GründerDaily wird unterstützt von
Ad topMehr erfahren

Gründen ist nicht witzig – Recap von der StartupCon 2015



Wer „gründen ist nicht witzig“ gesagt hat, verraten wir später – ebenso, welcher Investor Start-ups den Tipp gab: „Stellt euch darauf ein, dass Investoren extrem dämlich sind“. Mitgebracht haben wir diese und andere Bonmonts von der StartupCon 2015, die vorige Woche in Köln stattfand. Berlin kam in der Karnevalshochburg übrigens auch nicht gut weg.



Wie bereits im Jahr zuvor zog es uns auch zur zweiten Ausgabe der StartupCon, die von Frankfurt aus nur eine kurze ICE-Fahrt entfernt in Köln veranstaltet wurde. Da der SEO-Day zur gleichen Zeit in derselben stattfand, hieß es allerdings Kräfte aufteilen. Dies hatte den positiven Nebeneffekt, dass wir neben neuen Start-ups und markigen Sprüchen einiger Szenegrößen auch 33 SEO-Tipps aus dem RheinEnergie Stadion am vergangenen Freitag mitgebracht haben.

Zurück zur StartupCon: Über 50 Referenten in Vorträgen und Workshops, eine Ausstellerfläche mit an die 80 Start-ups, Initiativen und Unternehmen, ehemalige Fußballspieler und Boygroupmitglieder, zwei Löwen, Mr. Finanzvertrieb Carsten Maschmeyer und zahlreiche namhafte Investoren haben die Veranstalter der StartupCon organisiert. Damit meinten es die Macher fast schon etwas zu gut mit uns Besuchern. Denn wer die Wahl hat, hat die Qual.

Start-ups auf der StartupCon

Zunächst stellen wir einige der zahlreichen Start-ups vor, die wir auf der StartupCon getroffen haben.

  • Antelope: zur Gruppe der sogenannten Wearables zählt der Antelope Suit des Frankfurter Start-ups – von uns auch bereits bei der Product Hunt vor einigen Monaten entdeckt. Anders als ein kleines Armband ist der Anzug jedoch ein Ganzkörpertrainingsgerät. Bei der aktuellen Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo sind es bisher mehr als 400.000 US-Dollar in gut zwei Wochen geworden. Wer ebenfalls den neuartigen Sportanzug haben möchte, hat noch rund 30 Tage Zeit, sich auf Indiegogo zu engagieren. Die Investoren in der Höhle der Löwen haben kein Gefallen an dem EMS-Anzug gefunden, wie in der gestrigen Sendung deutlich wurde.
Antelope
Die Sportbekleidung von Antelope ist auf Elektrostimulationstraining ausgerichtet
  • Mellowboards: Ebenfalls ein Crowdfunding – aber auf Kickstarter – verfolgt das Unternehmen Mellowboards. Aktuell sind es etwas über 300.000 Euro, die bei der Kampagne zu Buche stehen. Bei Mellowboards handelt es sich um einen Motor für Skateboards. Im Video stellen die Gründer ihre Idee vor:

  • Rausgegangen und die Kölner Schatztüte: Wer in Köln und Umgebung wohnt, erhält von der App Rausgegangen jeden Tag vier tolle Tipps für die Abendgestaltung. Ebenfalls einen starken Bezug zur Domstadt hat Nicola Römer mit ihrer Kölner Schatztüte. In dieser verbergen sich allerlei Spezialitäten der Stadt. Geordert wird die Schatztüte vor allem von Unternehmen, die auf diese Weise immer nette Aufmerksamkeiten für Kunden und Mitarbeiter parat haben.
  • 11Spielmacher: Rausgehen und kicken stehen bei dem durch EXIST geförderten Start-up 11Spielmacher im Mittelpunkt. 11Spielmacher will zur größten Community für Fußballer auf Bolzplätzen und in Soccerhallen werden. Wer Mitspieler oder ein Team sucht, soll zukünftig dort fündig werden. So können schnell Spiele organisiert und Plätze gebucht werden.
  • Brotliebling: Selbst gemischtes Müsli, selbst gebrautes Bier oder individuell gehäkelte Mützen kann man bereits online bestellen. Das Berliner Unternehmen Brotliebling bietet Backsets für Brote an, die man dann im eigenen Ofen zubereitet. Die Bio-Teigmischungen kann man online mit Früchten oder Gewürzen konfigurieren.
StartupCon Messe
Im Messebereich der StartupCon

Statt Media for Equity nun Fame for Equity

Nicht nur Joko Winterscheidt tut es. Auch viele andere Prominente (ein paar Beispiele gibt es hier) beteiligen sich an jungen Unternehmen, um diese von ihrer Bekanntheit, insbesondere auch in den Social Media, profitieren zu lassen. Auf dem Panel zu diesem Thema waren auf der StartupCon bspw. der ehemalige Fußballer Hans Sarpei und Ex-Touché-Bandmitglied Karim Maataoui zugegen.

Wichtig sei es dabei jedoch für Start-ups, dass der Prominente auch tatsächlich zu der Marke passe, damit sich aus der Kombination Fame for Equity ein Mehrwert für beide Seiten ergibt.

Auch Hans Sarpei räumte ein, dass Bekanntheit zwar Türen öffnen können, aber zum Erfolg noch eine ganze Menge mehr nötig sei. Ähnlich wie bei dem Modell Media for Equity fließt nämlich kein Kapital. Und das ist für viele Start-ups aber eben gerade zu Beginn besonders wichtig, darin war sich die Runde einig.

StartupCon
Talkrunde mit unter adnerem Hans Sarpei auf der StartupCon 2015

Vertriebsgeheimnisse von Carsten Maschmeyer

Wer Vorträgen von Carsten Maschmeyer lauscht, versteht schnell, wie diesem die Motivation der zahlreichen AWD-Mitarbeiter gelungen ist. Vertrieb, Vertrieb und nochmals Vertrieb lautet das Credo des mittlerweile mit Veronica Ferres liierten und mit der Maschmeyer Group als Investor tätigen Milliardärs. Dies versucht er auch allen Gründern einzuimpfen. Verkaufen heißt, Menschen gewinnen. Das ist einer seiner Leitsprüche. Bei der Zielgruppe geht es vor allem um Motive und Emotionen, denn Wörter seien die Schlüssel und mit den richtigen Worten schließe man Menschen für sich auf, so Maschmeyer. Und noch eine Ergänzung: es gibt nur einen Boss, nämlich den Kunden. Auch für ihn als Investor stehen die Personen hinter der Idee im Vordergrund.

Wir investieren lieber in ein erstklassiges Team mit einem zweitklassigen Produkt als andersherum.

Den Vertrieb unterschätzen Gründer häufig gnadenlos und häufig höre er, dass man sich keine guten Vertriebler leisten können. Dann hält Maschmeyer entgegen:

Ein guter Vertriebler kostet kein Geld, sondern bringt Geld.

Und auch das Thema scheitern spielte in seinem Vortrag eine Rolle. Das abschließende Zitat dürfte nun aber jeden gedanklich aufspringen lassen:

Ein Misserfolg ist ein kleines Problem. Aber die Angst vor dem Misserfolg ist ein richtig großes Problem.

Löwen auf der StartupCon

Ebenfalls auf der StartupCon vertreten waren mit Jochen Schweizer und Frank Thelen zwei Höhlen aus der TV-Sendung Höhle der Löwen. Zwar sind beide völlig unterschiedliche Personen, doch weisen die unternehmerischen Lebenswege auch Parallelen auf. So war es für beide eine Achterbahnfahrt – verbunden mit dem Beinahe-Ruin und Insolvenz, bevor wieder sonnige Zeiten anbrachen.

Dies veranlasste Frank Thelen dann auch zu der bereits eingangs erwähnten Aussage: „Gründen ist nicht witzig“. Bis zu seinem ersten Exit hätte er auch keinen Urlaub gemacht und empfiehlt, so früh wie möglich zu gründen, um noch nicht in einer zu großen Komfortzone zu hängen. Als Lehre aus der Talfahrt gab er Start-up-Gründern folgenden Rat mit auf den Weg:

Bitte geht niemals unter Null, macht keine Schulden – zieht einen Schlussstrich.

Auch derzeit arbeite er rund um die Uhr bei seinen Beteiligungen. Dies ist aber auch der Grund, warum Thelen gerade keine neuen Deals mache. Start-ups auf Investorensuche legte er ans Herz Background-Checks zu machen, da man viele unschöne Geschichten hört – und gerade in schwierigen Zeiten, sollte man sich auch auf seine Investoren verlassen können. Und noch ein Hinweis für die Kapitalsuche:

Storytelling ist das Wichtigste – der VC muss die Mission verstehen. Ich habe mir noch nie einen Finanzplan angeschaut, sondern investiere in Gründer und Ideen!

„Wir brauchen Unternehmer keine Wannabes“

Mit dieser Bemerkung setzte Jörg Binnenbrücker von Capnamic Ventures gleich zu Beginn der Investorenrunde auf der StartupCon ein Ausrufezeichen – und setzte gleich noch ein paar weitere hinterher. So folgte die Binsenweisheit, dass nicht alles Gold sei, was glänzt, und dass auch alles halb gelogen sei, was man auf TechCrunch und Gründerszene lese. Genauso bekam Berlin sein Fett weg. Richtige Unternehmen würden schließlich nicht in Cafés gegründet. Aus der Runde war das Echo zu vernehmen, dass Start-ups in Berlin mittlerweile schon zu einem Lifestyleprodukt geworden seien.

So sind die Start-up-Gründer in der Hauptstadt oft mit einer kurzfristigen Dreijahresplanung unterwegs und wenn man nicht IPO sagt, ist man schon out. 

Ralph Riecke von Hub:raum freute sich, auch mal außerhalb von Berlin zu sein und Gründer mit etwas mehr Bodenhaftung auf der StartupCon getroffen zu haben. Generell drehte es sich auf dem Panel auch um die Frage, ob man eigentlich nur mit großen Finanzierungsrunden ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufbauen kann. Und wie so häufig war die Antwort, es kommt darauf an. Insbesondere Stephan Schubert, der Onvista gegründet und erfolgreich verkauft hat, brach eine Lanze dafür, sich ruhig Nischen rauszusuchen, die häufig ein sehr profitables Geschäft versprechen. So hat er selbst unter anderem einen Großhändler mit Produkten für professionelle Nagel- und Kosmetikstudios aus der Insolvenz erworben und erfolgreich den Turn Around geschafft. Zudem rät er Gründern, nicht immer alles an die große Glocke zu hängen:

Nach jeder Kapitalerhöhung stellt man ein Foto auf Gründerszene und erzählt allen, warum das so toll ist, damit zieht man jedoch schnell Wettbewerber an!

Wer aber dennoch Geld von VC-Investoren sucht, der sollte den Tipp von Jörg Binnenbrücker beherzigen:

Sei professionell, dann wirst du auch bei einem Investor landen, und sei zäh. Stell dich außerdem darauf ein, dass Investoren extrem dämlich sind, und erkläre deine Geschäftsidee dem Investor so, dass er es versteht.

Damit haben wir nun auch das letzte Zitate-Rätsel aufgelöst. Die StartupCon 2015 war ein gelungenes Event mit vielen interessanten An- und Einsichten. Nun heißt es aber, zurück an die Arbeit und erfolgreicher gründen! Bis zum nächsten Jahr auf der StartupCon 2016.