GründerDaily wird unterstützt von
Ad topMehr erfahren

Für die schnelle Gründung: Vorrats- und Mantelgesellschaft



Bei der Gründung einer GmbH oder AG muss man so einige Punkte beachten. Wer es sich einfacher machen möchte, für den gibt es Alternativen. Diese heißen Mantelkauf und Vorratsgesellschaft. Welche Vorteile beide Möglichkeiten bieten und was dabei zu beachten ist, zeigen Steuerberaterin Ulrike Plogmann und Rechtsanwalt Sandeep Chhatwal im Interview auf.



Für-Gründer.de: Hallo Frau Plogmann, hallo Herr Chhatwal, zunächst der ganz normale Fall einer GmbH-Gründung: welche Schritte sind notwendig und wie lange dauert der Prozess in der Regel?

Sandeep Chhatwal: Im Normalfall werden die Gesellschafter, die sich dazu entschlossen haben, eine GmbH zu gründen, im ersten Schritt die wesentlichen Daten in einem Gesellschaftsvertrag schriftlich fixieren. Dieser sollte bei komplexeren Vertragsgestaltungen über einen Rechtsanwalt erstellt werden und muss zumindest die wichtigsten Punkte, wie die Firmierung mit dem Zusatz „GmbH“, Sitz und Gegenstand der Gesellschaft, Beteiligungsverhältnisse – also Höhe, Aufbringung und Verteilung des Stammkapitals – sowie Angaben zu den jeweiligen Gesellschaftern und zur Geschäftsführung enthalten.

Sofern mehrere Gesellschafter beteiligt sind, sollte der Gesellschaftsvertrag umfassendere Regelungen, wie zum Beispiel zum Wettbewerbsverbot, für den Todesfall eines Gesellschafters oder der Kündigung enthalten. Zur Vermeidung von späteren Unwägbarkeiten sollte die geplante Firmierung bereits vorab von der IHK geprüft werden, um eine Verwechslungsgefahr innerhalb der Region ausschließen zu können. Im weiteren Schritt ist der Gesellschaftsvertrag notariell zu beurkunden.

Sandeep S. Chhatwal
Sandeep S. Chhatwal

Hieran anschließend ist seitens der Gesellschafter das Stammkapital auf ein speziell hierfür einzurichtendes Geschäftskonto einzuzahlen. Bei einer Bareinlage ist es ausreichend, zunächst 50 % und somit 12.500 Euro einzuzahlen, bei einer Sacheinlage ist das Stammkapital in voller Höhe mit 25.000 Euro einzuzahlen. Über die Leistung der Einlage erhält der Notar einen Nachweis und meldet die Gesellschaft dann elektronisch zum Handelsregister an. Zwischen Anmeldung und Eintragung liegt in der Regel nur eine Woche.

Die Eintragung in das Handelsregister ist der entscheidende Punkt. Hiermit gilt die GmbH als entstanden. Es folgen noch weitere Anmeldungen beim Gewerbeamt, beim Finanzamt zum Erhalt einer Steuernummer, bei der IHK, bei der Berufsgenossenschaft, bei der Arbeitsagentur zum Erhalt einer Betriebsnummer, bei der Krankenkasse sowie bei diversen Versicherungen wie Haftpflicht-, Geschäftsinhalts- und Rechtsschutzversicherungen. Es hört sich erstmal sehr aufwendig an, ich kann aber versichern, dass mit der richtigen Unterstützung durch einen Fachmann eine GmbH-Gründung sehr schnell und ordentlich erfolgen kann.

Zusammengefasst bedeutet dies für den Gründer, dass folgende Punkte bearbeitet werden müssen:

  • Gesellschaftsvertrag
  • Abklärung der Firmierung mit der IHK
  • Notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrages
  • Einzahlung des Stammkapitals
  • Notarielle Anmeldung der Gesellschaft in das Handelsregister
  • Weitere Anmeldungen beim Gewerbeamt, Finanzamt, IHK, Berufsgenossenschaft, Arbeitsagentur, Krankenkasse und Versicherungen.

Für-Gründer.de: Herr Chhatwal, was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Punkte beim Gesellschaftsvertrag der GmbH? 

Sandeep Chhatwal: Die drei wichtigsten Punkte im Zusammenhang mit dem Gesellschaftsvertrag sind erstens die Modalitäten zum Stammkapital und der Einlage. Das heißt, bei der GmbH besteht grundsätzlich ein Stammkapital von 25.000 Euro. Er legt fest, wer in welcher Höhe und in welcher Form das Stammkapital einzahlt. Möglich sind eine Bar-, Sach- oder gemischte Bar- und Sacheinlage. Ohne eine explizite Regelung diesbezüglich kann es nicht zu der Gründung einer GmbH kommen.

Hiermit einhergehend ist zweitens die Festlegung der Gesellschafterverhältnisse und die Vertretung der GmbH von enorm wichtiger Bedeutung. Für den Fall der Liquidation der GmbH bzw. dem Ausscheiden eines Gesellschafters sind drittens Regelungen zu einem Wettbewerbsverbot in den Gesellschaftsvertrag einzupflegen. Es ist immer wichtig, sich den „worst case“ vor Augen zu führen, indem es zu Unstimmigkeiten unter den Gesellschafter kommt.

Um hierbei von vornherein für Klarheit zu sorgen, bietet es sich an, entsprechende Regelungen im Gesellschaftsvertrag festzuhalten, damit es für den Fall der Fälle später nicht zu unnötigen Streitereien kommt.

Ebenso sollte für den Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters eine Regelung zur Fortführung der GmbH getroffen werden, da diese ansonsten aufgelöst werden würde.

Für-Gründer.de: Frau Plogmann, steuerlich wird häufig darauf verwiesen, dass Verluste in der GmbH nicht privat verrechnet werden können – in der GbR schon. Welche Überlegungen sollten Gründer hier anstellen, beispielsweise zunächst als GbR starten und später umwandeln?

Ulrike Plogmann: Da die GmbH ein selbständiges Rechtssubjekt ist, verbleiben die Verluste in der Gesellschaft. Die Verluste können nur mit dem Jahresüberschuss des letzten Wirtschaftsjahres bzw. mit den Jahresüberschüssen der folgenden Wirtschaftsjahre verrechnet werden. Die Gesellschafter werden durch einen Verlust der GmbH in Form fehlender Gewinnausschüttungen belastet. Bei einer Insolvenz haftet die GmbH mit dem vollständigen Gesellschaftsvermögen, die Geschäftsanteile der Gesellschafter sind dann in der Regel bereits monetär wertlos.

Bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts wird der Verlust einheitlich für die Gesellschaft festgestellt und anschließend den Gesellschaftern entsprechend ihrer Beteiligung oder einer davon abweichenden Vereinbarung zugeteilt. Der zugerechnete Verlust wird vom örtlichen Finanzamt des Gesellschafters in seiner Einkommensteuererklärung berücksichtigt. Durch die eventuell entstehenden Einkommensteuerminderungen werden die Gesellschafter im Gegensatz zur GmbH direkt entlastet.

Die Gründung einer GbR mit anschließender Umwandlung in eine GmbH nur aufgrund von Anfangsverlusten ist nicht zu empfehlen, da für die Wahl dieser Rechtsformen andere Gründe vorrangig sein sollten. Betriebswirtschaftlich begründbare Anfangsverluste z.B. durch hohe Vorlaufkosten sollten in einem Businessplan schlüssig dargestellt werden. So können entsprechende Überbrückungsgelder in Form einer ausreichenden Finanzierung oder der Aufbringung zusätzlichen Eigenkapitals rechtzeitig geplant werden.

Für-Gründer.de: Bei der GmbH- aber auch AG-Gründung hört man häufig die Begriffe Vorrats- und Mantelgesellschaft. Was hat es damit auf sich? 

Sandeep Chhatwal: Eine Vorratsgesellschaft kann eine GmbH oder AG sein.

Diese wird nur zu dem Zweck gegründet, um diese an Unternehmer zu veräußern, die möglichst schnell und ohne großes Risiko ein Unternehmen gründen möchten.

Eine ordnungsgemäß gegründete Vorratsgesellschaft hat bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Geschäftstätigkeit aufgenommen und das Stammkapital ist vollständig in bar eingezahlt. Demgegenüber handelt es sich bei einer Mantelgesellschaft um ein vormals aktives und jetzt abgewickeltes Unternehmen, dessen „Mantel“ nun für eine neue Geschäftstätigkeit verfügbar und käuflich ist. Häufig ist leider nicht nachvollziehbar, ob bei der seinerzeitigen Gründung alles ordnungsgemäß abgelaufen ist.

Für-Gründer.de: Was sind die wesentlichen Vorteile, sich als Gründer für eine Vorrats- oder Mantelgesellschaft zu entscheiden? 

Ulrike Plogmann: Der größte Vorteil einer Vorratsgesellschaft ist der, dass in einem einfachen Verfahren diese schnell übertragen werden kann, ohne dass vorher zeitaufwendige Gründungsprüfungen erforderlich werden. Die gewöhnlichen Formalitäten zur Gründung einer GmbH, wie z.B. die notarielle Beurkundung eines Gesellschaftsvertrages, die Eintragung in das Handelsregister usw., wurden bereits vorgenommen. Die hierdurch angefallenen Kosten sind in dem Kaufpreis der Vorratsgesellschaft vollständig enthalten.

Das Haftungsrisiko ist sehr gering, da das Stammkapital bei dem Kauf oder der Übernahme bereits voll eingezahlt wurde. Eine Vorratsgesellschaft ist frei von Verpflichtungen und noch nicht gewerblich tätig gewesen. Es bestehen in der Regel keinerlei Verbindlichkeiten bei der Übernahme, die Gesellschaft ist lastenfrei. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine bestehende Bankverbindung zu übernehmen.

Die Vorteile einer Mantelgesellschaft bestehen unter anderem in einem Vertrauensvorsprung aufgrund des höheren Alters der Gesellschaft. Diese hat über Jahre hinweg bereits einen Kunden- und Lieferantenstamm aufgebaut, mit dem eine vertrauliche Zusammenarbeit besteht. Der Neugründer hingegen muss sich diesen erst über viele Jahre erarbeiten. Ebenso wird in der Regel vorzugsweise mit am Wirtschaftsmarkt etablierten Unternehmen gearbeitet, da bei Neugründern immer wieder ein gewisses Risiko unterstellt wird, ob das Unternehmen zukünftig bestehen bleiben wird.

Mantelgesellschaften können aufgrund ihrer jahrelangen Existenz und Teilnahme am Geschäftsleben mehrjährige Jahresabschlüsse und Steuerbescheide vorzuweisen, was wiederum gerade in Verhandlungsgesprächen mit Banken usw. eine durchaus positive Rolle spielen kann.

Der Veräußerer einer Mantelgesellschaft spart sich die Kosten eines Liquidationsverfahrens der Gesellschaft, welche schnell einige tausend Euro betragen können und erhält darüber hinaus einen Kaufpreis für die Mantelgesellschaft, der sich am Außenwert der Gesellschaft bemisst.

Die Bonitätsbewertung, welche dazu dient, die zukünftig zu erwartende Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens wiederzugeben, dürfte durch ein seit mehreren Jahren am Markt tätigen Unternehmen verglichen mit dem eines jungen Unternehmens deutlich gefestigter bzw. ausbaufähiger sein.

Als erfahrene Steuerberaterin kennt sich Ulrike Plogmann bestens mit rechtlichen Fragen der Unternehmensführung aus.
Steuerberaterin Ulrike Plogmann

Für-Gründer.de: Was ist juristisch bei diesen Formen zu beachten?

Sandeep Chhatwal: Die Übernahme einer Vorratsgesellschaft stellt nach ständiger Rechtsprechung des BGH eine sogenannte „wirtschaftliche Neugründung“ dar, mit der Folge, dass das Stammkapital zum Zeitpunkt der Übernahme vorhanden sein sollte. In diesen Fällen kann eine Haftung der handelnden Personen in Betracht kommen, wenn die Geschäfte vor Offenlegung der wirtschaftlichen Neugründung aufgenommen worden sind und dem nicht alle Gesellschafter zugestimmt hatten.

Dies bedeutet im Ergebnis, dass die persönliche Haftung der Gesellschafter sowohl bei einem Mantelkauf als auch bei dem Kauf einer Vorratsgesellschaft nicht vollends ausgeschlossen werden kann.

Für-Gründer.de: Welche Kosten fallen für den Kauf einer Vorrats- und Mantelgesellschaft an?

Ulrike Plogmann: Der Kaufpreis für eine Vorrats-GmbH beginnt ab 27.500 Euro, für eine Vorrats-AG ab 55.000 Euro. Für den Käufer ist die Tatsache interessant, dass die Stammeinlage und sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit der Gründung einer GmbH anfallen, bereits im Kaufpreis enthalten sind. Die Kosten für einen Mantelkauf lassen sich nicht bestimmen, da der Kaufpreis von vielen Faktoren abhängig ist und je nach Mantel stark schwanken kann.

Für-Gründer.de: Unter welchen Bedingungen kann der Verlustvortrag der Mantelgesellschaft steuerlich geltend gemacht werden?

Ulrike Plogmann: Seit der Unternehmenssteuerreform gilt ab dem Veranlagungsjahr 2008 beim sogenannten Mantelkauf eine stufenförmige Verlustabzugsbeschränkung. Entscheidend ist die Höhe der Anteilsübertragung. Bei einer Übertragung von weniger als 25 % bleibt der Verlustabzug insgesamt erhalten. Bei einem Wechsel der Gesellschaftsanteile zwischen 25 % und 50 % in einem Zeitraum von fünf Jahren geht der Verlustabzug quotal unter. Ab einer Übertragung von 50 % entfällt die Möglichkeit des Verlustabzugs vollumfänglich. Dabei werden Erwerber mit gleichgerichteten Interessen und nahestehende Personen als Einheit betrachtet, um einen Gestaltungsmissbrauch auszuschließen.

Die Begründung liegt darin, dass ein Unternehmensgründer die Verluste, die nicht von ihm selbst verursacht wurden, auch nicht wirtschaftlich verwenden sollte. Ansonsten würde sowohl ein nicht zu vertretender Wettbewerbsvorteil anderen Gründern gegenüber als auch ein nicht gerechtfertigter Steuervorteil dem Fiskus gegenüber entstehen.

Für-Gründer.de: Was sind abschließend Ihre wichtigsten Tipps, wenn Gründer sich überlegen eine Vorrats- oder Mantelgesellschaft zu übernehmen?

Sandeep Chhatwal: Um das Risiko der Umgründerhaftung zu berücksichtigen, sollte der Gründer sich bei der Übernahme einer Vorrats- oder Mantelgesellschaft rechtsberatende Unterstützung suchen. Wir empfehlen in diesen Fällen insbesondere:

  • Sowohl beim Mantelkauf als auch beim Kauf einer Vorratsgesellschaft hat der Erwerber dafür Sorge zu tragen, dass das Stammkapital dem Unternehmen vollständig zur freien Verfügung steht, um etwaige Haftungsrisiken auszuschließen.
  • Offenlegung der Mantelgründung
  • In den beiden zuletzt genannten Fällen kann sich der Erwerber eine Versicherung vom Verkäufer mit dem Inhalt geben lassen, dass das Stammkapital der Gesellschaft bei der Gründung in voller Höhe in bar und ohne verdeckte Sacheinlage erbracht wurde.
  • Sicherstellung, dass beim Mantelkauf keine Altverbindlichkeiten vorliegen, die auf den Erwerber übergehen könnten.
  • Ausschließen, dass durch nachträgliche steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Prüfungen Nachzahlungen entstehen, die das Unternehmen belasten. Ein Vermögensstatus kann durch eine Zwischenbilanz ermittelt werden.
  • Vor dem Erwerb empfiehlt es sich, eine umfassende Beratung durch einen Rechtsanwalt bzw. Steuerberater in Anspruch zu nehmen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

  • Kontakt

  • Unternehmensberater und Rechtsanwalt Sandeep S. Chhatwal MBA
  • RSC-Rechtsanwaltskanzlei Sandeep Chhatwal
    Venloer Straße 2
    50672 Köln
  • +49 (0)221 - 9 52 65 85
  • info@rsc-legal.de
  • www.rsc-legal.de
  • Kontakt

  • Ulrike Plogmann, Diplom-Kauffrau und Steuerberaterin
  • Amselstraße 8
    45472 Mühlheim
  • +49 (0)208 - 7 82 54 35
  • ulrike.plogmann@stb-plogmann.de
  • www.stb-plogmann.de

Tags: