Unternehmensnachfolge in der Praxis

Der Weg in die Selbstständigkeit ist auch per Unternehmensnachfolge möglich. So stehen in den kommenden Jahren zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen vor der Aufgabe, einen passenden Nachfolger zu finden.

Das nachfolgende Beispiel zum mittelständischen Unternehmen Böck Silosysteme verdeutlicht aus Sicht des Nachfolgers und der Berater die wesentlichen Eckpunkte einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge.

Ausgangslage und Motive für die Nachfolge

Die Herausforderung, die kreativen Entscheidungsfreiräume des Unternehmers, Herr im eigenen Haus sein: das sind die Hauptgründe, weswegen Martin Schmitz als Nachfolger in ein mittelständisches Unternehmen eintreten wollte. Eigene Geschäftsideen waren zwar auch vorhanden – reizvoller, als von Null weg ein neues Unternehmen aufzubauen, war dann doch die Perspektive der Übernahme eines bestehenden Unternehmens.

Für diesen engagierten Unternehmer war dies eindeutig die bessere Option - durch die Vielzahl an unternehmerischen Herausforderungen im Rahmen der Übernahme eines etablierten Unternehmens, also eines bereits „pulsierenden" Betriebes. Seine Wahl fiel dann auf das mittelständische Unternehmen Böck Silosysteme GmbH bei dem die ausgeprägten vertrieblichen Stärken und die Managementfähigkeiten des Gründers das bestehende Kompetenzspektrum der Firma in idealer Weise ergänzten.

Herr Schmitz erwies sich auch für die Eheleute Böck, die das Unternehmen über Jahre erfolgreich aufgebaut hatten, als der optimale Nachfolger, um „ihr Kind" auf Kurs zu halten und erfolgreich weiterzuentwickeln. Dazu gehörte für das Unternehmerehepaar Böck auch die Sicherung der Arbeitsplätze, die diesem sehr am Herzen lag. Außerdem wuchs der Zeitdruck, da einerseits durch die schon länger andauernde Suche nach einem geeigneten Nachfolger die Verunsicherung in der Belegschaft zunehmend größer wurde und andererseits Umsatz- und Ergebnisentwicklung des Unternehmens bereits rückläufig waren: also sämtlich ernsthafte Warnsignale, die auf eine wohl nachlassende unternehmerische Energie der bisherigen Eigentümer schließen ließen.
 

Der Nachfolger im Gespräch

Für-Gründer.de: Herr Schmitz, geben Sie uns doch bitte einen kurzen Einblick in das Unternehmen Böck Silosysteme?
Martin Schmitz: Die Böck Silosysteme GmbH ist ein Traditionsunternehmen aus Trostberg. Geschäftsgegenstand des 1978 gegründeten Unternehmens ist die Entwicklung, Beratung und der Verkauf von sogenannten Fahrsiloanlagen, dem TraunsteinerSilo®, zur Futterkonservierung für die Landwirtschaft und für Biogasanlagen. Der Fahrsilo-Bau und die Abdeckung von Silage ist unser Hauptgeschäftsfeld, in dem wir international rund 40.000  Endverbraucher, also Landwirte und Biogasanlagenbetreiber, betreuen. Damit gehören wir zu den Marktführern im Bereich Silosysteme.

Für-Gründer.de: Was hat bei Ihnen den Gedanken einer Unternehmensnachfolge aufkommen lassen und was waren die ersten Schritte, die Sie ergriffen haben?
Martin Schmitz: Nach meiner bisherigen Karriere als Geschäftsführer in der Elektrogeräte-Branche wuchs in mir der Wunsch nach unternehmerischer Freiheit und Unabhängigkeit in der Entscheidungsfindung. Als angestellter Geschäftsführer musste ich mich oft dem Willen der Gesellschafter fügen. Ich wollte mich aber lieber in einem gesunden Unternehmen selbst verwirklichen.

Also begann ich mit der Suche nach einem geeigneten Unternehmen. Über IHK/KfW, Unternehmermessen, Unternehmensvermittler und -berater, sogar über Printanzeigen sondierte ich den Markt. Ich wollte möglichst breitgefächert vorgehen, um letztendlich eine passende Firma zu finden. Als ich schließlich über die Nachfolgerbörse „Nexxt-Change" der KfW - in Zusammenarbeit mit den regionalen IHKs betrieben - auf Böck Silosysteme stieß, begann die Phase des gegenseitigen Werbens.

Für-Gründer.de: Im Rahmen einer Unternehmensübernahme sind eine Reihe an Partnern beteiligt – welche Unterstützung war aus Ihrer Sicht besonders wichtig?
Martin Schmitz: Bei der Unternehmenssuche darf man nicht auf sich alleingestellt sein. Ich habe gesehen, wie wichtig – natürlich neben Eigenkapital und Risikobereitschaft – Experten sind. Da man selbst ja nur selten ein Unternehmen übernimmt, trägt gerade das Vorgründungscoaching durch Unternehmensberater wie SimmCon und die Beratung der IHK maßgeblich zum Gelingen der Unternehmensübernahme bei. Ein guter Stand bei der Bank und die Wahl zuverlässiger Anwälte und Steuerberater sind natürlich obligatorisch. Durch meinen äußerst engagierten und gut vernetzten Coach, Herrn Jörg Simm, bekam ich hier gleich von Beginn an ein eingespieltes Team von mit der SimmCon kooperierenden Steuerberatern und Anwälten zur Seite gestellt.

Für-Gründer.de: Kritisch sind bei der Unternehmensnachfolge oftmals die Punkte: was soll das Unternehmen kosten und wie klappt das Zusammenspiel mit dem Alteigentümer. Was waren Ihre Erfahrungen dabei?
Martin Schmitz: Klar, dass jede Partei sich so positiv wie möglich darstellt. Schließlich geht es um ein Unternehmen,  das sowohl für Kaufinteressent als auch Altunternehmer möglichst erfolgreich die Führung wechseln soll. Familie Böck und ich haben uns getroffen und von Anfang an verstanden. Die Phase des Kennenlernens, also die des gegenseitigen Werbens, bezieht sich vor allem auf harte Fakten wie z.B. aktuelle Geschäftszahlen, Mitarbeiterstruktur oder Entwicklungspotenzial. Sobald es aber an die Verhandlungen ging, war die Anspannung bei mir und auch bei den Böcks deutlich zu spüren.

Natürlich kämpfte jeder von uns mit seinen Unsicherheiten. Selbstverständlich hatte ich Verständnis, dass es den Böcks nach über 30 Jahren schwer fiel, die Firma aus der Hand zu geben, musste aber meine Interessen vertreten. Mit den richtigen Beratern an der Hand konnten wir aber zu einer verträglichen Lösung finden, mit der ich und Familie Böck positiv in die Zukunft von Böck Silosysteme blicken können.

Angemerkt sei hierzu, dass die fachlich objektive Bewertung des Unternehmens und die „emotionale" Bewertung seitens desjenigen, der das Unternehmen über Jahre hinweg aufgebaut hat, meist weit auseinanderliegen. Wie auch in unserem Fall. Diese „Lücke“ mit viel Fingerspitzengefühl und viel Geduld im Rahmen oft langwieriger Verhandlungsrunden zu schließen, war daher eine echte Herausforderung, die wir zum Glück mit viel gutem Willen aller Beteiligten gemeistert haben.

Für-Gründer.de: Was möchten Sie anderen Gründern aus Ihrer Erfahrung für die Unternehmensnachfolge mit auf den Weg geben?
Martin Schmitz: Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl, aber nutzen Sie die Beratung durch Experten. Nehmen Sie sich Zeit. Ein bis zwei Jahre kann es dauern, bis aus dem Erstkontakt eine erfolgreiche Übernahme wird. Legen Sie sehr viel Wert und Engagement auf die durchdachte Erstellung der Unternehmensplanung und arbeiten Sie möglichst genau heraus, welche Entwicklung das Unternehmen gerade durch das Einbringen Ihrer eigenen Stärken und Kompetenzschwerpunkte erreichen kann und wie die wesentlichen Unternehmensziele für die Zukunft definiert werden.

Arbeiten Sie wenn möglich erst zumindest einige Wochen im Unternehmen und machen Sie sich einen fundierten Einblick von innen, bevor Sie Ihre endgültige Entscheidung zum Erwerb des Unternehmens treffen. Gerade in meinem Fall war das Entwickeln einer plausiblen Unternehmensperspektive mit dem Businessplan besonders wichtig, um für mich die Angemessenheit des Kaufpreises verifizieren zu können. Denn rein auf Basis der Entwicklung der letzten Geschäftsjahre hätten wir sonst wohl größte Probleme gehabt, ein Einverständnis über den Kaufpreis zu erzielen. Denn schließlich war dir Entwicklung der letzten Jahre nicht gerade positiv.

Seien Sie sich bewusst, dass Sie in der Vorphase – also bis zur definitiven Entscheidung über den Kauf des Unternehmens – erheblich persönlich ins Risiko gehen müssen und einer äußerst unangenehmen Phase der Unsicherheit über Ihre persönliche Zukunft ausgesetzt sind. Zum persönlichen Risiko gehört hier auch, dass eben in dieser Vorphase bereits Kosten anfallen, die zumindest anteilig auch durch Sie zu tragen sind. Im Falle eines Scheiterns der Nachfolge kann das dann einen echten Vermögensverlust bedeuten.

Das liegt zum Glück hinter mir und die Investition hat sich mehr als gelohnt. Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens zu sein und die eigenen Ideen zu verwirklichen, macht ungeheuren Spaß. Vor allem, wenn das Zusammenspiel so gut funktioniert, wie bei Familie Böck und mir.

Unterstützung durch den Berater

Für-Gründer.de: Herr Simm, die Unternehmensnachfolge ist auch ein Weg der Existenzgründung – wo liegen aus Ihrer Sicht die wesentlichen Unterschiede zum Start mit einem „neuen" Unternehmen?

Jörg Simm: Existenzgründer haben durch eine Unternehmensnachfolge die Chance, sofort durchzustarten, ohne Jahre in Aufbau und Planung einer Firma zu investieren. Außerdem muss eben nicht das Rad neu erfunden werden, die Geschäftsidee besteht ja bereits und ist am Markt etabliert. Das Risiko mit der Geschäftsidee zu scheitern ist also deutlich geringer, sofern man sich im Vorfeld umfassend mit der Firma und den eigenen Fähigkeiten auseinandergesetzt hat.

Gerade für einen Gründer mit entsprechenden  Fähigkeiten und Erfahrungen kann die Gründung im Wege Unternehmernachfolge die passendere Variante sein.

Für-Gründer.de: Welche Aufgaben haben Sie bei der Unternehmensnachfolge im Fall der Böck Silosysteme übernommen?
Jörg Simm: Wir haben den Nachfolger, Herrn Martin Schmitz, umfassend beraten und die Übernahme begleitet. Unsere Leistungen begannen mit einer ersten Einschätzung zum von Herrn Schmitz bereits konkret identifizierten Zielunternehmen der Familie Böck und dem Check, wie gut Unternehmen und Nachfolger zusammenpassen. Dann galt es, gemeinsam mit Herrn Schmitz die bisherige Unternehmensentwicklung im Detail zu analysieren, Kostenstrukturen zu prüfen und diese ebenso wie die Geschäftsfelder umsatzseitig auf Optimierungspotentiale abzuklopfen. Darauf aufbauend haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem Gründer eine betriebswirtschaftliche detaillierte Unternehmensplanung erarbeitet und ein umfassendes Unternehmenskonzept in Form des Businessplans erstellt.

Darüber hinaus haben wir den gesamten Verhandlungsprozess moderiert und den Gründer bei der Finanzierung, insbesondere den Bankgesprächen unterstützt. Und wir leiteten die Koordination der Lösung rechtlicher und steuerlicher Problemstellungen mit den ausgewählten Experten.In der Folge haben wir Herrn Schmitz dann auch in der Übergabephase selbst und bis zum heutigen Tage weiter begleitet.

Für-Gründer.de: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensnachfolge?
Jörg Simm: Der Nachfolger sollte sich richtig einschätzen können, Unterstützungsbedarf erkennen und vor allem auch die Möglichkeiten zur Unterstützung ausschöpfen. Eine Unternehmensnachfolge bietet Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, die vielen gar nicht bekannt sind und die nicht ungenutzt bleiben sollten! Startkapital und unternehmerische Fähigkeiten sind Grundvoraussetzungen, ohne die eine Gründung oder Übernahme nicht ablaufen können.

Nachfolger und Alteigentümer sollten mit der Unternehmensnachfolge einen gemeinsamen Weg beschreiten. Dringend empfehlen wir, dass der Alteigentümer den Nachfolger über einen ausreichenden Zeitraum nach erfolgter Übergabe des Unternehmens begleitend unterstützt. Des Weiteren sollte eine oft erforderliche Modernisierung und Neuausrichtung des Unternehmens bereits in der Vorphase der Übernahme gut geplant werden, damit eine erfolgreiche Firma auch erfolgreich bleibt. Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens fordert mindestens ebensoviel Sorgfalt und Planung wie eine Neugründung. Eine gute und frühzeitige Vorbereitung bei der Unternehmensübergabe ist unerlässlich -  so etwas macht man schließlich in der Regel nur einmal im Leben.

Zentrale Bedeutung hat der Kaufpreis. Dieser sollte durch eine fachmännische Unternehmensbewertung objektivierend ermittelt werden. In diesem Fall wurde aufgrund der besonderen Situation eine eher ungewöhnliche Vorgehensweise gewählt d.h. es wurde eben auf die Erstellung einer solchen Unternehmensbewertung auf Wunsch des Gründers verzichtet. Dies war der oben angeführten hohen Emotionalität seitens Alteigentümer Unternehmens geschuldet.  Denn aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre wäre das voraussichtliche Ergebnis der Bewertung aus Sicht des Alteigentümers wohl enttäuschend gewesen und hätte so voraussichtlich die Gefahr einer emotionalen „Verhärtung der Fronten" und damit des Scheiterns der Übernahme heraufbeschworen.

Letztlich war hier eben gerade der Verzicht auf diese Bewertung – so absurd das auch klingen mag – wohl mit ausschlaggebend  für das Gelingen der Unternehmensübernahme. Die Abwägung, ob der Verhandlungsstand zum Kaufpreis auch aus Sicht des Gründers entsprechend akzeptabel ist, wurde daher stattdessen aus der sorgfältig geplanten zukünftigen Entwicklung des Unternehmens abgeleitet und somit kritisch reflektiert, ob auf dieser Basis dem Nachfolger diese Zukunftsoption diesen Preis „wert ist bzw. wert sein sollte".

Der Nachfolgeprozess im Rückblick

Insgesamt war der Verhandlungsprozess phasenweise „ruppig" bis „hochemotional" und erforderte viele kreative Ideen und Fingerspitzengefühl. Damit war er typisch für die Übergabephase kleinerer mittelständischer Unternehmen und damit des Lebenswerkes des Alteigentümers.

Diese Emotionalität mit stoischer Gelassenheit und konsequenter Versachlichung der Argumentation zu kontern, ist wohl auch in vergleichbaren Fällen meist das eigentliche Kunststück, das im Verhandlungsverlauf gelingen muss. Wir sprechen Herrn Schmitz unsere Bewunderung ob seiner Gelassenheit und Geduld im Auf und Ab des Verhandlungsverlaufs ebenso aus, wie ob seiner Konsequenz und Hartnäckigkeit beim Meistern schwieriger Verhandlungssituationen.

Außerdem weisen wir darauf hin, dass das Unternehmen seit Übernahme durch den Nachfolger vor gut einem Jahr eine beeindruckend positive Entwicklung aufweist.

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