Neue Chefs gesucht: Franchise-Neugründer sind Mangelware



Das Prinzip Franchise beruht darauf, dass ein bestehendes Geschäftsmodell von Geschäftspartnern aufgegriffen wird und sich so effektiv verbreitet. Das Thema Expansion ist somit für jedes Franchise wichtig. Immer zum Jahresende analysiert der Deutsche Franchise Verband (DFV) dieses Thema. Die schlechte Nachricht für 2015: Neugründer sind Mangelware und Expansionsziele wurden nicht erfüllt. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten.



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Im Jahr 2015 nahm die Expansion durch Franchisegründer im Vergleich zum Vorjahr ab. Das ermittelte das Franchise-Barometer des Deutschen Franchise Verbandes. Während 2014 noch 47 % der Systeme ihr Expansionsziel erreichen konnten, waren es 2015 nur noch 37 %.

DFV Barometer 2015 Zielerreichung
Im Jahr 2015 hat die Mehrheit der Franchisesysteme das Expansionsziel nicht erreichen können. (Bild: Franchise-Barometer, DFV, 2015)

Doch woran lag es, dass die Systeme nicht wie erwartet wachsen konnten? Allen voran zeigte es sich schwierig, neue Unternehmensgründer zu finden, die die Konzepte umsetzen wollen. Um weiter zu wachsen, wurde daher stark auf bereits bestehende Franchisenehmer gesetzt (31 %), die neue Standorte eröffnen.

DFV Expansion
Die Zahl der neuen Franchisenehmer sank 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 7 % (Bild: Franchise-Barometer, DFV, 2015)

Außerdem spielt auch das Thema Fluktuation eine große Rolle in der Entwicklung der Franchiseszene. So wurden 2015 zahlreiche Vertragsverhältnisse aufgelöst. Dies war bei 73 % der befragten Franchisegeber der Fall. Das sind zwar 5 % weniger als Vorjahr, stellt aber dennoch eine sehr hohe Anzahl dar.

Der Grund für die Auflösung ist in den meisten Fällen mangelnder wirtschaftlicher Erfolg. Außerdem wurden aber auch viele Verträge seitens der Franchisenehmer oder Franchisegeber aufgelöst. Die Vertragsbeendigung seitens des Franchisegebers war dabei deutlich höher, als die des Franchisenehmers. 2014 war das genau andersherum. Wir haben mit Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands, über mögliche Gründe gesprochen:

Einer der Gründe kann die falsche Auswahl der Franchisepartner sein. Gerade bei kleineren, noch wachsenden Systemen passiert dies oft, wenn diese noch kein genau definiertes Franchisenehmerprofil haben, schnell wachsen wollen und die zukünftigen Partner nicht genau vorab auf ihre Eignung prüfen. Zudem laufen bei vielen Systemen die Franchiseverträge aus und es steht ein Generationenwechsel an. Daher ist auch die Suche nach Nachfolgern für bestehende Betriebe derzeit ein großes Thema bei uns.

DFV Ausstieg
Bei 73 % der Franchisesysteme sind ein oder mehr Partner im Jahr 2015 ausgestiegen (Bild: Franchise-Barometer, DFV, 2015)

Ein gegenteiliger Trend zeigt sich bei den Franchisenehmern: 2014 gab es hier noch mehr Auflösungen seitens der Franchisenehmer (36 % vs. 2015 mit 22 %). Brodersen sagt dazu:

Franchisesysteme können nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn sie sich langfristig modern und nachhaltiger aufstellen sowie sich permanent den Gegebenheiten des Marktes anpassen, um ihre bestehenden Partner im System zu halten. Diese für uns selbstverständliche Strategie kommt auch in immer mehr Franchisezentralen an. Hierfür spricht auch, dass 2015 viele bestehende Franchisenehmer zufriedener mit ihren Systemen waren und sogar noch mit weiteren Betrieben expandierten.

Um zu vermeiden, dass eine hohe Anzahl an bereits geschlossenen Verträgen wieder aufgelöst wird, kommt es vor allem auf eine zuverlässige Zusammenarbeit beider Seiten an. Die Wahl des richtigen Franchisepartners, eine ausführliche Vorbereitung auf den Geschäftsbetrieb und eine kontinuierliche Unterstützung während der gesamten Vertragslaufzeit sind daher unerlässlich.

Angestellte Fach- und Führungskräfte sind die größte Zielgruppe von Franchise

DFV Zielgruppe
Gründer aus der Arbeitslosigkeit gründen am seltensten per Franchise (Bild: Franchise-Barometer, DFV, 2015)

Fach- und Führungskräfte machten 2015 wie auch im Vorjahr die größte Zielgruppe von Franchisegründungen aus, direkt gefolgt von bestehenden Unternehmern, die aber noch keine Franchisenehmer sind. Die kleinste Gruppe sind Gründer aus der Arbeitslosigkeit. Der DFV in seinem Franchise-Barometer 2015 dazu:

Die Ursachen hierfür liegen unter anderem in der mangelnden Gründer-Unterstützung durch öffentliche Einrichtungen, wie z.B. durch den von den Arbeitsagenturen nur noch nach Ermessen vergebenen Gründungszuschuss.

Franchisefinanzierung = Mischfinanzierung

DFV Finanzierung
Mischfinanzierungen sind bei Franchisegründungen üblich (Bild: Franchise-Barometer, DFV, 2015)

Im Hinblick auf das Thema Finanzierung haben sich 48 % der Franchisenehmer durch eine Mischung aus privatem und fremdem Kapital finanziert. 83 % des Fremdkapitals wurde von Banken und Förderbanken bereitgestellt. Alternative Finanzierungsformen, wie Crowdfunding oder Venture Capital, werden bisher noch nicht genutzt.

Torben L. Brodersen über die Ergebnisse des aktuellen Franchise-Barometers:

Die Ergebnisse sind für uns nicht überraschend, denn sie spiegeln jenes Bild wider, was wir als DFV seit Jahren beobachten. Eine fehlende, beziehungsweise rückläufige Gründerkultur in Deutschland, die erstarkte Volkswirtschaft, welche die Entwicklung zur „fast“ Vollbeschäftigung befördert und der demografische Wandel tragen dazu bei, dass der „Kampf um die besten Franchisenehmer“ schon längst in vollem Gange ist.

Über das Franchise-Barometer

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. vertritt die Interessen der deutschen Franchisewirtschaft im nationalen und internationalen wirtschaftspolitischen Umfeld. Die Umfrage wurde unter rund 500 Personen aus Mitgliedsunternehmen des Franchise-Verbandes im Zeitraum November und Dezember 2015 durchgeführt. Zur vollständigen Studie gelangen Sie hier.

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