KfW Gründungsmonitor 2013: Deutschland gehen die Gründer aus



Alljährlich erscheint der KfW Gründungsmonitor. Nach ein paar Terminverschiebungen war es dann auch dieses Jahr soweit und der KfW Gründungsmonitor 2013 wurde ausführlich auf einer Pressekonferenz in den Räumen der KfW durch Herrn Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, vorgestellt. Insgesamt ist Fakt: Deutschland wird immer weniger zum Gründerland – 775.000 Gründer im Jahr 2012 bedeuten einen neuen Tiefststand. Und eine Besserung ist nicht in Sicht – während unser Bundeswirtschaftsminister Herr Rösler durch das Silicon Valley twittert.

„Gründungsgeschehen auf dem Tiefpunkt – kein Anstieg in Sicht“ so lautet der Titel für den KfW Gründungsmonitor 2013. Dabei stellt sich zumindest die Frage, ob zunächst der Rückgang langsam gestoppt werden kann, bevor man wieder von einem Anstieg sprechen sollte. Schließlich ist 2012 das 3. Jahr in Folge in dem die Zahl der Gründungen gesunken ist. 2010 waren es nämlich noch 941.000 Gründer, 2011 dann 835.000 und nun stehen wir bei 775.000 Gründern. Dabei ist vor allem der Anteil der Vollerwerbsgründer spürbar abgefallen. 2012 lag er bei 41 %, nach 45 % im Vorjahr. Einzig die Zahl der Nebenerwerbsgründer stieg geringfügig auf 460.000 nach 454.000 im Jahr 2011. Als Hauptgründe für den Rückgang benennt der KfW Gründungsmonitor 2013

  • die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt,
  • die fehlende Sogwirkung aus der nachlassenden konjunkturellen Entwicklung sowie
  • „die Neuordnung der Förderung der Selbstständigkeit durch die Bundesagentur für Arbeit“ – gemeint ist hier der Gründungszuschuss, wobei dies eine sehr beschönigende Beschreibung ist – de facto wurde die Vergabe des Gründungszuschusses beinahe eingestellt. 2012 fiel die Zahl der Gründer aus der Arbeitslosigkeit insgesamt um 32 % geringer als 2011 aus.

Die nachfolgende Grafik zeigt den deutlich negativen Trend bei den Gründungen in Deutschland:

 

Zahlen KfW Gruendungsmonitor 2013
(Quelle KfW Gründungsmonitor 2013 – Zahlen der Vorjahre teilweise statistisch angepasst)

Dementsprechend erreicht auch die Gründerquote einen neuen Tiefstwert von 1,5 % in Deutschland, nachdem sie 2011 noch bei 1,62 % lag. Im Durchschnitt der letzten 6 Jahre belegen ganz klar die Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen die vorderen Plätze in Bezug auf die Gründungsintensität. Bei den Flächenländern liegen Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg vorne, gefolgt von Hessen, NRW und Bayern. Die hinteren Plätze belegen Sachsen-Anhalt, das Saarland und Brandenburg.

Zudem zeigt der KfW Gründungsmonitor 2013 auf, dass Gründer seit ein paar Jahren verstärkt Gründungshemmnisse wahrnehmen. Dazu zählen vor allem bürokratische Hürden und finanzielle Risiken sowie Finanzierungschwierigkeiten. Auch die Vorteile einer abhängigen Beschäftigung werden stärker wahrgenommen und reduzieren damit den Willen zu gründen. Ein wichtiges Thema bei den Gründungshemmnissen ist auch die hohe Belastung für die Familie – allerdings ist dieser Faktor in den letzten Jahren eher konstant geblieben.

 

KfW Gruendungsmonitor 2013
Präsentation zum KfW Gründungsmonitor 2013

Weniger Gründungen = weniger neue Arbeitsplätze

Die Beschäftigungseffekte, die aus den Gründungsaktivitäten resultieren, fielen 2012 auf den niedrigsten Wert seit 2005. So betrug 2012 die Zahl der Arbeitsplätze für Mitarbeiter bei den neu gegründeten Unternehmen 171.000. Berücksichtigt man dabei noch die Neugründer ergab sich 2012 insgesamt ein Bruttobeschäftigungseffekt von 383.000. Im Vergleich zu 2011 ist dies ein Rückgang um 14 %.

Neue Daten im KfW Gründungsmonitor 2013

Der KfW Gründungsmonitor 2013 zeigte eine Vielzahl an neuen interessanten Daten zum Gründungsgeschehen.

  • 7 Monate von der Idee zum Start: das ist die durchschnittliche Vorbereitungszeit von Gründern auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Allerdings realisieren gut 50 % der Gründer die Idee in maximal 3 Monaten – somit wird der Gesamtwert von einigen Langzeitplanern verzerrt. Bei Vollerwerbsgründern dauert es in der Regel länger als bei Gründern im Nebenerwerb. Und im Vergleich zwischen Mann und Frau, zeigt sich eine längere Planungsphase bei Frauen – getreu dem Motto gut geplant ist halb gegründet.
  • Die Zeit der intensiven Gründungsvorbereitung (Optimierung der Idee, Businessplan, Behördengänge) beträgt jedoch durchschnittlich nur 2,5 Monate. Auch hier sind 56 % der Gründer innerhalb eines Monats durch.
  • 48 Stunden-Woche: auf diese Zahl kommen Vollerwerbsgründer in Deutschland – im Vergleich zur durchschnittlichen 38 Stunden-Woche in der Bevölkerung. Interessanterweise liegt der Wert bei Frauen bei 45,5 Stunden – sie arbeiten also scheinbar effizienter als Männer, die auf 49,4 Stunden kommen.
  • Selbstständige verdienen im Schnitt mehr: die höheren Einkommensklassen ab 2.500 € Nettohaushaltseinkommen im Monat weisen bei Gründern und Selbstständigen einen größeren Anteil als bei Arbeitnehmern auf. Zudem berichteten 42 % der Gründer des Jahres 2012 von einer verbesserten Einkommenssituation im Vergleich zu vor der Selbstständigkeit.

Merkmale der Gründer

Der KfW Gründungsmonitor 2013 zeigt zudem auch zahlreiche persönliche Merkmale der Gründer im Vergleich:

  • Nur knapp 39 % der Gründer sind weiblich, während ihr Anteil in der Bevölkerung bei 49,4 % liegt. Im Nebenerwerb ist die Quote deutlich höher und erreicht zumindest knapp 44 %.
  • Die meisten Gründer sind zwischen 25 und 34 Jahre alt. Hier beträgt der Anteil etwas über 29 %, während die Altersgruppe nur 19 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Unterrepräsentiert sind Gründer dann ab 45 Jahren und aufwärts.
  • Gründer aus der Universität sind mit knapp 17 % vertreten obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur 9,6 % beträgt. Bei einem Großteil der Gründer besteht eine Lehre oder Berufsfachschule (49 %).
  • 81 % der Gründer hatten schon immer die deutsche Staatsbürgerschaft. Knapp 6 % der Gründer haben diese per Einbürgerung erhalten. Ebenfalls rund 6 % der Gründer stammen aus dem EU-Ausland und 7 % aus anderen Ländern.

Weitere Ergebnisse aus dem KfW Gründungsmonitor 2013 im Überblick:

  • Etwas über 75 % der Gründungen erfolgten als Neugründung, 14 % entfielen auf eine Beteiligung und nur 10 % der Gründer starteten im Rahmen einer Unternehmensnachfolge in die Selbstständigkeit.
  • Beliebte Branchen für die Gründung: Gründungen im Dienstleistungssektor machen weiterhin den größten Anteil der Gründungen aus. So waren es 2012 29 % in den persönlichen Dienstleistungen und 26 % in den wirtschaftlichen Dienstleistungen. Auf Platz 3 folgen Gründungen im Handel mit 18 %.
  • Keine Marktneuheit für den Start nötig: Beim Start in die Selbstständigkeit ist der Erfolg nicht nur für die innovativsten Gründer reserviert. So starteten laut KfW Gründungsmonitor 2013 82 % der Gründer ohne Marktneuheit. 10 % wiesen eine regionale Marktneuheit auf. Nur 8 % der Gründer gingen mit einer deutschland- oder weltweiten Markneuheit an den Start.
  • Sologründer in der Mehrzahl: Gründungen im Team machen 18 % der Gründungen aus – 82 % der Gründer wagen alleine den Schritt in die Selbstständigkeit. 15 % gründen alleine aber stellen Mitarbeiter ein.
  • 31 % verschwinden vom Markt: Nach drei Jahren sind 31 % der Gründungsvorhaben wieder vom Markt verschwunden.

Finanzierungsbedarf der Gründer

Nur 8 % der Gründer gaben im KfW Gründungsmonitor 2013 an, keinen Bedarf an Sachmitteln oder finanziellen Mitteln für Ihre Gründung zu haben. 25 % der Gründer kamen nach eigenen Angaben mit Sachmitteln aus. Rund 2/3 benötigten auch finanzielle Mittel für die Gründung. Von diesen gaben knapp 67 % an, nur eigene Finanzmittel verwenden zu wollen. 31 % wollten zur Deckung auch auf externe Mittel zurückgreifen.

Laut KfW Gründungsmonitor 2013 geht der Großteil der Gründer weiterhin zunächst von einem geringen Kapitalbedarf aus. Bei Gründern, die auf eigene Mittel setzen, kalkulieren 67 % mit einem Betrag zwischen 1 und 5.000 €. 22 % sehen Ihren Kapitalbedarf zwischen 5.000 und 25.000 €. 3 % gehen von einem Finanzbedarf über 100.000 € aus. Bei Gründern, die auch auf externe Mittel zurückgreifen wollen, sieht dies etwas anders aus: 29 % gehen von 1 bis 5.000 € aus. 47 % planen mit 5.000 bis 25.000 €. 11 % schätzen das Finanzierungsvolumen auf über 100.000 €.

Darlehen und Geschenke von Verwandten und Freunden stellen mit 34 % die häufigste externe Finanzierungsquelle dar. Damit wurde das Bankdarlehen abgelöst, das jetzt nur noch auf 30 % kommt. Der Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit beläuft sich auf 24 %, Förderkredite erreichten 20 %. Der Kontokorrentkredit lag bei 10 %.

20 % der Gründer berichteten im KfW Gründungsmonitor 2013 von Finanzierungsschwierigkeiten – das ist mehr als im Vorjahr. Als Hauptgründe wurden mit knapp 64 % nicht ausreichende eigene Mittel genannt. 48 % nannten Probleme bei der Bankfinanzierung, bei 15 % ergaben sich die Schwierigkeiten daraus, den Zuschuss der Bundesagentur nicht erhalten zu haben. 12 % waren nicht erfolgreich bei öffentlichen Förderkrediten.

Was motiviert Gründer?

Gefragt nach der Motivation für ihre Gründung nannten die Gründer im KfW Gründungsmonitor 2013:

  • “Ausnutzung einer Geschäftsidee” 46,6 %
  • “fehlende Erwerbsalternative” 30,4 %
  • die weiteren gut 23 % entfallen auf verschiedene Motive wie Selbstverwirklichung oder monetäre Gründe.

Ausblick 2013 – Gründerland quo vadis…

Der KfW Gründungsmonitor 2013 kommt zu folgendem Schluss: „Im laufenden Jahr dürfte eine spürbare Belebung der Gründungsaktivitäten ausbleiben“. Dies ist natürlich fatal, denn wie die KfW auch feststellt, fehlen der Volkswirtschaft Impulse für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Zudem sind auch die Beschäftigungseffekte seit Jahren rückläufig. Den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler scheint dies nicht weiter zu tangieren. Auf der Twitter-Seite des BMWi findet man seit dem 19. Mai lediglich neue Statusmeldungen zum Aufenthalt des Ministers im Silicon Valley. Dies passt ins Bild der letzten Monate, in denen sich Herr Rösler aber auch die Kanzlerin gern mit trendigen Start-ups in Berlin ablichten ließen. Natürlich sind diese Start-ups auch wichtig – aber sie haben in der Regel eher weniger Probleme und bilden nicht das breite Rückgrat im Gründungsgeschehen. Dies sollten sich die handelnden Politiker angesichts der alarmierenden Entwicklungen, wie sie im KfW Gründungsreport 2013 dargestellt werden, bewußt machen. Dementsprechend hat auch der KfW Gründungsmonitor ein paar Handlungsempfehlungen parat:

  • Beim Gründungszuschuss soll die Politik flexibel reagieren – wenn die Arbeitslosigkeit wieder zunehmen sollte. Das ist aus unserer Sicht nicht konsequent zu Ende gedacht – der Gründungszuschuss sollte auch in Zeiten eines guten Arbeitsmarktes die Gründung aus der Arbeitslosigkeit fördern und damit antizyklisch wirken.
  • Weiterhin fordert die KfW allen Gründern den Zugang zu Förderprogrammen zu ermöglichen – vor allem für kleine Finanzierungen. Dies können wir nur unterstreichen – hier kann die Politik doch bestimmt auch noch verstärkt Akzente setzen, wie sie es ja gerade beim Investitionszuschuss getan hat.
  • Der administrative Gründungsprozess sollte weiter gestrafft und informative Online-Angebote ausgebaut werden: wir arbeiten mit Für-Gründer.de täglich daran.
  • Zudem spricht sich die KfW dafür aus, Unternehmerkompetenz bei Jugendlichen zu stärken, um die Selbstständigkeit als gleichwertiges Angebot neben der abhängigen Beschäftigung zu etablieren.

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