Stickerei goes Web: der Stickvogel piept auch bei Butlers



In Zeiten von technologieorientierten Start-ups, die hauptsächlich im IT-Bereich arbeiten, klingt die Idee eine Stickerei zu gründen zunächst nicht sonderlich zukunftsweisend. Wie Stickvogel aus dem alten Handwerk der „Stickerei“ aber ein völlig neues Geschäftsmodell, das den Nerv der Zeit trifft, mit Erfolg entwickelt, erklärt uns Gründer Philip Siefer in der heutigen Gründerstory.  

Personalisierte Gegenstände und Kleidung bekommen in Zeiten von Massenabfertigung einen immer höheren Stellenwert. Individualität und Eigenverwirklichung sind im 21. Jahrhundert präsenter denn je. Mit Stickvogel und ihrer Individualisierungs-Komplett-Lösung krempeln Philip Siefer und sein Team den Online-Markt um und setzen dabei seit 2011 neben Bestickung auch auf Gravuren und Leinwanddruck für den Kunden.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Siefer, Sticken als Geschäftsidee klingt zunächst nicht nach dem besten Weg ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen – Sie haben es dennoch getan – und zwar bereits vor über 10 Jahren. Wie ist es dazu gekommen?

Philip Siefer von Stickvogel: Als Kind habe ich ein mit meinem Namen besticktes Handtuch von meiner Oma geschenkt bekommen. Das war mein erster Kontakt mit Personalisierung. Irgendwann hatte ich dann Kontakt zu einer Stickerei. Und während meines Studiums an der Technischen Universität Ilmenau gründete ich zusammen mit meinem Kommilitonen Stephan Schröder mit einer einzigen Stickmaschine eine Stickerei.

Philip Siefer Stickvogel
Der Gründer von Stickvogel Philip Siefer.

Wir hatten uns das Ziel gesetzt, Stickvogel als moderne und schicke Stickerei zu etablieren. Das klappte gut. Es wurden immer mehr Aufträge. Vor allem lokale Unternehmen, Vereine und die Uni zählten in der Anfangszeit zu unseren Kunden. Bald kamen Live-Stickaktionen bei Breuninger und Ikea dazu.

Wir stellten uns mit einer Stickmaschine in die Textilabteilung und bestickten nach Kundenwünschen direkt vor Ort. Unser Service war so beliebt, dass wir schon bald zehn Ikea-Filialen deutschlandweit mit Personal und Maschinen bestückten. Auf diese Weise wurde auch das Unternehmen Butlers auf uns aufmerksam.

Wir entwickelten für Butlers den Online-Personalisierungsservice und transferierten so unser handwerkliches Geschäft ins Internet mit Konfigurator-Frontend, Backoffice, Hosting und Produktion. Alles aus einer Hand. 2011 erfolgte die Neugründung als GmbH und wir fokussierten uns auf den B2B-Bereich.

Für-Gründer.de: Und wo stehen Sie heute – vielleicht können Sie uns auch einen Einblick in einige Kennzahlen von Stickvogel geben?

Philip Siefer von Stickvogel: Anfang 2013 haben wir unser neues Nest in einer Loftetage in Berlin-Kreuzberg bezogen. Hier haben wir viel Platz um kreativ zu sein und zu wachsen.

Aktuell beschäftigen wir zehn Mitarbeiter. Außerdem haben wir eine Produktion in Neuss bei Düsseldorf, wo wir alle Personalisierungen produzieren. Wir besitzen zur Zeit 20 Stickmaschinen. Letztes Jahr haben wir einen Umsatz von 250.000 Euro erreicht, unser Ziel für dieses Jahr sind 500.000 Euro. Der Stickvogel-Service ist derzeit bei sieben Partnern in fünf verschiedenen Ländern online. Gerade schließen wir zwei amerikanische Webshops an. Es bleibt spannend!

Team Stickvogel
Das Team von Stickvogel.

Für-Gründer.de: Wie ist das Geschäftsmodell derzeit ausgerichtet und wie haben Sie Stickvogel positioniert?

Philip Siefer von Stickvogel: Wir leben von Set-up-Gebühren, Hosting und einem bestimmten Preis pro Datei bzw. Produktion der Personalisierungen. Manche Partner haben bereits eigene Maschinen, wofür wir die passende Datei liefern. Andere sourcen Bestickung, Gravur oder Druck an uns aus. Dieser Vorgang ist hoch automatisiert und kann deshalb lokal stattfinden.

Für-Gründer.de: Welche Zielgruppe haben Sie und wie machen Sie die Akquise?

Philip Siefer von Stickvogel: Unser Tool kann in mehreren Sprachen benutzt werden. Zu unserer Zielgruppe zählen demnach grundsätzlich alle Webshops weltweit, die personalisierbare Produkte z. B. Textilien, Schmuck oder Glas anbieten. Wir sind online in Deutschland, Österreich, Spanien, UK und Brasilien.

Es gibt eine hohe Nachfrage nach unserem Service, weswegen wir bisher kaum aktiv akquirieren mussten. Ein gutes Produkt spricht eben für sich. Deshalb arbeiten wir unnachgiebig daran, unsere Lösung noch besser zu machen. Außerdem stellen wir uns gerne einfach mit einer Stickmaschine auf eine Konferenz und zeigen live, wie unsere Lösung funktioniert. Das wirkt!

Stickvogel Beispiel
Eine beispielhafte Bestickung von Stickvogel im Butlers Webshop

Für-Gründer.de: Was waren die entscheidenden Meilensteine in den letzten Jahren bei der Unternehmensentwicklung?

Philip Siefer von Stickvogel: 2011 gründeten wir die GmbH und akquirierten mit Butlers unseren ersten großen Kunden. Bereits in diesem Jahr zählten wir zu den wichtigsten Köpfen der europäischen Digital-Industrie und reisten mit einer Delegation und Wirtschaftsminister nach Israel. Außerdem hatten wir einen Fernsehauftritt bei QVC, einen großen Artikel in der FAZ und gewannen mit Adidas einen der größten Textilhersteller weltweit.

Für-Gründer.de: Wie haben Sie das Unternehmen bisher finanziert?

Philip Siefer von Stickvogel: Zur Gründung bekamen wir eine Seed-Finanzierung unseres Partners Butlers. Seitdem finanzieren wir unser Wachstum aus dem Umsatz. Bootstrapping ist für unseren Erfolg sehr wichtig.

Für-Gründer.de: Mit Butlers haben Sie gleichzeitig einen Kunden und sicherlich strategisch-orientierten Investor – wie funktioniert dies?

Philip Siefer von Stickvogel: Hervorragend! Wir haben ein sehr gutes und professionelles Verhältnis zu Butlers. Wir können dabei viel lernen. Durch gegenseitiges Vertrauen haben wir alle Freiheiten unser Produkt weiter zu entwickeln.

Für-Gründer.de: Wir haben ja bereits von einiger Zeit über den Onlineshop Silberäffchen berichtet – den Sie auch betreiben – hier geht es um individuelle Gravuren. Ist dies eine Erweiterung des Portfolios oder wo geht hier die Reise hin?

Philip Siefer von Stickvogel: Der Onlineshop silberäffchen.de ist ein Nebenprojekt. Er war als Testumgebung für unser Magento-Plug-in geplant. Wir hatten aber so viel Spaß daran, dass wir Ende 2012 damit live gegangen sind.

Wir haben uns mit Silberwaren bewusst eine Nische ausgewählt, um nicht mit aktuellen und potentiellen Partnern zu konkurrieren. Wir haben mit dem Shop sehr viel über E-Commerce gelernt und können dort neue und innovative Updates unseres Konfigurators testen. Das Silberäffchen schwingt in eine goldene Zukunft. Es wird in Zukunft neue Artikel geben. Schöne Dinge! Und auch Leckeres! Es ist aber alles noch geheim.

Stickvogel Maschinen
Die Zahl der Stickmaschinen bei Stickvogel ist über die Jahre stetig gewachsen.

Für-Gründer.de: Was sind die nächsten Schritte in der Unternehmensentwicklung von Stickvogel?

Philip Siefer von Stickvogel:

Wir wollen die weltweit beste Lösung für Personalisierung entwickeln. In diesem Jahr werden noch drei weitere, große Partner integriert. Nächstes Jahr bringen wir unser Tool auf das nächste Level und werden einige Neuerungen integrieren.

Außerdem arbeiten wir an einem Projekt mit dem Namen D.A. Dabei geht es um vollflächig bedruckte Pullover und T-Shirts. Dabei ist es möglich ein eigenes Foto auf die Textilien zu drucken. Ganz easy, mit drei Klicks. Personalisierte, komplett bedruckte Pullover sind eine Weltneuheit.

Für-Gründer.de: Wenn Sie auf Ihre doch schon recht lange Zeit als Unternehmer zurückblicken: was waren die wertvollsten Erfahrungen, die Sie mit jungen Gründern teilen möchten?

Philip Siefer von Stickvogel:

Nehmt es mit Humor! Lasst Euch nicht verunsichern, Glück und Durchhaltevermögen entscheiden am Ende – glaube ich.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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