Grün, innovativ, prämiert: diese Start-ups denken an morgen



13 Geschäftsideen, die für soziale und ökologische Verbesserungen sorgen, haben es dank Jurynominierung aus 175 Bewerbern bereits ins Finale des Next Economy Awards 2015 geschafft. Mit dabei waren beispielsweise eine Onlineplattform zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen oder Kraftwerke, die aus Meereswellen Strom erzeugen. Die Finalisten pitchten vergangene Woche gegeneinander. Heute stellen wir die vier Preisträger vor, die jeweils Sachleistungen im Wert von 25.000 Euro für ihr Start-up gewonnen haben.

Man hätte es allen 13 Finalisten gegönnt, den Preis mit nach Hause zunehmen. Schließlich haben sie sich gegen 162 weitere Konkurrenten durchgesetzt und es bis zum Schlussevent beim 8. Deutschen Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf geschafft. Juryvorsitzender Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, erklärt, wie schwer die Wahl fiel:

Neugier und Engagement für Nachhaltigkeit haben die Jury sehr beeindruckt. Man sieht, Nachhaltigkeit lebt vom Veränderungswillen und der Kompetenz, das auch zu tun. Alle Ideen haben das Potenzial, vervielfältigt und vergrößert zu werden. Und sie hätten es verdient.

NEA Preistraeger 2015
Die Preisträger des ersten Next Economy Awards v.l. Benjamin Adrion (Viva con Agua), Dr. Florian Deising (Apisystems), Sonja Jost (DexLeChem), Ina Budde (Design for Circularity), Rolf Hoffmann (Aquakin) (Foto: Frank Fendler/NEA)

Gewinnen konnten letztendlich aber nur vier Geschäftsideen. In der Kategorie „Food“ überzeugte das Münchener Start-up Apisystems mit einer Bienensauna, die durch Wärme Schädlinge in Bienenstöcken vernichtet. Diese Methode ist für Tiere und die Umwelt unbedenklich und somit eine wichtige Weiterentwicklung für den Erhalt der Artenvielfalt und der Ernährungssicherung von Bienen.

In der Kategorie „Renewables“ gewann Aquakin aus Fürth. Mit kleinen Kraftwerken soll jedem Menschen die nachhaltige Erzeugung regenerativer Energien ermöglicht werden. Das heißt, wer beispielsweise während einer Wanderung sein Handy aufladen möchte, benötigt nur ein Gerät von Aquakin und ein fließendes Gewässer, das durch seine Strömung dabei hilft, Strom zu erzeugen.

Das Berliner Gründerteam von DexLeChem hat in der Kategorie „Resources“ den Sieg geholt. Das Start-up hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das die „grüne Chemiewende“ vorantreiben soll. Und Design for Circularity heißt das Start-up, das in der Kategorie „Digitality“ alle hinter sich ließ. Das Unternehmen hat online verfolgbare Textilkreisläufe für die Modeindustrie entwickelt. Durch ein QR-Tool in Kleidungsstücken soll die Modeindustrie nachhaltiger und Transparenz zwischen Designern, Konsumenten sowie Recyclingfirmen geschaffen werden.

Jurymitglied Frank Niehage, Vorstandsvorsitzender der FinTech Group, hat uns in einem Kurzinterview verraten, worauf es bei den Pitches letztendlich ankam.

Niehage Vorstandsvorsitzender FinTech Group
Frank Niehage ist Vorstandsvorsitzender der FinTech Group und Jurymitglied des NEA 2015. (Foto: FinTech Group AG)

Für-Gründer.de: Herr Niehage, wie liefen die Pitches genau ab?

Frank Niehage, FinTech Group: Zunächst muss ich sagen, dass ich von der Qualität und Quantität der Beiträge sehr begeistert war. Es gab insgesamt 175 Einreichungen für den Next Economy Award – eine ganze Menge dafür, dass er dieses Jahr zum ersten Mal verliehen wurde. Grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn es in Deutschland so viele Ideen und Konzepte gibt, die auf Nachhaltigkeit und die Green Economy setzen.

Wer in diesem Feld bestehen wollte, musste sein Vorhaben gut auf den Punkt bringen können. Dafür waren insgesamt 15 Minuten vorgesehen: eine fünfminütige Präsentation, gefolgt von zehn Minuten Fragen und Antworten. Wer übrigens länger als fünf Minuten präsentierte, dem wurde das von den Fragen und Antworten abgezogen, damit alle gleiche Bedingungen hatten.

Außerdem war es natürlich entscheidend, ob es sich auch um ein umsetzungsfähiges Konzept handelte. Alle Finalisten haben überzeugend geliefert. Aber gewinnen konnte in jeder Kategorie leider immer nur ein Projekt.

Für-Gründer.de: Was gehört Ihrer Ansicht nach generell in einen perfekten Pitch?

Frank Niehage, FinTech Group: Jede gute Idee muss von einem starken Managementteam getragen werden. Eine Pitch-Situation ist deshalb auch immer eine persönliche Vorstellung. Kurzum: Wer pitcht, muss auch glaubhaft machen, dass sich die richtigen Menschen hinter einer guten Ideen versammelt haben.

Außerdem kommt es natürlich darauf an, dass das Geschäftsmodell verständlich und nachvollziehbar präsentiert wird.

Einfach etwas runter zu rasseln, das man schon tausendmal erzählt hat, kommt nie gut an. Im Gegenteil muss jede Präsentation auf Adressaten, Anlass und Tag neu abgestimmt sein.

Für-Gründer.de: Warum war es Ihnen wichtig Teil der NEA-Jury zu sein?

Frank Niehage, FinTech Group: Ich war viele Jahre Teil der Jury im Nachhaltigkeitspreis und habe die professionelle und interdisziplinäre Arbeit sehr geschätzt. Ich habe mich für die Verwirklichung des NEA eingesetzt und möchte gerne meine Erfahrungen in die NEA-Jury einbringen. Dabei fiel mir in diesem Jahr der Bereich „Digitality“ zu – das passt gut zu meiner Rolle als CEO der FinTech Group AG.

Für-Gründer.de: Welche neuen Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Frank Niehage, FinTech Group: Eine Fülle von guten Ideen und interessanten Kontakten – der NEA ist schon jetzt ein Erfolgsmodell und wir sollten das 2016 wiederholen.

Weitere Gründer- und Businessplanwettbewerbe

Über 120 Gründer- und Businessplanwettbewerbe gab es im Jahr 2015 in Deutschland. Unsere Publikation gibt einen Überblick über alle Ausschreibungen (zur Publikation). Auf unserem Portal Für-Gründer.de finden Sie zahlreiche Bewerbungstipps für die Teilnahme an einem Gründerwettbewerb.