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Bayerische Geschäftsideen aus der digitalen Medienwelt



Alle reden von Medienkrise und Zeitungssterben. Einige Start-ups machen sich Gedanken um die Nachrichten von morgen. Wie diese aussehen könnten, zeigen die folgenden Geschäftsideen. Mit dabei sind ein individueller Nachrichten-Stream, ein Camping-Blog, ein Hintergrundinformationen-Lieferant und eine Plattform für schwierige Fragen. Neben der thematischen Gemeinsamkeit vereint die vier Medien-Ideen, dass sie aus Bayern kommen.



Streamingangebote wie Spotify, Napster und Co. verdrängen immer mehr das klassische Radio. Statt dem „Besten aus den 80ern, 90ern und von heute“ hört man die neuesten Playlisten und bestimmt selbst über sein Musikprogramm. Da erscheint es nicht weniger sinnvoll zu sein, sich auch die Nachrichten aus aller Welt selbst zusammenzustellen. Genau das macht die App von Soundticker.

Wer sich diese herunterlädt und öffnet, gibt seine Login-Informationen von Spotify an, wählt eine Playlist mit seiner Lieblingsmusik aus und gibt zuletzt an, welche Nachrichtenkategorien von Interesse sind. Daraus erstellt Soundticker ein ausgewogenes Programm, das Nachrichtenbeiträge und Musik miteinander kombiniert, und einen auf den individuellen Geschmack ausgerichteten Radiosender schafft.

Soundticker mischt die Playlist aus Spotify mit Nachrichtenbeiträgen (Bild: Soundticker)
Soundticker mischt die Playlist aus Spotify mit Nachrichtenbeiträgen (Bild: Soundticker)

Media Lab Bayern fördert Zukunftsjournalismus

Gefördert wurde diese Geschäftsidee vom Media Lab Bayern, einem Vorgründungs-Inkubator und Coworking Space für junge Medienunternehmen. Im Rahmen des Founders Fellowships werden Mediengründer sechs Monate lang in den Räumlichkeiten des Media Labs beherbergt und mit finanziellen Mitteln, Beratung und Teilnahmemöglichkeiten bei Workshops unterstützt. Am Ende des halbjährigen Stipendiums steht der Demo-Day, wo die Geschäftsideen vor einem Fachpublikum sowie potenziellen Kapitalgebern vorgestellt werden.

Einen Haken gibt es nicht, denn das Projekt der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien verlangt 0,0 Prozent Anteile von den geförderten Start-ups. Finanziert wird das Ganze vom Bayrischen Wirtschaftsministerium, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Medienbranche von München aus zu modernisieren. Das Media Lab Bayern hat im Sommer 2015 die erste Runde an Teilnehmern aufgenommen. Ein halbes Jahr später stellen sich diese nun mit ihren gereiften Geschäftsideen der Öffentlichkeit vor. Insgesamt haben vier Teams das Programm erfolgreich abgeschlossen. Im Februar ziehen wieder neue Teams ein.

Weitere Geschäftsideen aus der ersten Runde des Media Labs Bayern

CamperStyle ist eine Plattform für Campingbegeisterte. Zielgruppe sind junge Menschen, die mit einer Mischung aus Lifestyle, Praxisberichten, Tutorials und spannenden Geschichten aus der Camperwelt versorgt werden. Das alles wird verpackt in ein ästhetisches Layout, das frisch daherkommt und so das Thema aus der muffeligen Adiletten-Ecke befreit. Die Webseite wird vom Journalistenpärchen Nele und Jalil Landero betrieben, die beide selbst schon mit dem Campingwagen durch 15 Länder gereist sind und den Lesern von CamperStyle „all die Tipps geben möchten, die sie sich selbst als Anfänger gewünscht hätten“.

So sieht laut CamperStyle ein modernes Campermagazin aus (Bild: camperstyle.de)
So sieht laut CamperStyle ein modernes Campermagazin aus (Bild: CamperStyle)

Der Kontext liefert Hintergrundrecherchen

Nachrichtensendungen und -portale überfluten Zuschauer und Sender mit einer Vielzahl immer aktuellerer Meldungen. Im Wettkampf mit sozialen Medien, wie Twitter und Facebook, wo Berichte über die neuesten Ereignisse quasi in Echtzeit ihren Weg um den Globus finden, setzen Journalisten immer häufiger auf unmittelbare Berichterstattung. Was auf der Strecke bleibt, sind die Hintergrundinformationen, denn für ausführliche Recherchen bleibt keine Zeit mehr. Anders ist es beim Onlinemagazin Der Kontext.

Im monatlichen Turnus erscheint eine Ausgabe, die sich einem Oberthema widmet. Die Informationen werden in Form einer Landkarte präsentiert. Die Beiträge, längeren Artikel, kurzen Begriffserläuterungen, Videobeiträge und Interviews werden in Form von Knotenpunkten dargestellt, die durch ein Netz aus Linien miteinander verwoben sind. Die Zusammenhänge werden so schon rein optisch durch die Darstellung des Magazins verdeutlicht. Ein Beispiel liefert die folgende Darstellung zum Thema „Schuldenkrise in Griechenland“.

Aus der Betaversion des Onlinemagazins Der Kontext
Aus der Betaversion des Onlinemagazins Der Kontext (Bild: Der Kontext)

tangnt beantwortet Fragen der Leser

Manchmal liest man einen Artikel zu einem bestimmten Thema und ist danach leider genauso schlau wie vorher. Sind 3D-Drucker wirklich so einfach zu bedienen, wie der Tintenstrahldrucker aus dem Elektromarkt? Was sagen die Ergebnisse des amerikanischen Vorwahlkampfes aus? Am liebsten würde man den Autor oder zumindest einen Experten um nähere Erklärungen bitten. Die meisten Nachrichtenmagazine bieten dafür eine Kommentarfunktion unter ihren Artikeln an, doch man kann sich als Leser nie sicher sein, wie seriös die dort veröffentlichten Beiträge sind, denn die Verfasser bleiben meist anonym. Beim neuen Onlinedienst tangnt dagegen werden Experten die Fragen der Leser beantworten.

tangnt versucht mit Hilfe von Fachexperten Mediendarstellungen zu komplementieren.
tangnt versucht mit Hilfe von Fachexperten Mediendarstellungen zu komplementieren (Foto: tangnt)

Zum Thema 3D-Drucker könnte zum Beispiel ein fachkundiger Experte Einsichten zur Anwenderfreundlichkeit von 3D-Druckern liefern und über die aktuellen Schwierigkeiten beim 3D-Druck berichten.

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Das Beispiel 3D-Druck zeigt die Diskrepanz zwischen gängiger Mediendarstellung und Praxis auf (Foto: tangnt)