi.com war zum Zeitpunkt der Gründung 26 Jahre alt. Die Geschäftsidee entstand noch an der Uni. Damals sei sie für die Organisation des Kennenlern-Wochenendes zuständig gewesen. Sie legte Geld für Kommilitonen aus und musste allen mit einer Excel-Tabelle hinterherlaufen.

Von manchen habe ich das Geld bis heute nicht wieder erhalten. Also dachte ich mir, dass es doch einen Onlineservice geben muss, der das Einsammeln von Geld in einer Gruppe erleichtert.

Als Frau in der wohl eher männerdominierten Gründerszene erfuhr sie Vor- und Nachteile. Insbesondere die Finanzbranche sei sehr männerdominiert und als junge Frau, sagt sie, wird man oftmals belächelt. Allerdings dürfe man sich davon nicht unterkriegen lassen, auch wenn die Existenzgründung nicht immer ein Spaziergang sei. Ihr Tipp an angehende Entrepreneure bezieht sich auf die Motivation:

Es ist besonders wichtig, sich mit positiv denkenden Menschen zu umgeben, die ebenso an das Unternehmen glauben wie man selbst. Das gilt für Mitarbeiter ebenso wie für Business Angels und Investoren. Dafür ist es essentiell, ein positives Arbeitsklima zu schaffen, etwa in Form von flexiblen Arbeitszeiten, regelmäßigen Team-Abenden oder auch gemeinsamen Ausflügen.

Yann Girard: „Sicherlich ist ein Businessplan hilfreich, aber ich brauche ihn nicht“.

Yann Girard ist Autor des Buches The Perfectly Executed Startup und teilte mit uns seine spannende Auffassung von der Art und Weise, wie heutzutage an das Thema der Unternehmensgründung herangegangen werde. Denn heute sei es seiner Ansicht nach nicht mehr so relevant, erst den Businessplan zu konkretisieren, um dann auf Investorensuche zu gehen. Vielmehr werde der Markt vom Kunden gelenkt, sodass man zuerst sein Produkt bzw. seine Dienstleistung anbieten könne, um erst einmal zu erfahren, ob überhaupt eine Nachfrage besteht. Hierfür sei kein konkreter Businessplan notwendig:

Einen Businessplan für eine Idee zu schreiben, die noch nicht von den Nachfragern als echtes Bedürfnis bestätigt wurde, halte ich vor allem zu Beginn der Gründung für überflüssig. Sicherlich ist ein Businessplan hilfreich, um das Umfeld und den Markt besser zu verstehen und um sich Gedanken über die mögliche Richtung des Unternehmens zu machen, aber ich „brauche” ihn nicht dafür.

Stattdessen rät Girard Gründern, sich nicht von Anfang an auf eine einzige Idee zu versteifen, die am Ende eventuell scheitert. Hierfür würden Gründer monate- oder jahrelang an einem Produkt arbeiten und viel Zeit und Geld investieren, ohne zu wissen, ob das Geschäftsmodell am Markt funktioniert und von Kunden nachgefragt wird.

Gründungsinteressierte sollten mehrere Ideen einmal am Markt testen. Dies ließe sich heutzutage unkompliziert und kostengünstig mithilfe von Facebook, Google Werbung und Landing Pages realisieren. Durch großflächiges Marketing bekomme der Gründer einen besseren Gesamteindruck und einen adäquaten Querschnitt über den gesamten Markt.

Matthias Ehinger von perceptos: „Nicht im Elfenbeinturm entwickeln.“

Matthias Ehinger von perceptos stellte sich der Herausforderung, die Bewerbung um ein Förderstipendium in Form eines Businessplans zu formulieren. Dabei musste das Gründerteam die Aufgabe bewältigen, die Software IdeaClouds auf nur einer halben Seite zu beschreiben. Genau hier steckt eine hervorragende Übung, um den Kern der Geschäftsidee prägnant auf den Punkt zu bringen und in kürzester Zeit Dritte vom Konzept zu überzeugen.

IdeaClouds ist eine Software zur Ideenfindung, wobei Mitarbeiter aller Abteilungen und Standorte, Stakeholder, Partner und Kunden online einbezogen werden können. Unternehmen können in den virtuellen IdeaClouds-Meetings flexibel über 40 Kreativitätstechniken im Team einsetzen. Für den Start mit einem eigenen Unternehmen rät der Gründer die kundennahe Entwicklung des Produkts bzw. der Dienstleistung:

Nicht im Elfenbeinturm entwickeln, sondern das Produkt so schnell wie möglich an den Kunden herantragen und viel Feedback einholen. Am besten allen erzählen, was man macht. Ehrlich mit seinen Fähigkeiten und seinen Herausforderungen umgehen. Nicht zu sehr auf andere hören, sondern vor allem an sich, das Team und seine Ideen glauben.

Kinematics, Yann Girard, viality
Oben: Kinematics-Gründer Dr. Matthias Bürger, Christian Guder und Leonhard Oschütz
Unten links: Yann Girard; Unten rechts: viality-Gründer Markus Rall

button_weiter_lesen

Auf der zweiten Seite erfahren Sie von Dr. Matthias Bürger von Kinematics, welche Rolle „ein BWLer“ im Team spielt, warum Bert Szilagyi von movinary von voreiliger Mitarbeitersuche abrät, wie Fabian Lindenberg von ecotastic kämpft, wie Markus Rall von viality im Austausch mit anderen Gründern Kosten spart und wodurch sich für Waldemar Wunder von Codeatelier Gründerpotenzial auszeichnet.