Phase zwei bei Science4Life 2016: die besten Ideen aus Biologie und Chemie



Life Sciences umfasst wissenschaftliche Themenfelder rund um Biologie und Chemie, aber auch Bereiche wie Umwelt- und Medizintechnik werden hierzu gezählt. Beim Gründerwettbewerb Science4Life Venture Cup präsentierten sich spannende Geschäftsideen. Darunter ein Stromgenerator in Zuckerwürfelgröße und ein neuartiges Grippemedikament.

 



Gemäß einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte aus dem Jahr 2015 wird Deutschland zukünftig weiterhin zu den größten vier Life Science-Märkten nach den USA, Japan und Frankreich gehören – sicherlich bedingt durch große Konzerne wie Merck oder Bayer. Doch auch in der Welt der Start-ups spielen Life Sciences keine Nebenrolle mehr. So verbuchte die Life Science-Branche in der ersten Jahreshälfte 2015 nach Angaben des Bundesverbands Privater Kapitalgesellschaften Seed-/Start- up oder Later Stage Venture Capital-Investitionen in Höhe von 86,6 Mio. Euro. Mit einem Anteil von knapp 20 % liegen Life Sciences damit an dritter Stelle, nur knapp hinter der Kommunikationstechnologie sowie der Computer/Unterhaltungselektronik. Bei der Zahl der Investments rangieren Life Sciences mit 85 Unternehmen sogar auf Position zwei.

Ideen aus den Life Sciences waren übrigens stark vertreten in den Top 50 Start-ups der Gründerwettbewerbe. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Publikation.

Science4Life Venture Cup fördert Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Der wohl prominenteste Vertreter der Gründerwettbewerbe mit einem Fokus auf Life Sciences dürfte der Science4Life Venture Cup sein. Für die Teilnehmer des Wettbewerbs steht die Entwicklung eines Businessplans im Fokus, der insbesondere Kapitalgeber überzeugen soll. Schließlich ist die Entwicklung von Geschäftsideen im Bereich Life Sciences oft mit hohen Investitionen verbunden. Zusätzlich ermöglicht der Wettbewerb wertvolle Branchenkontakte und schüttete 2015 Gesamtpreisgelder in Höhe von 67.500 Euro aus. Zur Teilnahme aufgerufen sind Gründer mit Ideen aus Feldern wie Biotechnologie, Chemie, Nanotechnologie, Medizintechnik, Pharma oder auch Umwelttechnik.

Konzeptphasengewinner des Science4Life Venture Cups 2016

Der dreistufige Science4Life Venture Cup begleitet Gründerteams von der initialen Geschäftsidee bis zum Pitch vor Investoren. In der ersten Ideenphase geht es darum, aus Forschungserkenntnissen ein wirtschaftlich verwertbares Produkt zu entwickeln. Danach geht es in der zweiten Konzeptphase damit weiter, das Geschäftsmodell zu beschreiben. Nun sind die Gewinner der dieser Konzeptphase bekanntgegeben worden. Wir möchten Ihnen gleich drei davon näher vorstellen.

In der dritten und letzten Phase, die noch bis zum 29. April läuft, können interessierte Teilnehmer den vollständigen Businessplan einreichen.

Konzeptprämierung, Sanofie Gründerinitative, Liefe Sciences, Chemie, Berlin, Hessische Landesvertretretung
Die strahlenden Gewinnerteams der Konzeptphase beim Science4Life Venture Cup (Foto: Science4Life)

otego „erntet” Strom aus der Luft

Glaubt man den Prognosen von Zukunftsforschern werden wir bald von aberhunderten Sensoren in unseren Häusern, Fabriken und Städten umgeben sein: Ein intelligente Thermostat sorgt für eine bequeme und energieeffiziente Beheizung, Erschütterungssensoren schützen vor Einbrechern, durch die Überwachung von Gesundheitsdaten, wie Herzschlag und Blutzucker, wird die Lebensqualität chronisch kranker Menschen verbessert und Gemeinden optimieren durch das kontinuierliches Monitoring von Umweltdaten die Wasser- und Luftqualität.

Das alles soll drahtlos und in Echtzeit geschehen. Ein Problem stellt hierbei die Energieversorgung der Sensoren dar. Das Karlsruher Start-up otego hat einen autarken Stromlieferanten in der Größe eines Stück Würfelzuckers entwickelt. Dieser wandelt selbst kleinste Wärmeunterschiede in Energie um. Damit eignet sich die Lösung von otego beispielsweise für den Einsatz in Smart Homes, wo es den Batterieaustausch der Sensoren überflüssig macht, oder in Bereichen der Industrie 4.0.

otegos kleiner Stromlieferant kann zum Beispiel intelligente Thermostate mit Strom versorgen (Screenshot: otego.de)
otegos kleiner Stromlieferant kann zum Beispiel intelligente Thermostate mit Strom versorgen.

ATRIVA entwickelt Grippekiller

Grippeviren haben eine sehr tückische Eigenschaft. Sie mutieren sehr schnell und entwickeln Resistenzen gegen Impfungen und Medikamente, die sich gegen das Virus richten. Doch sie haben auch eine Schwachstelle. Grippeforscher haben entdeckt, dass der Virus zur Reproduktion auf einen Signalweg der befallenen Zellen setzt, der mit sogenannten MEK-Inhibitoren blockiert werden kann. Dadurch wird die Vermehrung behindert und der Krankheitsverlauf gemildert.

ATRIVA nutzt die Erkenntnisse aus der Forschung für die Entwicklung eines Medikaments. Die neue Therapie hat einen klaren Vorteil: Das Risiko, dass der Virus eine Resistenz entwickeln kann, ist vernachlässigbar, denn er kann die fehlende Funktion der Signalübertragung nicht durch Mutation zurückgewinnen.

MEK-Inhibitoren sind bekannt aus der Krebstherapie und verhindern dort, dass bestimmte Krebsarten unkontrolliert wuchern können. Aufgrund der Erfahrung und zahlreicher Studien über MEK-Inhibitoren sind sich die Gründer gewiss, das neue Medikament in naher Zukunft auf den Markt bringen zu können. Zum Gründerteam gehören renommierte Grippeforscher und erfahrene Manager aus der Pharmaindustrie.

neomicra digitalisiert die Steuerung von Anlagen zur Fertigung von  Sensoren und Mikrochips

Wenn Chip-Hersteller in eine neue Fertigungsstraße investieren, dann verschlingt das schnell einmal mehrere Milliarden Euro. Das Nürnberger Start-up neomicra hat nun ein Fertigungssystem entwickelt, das die Steuerung der Anlagen digitalisiert und so nicht nur fünf Mal präziser und drei Mal schneller als bisherige Lösungen macht, sondern auch noch 15 bis 30 % der Fertigungskosten einspart. Das System soll an Forschungseinrichtungen und Chipproduzenten weltweit verkauft werden. Die Nürnberger sind nicht das erste Mal Gewinner eines Gründerwettbewerbs, sondern dank seiner guten Platzierungen im vergangenen Jahr, Mitglied unserer Top 50 Start-ups.

Steuerungssoftware ersetzt Spezialhardware (Bild: neomicra)
Steuerungssoftware ersetzt Spezialhardware (Bild: neomicra)

Weitere Gewinner beim Science4Life Venture Cup

  • Cyprumed: Mussten Pepitd-Medikamente bisher gespritzt werden, können sie dank eines neuen Herstellungsverfahrens von Cyprumed auch oral eingenommen werden.
  • Dispendix: Kostensparende Technologie zum Dispensieren von Flüssigkeiten im Nanoliterbereich. Zielgruppen sind Pharma- und Biotechunternehmen sowie Forschungslabore.
  • EmaCure: Nutzt patienteneigene Blutzellen zur Produktion von Wundheilungsbotenstoffe, die anschließend auf einen bioaktiven Verband transferiert und dann auf die Wunde platziert werden, um die natürliche Wundheilung einzuleiten.
  • FerroSens: FIDscreen ist ein neuartiges Gerät, das Eisenmangel ohne Blutentnahme feststellt. Eignet sich durch die schmerzfreie Anwendung besonders, um Kinder auf Eisenmangel zu testen.  
  • Ilmsens: Der Flüssigkeitssensor m:liquid dient der Echtzeitüberprüfung von Milchqualität im landwirtschaftlichen Betrieb. Dient zur zielgerichteten Fütterung und der Überprüfung des Gesundheitszustands der Kühe.
  • NanoWire: Neuartige Beschichtungstechnologie mit Nanodrähten sowie selbst entwickelte Sensorsysteme mit Nanodrähten zur Messung von Zellaktivitäten für Bio- und Pharmatechnologie.
  • PreOmics: Leicht anwendbare Lösung für die Lyse, den Proteinverdau und die Peptid-Aufreinigung in einem standardisierten Gefäß, die auch von Nicht-Experten im Rahmen der Forschung und Diagnostik eingesetzt werden kann.

Life Sciences bleiben weiter im Trend

Start-ups mit Geschäftsmodellen aus den Life Science-Bereichen konnten in unserer Gründerwettbewerbsstudie 2015 nicht nur bei den Wettbewerben überzeugen, die einen speziell zugeschnittenen Branchenfokus hatten. Auch bei vielen branchenoffenen Wettbewerben fanden sich viele dieser Konzepte unter den 944 Auszeichnungen wieder. Dieser Trend wird sich aus unserer Sicht im Wettbewerbsjahr 2016 nochmals verstärken. Weiteres erfahren Sie hier.