Number26: vor 6 Monaten ohne Produkt, jetzt mit Warteliste



Das junge Berliner FinTech-Unternehmen Number26 bietet das Girokonto für die Hosentasche. Ob Digital Native oder Silver Surfer, sie alle sollen künftig am liebsten ihre Einkäufe mit der durchsichtigen Mastercard des Banking-Start-ups, wenn es nach den Gründern geht. Und es scheint, als könnte die Banking-App von Number26 auf jeden Fall ein Renner werden, denn schon jetzt, müssen einige potenzielle Kunden auf eine Warteliste, wenn sie ein Konto bei Number26 eröffnen wollen. Wie genau machen die das? Das erklärt und Number26-Gründer Valentin Stalf im Interview.

Für-Gründer.de: Hallo Valentin, was ist Number26 und wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Valentin Stalf von Number26: Alles begann mit der Idee Banking so zu gestalten, wie es heutzutage sein sollte: einfach, überall und sicher. Wir leben im 21. Jahrhundert aber eine Kontoeröffnung dauert lange, Überweisungen sind zeitintensiv und Banking ist an sich eine Last. Vor allem, wenn man im Ausland unterwegs ist oder dort ein Konto eröffnen möchte, sind die Hürden groß. Das muss nicht so sein. Mit Number26 haben wir ein unkompliziertes Konto für alle geschaffen, die einen Wohnsitz in Deutschland oder Österreich haben.

Für-Gründer.de: Welche Zielgruppe sprecht ihr an und wie groß schätzt ihr den Markt?

Valentin Stalf von Number26: Unser Girokonto ist generell für jeden Smartphonenutzer geeignet. Wir sind aber für alle eine Alternative, die ein Girokonto suchen, wie es heute sein sollte – mobil, einfach und transparent. Zwar sind unter unseren ersten Kunden insbesondere junge Menschen und sogenannte Digital Natives zwischen 18 bis 35, aber es nutzen auch verstärkt ältere Personen Number26. Wir haben auch Kunden, die jenseits der 70, sind und das freut uns.

Generell wollen wir Kunden ansprechen, die transparentes Banking suchen, denn nicht umsonst ist unsere Karte durchsichtig.

Was den Markt angeht, spricht die Zahl der existierenden Girokonten allein in Deutschland für sich: Über 98 Millionen gibt es hierzulande. Langfristig wollen wir auch über die Grenzen Deutschlands hinaus wachsen, der Markt ist riesig, wann wir genau in andere Märkte gehen, steht allerdings noch nicht fest.

Number26 Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf
Maximilian Tayenthal (l) und Valentin Stalf sind die Gründer von Number26

Für-Gründer.de: Was bietet ihr euren Kunden mit Number26 im Detail für Leistungen?

Valentin Stal von Number26: Mit Number26 haben wir Banking und insbesondere das Girokonto von Grund auf neu gestaltet – unkompliziert, mobil und zeitgemäß. Lästige Kontoeröffnungen mit vielen Formularen und einem langen Termin haben wir einfach abgeschafft. Noch wichtiger ist, dass unsere Nutzer ihr Girokonto auf ihrem Smartphone immer in der Hosentasche dabei haben. Außerdem haben unsere Kunden volle Kontrolle über ihr Konto. Sie entscheiden selbst, ob man mit ihrer Karte online shoppen oder Geld abheben kann. Selbst sperren und entsperren können unsere Nutzer die Karte, wenn sie abhandenkommt, direkt in der App.

Geld kann man in Echtzeit per SMS oder E-Mail an Freunde schicken – egal, bei welcher Bank sie Kunden sind. Transaktionen werden automatisch in Ausgabengruppen kategorisiert – wie Restaurants, Entertainment, Reisen oder Shoppen – damit man den Überblick über seine Ausgaben behält. So geht Banking viel schneller und ist in den Alltag integriert. Da wir jeden Baustein des Girokontos neu gestaltet haben, konnten wir eine neue Banking-Erfahrung kreieren. Am Besten ist, man probiert es einfach aus, wir bekommen sehr viel positives Feedback von unseren Kunden.

Für-Gründer.de: Wie funktioniert das Geschäftsmodell – sprich, wie verdient ihr euer Geld?

Valentin Stalf von Number26: Wir haben zwei Quellen, aus denen wir Einnahmen generieren. Zum einen erhalten wir bei jeder Kartentransaktion, die unsere Kunden mit der Number26-MasterCard durchführen, einen kleinen Betrag, der vom Händler übernommen wird. Außerdem verdienen wir an den Einlagen, die bei unserer Partnerbank, der Wirecard Bank AG, angelegt sind, eine kleine Provision der Zinserträge.

Für-Gründer.de: Star-Investor Peter Thiel ist vor Kurzem bei Number26 eingestiegen. Wie konntet ihr ihn von eurer Idee überzeugen und wofür wollt ihr die zusätzlichen Mittel verwenden?

Valentin Stalf von Number26: Wir haben uns darauf konzentriert, ein herausragendes Produkt zu bauen, das bei den Kunden sehr gut ankommt. Mit diesem Produkt haben wir es geschafft, schon in den ersten Monaten sehr zufriedene Kunden zu gewinnen. Das sowie das tolle Team hat Peter Thiel und seine Kollegen von Valar Ventures überzeugt. Die Mittel investieren wir in erster Linie in das Team, damit wir wachsen können, und natürlich in das Produkt, die IT und Infrastruktur, die dahinter stehen. Damit haben wir eine gute Basis und können modernes Banking noch mehr Kunden zugänglich machen.

Für-Gründer.de: Wo lagen die größten Hürden im Gründungsprozess?

Valentin Stalf von Number26: Wenn man ein FinTech-Unternehmen gründet, muss man sich mehr regulatorischen Herausforderungen stellen als beispielsweise bei einer Foto-App. Vor allem die Anfangsphase ist schwierig, denn mit einer Idee, aber ohne fertiges Produkt sind Investoren schwieriger zu überzeugen. Auch die Komplexität der Wertschöpfungskette bei einem Girokonto ist nicht zu unterschätzen und erfordert viel Know-how und harte Arbeit. Da gilt es, die richtigen Partner mit dem entsprechenden Wissen zu finden.

Für-Gründer.de: Welche Entwicklungsschritte habt ihr seit der ersten Idee bis heute durchlaufen und was waren die bisher größten Meilensteine?

Valentin Stalf von Number26: Die größten Meilensteine waren bei uns natürlich der Launch des Produkts Anfang dieses Jahres. Außerdem sind die Zusammenarbeit mit unseren ersten Business Angels und die Investitionen der verschiedenen Venture Capital-Funds, die wir von unserer Idee überzeugen konnten, wichtige Höhepunkte. Derzeit sind unsere Meilensteine sehr operativ. Wir arbeiten stark daran, unser Produkt noch weiter zu verbessern und unsere Servicequalität weiter auszubauen.

Für-Gründer.de: Die Nachfrage nach eurer Dienstleistung ist groß. Warum müssen einige der Interessenten auf eine Warteliste?

Valentin Stalf von Number26: Bei der Entwicklung unseres Produkts steht die Kundenerfahrung im Mittelpunkt all unserer Überlegungen. Wir bieten einen besseren Service als die meisten traditionellen Banken.

Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass wir vor sechs Monaten noch gar kein Produkt auf dem Markt hatten.

Der zufriedene Kunde steht für uns im Vordergrund. Guter Service und die Skalierung unseres Produkts brauchen Zeit und, da wir den besten Service bieten wollen, können wir nicht sofort jedem ein Konto zur Verfügung stellen. Dafür müssen wir erst wachsen und das tun wir. Aktuell haben wir 45 Mitarbeiter und wir suchen viele neue.

Für-Gründer.de: Wie habt ihr eure Kunden bisher erreichen können – führt ihr viele Werbemaßnahmen durch?

Valentin Stalf von Number26: Der wichtigste Kanal für uns ist, wenn unsere Kunden Number26 weiterempfehlen. Darüber hinaus beginnen wir langsam unser Produkt noch weiter bekannt zu machen und starten die ersten Kampagnen.

Für-Gründer.de: Wie sehen eure Ziele bzw. die nächsten Schritte für die kommenden zwölf Monate aus?

Valentin Stalf von Number26: Wir haben eine sehr stark wachsende Kundenbasis. Um Banking noch einfacher zu machen und unseren Kunden viele weitere spannende Features zu bieten, arbeiten wir ständig daran, unser Angebot auszuweiten. Was genau in der Umsetzung Priorität hat, hängt ganz von ihren Wünschen ab. Die wichtigsten Themen, auf die wir laufend angesprochen werden, sind aktuell eine Maestro-Karte, sowie die Möglichkeit das Konto zu überziehen, das sind also auch die Dinge, an denen wir intensiv arbeiten.

Für-Gründer.de: Du bist ein erfolgreicher Unternehmer – welche drei Tipps kannst du angehenden Gründern geben?

Valentin Stalf von Number26:

  1. Das Produkt muss herausragend sein, viel besser, als alles andere was aktuell auf dem Markt erhältlich ist. Letztendlich muss immer das Produkt an sich überzeugen können, wenn es nicht gut genug ist, dann hilft auch kein Marketing. Dazu gehört auch der Wille, sein Produkt ständig zu verbessern und die Nähe zum Kunden zu suchen.
  2. Zweitens braucht man ein leidenschaftliches Team, das hinter dem Produkt steht und gerne hart arbeitet. Eine fundierte Vertrauensbasis im Gründerteam sowie außergewöhnlich viel Einsatz und Fleiß gehören dazu.
  3. Mein dritter Tipp ist, dass man auf keinen Fall aus rein finanziellen Zielen gründen sollte. Beim Unternehmertum geht es darum, etwas Neues zu kreieren und eine Branche von Grund auf zu verändern. Man nimmt viel Risiko auf und hofft, mit etwas Glück und viel Einsatz etwas Großes zu schaffen. Wenn dann alles glatt läuft, hat man vielleicht die Möglichkeit, in ferner Zukunft auch Geld mit dem Unternehmen zu verdienen.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview!

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