Aufgedeckt: zehn Irrtümer zum Businessplan



Seit einiger Zeit wird in der Gründerwelt intensiv die Frage diskutiert, ob ein Businessplan noch zeitgemäß sei. Wir haben dazu jüngst für das Portal t3n einen Gastbeitrag geschrieben und zehn Gründe aufgelistet, warum ein Businessplan für Gründer und Start-ups aus unserer Sicht weiterhin sinnvoll ist. Erwartungsgemäß gab es dafür nicht nur Zustimmung. Dies nehmen wir zum Anlass, heute mit zehn Irrtümern zum Businessplan zu brechen. Den Link zum Artikel auf t3n gibt es am Ende des Beitrags.



Natürlich werden jetzt einige sagen, als Betreiber einer Website rund um das Thema Existenzgründung muss man den Businessplan verteidigen. Doch wir sprechen vor allem auch aus eigener Erfahrung. Obwohl wir unsere Gründung vor rund fünf Jahren mit einem umfangreichen BWL-Hintergrund angehen konnten, haben wir einen 40-seitigen Businessplan geschrieben. Und ja, wir sind im ersten Jahr grandios an unseren Planzahlen vorbeigeschrammt. Daraus haben wir unsere Lehren gezogen und lagen in den vergangenen Jahren bei der Zielerreichung stets besser. Insofern sind wir überzeugte Verfechter eines detaillierten Geschäftsplans.

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Lohnt sich der Businessplan?

Irrtum #1: Ich muss sofort mit dem Businessplan starten

Wenn Sie sich mit dem Thema Gründung auseinandersetzen, steht natürlich nicht direkt ein vollständiger Businessplan an. Es gibt schlankere Tools, um Ihre Idee näher zu beleuchten, zu schärfen und zu prüfen. Dazu zählt das Business Model Canvas oder ein Grobkonzept des Businessplans, das wir Ihnen mit einer Gliederung hier vorstellen.

Irrtum #2: Man schreibt den Businessplan nur für die Bank

Man schreibt den Businessplan in erster Linie zunächst für sich. Wir haben keine Bankenfinanzierung in Anspruch genommen und trotzdem einen Businessplan erstellt. Für viele Gründer sind Themen wie Marktanalyse, Rechtsform, Standortwahl, Marketing oder Gewinn- und Verlustrechnung komplettes Neuland, das sie erst betreten, wenn sie sich mit dem Thema Selbstständigkeit auseinandersetzen. Umso wichtiger ist es, diese Aspekte im Detail durchzuarbeiten. Hinzu kommt, dass Banken und Investoren selbstverständlich nach dem Businessplan fragen werden, wenn Sie Kapital benötigen.

Irrtum #3: Die Zahlen im Businessplan sind ohnehin nur ein Blick in die Glaskugel

Keine Frage, kaum ein Gründer erreicht die Zahlen, die er im Finanzplan angenommen hat. Warum also der Aufwand? Ihr Finanzplan gibt ihnen grundsätzlich Auskunft darüber, ob Ihr Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist. Dafür haben Sie gewisse Annahmen in der Planung getroffen. So wie wir, werden viele Gründer dann häufig von der Realität eingeholt. Dann geht es nicht darum, frustriert die Flinte ins Korn zu werfen, sondern zu analysieren. Was sind die Ursachen für die Abweichungen? Doch diese Analysen kann man nur vornehmen, wenn man die Istwerte mit den Sollwerten vergleichen kann. Und genau das ist der Grund, warum man zu Beginn so umfangreich plant.

Neben den konkreten Zahlen steht auch die Frage im Mittelpunkt, welcher Trend sich erkennen lässt. Die meisten Unternehmen wachsen langsamer als ursprünglich angenommen. Und wenn Sie Ihren Break-Even erst nach 18 statt nach 12 Monaten erreichen, ist dies auch nicht problematisch, solange Sie nachvollziehen können, ob Sie auf dem richtigen Weg sind. Wir haben in der ersten Zeit nach der Gründung unsere Finanzplanung im Wochenrhythmus abgeglichen. Wenn man ruhigeres Fahrwasser erreicht hat, kann man auch monatsweise analysieren.

Irrtum #4: Der Businessplan verschwindet nach der Gründung in der Schublade

Lästige Pflichtübung erfüllt, Businessplan abgehakt und in die Schublade gepackt – jetzt wird gegründet. Dafür wäre die Arbeit allerdings tatsächlich zu schade gewesen. Um zu wissen, ob Ihr Unternehmen auf Kurs ist, sollten Sie einerseits regelmäßig Ihren Finanzplan prüfen. Andererseits gehören auch Ziele und Strategie immer wieder auf den Prüfstein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie jeden Monat eine Drehung um 180 Grad vornehmen. Aber Einflussfaktoren wie neue Wettbewerber, regulatorische Vorgaben, neue Trends und sich bietende Chancen gehören kontinuierlich auf den Schirm jedes Unternehmers. In welchem Zeitabstand dies geschieht, hängt von Ihrem Unternehmen ab. Wir führen bspw. jährlich eine Strategieklausur über zwei bis drei Tage durch.

Irrtum #5: Der Businessplan hindert mich, schnell in den Markt zu gehen

Der Businessplan erfordert Zeit. Aber gut geplant ist halb gewonnen. Und in welchen Markt wollen Sie eigentlich genau? Kennen Sie Ihre Zielgruppe bereits so genau? Leider schätzen Gründer ihren Zielmarkt oft falsch ein. Dies möglichst zu verhindern, ist Gegenstand der umfangreichen Marktanalyse im Businessplan. Zu empfehlen ist hierbei auch eine eigene Marktforschung.  So erhalten Sie als Gründer schon in einem sehr frühen Stadium direkt Feedback von Ihrer Zielgruppe oder erkennen, dass Sie Ihren Zielkunden ggf. neu bestimmen müssen.

Irrtum #6: Ich habe doch keine Wettbewerber, wozu also einen Businessplan?

Gerade wenn Gründer dieser Auffassung sind, tut ein Businessplan gut. So wird man nach der Recherche zum Markt und Wettbewerb schnell feststellen, dass man doch nicht so alleine ist, wie gedacht. Dies erfordert dann aber eine gute Positionierung im Vergleich zum Wettbewerb, wofür Sie unser Positionierungstool nutzen können.

Irrtum #7: Für normale Gründer mag der Businessplan geeignet sein, für echte Innovationen aber nicht

Gerade dann, wenn man sich auf bisher unbekanntes Terrain vorwagt, kommt der Planung aus unserer Sicht eine noch größere Bedeutung zu. Es ist selten so, dass der Markt nur auf ein neues Produkt  gewartet hat und es damit zum Selbstläufer wird.

Irrtum #8: Der Businessplan engt unnötig ein

Gerade Start-ups verstehen sich als schnell, flexibel und dynamisch. Papier auf der anderen Seite, so ein Sprichwort, ist geduldig. Wie löst man also diesen Widerspruch auf? Indem man ihn nicht als Widerspruch begreift. Auch wenn Start-ups in der Lage sind, auf Marktchancen schnell zu reagieren, heißt dies nicht, dass Ziele und Strategie in wöchentlichen Meetings über Bord geworfen werden sollten. Hierbei ist die Gefahr groß, statt des geplanten Schritts nach vorne zwei Schritte zurückzumachen. Und um sich nicht zu verzetteln, ist es hilfreich, einen regelmäßigen Blick in den Businessplan zu werfen.

Diesen Prozess haben auch wir durchgemacht. Man entdeckt als Unternehmer schnell neue Dinge, die man machen kann. Doch ebenso wichtig ist die Lektion, dass man eben nicht alles auf einmal machen kann. Es ist nicht der Businessplan, der uns als Unternehmer einengt, sondern die Ressourcen, die wir zu Verfügung haben. Das zwingt uns jedoch, uns zu fokussieren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Irrtum #9: Pivot first: ich probiere und lerne einfach aus meinen Fehlern

Diese Art zu lernen, ist sicherlich der teuerste Weg. Und aus unserer Sicht riskiert man, den gleichen Fehler auch mehrfach zu machen. Ein Pivot sollte nur auf der Basis gründlicher Analyse gemacht werden, sonst verfällt man schnell in puren Aktivismus (siehe Irrtum #9).

Irrtum #10: Ok, Banken wollen einen Businessplan, aber Investoren lesen diesen doch nicht

An dieser Stelle greifen wir auf den Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften zurück, der sich „als Stimme und Gesicht“ der Beteiligungsbranche versteht. Auf seiner Website nimmt er ausführlich Stellung zum Zweck und Aufbau eines Businessplans. Zusätzlich werden die häufigsten Gründe aufgelistet, warum ein Investor nicht in ein Start-up investiert. Die Top-4 sind:

  • Produkt bzw. Dienstleistung existiert bereits in eindrucksvoller Präsenz im anvisierten Markt
  • Break-even nur sehr langfristig realisierbar
  • Utopische Annahme zur Umsatz-/Ergebnisentwicklung
  • Ohne erkennbaren langfristigen Kundennutzen

In Summe sind dies somit Punkte, die im Businessplan aufbereitet werden. Dies gilt auch für den Punkt, der bei den Investoren als Grund ganz oben steht, wenn Sie ein Vorhaben weiterverfolgen: ein klar nachvollziehbarer Kundennutzen. Der Businessplan ist in der Regel nicht der erste Kontaktpunkt zum Investor. Hier stehen ein guter Pitch, die Executive Summary oder eine übersichtliche Präsentation im Mittelpunkt. Aber dann geht es an die Details – und die stehen wo?

Auf geht’s zum Businessplan

Bei der Erstellung des Businessplans gibt es auf Für-Gründer.de eine Reihe an praktischen Hilfsmitteln. Wir stellen Ihnen einerseits in unserer Businessplan-Vorlage die Struktur vor und erläutern Kapitel für Kapitel die zentralen Inhalte. Andererseits haben wir Tools erstellt, die Ihnen bspw. bei der Preisfindung, dem Marketingbudget und natürlich beim Finanzplan eine Menge Arbeit abnehmen.

Per Klick auf die nachfolgende Grafik gelangen Sie dann zu einer Infografik, die zehn wichtige Punkte für den Businessplan auflistet.

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Infografik: 10 Punkte für den Businessplan