Gründerstorys… heute mit Georg Hansbauer von Testbirds



Viele Gründer spezialisieren sich in der IT- und Technikbranche auf Apps für den Gebrauch zu Hause oder unterwegs. Dabei müssen sich die Entwickler immer wieder der Aufgabe stellen, eine benutzerfreundliche und funktionierende Software marktreif zu gestalten. Um etwaige Fehler oder Unstimmigkeiten zu erkennen, sind eine Reihe von Tests notwendig. Das Team hinter Testbirds hat dabei die Crowd als Tester entdeckt. Was im Detail dahinter steckt, wer die Kunden von Testbirds sind und welche Finanzierungen das Team bereits genutzt hat, erklärt Georg Hansbauer in unserer heutigen Gründerstory. 

Um in der mittlerweile kaum noch überschaubaren Anzahl von Applikationen (allein Apples App Store hat über 845.000 – Stand: Mai 2013) nicht in der Masse unterzugehen, ist es wichtig Software anzubieten, die fehlerfrei ihre Dienste verrichtet. Bei Bugs oder häufigen Abstürzen wird die App vom Nutzer meist wieder deinstalliert. Möchte ein Entwickler das verhindern, ist eine ausgiebige Testphase vonnöten, um sicherzustellen alle etwaigen Probleme gelöst zu haben. Testbirds erweiterte das altbewährte Team von Testern innerhalb des Unternehmens zur Crowd, die diese Tests durchführt.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Hansbauer, was macht Testbirds und wie sind Sie auf die Idee gekommen? 

Georg Hansbauer von Testbirds: Testbirds testet crowdbasiert Apps und Webseiten auf Usability (Benutzerfreundlichkeit) und Bugs (Fehler) und nennt das Crowdtesting. Mit diesem Ansatz ergänzen wir die vorhandenen Softwaretestingmethoden sinnvoll. Denn welcher Entwickler weiß schon, was die Nutzer wollen und hat alle gängigen Endgeräte zur Verfügung? Auf Fragen wie diese geben wir mit unserer Crowd passende Antworten.

Auf unserer Plattform sind momentan mehrere tausend Tester vom Studenten über die Hausfrau bis hin zum zertifizierten Softwaretester registriert. Unsere Crowd verfügt über die verschiedensten Geräte mit unterschiedlichen Softwarekombinationen. Unsere Birds, so nennen wir unsere Tester, prüfen mit ihren eigenen Geräten Apps und Webseiten auf Herz und Nieren. Wir, genauer unsere Projektmanager, werten dieses Feedback aus. In einem Abschlussgespräch erhält der Kunde sowohl ein Management Summary mit allen wichtigen und relevanten Testdaten als auch konkrete Handlungsempfehlungen zur Optimierung seiner Anwendung. Soweit in aller Kürze was Testbirds macht.

Und wie wir vor fast zwei Jahren auf die Idee gekommen sind? Philipp und ich hatten damals verschiedene Ideen, alle rund um Softwaretesting und Crowdsourcing, so kamen wir auf Crowdtesting.

Team Testbirds
Das Team von Testbirds: Markus Steinhauser, Georg Hansbauer und Philipp Benkler (v.l.n.r.)

Für-Gründer.de: Welches Spektrum bieten Sie beim Testen von Webseiten und Apps im Detail an?

Georg Hansbauer von Testbirds: Das Spektrum beim crowdbasierten Softwaretesting reicht vom rein technisch-orientierten Finden funktionaler Fehler mit vorgegebenen Testcases über offene User Experience Studien, die zur marketing-orientierten Qualitätssicherung von Software zählen, bis hin zu einer Kombination aus beiden. Zusätzlich bieten wir ein Bug Approval an. Das heißt, identifizierte Fehler werden von anderen Testern auf deren Systemen nachgestellt, um festzustellen, ob Bugs generell auftreten oder nur in bestimmten Systemkonstellationen, auf bestimmtem Geräten oder bestimmten Testumgebungen.

Kein Test ist letztlich wie der andere, in der Gestaltung von Projekten sind wir sehr flexibel und konnten bisher jeden Kundenwunsch ermöglichen – unabhängig davon, ob er vom Softwareentwickler selbst, dem Geschäftsführer oder dem Marketingverantwortlichen kam.

Für-Gründer.de: Wie wählen Sie Ihre Tester aus der Crowd aus und gewährleisten, dass diese auch gut arbeiten?

Georg Hansbauer von Testbirds: Die Birds wählen wir nach den Kundenanforderungen anhand bestimmter Kriterien wie Alter, Geschlecht, Interessen und natürlich den zur Verfügung stehenden bzw. geforderten Testgeräten aus. Nach der Registrierung auf unserer Plattform, legen die Birds zunächst ein ausführliches Nutzerprofil an und absolvieren im Anschluss einen sogenannten Einstiegstest. Dabei handelt es sich um einen Test ohne Kundenauftrag, der aber vom Aufbau und Ablauf einem echten Testprojekt in kleinerem Umfang gleicht. So lernen die neuen Birds kennen, worauf es bei einem Test ankommt, wie man einen Testreport verfasst und Screenshots bzw. Screencasts hochlädt. Erst nach bestandenem Einstiegstest werden unsere Tester Kundenaufträgen zugeteilt.

Unsere Projektmanager überprüfen jeden Testbericht auf Vollständigkeit. Fehlen „Belege” wie Screenshots bzw. Screencasts oder kann ein Schritt nicht nachvollzogen werden, muss der Tester nachjustieren ehe sein Test akzeptiert wird. So gewährleisten wir, dass unsere Tester gut arbeiten. Außerdem erhalten die Birds für erfolgreiche Tests in einem internen Bewertungssystem Erfahrungspunkte – das motiviert sie zusätzlich.

Für-Gründer.de: Wo liegen häufig besonders schwerwiegende Probleme, die durch das Testen ausfindig gemacht werden?

Georg Hansbauer von Testbirds: Generell werden durch das Testen verschiedenste Fehler ausfindig gemacht. Häufig kommt es zu Kompatibilitätsfehlern und Abstürzen bei bestimmten Vorgängen. Grundsätzlich muss man bei Fehlern zwischen Web und mobile sowie zwischen Usability und Bugs unterscheiden.

Als einen schwerwiegenden Fehler würde ich im Webbereich den Bezahlvorgang in Shops nennen, hier kommt es häufig zu Schwierigkeiten. Bei mobilen Anwendungen crashen die Apps häufig ohne erkennbaren Grund für den Nutzer. Passiert das zum wiederholten Male ist es wahrscheinlich, dass die App deinstalliert wird. Beiden Problemen können wir crowdbasiert auf den Grund gehen.

Für-Gründer.de: Wer gehört zu Ihren Kunden und mit welchen Kosten muss man als Unternehmen mindestens rechnen, um Ihre Dienste nutzen zu können?

Georg Hansbauer von Testbirds: Zu unseren Kunden zählen Unternehmen aus allen Branchen, denn welche Firma hat heute keine Webseite oder App? Neben Unternehmen aus der Verlagsbranche wie sueddeutsche.de oder der WELT-Gruppe, zählt der Versicherungskonzern die Allianz ebenso zu unseren Kunden wie andere innovative Start-ups. Die Kosten für ein Projekt hängen stark vom Testsetup ab und liegen im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Für-Gründer.de: Sie sind nach eigenen Angaben Marktführer in der DACH-Region – wie unterscheiden Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Georg Hansbauer von Testbirds:

Wir haben uns auf ein qualitativ hochwertiges und flexibles Crowdtesting spezialisiert und uns innerhalb von 18 Monaten im deutschsprachigen Raum etabliert. Geht nicht, gibt’s nicht bei Testbirds.

Für-Gründer.de: Sie haben zum Start das Exist-Gründerstipendium erhalten – wo lagen neben der finanziellen Unterstützung die größten Vorteile des Programms?

Georg Hansbauer von Testbirds: Das Exist-Gründerstipendium war in vielerlei Hinsicht wertvoll, neben der materiellen war es die ideelle Unterstützung, die uns in den ersten Monaten half.

Auf der Website von Testbirds kann sich jeder anmelden und einen Test absolvieren, um selbst Tester zu werden. (Quelle: testbirds.de)

Für-Gründer.de: Eine erste siebenstellige Finanzierung haben Sie über das Netzwerk evobis erhalten – wie lief dies konkret ab?

Georg Hansbauer von Testbirds: Evobis ist eine Institution für Gründer im Raum München und in Südbayern. Das Netzwerk hat uns geholfen relativ schnell einen geeigneten Investor zu finden. Konkret haben wir an diversen Finanzierungsevents speziell für IT-Unternehmen teilgenommen. Dort stellt man sich und seine Idee vor. So haben wir dann auch unseren Investor kennengelernt.

Für-Gründer.de: Sind Sie derzeit auf der Suche nach weiteren Investoren?

Georg Hansbauer von Testbirds: Nein. Ziel ist es möglichst bald den Break-Even zu erreichen – viel fehlt dazu nicht mehr.

Für-Gründer.de: Was sind im Rückblick die größten Hürden beim Aufbau von Testbirds gewesen?

Georg Hansbauer von Testbirds:

Die größte Herausforderung war und ist es das Prinzip Crowdtesting und Testbirds in der Masse bekannt zu machen. Dazu ist es entscheidend gute und motivierte Mitarbeiter an Bord zu haben.

Für-Gründer.de: Sie nehmen gerade die Expansion ins Ausland vor – was sind dabei die wesentlichen Herausforderungen und wo soll die Reise in den nächsten 2 Jahren hingehen?

Georg Hansbauer von Testbirds: Wir haben die Expansion ins Ausland sehr gut und genau vorbereitet. Zu den eben genannten Herausforderungen, geht es im Wesentlichen darum, die kulturellen Besonderheiten zu berücksichtigen.

Wo die Reise in den nächsten zwei Jahren hingehen soll? Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Wir wollen unser starkes Wachstum beibehalten und neue Märkte erschließen – man darf also gespannt sein wohin wir fliegen. Neben dem Erfolg, darf aber auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen!

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Interviews finden Sie unter „Gründer stellen sich vor”.

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